Fracking in Deutschland Trinkwasserressourcen vor Risiken durch Fracking wirksam schützen

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Vizepräsident Verband kommunaler Unternehmen (VKU)

Expertise:

Dr. Michael Beckereit ist Vizepräsident des VKU und Geschäftsführer von Hamburg Wasser. Er hat an Stellungnahmen des VKU zum Thema Fracking maßgeblich mitgearbeitet. Zudem ist der studierte Siedlungswissenschaftler Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft und der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches sowie Vorsitzender des Vorstands von German Water Partnership e. V.

Trinkbares Wasser ist die Grundlage unseres Lebens. Gutachten belegen: Fracking birgt erhebliche Risiken für diese einzigartige Ressource - durch Bohrungen an sich, aber auch durch die Verwendung gefährdender Chemikalien, erhöhtem Transportaufkommen und der Entsorgung von belastetem Tiefenwasser. Wir brauchen deshalb jetzt ein „Wasserschutzgesetz“, das unsere Trinkwasserressourcen vor negativen Auswirkungen solcher Vorhaben wirksam schützt. Der bisherige Rechtsrahmen für Fracking leistet dies nicht. Der Gesetzesvorschlag der Bunderegierung geht bei allem Nachbesserungsbedarf in die richtige Richtung. Das parlamentarische Verfahren dazu muss jetzt beginnen. Wir dürfen keine Zeit verlieren. 

Trinkbares Wasser ist die Grundlage unseres Lebens. In Deutschland können wir es bedenkenlos trinken – ein Verdienst der über 6000 kommunalen Wasserversorger in Deutschland. Sie liefern nicht nur verlässlich unser Trinkwasser, sondern achten auch sehr genau darauf, dass die strengen qualitativen Vorgaben eingehalten werden. Der Schutz unserer natürlichen Trinkwasserressourcen steht für uns daher an erster Stelle. Dieser Schutz muss in einem hochindustrialisierten und verhältnismäßig dicht besiedelten Land allerdings immer wieder verteidigt werden. Denn die Nutzung unserer Wasserschutzgebiete weckt viele Begehrlichkeiten. Zu diesen Nutzungen gehören nicht nur oberflächige Tätigkeiten, wie eine intensive Landwirtschaft, sondern auch Bergbautätigkeiten. Tiefenbohrungen, die durch unsere Grundwasserleiter gehen, bergen immer ein potenzielles Risiko. Gleiches gilt für flächenmäßige Schiefergasförderung mit hydraulischer Stimulierung, dem sogenannten Fracking. Dieses ist in Deutschland nicht erprobt.

Bohrungen durch unsere Grundwasserleiter bergen immer ein Risiko für die Trinkwasserressourcen

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Wir haben zu Beginn der Diskussion um die Gewinnung unkonventioneller Gasvorkommen in Deutschland die Erfahrung gemacht, dass sowohl Wasserbehörden als auch Kommunen nur unzureichende Kenntnisse über die Dimension der geplanten Bohrungen hatten. Die kommunalen Trinkwasserversorger waren über die Vorhaben nicht informiert, obwohl Felder genehmigt wurden, die auch Wasserschutzgebiete umfassten. Die Wasserwirtschaft hat nach Bekanntwerden der Pläne als eine der Ersten kritische Fragen über die Umweltauswirkungen gestellt. Alles in Allem war die Situation von fehlender Information und Unsicherheit geprägt.

Die verschiedenen wissenschaftlichen Gutachten haben die Vorbehalte der kommunalen Trinkwasserversorger bestätigt. Alle Gutachter benennen Risiken bei der Aufsuchung und Gewinnung unkonventioneller Gase, wie Schiefergas. Dabei geht es nicht nur um die Gewinnungstechnik. Betrachtet werden müssen sämtliche Umwelteinwirkungen, die mit einer großflächigen Gasförderung verbunden wären, zum Beispiel der Einsatz von wassergefährdenden Chemikalien, das Transportaufkommen oder die Entsorgung der zum Teil hoch belasteten Abfälle. Bei unserem wichtigsten Lebensmittel sind dies zum jetzigen Zeitpunkt zu viele Unsicherheiten und damit zu viele Risiken. Denn verunreinigte Trinkwasserressourcen sind für immer oder zumindest für lange Zeit verloren. Das sollten wir nicht aufs Spiel setzen.

Die Trinkwasserressourcen sind bislang nicht ausreichend vor den Risiken durch Fracking-Vorhaben geschützt 

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Die Aufsuchung und Gewinnung von Bodenschätzen aus unkonventionellen Lagerstätten mithilfe des Fracking-Verfahrens muss daher dringend gesetzlich geregelt werden. Die kommunale Wasserwirtschaft setzt sich nachdrücklich für ein „Wasserschutzgesetz“ ein. Dieses Gesetz muss sicherstellen, dass unsere Trinkwasserressourcen vor den negativen Auswirkungen von Fracking-Vorhaben geschützt sind. Der bestehende Rechtsrahmen für Fracking gewährleistet diesen Schutz nicht. Der durch das Bundeskabinett vorgelegte Entwurf für ein Gesetzespaket geht aus unserer Sicht aber mit den vorgesehenen Verbotszonen, in denen Fracking nicht gestattet ist, in die richtige Richtung. Jetzt müssen die Fraktionen auch noch den letzten Schritt gehen. Und hierbei geht es auch um Schnelligkeit: Auch wenn weiterhin Nachbesserungsbedarf zum Beispiel hinsichtlich der Aufnahme von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten für die öffentliche Trinkwasserversorgung in die Liste der Verbotszonen oder der Regelungen zu Probebohrungen besteht, spricht sich die kommunalen Wasserwirtschaft für eine zügigen Fortgang des Gesetzgebungsverfahrens im Bundestag aus.

Das Thema Fracking droht ansonsten erneut in den anstehenden Wahlkämpfen stecken zu bleiben. Gleichzeitig werden laufende Frackingvorhaben weiterhin nach bestehendem Bergbaurecht behandelt. In Hamburg ergibt sich daraus eine konkrete Betroffenheit: Die von einem Förderunternehmen beantragte Erkundungserlaubnis im Aufsuchungsgebiet Vierlande ist Ende Dezember 2015 ausgelaufen. Das bedeutet, das Unternehmen kann nun in das Betriebsplanverfahren übergehen. Damit könnte es auch zu Aufsuchungsbohrungen in einem bestehenden Wassereinzugsgebiet kommen, da das Erkundungsfeld Vierlande Überschneidungen mit den Wassereinzugs- und -schutzgebieten der Werke Süderelbmarsch und Curslack aufweist. Erst mit der neuen Gesetzgebung wären Wasserschutzgebiete und Einzugsgebiete verlässlich ausgenommen. Daher ist der Kompromiss, den der jetzige Kabinettsentwurf darstellt, besser als die heutige Situation, in der eine neue Technologie einer veralteten Gesetzeslage gegenüber steht.

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