Fracking in Deutschland Fracking: Keine Technik, die begeistert

Bild von Daniel Hiß
Koordinator des DNR-Projekts Reform des Bundesberggesetzes Deutscher Naturschutzring (DNR)

Expertise:

Daniel Hiß ist Koordinator des DNR-Projekts Umwelt- und Ressourcenschutz und Reform des Bundesberggesetzes.

Trotz des Klimavertrags von Paris hält die Bundesregierung an ihrem umstrittenen Fracking-Gesetz fest. Damit sendet sie ein fatales Signal: Statt konsequenten Klimaschutz zu betreiben, setzt sie weiterhin auf klimaschädliche fossile Energieträger und will einer Technik den Weg bereiten, die mit großen Risiken für Umwelt und Menschen verbunden ist.

Im Sommer 2014 legten Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (beide SPD) ein gemeinsames Eckpunktepapier vor. Ziel der beiden Minister war es, den Einsatz von Hydraulic Fracturing zur Förderung von Erdöl und Erdgas in Deutschland zu regulieren. Nach einem vergeblichen Versuch der schwarz-gelben Vorgängerregierung, versuchte sich nun also auch die große Koalition an einer gesetzlichen Regelung des umstrittenen Fracking. Gabriel und Hendricks versprachen sogar das strengste Fracking-Gesetz der Welt. Der finale Gesetzesentwurf überzeugte dann aber nicht: Die Fronten zwischen Befürwortern und Kritikern der Technik bleiben verhärtet, eine Einigung zum Gesetzesentwurf steht noch aus.

USA sind Fracking-Vorreiter aber auch ein abschreckendes Beispiel für Vorhaben in Deutschland

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Ein Blick in die USA zeigt auf, worin diese Fronten begründet liegen: Seit Beginn der 2000er Jahre erlebt die amerikanische Erdöl- und Erdgasindustrie einen regelrechten Förderboom, die Preise für Erdöl und Erdgas sanken drastisch und die USA sind inzwischen unabhängig von Gas- und Ölimporten. Diese Hoffnung verbinden nun auch hierzulande Fracking-Befürworter mit einem verstärkten Einsatz der Technik. Für Fracking-Gegner bleiben die USA indes ein abschreckendes Beispiel: Der Frackingboom hatte dort gravierende Umweltschäden zur Folge. In der Umgebung von Fracking-Bohrplätzen sind Verunreinigungen von Boden, Luft und Trinkwasser zu beobachten, gleichzeitig stieg die Erdbebenhäufigkeit im unmittelbaren Zusammenhang mit Fracking-Aktivitäten und der Verpressung von Lagerstättenwasser.

Die Befürworter beschwichtigen zwar, dass Mondlandschaften und großflächige Versiegelung der Landschaft wie in den USA in Deutschland nicht zu erwarten und auch die geologischen Risiken hierzulande handhabbar seien. Dennoch bleibt: Fracking ist mit nicht unerheblichen Risiken für Umwelt und Menschen verbunden. Selbst wenn keine geologische Risiken bestünden, sind etwa undichte Bohrlöcher oder der obertägige Umgang mit giftigen Frac-Fluiden und Lagerstättenwassern Hauptgefahrenquellen für die Verschmutzung von Trinkwasser. Auch die Verschmutzung der Luft mit klima- und gesundheitsschädlichen Gasen wie Methan durch Fracking ist erwiesen.

Fracking ist auch in Deutschland nicht neu, aber längst noch nicht bewährt

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland kommt Fracking in der Erdgasförerung bereits seit den 1960er Jahren zum Einsatz. Allerdings weniger exzessiv und bislang nicht in sogenannten Schiefergas-Lagerstätten. Anders als in den USA hat es in Deutschland angeblich auch noch keine Zwischenfälle und Umweltauswirkungen durch Fracking gegeben. Die Tatsache, dass es bisher noch kein flächendeckendes Umweltmonitoring bei Fracking-Maßnahmen gegeben hat, macht deutlich, wie fragwürdig eine derartige Pauschalaussage ist. Klar ist hingegen: Die Erdgasförderung in Deutschland ist keineswegs störfallfrei. Erdbeben, Austritte von Lagerstättenwasser, Bodenverunreinigungen oder Luftverschmutzungen sind auch im Zusammenhang mit der heimischen Erdgasgewinnung bekannt.

Fracking ist eine Risikotechnologie ohne volkswirtschaftlichen Nutzen

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Der breite Widerstand gegen Fracking ist also weder bloße Technologiefeindlichkeit noch eine neue Form der „German Angst“. Es handelt sich vielmehr um den begründeten Zweifel an einer Technik, deren Einsatz in Deutschland keinen volkswirtschaftlichen Nutzen bringt. Selbst die kühnsten Optimisten müssen einsehen, dass Fracking in Deutschland keinen Erdgasboom auslösen wird. Hierfür ist das Potenzial der Lagerstätten in Deutschland schlicht zu gering. Auch Unabhängigkeit von russischem Erdgas oder anderen Gasimporten ist durch heimische Produktion nicht zu erwarten. Genauso wenig kann Fracking eine Brücke in der Energiewende oder einen Beitrag zum Klimaschutz darstellen. Im Gegenteil: Günstiges Erdgas würde nicht nur Effizienzbemühungen ausbremsen, sondern auch erneuerbare Energien aus dem Markt drängen - angesichts des steigenden Stromverbrauchs hätte das schließlich auch einen Anstieg der CO2-Emissionen zur Folge.

Die Fracking-Diskussion in Deutschland reicht tiefer als die Frage, ob diese Technik in Deutschland zum Einsatz kommen soll oder nicht. Es geht vielmehr darum, ob wir es in Deutschland mit Energiewende und Klimaschutz ernst meinen und wie der Zukunftsstandort Deutschland tatsächlich aussehen soll. Über 50 Prozent der weltweit bekannten Erdgasvorkommen müssen im Boden bleiben, um die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten. Da scheint es absurd und wenig zukunftsweisend, jetzt den Rechtsrahmen zu schaffen, der es ermöglicht auch in Deutschland mittels Fracking selbst die schwerzugänglichen Gasvorkommen aus der Erde zu pressen.

Wir sollten Energiewende und Klimaschutz voranbringen, statt fossile Infrastrukturen zu verfestigen

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Ausbau erneuerbarer Energien, Steigerung von Energieeffizienz und Hebung der Stromsparpotenziale müssen das primäre Ziel von Bundesregierung und Wirtschaft sein, statt weiter in den Ausbau fossiler Energieinfrastruktur zu investieren und dreckige Technik von gestern zu fördern. Mit der Energiewende kann Deutschland international Standards setzen und einen Schritt zum globalen Ausstieg aus der Gewinnung und Verstromung fossiler Energieträger machen. Geschieht dies nicht, ist auch der Klimavertrag von Paris von vorneherein zum Scheitern verurteilt.

Angesichts der Kernfragen der deutschen Fracking-Diskussion bleibt der Gesetzentwurf der Bundesregierung vieles schuldig. Mit der Definition von Ausschlussgebieten etc. schafft die Bundesregierung zwar Verbesserungen im Vergleich zum rechtlichen Status quo, reguliert aber um den heißen Brei herum und hält dem Einsatz von Fracking in Deutschland die Tür weiter offen. Für Energiewende und Klimaschutz ist das ein fatales Signal.

Sie können an dieser Stelle derzeit keinen Kommentar schreiben.