Fracking in Deutschland Wer für Erdgas ist, kann nicht gegen Fracking sein

Bild von Ritva Westendorf-Lahouse
Leiterin der Unternehmenskommunikation ExxonMobil Production Deutschland GmbH

Expertise:

Leiterin der Unternehmenskommunikation

Erdgas wird im Energiemix noch auf Jahrzehnte eine wichtige Rolle spielen - und dafür ist das Fracking-Verfahren nötig. Anders als oft behauptet, ist es keine Hochrisikotechnologie. Im Gegenteil. Es wird in Deutschland seit den 1960er Jahren eingesetzt, ohne einen Umweltschaden herbeigeführt zu haben. Die Industrie hat auf wichtige Vorwürfe reagiert und beispielsweise eine Frackingflüssigkeit entwickelt, die weder giftig noch umweltgefährlich ist und zudem biologisch leicht abbaubar. Ein Praxistest wird aber von der Politik verzögert. Je länger es an rechtlicher Klarheit mangelt, desto größer wird die Abhängigkeit von Importen aus dem Ausland. 

Es ist einfach ein gutes Gefühl, Umweltschützer zu sein. Viel besser als Umweltsünder. Nicht zuletzt deshalb entscheiden sich viele für ein Erdgas-betriebenes Fahrzeug. „Ich fahre mit Erdgas“ ist ein Statement, das man sich gerne auf das Auto klebt. Und wer als Reeder Gutes für die Umwelt tun will, der stellt seine Flotte von Schwerdiesel auf Erdgas um. Positive Presse ist ihm sicher. Nicht zu unrecht. Denn unter den Fossilen ist Erdgas Klassenprimus, und da auch die größten Energiewende-Optimisten nicht davon ausgehen, dass die Welt kurz- oder mittelfristig zu 100% auf Erneuerbare wird setzen können, bleibt Erdgas auf lange Sicht eine feste Größe gerade auch im deutschen Energiemix. 

Wer für Erdgas ist, kann nicht gegen Fracking sein. Egal, ob es um Importe oder heimische Quellen geht. 

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Wenn doch da nur dieses „Fracking“ nicht wäre... Worum geht es? Fracking steht für eine Technologie, die weltweit seit den 1940er Jahren eingesetzt wird, um Erdgasvorkommen nutzbar zu machen. Auch Deutschland hat damit Jahrzehnte Erfahrung. Seit den 1960er Jahren ist es ohne einen Umweltschaden mehrere hunderte Male eingesetzt worden. Ein Drittel des heimischen Erdgases gehen auf das Verfahren zurück. Damit entspricht die Menge des „Fracking-Gases“ fast dem Beitrag, den die Sonnenenergie zur Deckung des Primärenergiebedarfs leistet. So unbequem es sein mag: Wer mit Erdgas heizt  (und das ist hierzulande jeder 2. Haushalt) heizt auch mit Fracking – und wer mit Erdgas fährt, fährt eben auch mit Fracking. „Erdgas hui, Fracking pfui“ ist Augenwischerei. Wer für Erdgas ist, kann nicht gegen Fracking sein, und das gilt unabhängig davon, ob es um Importe oder heimische Quellen geht.

Fracking ist seit 1961 Realität in Deutschland und leistet bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Aber ist das nicht gefährlich? Was ist vor allem mit dem Schutz des Trinkwassers? Alle Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Fracking – wie jede andere industrielle Tätigkeit und jede Form der Energiegewinnung auch – Risiken birgt, diese jedoch beherrschbar sind, wenn bestimmte Rahmenbedingungen eingehalten werden. Das gilt sowohl für Fracking in den Gesteinsschichten, in denen Deutschland schon zig Jahre Erfahrung hat, als auch für wissenschaftlich begleitete Pilotprojekte in so genanntem Schiefergestein. Die öffentliche und politische Debatte aber spiegelt das nicht wider. Es wird alles dafür getan, der Industrie das Leben so schwer wie möglich zu machen. Ganz gleich, wie kompromissbereit sie sich zeigt, welche Fortschritte sie vorweist und welche Zugeständnisse sie macht: Kaum ist ein Punkt ausgeräumt, wird das nächste Schreckensszenario gezeichnet.

