Fracking in Deutschland Alles spricht gegen Fracking

Bild von Hubertus Zdebel
Mitglied der Fraktion Die Linke Bundestag

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Abgeordneter für Die Linke im Bundestag

Mit der Fracking-Technik sollen neue Gas- und Ölvorkommen erschlossen werden. Während die Industrie hofft, eine neue Goldgrube entdeckt zu haben, birgt Fracking für Mensch und Umwelt große Gefahren. Ähnlich wie bei der Atomenergie ist durch die verursachten Schäden dieser Art der Gasgewinnung mit hohen Folgekosten zu rechnen. Angesichts der unbeherrschbaren Risiken wäre es unverantwortlich, Fracking zu erlauben. 

Fracking gefährdet das Grundwasser durch den Einsatz giftiger Chemikalien, freigesetztes Methan und Lagerstättenwasser

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Für kurzfristige Gewinninteressen der Gas-und Ölindustrie wird das Grundwasser ganzer Regionen durch eingesetzte Chemikalien sowie freigesetztes Methan und Lagerstättenwasser gefährdet. Diese Stoffe und Gemische können durch Unfälle, natürliche oder künstlich geschaffene Wegsamkeiten im Untergrund sowie undichte Bohrlochabdichtungen und Zementummantelungen in das Grundwasser gelangen.

Hinzu kommt die ungeklärte und unfallträchtige Entsorgung des Flowback. Die Mischung aus Lagerstättenwasser und verbrauchter Frac-Flüssigkeit enthält neben Chemikalien des Frack-Vorgangs häufig auch radioaktive Isotope, Quecksilber und Benzol.

Fracking führt zu Erdbeben, birgt erhebliche gesundheitliche Risiken und ist mit ernsthaftem Klimaschutz unvereinbar

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Fracking und die Verpressung des Flowback können zu Erdbeben führen, die an Intensität und Häufigkeit kontinuierlich zunehmen, wie im US-Bundesstaat Oklahoma nachgewiesen wurde. Hierfür gibt es sowohl in den USA wie in Deutschland keinen Schutz und keine Vorsorge. Weitere Folgen des Frackings sind zerstörte Ökosysteme, Mondlandschaften durch Fracking-Bohrungen auf engem Raum sowie gesundheitliche Risiken.

Auch ein ernsthafter Klimaschutz ist mit Fracking unvereinbar. Die Klimabilanz von gefracktem Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten ist aufgrund unkontrollierbarer und klimabelastender Methan-Austritte aus Bohrleitungen oder Rissen im gashaltenden Gestein negativ.

Angesichts dieser Risiken wäre es unverantwortlich, Fracking selbst unter Einsatz ungefährlicher Frac-Flüssigkeiten und unter verschärften Auflagen zu erlauben. Notwendig ist ein Fracking-Verbot ohne Ausnahmen. Zahlreiche Staaten haben deshalb bereits Moratorien oder wie in Frankreich Verbote verhängt. In Deutschland jedoch hält die CDU/CSU-SPD-Bundesregierung weiter daran fest, den Gaskonzernen Fracking großflächig zu ermöglichen.

Dazu hat sie ein Gesetzespaket vorgelegt, gemäß dem auf etwa Dreiviertel der Fläche Deutschlands gefrackt werden könnte. In diesem Bereich kann die Methode uneingeschränkt für die Erdöl- und Metallgewinnung verwendet werden. Auch die Gasförderung im Sandgestein, die Gewinnung von Tight-Gas – wird dort in jeder Tiefe erlaubt, obwohl es nie ein systematisches Umweltmonitoring der bisher in Deutschland durchgeführten Vorhaben gegeben hat. Tiefer als 3 000 Meter soll jegliches Fracking erlaubt werden.

Die kommerzielle Schiefer- und Kohleflözgasgewinnung oberhalb von 3 000 Metern soll unter den Vorbehalt einer sechsköpfigen Kommission gestellt werden, deren Zustimmung jedoch als sicher gilt. Viele von den Vertretern, die benannt werden sollen, sind als industrienah bekannt. Die Umweltverbände und andere Vertreter der Zivilgesellschaft, welche die Interessen der Bürgerinnen und Bürger vertreten, sind hingegen nicht vertreten.

Die im Gesetzentwurf aufgeführten Fracking-Ausschlussgebiete stellen nur einen über die Republik verteilten Flickenteppich dar, der keinen Schutz gewährleistet. Teilweise darf in diese Gebiete sogar unterirdisch von außen hinein gebohrt und gefrackt werden. Der Gesetzentwurf ermöglicht damit ein weitgehend ungehindertes Fracking und schafft lediglich Rechtssicherheit für die Gaskonzerne.

Gasförderung mittels Fracking ist unbeherrschbar und behindert umweltfreundliche Technologien

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Die Gasförderung mit der Fracking-Methode würde in Deutschland zudem mit der gleichen risikoreichen Technik wie in den USA und mit vergleichbaren Auswirkungen erfolgen. Auch mit einer anderen Technik könnte  Gefahren wie Grundwasserkontaminationen oder induzierten Erdbeben nicht begegnet werden, da diese eine direkte Folge des Aufbrechens des Gesteins sind. Fracking ist daher kein Innovationsfeld, sondern eine unbeherrschbare Risikotechnik.

Eine Forcierung der Fracking-Technik würde umweltfreundliche und innovative Techniken behindern. So würde gefracktes Gas in direkte Konkurrenz zu den Erneuerbaren Energien treten. Staatliche Zuschüsse, z.B. bereits jetzt im Bundeshaushalt vorgesehene Gelder für die Fracking-Forschung, würden der bereits aus Klimaschutzgründen zu beschleunigenden Entwicklung und Nutzung regenerativer Energiequellen fehlen.

Es besteht kein öffentliches wirtschaftliches und energiepolitisches Interesse an Fracking in Deutschland

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In Deutschland gefracktes Gas würde nicht relevant zur Unabhängigkeit von Erdgas, welches in anderen Staaten gewonnen würde, beitragen. Nur 12 Prozent des Erdgases kommen aus einheimischer Förderung. Selbst wenn dieser Anteil vollständig aus gefracktem Gestein gewonnen würde, würde er nur 2,5 Prozent des deutschen Energieverbrauchs decken. Eine beschleunigte Energiewende könnte diesen Anteil innerhalb kurzer Zeit durch regenerative Energien ersetzen. Eine derartige Entwicklung  würde auch einer Problemverlagerung ins Ausland entgegenwirken, da vermehrte Gasimporte nicht erforderlich wären.

Ein  öffentliches wirtschaftliches und energiepolitisches Interesse an der Gewinnung von unkonventionellen Gasvorkommen in Deutschland ist nicht zu erkennen. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen kommt zu dem Ergebnis, dass kein besonderes übergeordnetes öffentliches Interesse an der Erschließung dieses Energieträgers, möglicherweise aber ein betriebswirtschaftliches Interesse der Industrie, besteht.

Angesichts dessen ist es positiv, dass sich die Große Koalition beim Thema Fracking-Kommission zerstritten hat und eine Einigung über das Pro-Fracking-Recht nicht abzusehen ist.

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