Start-ups in Deutschland Eine Wunschliste für das Start-up-Wachstum

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CEO KIWI.KI GmbH

Expertise:

Christian Bogatu ist Unternehmer mit Fokus auf Hardware Start-ups. Er ist Mitgründer und Geschäftsführer Produkt, Vertrieb und Marketing der KIWI.KI GmbH, die das schlüssellose Türzugangssytem KIWI entwickelt und betreibt. Er hat außerdem Kirsen Global Security mitgegündet, ein Unternehmen für Sicherheitstechnik in der Logistikindustrie. Know-how in den Bereichen Strategie und Unternehmensführung erwarb sich Bogatu unter anderem in fünfjähriger Tätigkeit als Unternehmensberater bei McKinsey & Company.

Erleichterungen beim Mindestlohn, eine Start-up-Quote bei kommunalen Aufträgen und eine einfache Möglichkeit der Beteiligung von Mitarbeitern: Bei der Förderung der Start-up-Szene in Deutschland ist noch Luft nach oben.

Es ist schön zu beobachten, dass in Berlin alle Grundlagen für erfolgreiches Wachstum von Startups vorhanden sind. Es gibt viele mutige und auch erfahrene Gründer, viele tolle Ideen in den unterschiedlichsten Bereichen und ein gutes Netzwerk an Gründern und Investoren. Zudem kommt Unterstützung aus der Politik sowie von Unternehmen wie Berlin Partner.

Besonders förderlich ist es, dass viele bereits erfolgreiche Gründer der Szene erhalten bleiben und ihr verdientes Geld wieder in neue Startups investieren. Verglichen mit dem Silicon Valley sind die verfügbaren Gelder aber immer noch sehr begrenzt. Das liegt aber einfach daran, dass es vergleichsweise noch wenige große Exits gab. Dies wird sich aber sicherlich mit der Zeit deutlich verbessern.

Fehlende Finanzierung ist aber generell ein Problem – insbesondere für later stage Finanzierungen, um das Wachstum nach erfolgreichem Markteintritt zu beschleunigen und Finanzierungsrunden oberhalb der 10 Millionen Euro. Aber hier gibt es einige neue Venture-Capital-Funds, die genau diese Lücke schließen wollen.

Lieber "bootstrappen" und ohne externes Geld auskommen - als mit der bloßen Idee versuchen, Geldgeber zu überzeugen. 

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Ich würde jedem raten, so lange wie möglich mit gar keinem externen Geld zu arbeiten, sondern lieber „auf kleiner Flamme“ ein Minimalprodukt zu bauen und erste Vertriebserfolge oder Partnerschaften zu erzielen. Mit diesem sogenannten „bootstrapping“ erreicht man idealerweise bereits Meilensteine, die die Kapitalsuche um ein Vielfaches erleichtern. Die Zeit der Gründer ist somit viel besser eingesetzt, als dass man mit der bloßen Idee versucht, Geldgeber zu überzeugen. Förderprogramme, wie „EXIST“ helfen sicherlich in der Anfangsphase dabei.

Wenn die ersten Erfolge vorliegen, würde ich immer raten, Business Angels über Wandelanleihen („Convertible Loans“) ins Boot zu holen. Diese Angels sollten aber nicht nur Geld geben, sondern vor allem guten Rat und gute Kontakte.

Die Wachstumsfinanzierung sollte dann von VC Geld finanziert werden. Corporates als Investoren kann man ruhig mit in den Investorenkreis nehmen, allerdings sollte deren Anteil an der Firma möglichst sehr gering bleiben, um nicht Probleme mit weiteren Finanzierungsrunden oder einem Exit hervorzurufen.

Und vielleicht sollten etablierte Unternehmen, anstatt weitere „Corporate Incubators“ ins Leben zu rufen, lieber mehr Geld in VC-Unternehmen stecken (als „Limited Partners“) - damit diese wiederum mehr Startups finanzieren können und auch genügend Reserven für weitere Finanzierungsrunden ihrer Portfoliounternehmen vorhalten können.

Daneben könnte ich mir eine ganze Reihe an Maßnahmen vorstellen, die von der Politik umgesetzt werden sollten:

Erfolgversprechend wäre ein offizieller Auftrag an die kommunalen Unternehmen, verstärkt mit Startups zu arbeiten. 

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Dadurch soll die Angst davor genommen werden. Man könnte auch an eine Art "Quote" bei Aufträgen denken, die nicht bindend ist, aber eine Zielmarke sein sollte.

 Zudem braucht es Lockerungen im Ausschreibungsrecht für Innovationen. Wir erleben bei vielen kommunalen Gesellschaften, dass sie ausschreiben müssen, obwohl es keine anderen Anbieter gibt, die das gleiche anbieten. Reiner Formalismus, aber niemand traut sich, die Entscheidung zu treffen, auf eine Ausschreibung zu verzichten - was in Ausnahmefällen jedoch möglich wäre.

Wir benötigen außerdem eine einfache Möglichkeit zur Beteiligung von Mitarbeitern an Startups. 

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Notwendig wäre es dazu, die Besteuerung zum Zeitpunkt der Beteiligung abzuschaffen und auf den Veräußerungszeitpunkt abzustellen - also den Zufluss. Den Umweg über virtuelle Employee Stock Ownership Plans verstehen die Mitarbeiter nicht und es kommt ihnen nicht werthaltig vor.

Startups sollten Erleichterungen beim Mindestlohn erhalten - das gilt auch für Praktika über drei Monaten.

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Bei der Verfügbarkeit von bezahlbarem Büroraum gibt es ebenfalls noch Verbesserungsbedarf.

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So ließe sich die Startup-Szene in Deutschland noch weiter beflügeln.

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