Cebit 2016: Wie schafft Deutschland mehr Start-ups? Start-up-Wissen ist da - umgesetzt wird es nicht

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Präsidiums-Mitglied Bitkom e.V.

Expertise:

Catharina van Delden ist CEO der innosabi GmbH, einer Crowdsourcing-Softwarefirma. Seit 2013 vertritt sie als Präsidiums-Mitglied des Bitkom e.V. die Interessen der ITK-Industrie.

Es gibt einen breiten Konsens darüber, was getan werden muss, damit es in Deutschland mehr Start-ups gibt: Wir brauchen mehr Geld für die Wachstumsphase. Die Politik könnte auch mit vielen weiteren Maßnahmen die Bedingungen für Gründerinnen und Gründer verbessern. Das Problem ist nur: Es bleibt zu oft bei Versprechungen.

Über die Hälfte der deutschen Unternehmen wird ihr Geschäftsmodell im Zuge der Digitalisierung ändern müssen, wie eine Bitkom-Umfrage ergeben hat. Was heißt das in der Praxis? Ein Automobilzulieferer, der derzeit Autoschlüssel an seine Kunden liefert, weiß ganz genau, dass dieses Geschäftsmodell nicht mehr dauerhaft tragen wird. Schlüssel verschwinden, nicht nur beim Auto. Die einzige Lösung ist die rechtzeitige Umstellung auf andere, auf digitale Produkte – vom Fingerabdruck-Scanner bis zur Schlossöffnungs-App.  Um diese digitale Transformation zu gestalten, muss es uns gelingen, dass die Global Player in unseren Leitindustrien mit dem Mittelstand und ganz besonders mit innovativen Start-ups zusammenarbeiten. Auf der Cebit in Hannover, die am Montag eröffnet, stellen sich Start-ups den Großunternehmen in einer eigenen Halle vor, auch erfolgreiche Kooperationen werden dort präsentiert. Doch insgesamt brauchen wir dazu mehr Start-ups. Wir müssen es schaffen, dass Start-ups schnell genug wachsen und international expandieren können. Und Ziel muss auch sein, dass führende Start-ups aus der ganzen Welt zu uns kommen und unserer Wirtschaft die notwendigen digitalen Impulse geben

Wenn wir mehr Start-ups in Deutschland haben wollen, müssen wir die Wachstumsfinanzierung von Start-ups verbessern.

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Gerade bei Beträgen über einer Million Euro haben es deutsche Gründer immer noch sehr schwer, an Geld zu kommen. Statt selbst zu wachsen und das Start-up zum internationalen Erfolg zu führen, steht am Ende noch zu oft der sehr frühe Verkauf. Ein ganz entscheidender Schritt auf diesem Weg ist ein Venture-Capital-Gesetz, das  ist für die Wachstumsfinanzierung enorm wichtig, doch außer Ankündigungen passiert hier nichts. Und ohne ein solches Gesetz wird es unter anderem auch schwer werden, mehr internationales Wagniskapital nach Deutschland zu holen. Es sollte hier in der Politik nicht nur bei Ankündigungen oder Versprechen bleiben.

Die Politik muss Wort halten – und die im Koalitionsvertrag versprochenen Verbesserungen für Start-ups zügig umsetzen.

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Ein Blick auf die 30 im Koalitionsvertrag und im Laufe der Legislaturperiode angekündigten Einzelmaßnahmen, von denen Start-ups oder Gründer direkt profitieren würden, zeigt: Erst acht von ihnen sind umgesetzt worden, bei zehn Projekten ist dagegen noch überhaupt nichts passiert. Und Bundeskabinett hat mit dem Eckpunktepapier Wagniskapital zwar wieder einmal wichtige Ankündigungen gemacht, konkrete Verbesserungen für die Start-up-Finanzierung gibt es aber noch nicht. Es bleibt leider dabei: Beim Thema Start-ups hat Deutschland kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem.

Jedes Gesetz sollte auf Start-up-Tauglichkeit überprüft werden.

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Die Politik muss für die richtigen Rahmenbedingungen sorgen – und darf es Start-ups nicht ständig schwerer machen. Dabei bleiben nicht nur für Start-ups wichtige Gesetze aus, sondern es werden zugleich Gesetze verabschiedet, die es Start-ups in Deutschland eher schwerer machen. So wurde zwar mit dem Kleinanlegerschutzgesetz der angekündigte Rechtsrahmen für Crowdfunding geschaffen, für Start-ups haben sich die Bedingungen dadurch aber eher verschlechtert. Und beim ersten Entwurf zur geplanten Reform von Arbeitnehmerüberlassung und Werkverträgen zeichnet sich ebenfalls ab, dass es für Start-ups schwieriger wird, externe Spezialisten zu beschäftigen. Gesetze und Initiativen der Politik  müssen vor der Umsetzung einem Start-up-Check unterzogen werden.

Die Gründungsphase muss entbürokratisiert werden

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Das kostet fast nichts – ebenso wenig wie Verwaltungsaufgaben und gesetzliche Auflagen für Start-ups in den ersten vier Jahren auf ein unverzichtbares Minimum zu begrenzen. Dazu gehört auch, in diesem Zeitraum auf alle nicht zwingend notwendigen Gebühren und Zwangsmitgliedschaften verzichten. Damit wäre sichergestellt, dass wirklich alle Ressourcen zur Entwicklung des Produktes und Erschließung des Marktes zur Verfügung stehen.

Der Staat sollte vorangehen und Start-ups direkt unterstützen, wo er es kann: bei öffentlichen Ausschreibungen.

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Jedes Start-up steht vor der Herausforderung, potenziellen Kunden zu belegen, was sie leisten können. Da geht es um Umsatz, da geht es um Referenzkunden, da geht es um vorzeigbare  Projekte. Denn jedes Unternehmen, das Geschäfte mit Start-ups macht, muss eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen. Da stellt sich eine einfache Frage: Wieso kann die Politik an dieser Stelle nicht mit gutem Beispiel vorangehen? Warum kann die öffentliche Verwaltung nicht Vorreiter sein und bei Vergabeprozessen ganz gezielt auch Start-ups ansprechen und Ausschreibungen entsprechend gestalten? Das wären ganz konkrete Schritte, bei denen die Politik nicht nur Rahmenbedingungen verändern würde, sondern selbst aktiv werden könnte. Und dass, ohne einen zusätzlichen Euro aus Steuermitteln ausgeben zu müssen.

--- Dieser Text ist Teil unserer Debatte zu der Frage, wie die Bedingungen für Start-ups in Deutschland verbessert werden können. Hier finden Sie eine Infografik, die einen Überblick über die wichtigsten Argumente gibt und zeigt, wer wem in argumentativ nahe steht.

--- Weitere Leseempfehlungen der Redaktion zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Debattenthemen finden Sie hier.

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