Für Schiefergas stehen giftfreie Fracking-Flüssigkeiten zur Verfügung.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Ein Beispiel: „Kein Gift in unserer Erde!“ Immer wieder haben Kritiker von der Industrie verlangt, die Fracking-Flüssigkeiten giftfrei zu machen. Und wir haben unsere Hausaufgaben gemacht: Die für das deutsche Schiefergas entwickelten Flüssigkeiten bestehen zu 99,8 Prozent aus Wasser. Hinzukommen nur noch zwei Additive, beide sind weder giftig noch umweltgefährlich, und beide sind biologisch leicht abbaubar. Wird das etwa honoriert? Nein. Über die Fracking-Flüssigkeiten wird öffentlich schlicht nicht mehr gesprochen. Oder – um es noch absurder zu machen – es wird der Spieß schlicht umgedreht: Da wir trotz eines bestehenden Rechtsrahmens keine Genehmigungen erhalten, können wir den Nachweis nicht führen, dass diese neu entwickelten Fracking-Flüssigkeiten in der Praxis auch tatsächlich funktionieren. Anderes Beispiel: Flächenbedarf. Kein anderer Energieträger braucht so wenig Fläche wie Erdgas, das gilt auch für Schiefergas. Trotzdem werden Kritiker nicht müde, Schreckensbilder verwüsteter Landschaften zu zeichnen, die mit der Realität hierzulande nichts zu tun haben. Ganz zu schweigen davon, dass zum Beispiel beim Schiefergas auch kein Lagerstättenwasser zu erwarten ist.

Natürlich: Auch Jahrzehnte ohne Umweltschaden sind keine Legitimation dafür, sich nicht weiter zu entwickeln. Aber klar ist auch: Fracking ist gerade keine Hochrisikotechnologie, im Gegenteil. Sogar die heimischen Wasserversorger stellen sich gerade nicht bedingungslos gegen die Technologie. In einer gemeinsamen Position innerhalb des Gas- und Wasserverbandes bdew wird klargestellt, dass unter Einhaltung von Vorsichtsmaßnahmen beides vereinbar ist: Trinkwasserschutz und Erdgasförderung, auch mit Fracking.

Erdgas wird noch über Jahrzehnte eine wichtige Rolle im Energiemix spielen.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Aber geht es wirklich um die Frage, ob Fracking sicher ist? Häufig hören wir, Fracking sende „das falsche Signal“ – im Lichte von Energiewende und Dekarbonisierungsbemühungen. Es ist keine Frage, dass der Ausbau der Erneuerbaren voranschreiten muss, es ist aber auch Tatsache, dass im Energiewende-Land Deutschland auch heute noch drei Viertel des Energiebedarfs durch Fossile gedeckt werden. Energie ist mehr als nur Stromerzeugung und Erdgas wird über Jahrzehnte noch eine wichtige Rolle spielen. Deutschland hat herausragendes Know How, höchste Standards und ein erhebliches Potenzial, einen wichtigen Anteil seines Erdgasbedarfs aus eigenen Quellen zu decken. Rechnerisch sind dies bis zu 30 Jahre des gesamten Erdgasbedarfs. Diese Chance sollte es verantwortlich nutzen.

Wenn die Politik nicht bald Rechtssicherheit schafft, steht die deutsche Erdgasförderung auf dem Spiel.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Trotzdem warten alle Beteiligten nun schon seit Jahren darauf, dass Rechts- und Planungssicherheit wiederhergestellt werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik sich nun einen Ruck gibt und endlich eine Entscheidung trifft. Wenn nicht, ist auch das eine Entscheidung; eine Entscheidung gegen heimisches Erdgas und eine Entscheidung für 100% Importabhängigkeit bei einem der wichtigsten Energieträger im deutschen Energiemix. 

Sie können an dieser Stelle derzeit keinen Kommentar schreiben.