Tierwohl und Grüne Woche Mit freiwilliger Verbindlichkeit und innovativer Forschung zu mehr Tierwohl

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Bundeslandwirtschaftsminister CSU

Expertise:

Christian Schmidt ist seit Februar 2014 Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft.

Statt auf gesetzliche Regelungen und Verbote sollten wir auf den Dialog mit allen Beteiligten, das Prinzip der freiwilligen Verbindlichkeit und tierfreundliche Alternativen setzen, sagt der Bundeslandwirtschaftsminister.

Mein Ziel ist es, dass Deutschland Vorreiter beim Tierwohl wird. Mit meiner vor einem Jahr gestarteten Initiative „Eine Frage der Haltung – neue Wege für mehr Tierwohl“ entwickeln wir tragfähige Lösungen für die Praxis. Dabei setze ich auf ein Zusammenwirken aus freiwilliger Verbindlichkeit, innovativer Forschung und – wo es notwendig ist – auf gesetzliche Regelungen. Denn: Ich bin überzeugt, dass wir im Dialog und im gemeinsamen Handeln mit allen Akteuren erfolgreicher sind als mit gesetzlichen Verboten.

Im Dialog und im gemeinsamen Handeln mit allen Akteuren sind wir erfolgreicher als mit gesetzlichen Verboten

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Wie funktioniert das Prinzip der freiwilligen Verbindlichkeit? Ein Beispiel: Gemeinsam mit der deutschen Geflügelwirtschaft habe ich einen festen Termin für das Ende des routinemäßigen Kürzens von Hühnerschnäbeln gesetzt: Ab August 2016 ist in deutschen Brütereien Schluss damit. Auch mit Schweine- und Rinderhaltern verhandeln wir über mehr Tierschutz. In der konventionellen Schweinehaltung ist es üblich, den Tieren die Schwänze zu kürzen, um Verletzungen durch gegenseitiges Schwanzbeißen zu vermeiden. Die Haltung und Aufzucht muss sich deshalb stärker an den Bedürfnissen der Tiere orientieren, so dass Schweine zukünftig mit Ringelschwanz gehalten werden können.

Was passiert, wenn wir alternativ das routinemäßige Kupieren der Ringelschwänze von jetzt auf gleich verbieten? Zum einen gefährden wir damit die Existenz deutscher Betriebe - sie können nämlich nicht innerhalb kürzester Zeit die Haltungsbedingungen umstellen. Zum anderen gehen wir das Risiko ein, dass kupierte Tiere aus dem Ausland nach Deutschland importiert werden. Unter dem Strich haben wir damit beim Tierwohl nichts gewonnen.

Für mehr Tierwohl müssen wir in die Forschung investieren, um praxistaugliche Alternativen zu entwickeln.

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Ein zweiter Baustein meiner Tierwohl-Offensive ist die Forschung – die Entwicklung praxistauglicher Alternativen, zum Beispiel beim Thema Eintagsküken. Mein Ziel ist es, dass das Töten männlicher Küken aus Legelinien ab 2017 ein Ende hat. Sowohl aus Tierschutz-Gründen als auch aus ethischer Sicht ist es unerträglich, dass jedes Jahr rund 45 Millionen männliche Küken getötet werden, nur weil sie das falsche Geschlecht haben. Derzeit arbeitet ein Forscherteam mit großer finanzieller Unterstützung meines Ministeriums an einer Methode, um das Geschlecht des Embryos im nur drei Tage bebrüteten Ei zu bestimmen. Sobald es diese praxistaugliche Alternative zum Kükentöten gibt, greift automatisch das Tierschutzgesetz, denn das schreibt vor: Kein Tier darf ohne vernünftigen Grund getötet werden. Auch in diesem Fall würde ein Verbot ohne Alternativen die Kükenproduktion lediglich ins Ausland verlagern, wo wir keinerlei Einfluss auf die Tierwohl-Standards bei der Produktion hätten.

Das Tierschutzgesetz in Deutschland gibt einen hohen Tierschutzstandard vor. Und wenn es doch Bereiche gibt, in denen ethisch nicht vertretbar gehandelt wird und der Gesetzgeber gefordert ist, werden wir aktiv. So habe ich einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht, durch den die Abgabe hochträchtiger Tiere zur Schlachtung verboten werden soll.

Wer beim Thema Tierwohl aber immer sofort nach dem Gesetzgeber ruft, muss bedenken, dass bei gesetzlichen Regelungen stets eine Abwägung mit den Grundrechten stattfinden muss, zum Beispiel im Hinblick auf die Eigentums- und Berufsfreiheit der Tierhalter. Das heißt konkret: Bis ein Verbot tatsächlich greift, vergehen oft viele Jahre, die den Tierhaltern als Übergangsfristen für Einschränkungen oder Veränderungen der Tierhaltung gewährt werden müssen. Das Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln hat der Bundestag zum Beispiel 2012 beschlossen, 2019 wird die Regelung in Kraft treten.

Tierwohl im Alleingang geht nicht, stattdessen müssen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verbraucher zusammenarbeiten

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Deswegen bin ich überzeugt: Tierwohl im Alleingang ist nicht möglich. Wirtschaft, Wissenschaft, Politik sowie Verbraucherinnen und Verbraucher sind allesamt gefordert. Mit meiner Politik will ich Tierwohl zum Qualitätsmerkmal unserer Erzeugnisse machen.

Den Tieren muss es in der Zukunft besser gehen, das darf aber nicht auf Kosten der Landwirte im Wettbewerb geschehen.

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Den Tieren muss es in der Zukunft besser gehen als heute, zugleich müssen sich aber unsere Landwirte im Wettbewerb behaupten können. Deshalb arbeiten wir an praxistauglichen Alternativen – und die entwickeln wir im Bereich der freiwilligen Verbindlichkeit gemeinsam mit der Forschung. Zudem müssen wir als Verbraucher akzeptieren, dass Lebensmittel zwar preiswert, aber nicht billig sein dürfen. Wir haben in Deutschland hochwertig erzeugte Lebensmittel. Die müssen uns Verbrauchern ihren Preis wert sein.

Die Verbraucher müssen akzeptieren, dass Lebensmittel zwar preiswert, aber nicht billig sein dürfen

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Vor allem in Deutschland, aber auch in der gesamten EU haben wir ein hohes Tierschutzniveau verglichen mit anderen Regionen der Welt. Dabei gibt es Aspekte, die wir noch verbessern müssen. Doch daran arbeiten wir bereits intensiv – auch gemeinsam mit meinen Kollegen in den Niederlanden, Dänemark und Schweden.

Ich finde es gut und richtig, dass Fragen des Tierwohls und der Ernährung breit diskutiert werden. Doch anstatt übereinander zu urteilen, sollten wir miteinander reden. Das Wissen übereinander sorgt auch für Verständnis füreinander. Denn nur so können sich die Ansprüche und Vorstellungen der Verbraucher wieder den tatsächlichen Begebenheiten und Herausforderungen der Tierhalter annähern. Nur so findet Landwirtschaft wieder in der Mitte der Gesellschaft statt – zum Wohle der Tiere!

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