Grüne Woche Deutschland ist beim Tierwohl international führend

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Präsident Deutscher Bauernverband

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Joachim Rukwied ist seit 2012 Präsident des Deutschen Bauernverbands. Rukwied übernahm 1984 den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb und baut heute Acker- und Feldgemüse sowie Wein an.

Viele Standardargumente gegen die Tierhaltung sind Stammtisch-Zerrbilder und halten einer faktischen Überprüfung nicht statt, sagt der Präsident des Deutschen Bauernverbands.

Nutztierhaltung ist elementarer und unverzichtbarer Teil der Landwirtschaft.

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Tierschutzfragen, Kritik an der Massentierhaltung, Tierrechte-Debatte und Veganismus – in der engagierten, manchmal aufgeheizten Diskussion um den Umgang mit Nutztieren geht häufig Grundlegendes verloren: Nutztierhaltung ist elementarer und unverzichtbarer Teil der Landwirtschaft! Das gilt in gleichem Maß für den Öko-Landbau und für die konventionelle Landwirtschaft. Tierhaltung schließt Nährstoffkreisläufe. Sie nutzt auch so genannte absolute Futtermittel wie beispielsweise Grünlandaufwuchs und Koppelprodukte aus der Lebensmittelverarbeitung und macht daraus hochwertige tierische Erzeugnisse. Zudem sind Kulturlandschaften häufig das Resultat von Landwirtschaft mit Tierhaltung. Schließlich ist die Nutztierhaltung von enormer wirtschaftlicher Bedeutung: Knapp die Hälfte des Produktionswertes der deutschen Landwirtschaft entfallen auf die tierische Erzeugung.

Bedenken gegen die Futtermittelproduktion werden übertrieben. 90 Prozent werden in Deutschland erzeugt.

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Gängige Vorwürfe aus der Tierhaltungsdebatte beruhen oftmals auf falschen Annahmen oder treffen auf unsere heimische Landwirtschaft nicht zu – hier sprechen die Zahlen für sich. Unsere Tierhaltung ist eine Domäne der Familienbetriebe. Rund 90 Prozent der Futtermittel, die unsere Nutztiere ernähren, stammen aus Deutschland und werden überwiegend von den tierhaltenden Betrieben selbst erzeugt.

Annahmen über den Einsatz von Feedlots, Wachstumshormonen und Leistungsförderern sind Stammtisch-Zerrbilder.

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Standards, gesetzliche Vorgaben, Kontrollen und das Veterinärwesen müssen den internationalen Vergleich nicht scheuen, sondern sind führend. Feedlots, Wachstumshormone und Leistungsförderer mögen als Zerrbilder am Stammtisch taugen, sind aber kein Thema für unsere Landwirte. Unser Markt ist der heimische und der europäische. Nur etwa 15 % der deutschen Agrarausfuhren gehen in Länder außerhalb von Europa.

Die Nutztierhaltung ist mit Begleitung von Wissenschaft, Forschung und Beratung kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert worden. Ziel war und ist es, Tiergesundheit und Tierwohl sowie ebenfalls die Ökobilanz und die Ressourceneffizienz zu verbessern. Natürlich geht es auch darum, Arbeitsbedingungen auf den Höfen zu optimieren und das wirtschaftliche Auskommen der Landwirte zu sichern. Dabei ist den Tierhaltern klar: Gute Leistung und Qualität erreichen nur gesunde Tiere. Schweine werden jetzt auf perforierten Böden in Ställen gehalten, die heller und besser klimatisiert sind und ein höheres Platzangebot für jedes Tier aufweisen als Stallbauten in früheren Jahren. In der Milchviehhaltung leben derzeit fast drei Viertel der Rinder in offenen Boxenlaufställen mit Bewegungsfreiheit und Massagebürsten. „Kuhkomfort“ ist ein gängiger Begriff der Stallbauer. Alle diese Punkte haben dazu geführt, dass sich unsere heimischen Erzeuger mit Qualität eine starke Position auf dem nationalen und dem europäischen Märkten erarbeitet haben.

Deutschland ist beim Tierwohl im internationalen Vergleich führend.

