Fracking in Deutschland Fracking ist eine beherrschbare Technologie

Bild von Hans-Joachim Kümpel
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)

Expertise:

Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel ist Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. Er hat mehrere Stellungnahmen seiner Behörde zum Thema Fracking mit verfasst.

Der Einsatz der Fracking-Technologie birgt in Deutschland keine unbeherrschbaren Risiken für die Umwelt. Das ist das Ergebnis zahlreicher Studien. Die Sicht von Fachleuten und die in Deutschland gemachten praktischen Erfahrungen mit Fracking stehen damit im Widerspruch zur Skepsis in der breiten Öffentlichkeit.

Der Einsatz der Fracking-Technologie birgt in Deutschland keine unbeherrschbaren Risiken für die Umwelt. Das ist das Ergebnis zahlreicher Studien, die hierzu erstellt wurden.

Die Sicht von Fachleuten und die in Deutschland gemachten praktischen Erfahrungen zum Thema Fracking stehen damit im Widerspruch zur Skepsis in der breiten Öffentlichkeit. Große Teile der Bevölkerung sind verunsichert, etwa durch einen Videoclip aus den USA, der einen Wasserhahn zeigt, aus dem ein entflammbares Wasser-Methan-Gemisch fließt – vorgeblich als Folge einer Fracking-Maßnahme im Untergrund. Ablehnung rufen auch Satellitenaufnahmen von Landschaften hervor, die von zahllosen Bohrplätzen und Zufahrtstraßen durchzogen sind. Auch bestehen Besorgnisse, in den Untergrund eingepresste Chemikaliencocktails könnten das saubere Grundwasser verunreinigen. Keines dieser Szenarien hat einen Bezug zu den hundertfach in Deutschland durchgeführten Fracking-Maßnahmen und keines muss für die Zukunft befürchtet werden. Von der Inszenierung des brennenden Wasserhahns kann man sich in dem Film FrackNation der Journalisten Ann McElhinney und Phelim McAleer überzeugen. Ein dichtes Netz von Bohrplätzen würde bei uns nicht genehmigt werden (und wäre auch unwirtschaftlich). Zudem genießt hierzulande der Schutz des nutzbaren Grundwassers bei jeglichen Bohrprojekten absoluten Vorrang, was durch umfangreiche Vorschriften und Vorsorgemaßnamen sichergestellt wird.

Aus den USA bekannte Probleme sind an Bohrungen entstanden, für die es in Deutschland keine Erlaubnis gegeben hätte.

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Einzelne Zwischenfälle in den USA, bei denen es lokal zu einer Grundwasserkontamination gekommen ist, können nicht als Beleg für drohende Gefahren bei uns herangezogen werden. Dort aufgetretene Probleme sind an Bohrungen entstanden, für die es in Deutschland keine Betriebserlaubnis gegeben hätte. Zum Teil handelt es sich auch um medienwirksame Übertreibungen im Wettbewerb um Leserschaft. In ihrer im Juni 2015 publizierten Studie über Fracking-Maßnahmen in den USA hält die amerikanische Environmental Protection Agency (EPA; Entwurfsfassung) fest, dass es keine Hinweise auf systematische und weitreichende Beeinträchtigungen des Trinkwassers gibt. Die Zahl der Fälle, bei denen es örtlich begrenzte Verunreinigungen von Trinkwasservorkommen gab, ist im Vergleich zum millionenfachen Einsatz des Frackings klein. Viel wichtiger aber ist: Die Vorgänge waren vermeidbar. Die verbreitete Vorstellung, durch Fracking würden Gifte in den natürlichen, reinen Untergrund gelangen, ist zudem unrichtig, weil Grundwasser fast überall schon in wenigen hundert Metern Tiefe extrem salzig ist und gelöste Gase, Schwermetalle und zahlreiche weitere Stoffe enthält, die es ungenießbar und für andere Zwecke unbrauchbar machen. Unzutreffend ist auch, dass mit Fracking ein erhöhtes Erdbebenrisiko verbunden sei. Nach den weltweit vorliegenden Daten ist das Gegenteil der Fall: die Gewinnung von Schiefergas mittels Fracking ist mit einem deutlich geringeren Erdbebenrisiko verbunden als (in einzelnen Regionen) die Erdgasförderung aus konventionellen Lagerstätten, der herkömmliche Bergbau, das Verpressen sehr großer Abwassermengen in den Untergrund oder das Befüllen von Stauseen.

