Fracking in Deutschland Fracking ist eine unnötige Verlängerung des fossilen Zeitalters

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Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag Bundestag

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Abgeordneter für Bündnis90/Die Grünen

Der Widerstand in der Bevölkerung ist groß - aus gutem Grund. Der Preis sind große Mengen giftiger Abwässer, potentiell verseuchtes Grundwasser, großer Flächenbedarf für die Bohrstellen und die notwendige Infrastruktur sowie eine schlechte, zumindest zweifelhafte Klimabilanz der Gasgewinnung. Die Bundesregierung sollte die Bedenken endlich ernst nehmen und Fracking eine Absage erteilen. 

Seit Jahren versuchen die verschiedenen Merkel-Regierungen, zuerst mit der FDP und nun mit der SPD ein Fracking-Ermöglichungsgesetz zu schaffen. Doch zu groß ist der Widerstand in der Bevölkerung. Und das aus gutem Grund. Fracking ist eine Risikotechnologie für Mensch und Umwelt. Deshalb setzen sich Bündnis 90/Die Grünen dafür ein, dass in Deutschland nicht gefrackt werden darf. Alle Umfragen belegen, eine deutliche Mehrheit der Menschen im Land will kein Fracking. Auch große Teile der Wirtschaft, insbesondere im Wasser-, Getränke- und Lebensmittelbereich lehnen Fracking ab, da diese Unternehmen ohne exzellent sauberes Trinkwasser aus ihre Quellen keine Chance mehr haben.

Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in gashaltige Gesteinsschichten gepresst, was diese aufsprengt und das Gas ausströmen lässt. Der Preis sind große Mengen giftiger Abwässer, potentiell verseuchtes Grundwasser, großer Flächenbedarf für die Bohrstellen und die notwendige Infrastruktur sowie eine schlechte, zumindest zweifelhafte Klimabilanz der Gasgewinnung und auch lokale Erdbeben. Die Folgen lassen sich besichtigen im Fracking-Land USA. Doch nach dem Boom herrscht auch dort mittlerweile Katerstimmung, nicht nur wegen gesunkener Gaspreise, sondern auch weil viele Regionen noch mit den negativen Umweltfolgen des Frackings kämpfen müssen, während die Bohr-Karawane dort oft schon längst weitergezogen ist. Auch deshalb will der Fracking-Boom in Europa nicht so recht ankommen: Obwohl Länder wie Polen Fracking explizit fördern, gibt es bisher auf dem gesamten Kontinent keine nennenswerte kommerzielle Gewinnung von Fracking-Gas.

Die Bundesregierung will sich über den großen Widerstand in der Bevölkerung hinwegsetzen

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Trotz der Risiken und Probleme und trotz des Widerstands in der Bevölkerung glaubt die schwarz-rote Bundesregierung noch immer an Fracking in Deutschland. Aber ein Gesetzentwurf der Großen Koalition, der Fracking ermöglichen sollte, scheiterte kurz vor den Sommerferien 2015. Denn zunehmend haben auch die Abgeordneten von CDU/CSU und SPD Bedenken und Fragen bleiben ungeklärt, die die Bundesregierung nicht beantworten kann oder will. Seitdem herrscht Stille: Eine Regelung zu Fracking steht weiterhin aus.

Fracking würde keine grundlegende Änderung der energiepolitischen Situation in Deutschland bringen

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Selbst wenn man Fracking sinnvoll findet, macht es angesichts von Klimaschutz und Energiewende überhaupt keinen Sinn, einen neuen fossilen Energie-Großkonflikt in die Gesellschaft reinzutragen. Selbst Fracking-Optimisten erwarten für Deutschland nicht einmal im Ansatz eine grundlegende Änderung der energiepolitischen Situation durch Fracking. Deshalb muss die Bundesregierung ihren Pro-Fracking-Kurs endlich begraben. In den Bundesländern ist man weiter: Von der CSU bis zu den Linken stößt Fracking auf nahezu einhellige Ablehnung in fast allen Ländern. Die Mehrheit des Bundesrates mit neun Grünen Umweltministern an der Spitze fordert eine konsequente Absage an Fracking. Doch die Große Koalition ist nicht in der Lage diesen Schritt zu tun und blockiert sich wie sooft selbst.

Wir brauchen endlich eine Regelung, die Fracking rechtssicher unterbindet und außerdem striktere Auflagen für die Erdgas- und Erdölförderung ohne Fracking vorsieht. Dafür hat die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen konkrete Vorschläge vorgelegt. Doch bisher wollte die Bundesregierung jeweils der umstrittenen Risikotechnologie Tür und Tor öffnen: Fracking soll auf rund zwei Dritteln der Landesfläche erlaubt sein, sogar in den europäisch geschützten FFH- und Natura2000-Gebieten. Andere europäische Länder sind da deutlich weiter. So hat Frankreich schon vor Jahren ein Frackingverbot erlassen.

Fracking verschärft die Klimakrise und schadet der Energiewende - es verlängert nur das fossile Zeitalter

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Statt weiter auf fossile Energieträger mit immer riskanteren Fördermethoden zu setzen, müssen wir möglichst rasch unabhängig von Kohle, Öl und Erdgas werden. Fracking verschärft die Klimakrise und schadet der Energiewende, weil es dazu beiträgt, noch mehr fossile Energieträger aus den Böden zu pressen. Nach dem Bekenntnis der G7-Staaten im Sommer 2015 im bayerischen Elmau zur Decarbonisierung und zum Klimaschutz und dem Paris-Abkommen der Weltklimakonferenz wäre es an der Zeit, eine klare Regelung gegen Fracking zu schaffen. Ansonsten führen Union und SPD ihre Sonntagsreden zu Klimaschutz und zur Energiewende ad absurdum.

Wir Grünen finden: Statt riskanter Erdgasfördertechniken wie Fracking brauchen wir mehr Energiesparen, mehr Energieeffizienz und der verstärkte Ausbau der Erneuerbaren Energien. Nur das führt uns aus der Klimakrise und führt zu mehr Versorgungssicherheit. Fracking hingegen verlängert dagegen nur das fossile Zeitalter.

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