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Gleichzeitig ist der Umgang mit Nutztieren mit besonderer Verantwortung verbunden. Die Bauernfamilien arbeiten mit ihren Nutztieren, 365 Tage im Jahr. Sie beobachten, füttern, pflegen ihre Tiere, behandeln sie im Krankheitsfall gemeinsam mit dem Hoftierarzt und sichern bestmögliche Betreuung mit Hilfe moderner Stalltechnik. Wissen sowie eine gute Betreuung der Tiere sind Schlüsselfaktoren für eine fortschrittliche Tierhaltung. Dieses gelebte Verantwortungsbewusstsein muss den Mitbürgern vermittelt sowie offensiver und überzeugender in die Gesellschaft getragen werden. Dafür suchen die Landwirte das Gespräch mit den Verbrauchern und öffnen ihre Stalltüren, um Einblicke zu ermöglichen. Denn ungerechtfertigte oder überzogene Kritik entsteht meist aufgrund von Unkenntnis oder unvollständiger Information. Sicher, man wird nicht immer einer Meinung sein. Darum geht es auch nicht. Wichtig ist zu zeigen und zu vermitteln, wie wir Landwirtschaft betreiben und warum wir es so tun. Zur besonderen Verantwortung beim Umgang mit Nutztieren gehört aber ebenso, Missstände und offenkundige Verstöße gegen Tierschutzstandards nicht zu tolerieren und sich von einzelnen „schwarzen Schafen“ abzugrenzen. 

Die zum Teil sehr zugespitzte Diskussion über die heutige Tierhaltung irritiert viele Landwirte, weil die geäußerte Kritik allzu häufig nicht den tatsächlichen Verhältnissen auf den meisten Betrieben entspricht. Besonders bedenklich wird es, wenn regelrecht Kampagnen beispielsweise gegen den Neubau eines Stalles geführt werden, Brandanschläge stattfinden oder die Bauernfamilie bedroht wird.

Unabhängig davon ist die Verschiebung der Maßstäbe, mit denen die Gesellschaft Nutztierhaltung beurteilt, unübersehbar. Der wissenschaftliche Beirat des Bundeslandwirtschaftsministeriums diagnostiziert ein weitreichendes Unbehagen der Verbraucher gegenüber der Tierhaltung, bezweifelt deren Zukunftsfähigkeit und sieht großen Umstellungsbedarf. Der Beirat liegt damit falsch und richtig zugleich. – Richtig in der Problembeschreibung, der Folgenabschätzung ordnungsrechtlicher Eingriffe und der Analyse möglicher Instrumente. Falsch in der Schlussfolgerung „nicht zukunftsfähig“ und dem Ausblenden der realen Nachfrage.

Ein Dilemma ist, dass die deutsche Landwirtschaft mit Erzeugungsregionen konkurriert, die geringere Standards haben.

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Ein zentrales Dilemma besteht darin, dass die deutsche Landwirtschaft in offenen Märkten arbeitet und mit Erzeugungsregionen im Wettbewerb steht, die mit anderen Standards und weniger Auflagen arbeiten können. Solange Märkte und Verbraucher zusätzliche Standards nicht honorieren, ist das Resultat, dass sich die Tierhaltung in eben diese anderen Regionen verlagert. Beispiele für einen solchen Strukturwandel gibt es zuhauf. Die Einführung der Gruppenhaltung von Sauen hat gerade mittlere und kleine Betriebe aus der Tierhaltung gedrängt.

Wo geht also die Reise hin? Die Weiterentwicklung wird sich fortsetzen. Tierhaltung in Deutschland wird sich weiter verändern und an Märkten, Nachfrage und sich wandelnden Verbraucherwünschen ausrichten.

Entscheidend für den Zukunftserfolg ist die Annahme im Markt; sprich: Kaufen wir alle diese von uns gewünschten Produkte? Gute Tierhaltung erfordert angemessene Honorierung; letztlich entscheidet die tatsächliche Nachfrage. Deshalb müssen wir Wege finden, die Wünsche und Vorstellungen der Verbraucher und des Lebensmittelhandels in gemeinsamer Verantwortung in reale Nachfrage umzusetzen. Für diesen Weg steht die Initiative Tierwohl, die wir gemeinsam mit dem Lebensmitteleinzelhandel auf den Weg gebracht haben. Unser Ziel bleibt, das Tierwohl schrittweise in allen Nutztierställen weiter zu verbessern, zum Vorteil der Tiere, aber auch der Tierhalter und der Verbraucher.

1 Kommentar - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Freds Mite50
    Entfernt. Werbepost. /Die Redaktion