Aus geowissenschaftlicher Sicht ist das Verfahren sicher und umweltverträglich möglich.

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Mitte 2015 hat eine Studie von Acatech, der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften, zuletzt dargelegt, welche Risiken aber auch Potenziale durch den Einsatz der Fracking-Technologie in Deutschland bestehen und welche Umstände dazu beigetragen haben, dass ein langjährig etabliertes Verfahren in kurzer Zeit diskreditiert werden konnte. Die staatlichen Geologischen Dienste Deutschlands haben bereits 2013 gemeinsam erklärt: „Sofern die gesetzlichen Regelungen und die technischen Standards eingehalten und detaillierte standortbezogene Voruntersuchungen durchgeführt werden, ist der Einsatz der Technologie aus geowissenschaftlicher Sicht sicher und umweltverträglich möglich“. Glauben, so scheint es, wird dennoch eher denen geschenkt, die mit eingeschränkter Sachkenntnis zweifelhafte Vorstellungen vermitteln oder mit alarmierenden Botschaften bezwecken, Aufmerksamkeit zu erzielen.

Nutzen wir das heimische Schiefergas nicht, muss mehr importiert werden - ohne Einfluss auf die Förderungbedingungen

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Kaum beachtet wird auch, dass Deutschland trotz einer recht erfolgreichen Energiewende noch auf Jahrzehnte auf eine Versorgung mit Erdgas angewiesen bleibt. Die heimische Förderung geht seit Jahren merklich zurück, die Importmengen steigen. Eine kontrollierte inländische Schiefergasförderung kann, da sie mit strengen Auflagen versehene wäre, ein deutlicher Beitrag zum Klima- und Umweltschutz sein. Obendrein entfielen beträchtliche Energieverluste durch einen Erdgastransport über tausende von Kilometern. Das in Deutschland vorhandene Schiefergaspotenzial würde bis zum Jahr 2100 eine jährliche Förderung von etwa 10 bis 15 Milliarden Kubikmeter Erdgas zulassen, 11 bis 17 % unseres derzeitigen Erdgasbedarfs (ca. 90 Milliarden Kubikmeter). Nutzen wir es nicht, müssen diese Mengen künftig jedes Jahr für 3 bis 5 Milliarden Euro über Importe gedeckt werden, zusätzlich zu den bereits hohen Einfuhren anderer Energieträger. Deutschland würde dann auch ein mögliches Innovationsfeld verloren gehen. Bei inländischer Förderung käme uns die Wertschöpfung in Form von Arbeitsplätzen, Investitionen, Förderabgaben, Steuern, Technologieentwicklungen usw. direkt zugute. Und wir trügen anteilig selbst die Verantwortung für die von uns benötigten Rohstoffe, anstatt Probleme ins Ausland zu verlagern, ohne dass wir auf die Bedingungen der Erdgasförderung dort Einfluss nehmen könnten.

Die vorliegenden fachlichen Bewertungen haben bereits vereinzelt zu einer differenzierteren Betrachtung geführt. Nach wie vor reicht aber für viele Menschen offenbar allein der Begriff ‚Fracking‘ zu einer Verurteilung aus – und zu einer Haltung, sich weiteren Diskussionen zu entziehen. Die breite Skepsis ähnelt fast der Situation, die Studenten der kalifornischen Universität Santa Cruz 1989 auslösten. Sie warnten vor dem Gebrauch von Wasser (H2O), bezeichneten es aber in ihrer Kampagne als Dihydrogenmonoxid (DHMO), was bei vielen Menschen prompt Besorgnisse über die Verwendung dieser Chemikalie auslöste.  

Es mag andere als die hier aufgeführten Gründe für eine Ablehnung der Fracking-Technologie geben. Fachlich-geowissenschaftliche können es kaum sein.

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