Cebit 2016: Wie schafft Deutschland mehr Start-ups? Migranten gründen häufiger. Helfen wir ihnen, Start-up Unternehmer zu werden!

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Wirtschaftspolitischer Sprecher Bündnis 90/Die Grünen

Expertise:

Dieter Janecek ist seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages und wirtschaftspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen. Er ist u.a. Mitglied in den Ausschüssen Wirtschaft/Energie und Digitale Agenda. Der bayerische Bundestagsabgeordnete ist außerdem einer der Koordinatoren des Realo-Flügels der Partei.

Deutschland könnte und sollte besser sein, wenn es um die Zahl von neuen Geschäftsgründungen geht. Das kann auch gelingen, indem Migranten gezielt in der Selbstständigkeit gefördert werden.

Start-Ups machen sich meist mit neuen Ideen auf den Weg, bringen frischen Wind in verkrustete Systeme und sind oftmals Denkräume für innovative Geschäftsmodelle. So sind Gründer und Gründerinnen neben ihrem wirtschaftlichen Potenzial auch wichtige Treiber, wenn es um ökologische und soziale Innovationen geht. Deutschland könnte und sollte besser sein, wenn es um die Zahl von neuen Geschäftsgründungen geht.

Damit Gründer und Gründerinnen ein Start-Up in Deutschland aufbauen, benötigen sie die entsprechende Finanzierung. Hier können in der Gründungsphase Förderprogramme helfen, die Geld und Expertise zur Verfügung stellen. Letztlich ist ein Unternehmen auf Kapital angewiesen, um seine Geschäftsidee mittel- und langfristig umzusetzen. Hierfür müssen wir die Eigenkapitalkultur in Deutschland fördern.

Bürger sollten kostengünstiger und effizienter in Fremdkapital investieren können.

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Die Unternehmensfinanzierung durch Eigenkapital muss attraktiver werden. Zugleich müssen die Bedingungen für Fremdkapital verbessert werden, um ihre Potenziale für die Finanzierung von Unternehmen besser zu nutzen. Hier könnten Verbesserungen helfen, die es Bürgern ermöglichen, kostengünstiger und effizienter in Fremdkapital zu investieren. Als positives Beispiel zählt in diesem Zusammenhang Schweden: Mit seinem Bürger-Fonds finanziert es die erfolgreichste Gründerszene in Europa.

Um die Hemmschwelle für Start-Ups zu senken und die Zeitspanne bis zur Unternehmensgründung zu verkürzen, müssen wir dringend den bürokratischen Aufwand für Gründer und Gründerinnen senken.

Der bürokratische Aufwand für Gründer und Gründerinnen könnten durch One-Stop-Shops gesenkt werden.

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Ein sogenannter One-Stop-Shop scheint hierfür die ideale Lösung zu sein. Start-Ups könnten bei einer Behörden-Anlaufstelle sämtliche Beratungsleistungen und bürokratischen Anforderungen erledigen, statt im Bürokratie-Dschungel unnötig aufgehalten zu werden.

Bundesweite Gründungszentren sollten als Anlaufstelle und Austauschplattform aufgebaut werden.

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Zudem braucht es bundesweit Gründungszentren, die eine Anlaufstelle für potenzielle Gründer bieten und gleichzeitig als Austauschplattform genutzt werden können. Zur Entwicklung von Ideen braucht es gedankliche Freiräume und ebenso passende Räumlichkeiten. So könnten technisch vollwertig ausgestattete Büro- und Laborräume zukünftige Gründer ihrer Innovationsphase unterstützen. So lassen sich niedrigschwellig Unternehmergeist und Kreativität fördern.

Nicht zuletzt kann eine stärkere Kooperation und Zusammenarbeit von Universitäten und Unternehmen auf unterschiedliche Weise fruchtbar sein. Durch den Austausch werden kreative Ideen auf ihre Praxistauglichkeit und Marktreife geprüft. Und die Studierenden haben bereits während der Studienzeit die Möglichkeit, sich mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu beschäftigen.

Migrant*innen, die sich durch Selbständigkeit eine Perspektive erarbeiten wollen, sollten gefördert werden.

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Bereits heute hat etwa ein Fünftel der Gründer und Gründerinnen einen Migrationshintergrund. Migranten gründen wesentlich häufiger ihr eigenes Unternehmen. Sicherlich teilweise auch, weil sie sich auf dem Arbeitsmarkt oftmals schwerer tun eine Angestellten-Tätigkeit zu erlangen. Nichtsdestotrotz sollte ihr Gründer-Engagement gefördert werden, damit sie nachhaltig und erfolgreich ihr eigenes Unternehmen führen können. Hierfür braucht es eine gezielte Beratung und Unterstützung in der Kommunikation mit Behörden. Außerdem muss ihr Zugang zum Kreditmarkt sowie zu Wirtschaftsverbänden und -gremien verbessert werden.

Es ist davon auszugehen, dass Migranten häufig Unternehmen in Branchen mit geringer Kapitalintensität gründen. Daher ist ihr Finanzierungsbedarf meist eher gering und bewegt sich im Mikrofinanzierungsbereich unterhalb von 25.000 Euro.

Sinnvoll wäre eine spezielle Existenzgründungsförderung für Migranten, die auf ihre Bedürfnisse eingeht.

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Mit einer speziellen Existenzgründungsförderung, die auf ihre spezifische Situation und Bedürfnisse eingeht, könnten Migranten gezielt unterstützt werden. Da sich Kleinkredite für herkömmliche Kreditinstitute wegen hoher Fix- und Prozesskosten im Prüfungsaufwand eher nicht lohnen, muss der Zugang zu Finanzierungs- und Fördermitteln über regionale Kooperationen zwischen Kreditinstituten und Gründungsinitiativen gefördert werden. Lohnenswert wäre ebenfalls zu prüfen, inwieweit durch eine Kombination aus Haftungsübernahme durch die KfW bei Kreditausfällen und durch finanzielle Förderung von Kooperationen regionaler Gründungsinitiativen mit Banken, eine Gründungsfinanzierung für Migranten geschaffen werden könnte.

Um Deutschland zum Gründer-Land zu machen, braucht es neben den beschriebenen politischen Rahmenbedingungen letztendlich auch einen kulturellen Wandel. Menschen müssen neben innovativen Ideen – an denen es nicht mangelt – auch Freude und eine Portion Mut haben, ein Unternehmen zu gründen.

Wir brauchen eine Kultur, die offen und konstruktiv mit dem Thema Scheitern umgeht.

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Und da Unternehmensgründung auch immer ein Risiko birgt, würde uns eine Kultur helfen, die offen und konstruktiv mit dem Thema Scheitern umgeht. So dass sich zukünftig mehr kreative und innovative Köpfe trauen mit ihrer Idee ein Unternehmen zu gründen.

--- Dieser Text ist Teil unserer Debatte zu der Frage, wie die Bedingungen für Start-ups in Deutschland verbessert werden können. Hier finden Sie eine Infografik, die einen Überblick über die wichtigsten Argumente gibt und zeigt, wer wem in argumentativ nahe steht.

--- Weitere Leseempfehlungen der Redaktion zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Debattenthemen finden Sie hier.

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