Fracking in Deutschland Fracking ist eine unbeherrschbare Risikotechnik

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Geschäftsführender Vorstand Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V.

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Gefahr für das Grundwasser, Erdbeben, schlechtes Sicherheitskonzept: Angesichts der gravierenden Gefahren für Mensch und Umwelt müssen die Pläne für ein Pro-Fracking-Recht endgültig aufgegeben werden

2015 war ein erfolgreiches Jahr für die Anti-Fracking-Bewegung. Nachdem sie bereits vor der letzten Bundestagswahl die Pläne von Peter Altmaier (CDU) und Philipp Rösler (FDP) zur Verabschiedung eines Pro-Fracking-Rechts verhindern konnte, ist es ihr auch im letzten Jahr gelungen, ein entsprechendes Gesetzespaket von Sigmar Gabriel und Barbara Hendricks (beide SPD)  vorläufig zu stoppen. Angesichts der gravierenden Gefahren für Mensch und Umwelt müssen die Pläne für ein Pro-Fracking-Recht nun endgültig aufgegeben werden. Stattdessen muss ein ausnahmsloses Fracking-Verbot im Bundes-Berggesetz verankert werden. Denn bei Fracking handelt es sich um eine unbeherrschbare Risikotechnik.

Fracking kann das Grundwasser kontaminieren

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Unbeherrschbar ist bereits der übliche Fracking-Vorgang, bei dem toxische und umweltgefährdende Fracfluide zum Aufbrechen von gashaltigem Gestein, zur Aufrechterhaltung des Gasflusses oder zur Verhinderung der Korrosion in den Untergrund eingebracht werden. Durch die unkontrollierbare Wanderung entlang hervorgerufener Risse oder bestehender geologischer Störungen kann das Grundwasser kontaminiert werden. In den USA veröffentlichte Akten zeigen eine Vielzahl von Grundwasserschäden, die häufig mittels Isotopenanalysen eindeutig der Gasförderung zugeordnet werden konnten.

Fracking würde auch bei der Verwendung ungefährlicher Fracfluide nicht beherrschbar sein. So könnte das Grundwasser weiterhin durch hochsteigendes Methan sowie im Untergrund vorkommendes Lagerstättenwasser, das oft radioaktive Nuklide, krebserregende Substanzen und Schwermetalle enthält, verunreinigt werden.

Die Entstehung von Fracking-Beben kann nicht verhindert werden

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Während die Gaskonzerne in der Vergangenheit immer betont haben, dass Erdbeben lediglich durch die Versenkung der beim Fracking entstehenden Abwässer in den Untergrund hervorgerufen würden, zeigen internationale Untersuchungen vermehrt eine induzierte Seismizität durch den Fracking-Vorgang selbst. Eine Ursache hierfür sind Fracs, die in kleineren geologischen Störungen erfolgen. Da diese Störungen in der Regel nicht vorab erkannt werden können, kann auch die Entstehung von Erdbeben nicht verhindert werden.

Für Fracking existiert kein Sicherheitskonzept

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Während ein Großteil der Chemieindustrie die strengen Anforderungen der Störfall-Verordnung zur Verhinderung von Störfällen und zur Begrenzung ihrer Auswirkungen erfüllen muss, existieren beim Fracking keine vergleichbaren Bestimmungen. Undichte Zementierungen der Bohrung sowie die vermehrte Zunahme von Defekten in der Folgezeit werden als Teil des zu akzeptierenden Betriebs aufgefasst. Damit sind Umweltschäden durch austretende Chemikalien und Methan vorprogrammiert. Ein schlüssiges Konzept zur Erfassung von Grundwasserschäden liegt genauso wenig vor wie Maßnahmen zur Begrenzung der Ausbreitung von Schadstoffen oder zur Sanierung kontaminierter Bereiche. Fracking ist ein irreversibles Großexperiment unter unseren Füßen.

Diese Sicherheitsdefizite verwundern nicht, da es in Deutschland keine detaillierten rechtlichen Anforderungen an die Technik und Sicherheitstechnik beim Einsatz von Fracking gibt. Die wenigen Leitfäden des Branchenverbands und vereinzelte DIN-Normen können diese Lücke nicht schließen. In der Folge wird auf US-Normen zurückgegriffen, welche die aus den USA bekannten Schadensfälle gerade nicht verhindern konnten.

Ausschlussgebiete bringen keine Sicherheit vor den Fracking-Folgen

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Die von der Bundesregierung in ihrem Regelungspaket vorgeschlagenen Ausschlussgebiete für Fracking können diese Defizite nicht beheben. Denn etwa Dreiviertel Deutschlands stellen danach potentielle Fracking-Erlaubnisgebiete dar, in denen teils unabhängig von der Tiefe (wie bei Metallen, Erdöl und Tight-Gas), teils unter geringen Anforderungen (wie bei Schiefergas- und Kohleflözgas) gefrackt werden kann. In diesen Gebieten werden u.a. die Grundwasserreservoirs bedroht, die für zukünftige Generationen von Bedeutung sind. Angesichts der großflächigen Folgen des Frackings können auch Ausschlussgebiete durch die Gasförderung außerhalb dieser Gebiete beeinträchtigt werden.

Die Fracking-Technik baut zentral  auf dem Prinzip „Bohren – Aufbrechen von Gestein – Heraufholen“ auf. Eine Weiterentwicklung der bisherigen Technik wird nur zu geringfügigen Änderungen von Details, nicht jedoch zu einer grundsätzlichen Änderung der umweltgefährdenden Methode führen. Dies stellt keinen technologischen Fortschritt dar. Innovativ wäre es, die Nutzung erneuerbarer Energien engagierter als bisher voranzutreiben.

Eine Problemverlagerung ins Ausland darf es nicht geben

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Die Anti-Fracking-Bewegung hat 2013 in der Korbacher Resolution ein generelles Import- und Handelsverbot von „gefrackten“ fossilen Energieträgern gefordert. Die Umweltbewegung will weder Fracking in Deutschland, noch will sie von Fracking in anderen Staaten profitieren. Daher hat sie auch ein konsequentes Umsetzen der politisch beschlossenen Energiewende gefordert, d.h. die Abkehr von fossilen Brennstoffen, den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz. Hierzu gehört auch die verstärkte Anwendung des Power-to-Gas-Verfahrens, das es ermöglicht, regenerative Energien zur Herstellung von Wasserstoff zu verwenden, welches von den Verbrauchern wieder genutzt werden kann.

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