Protektionismus unter Trump Trumps Handelskrieg führt in die Abwärtsspirale

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Hauptgeschäftsführer Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau

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Thilo Brodtmann ist seit 2014 Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau.

Trumps Protektionismus könnte zu Vergeltungen aus dem Ausland führen. Auch die Endverbraucher in den USA werden darunter leiden. Eine bessere Strategie für den Präsidenten wäre es, die amerikanischen Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen.

Wenn eine Maschine „funktioniert“, heißt das im Kern: Sie läuft störungsfrei und sie erfüllt dabei klar definierte Aufgaben. Auf den amerikanischen Präsidenten übertragen bedeutet dies: Sein Protektionismus würde funktionieren, wenn er damit bestimmte Ziele erreichen kann und der Rest der Welt dies ohne große Gegenwehr akzeptiert. Noch weiß niemand, was sich hinter „America first“ genau verbergen soll – schon deshalb lässt sich schwer abschätzen, wie erfolgreich Donald Trump mit seiner Handelspolitik sein könnte.

Trumps Protektionismus wird zu Vergeltungsmaßnahmen anderer Staaten führen.

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Ziemlich sicher ist aber, dass Protektionismus nicht ohne Gegenwehr bleibt. Strafzölle werden von anderen Ländern häufig ebenfalls mit Einfuhrerschwernissen beantwortet. Steuerhürden führen zu ähnlichen Vergeltungsmaßnahmen. Und eine Mauer lässt sich kein Nachbar einfach so vor die Nase setzen ohne zu reagieren. Einen „störungsfreien“ Protektionismus gibt es also nicht – und schon deshalb kann er nicht wirklich funktionieren.

Allerdings lassen sich mit protektionistischen Maßnahmen innenpolitische Ziele erreichen, wenn man gewillt ist, die Folgen entweder zu akzeptieren oder sie zu ignorieren. Strafzölle können durchaus für eine gewisse Zeit den einen oder anderen heimischen (amerikanischen) Produzenten begünstigen, vorausgesetzt er ist nicht auf Zulieferungen aus dem Ausland angewiesen. Das geht allerdings zu Lasten der Endverbraucher, denn hinter Schutzwällen gibt es keinen Anreiz, besonders günstig oder mit besonderer Qualität zu produzieren. Und es wäre auch kein Anreiz für die amerikanische Industrie, ihre zum Teil veraltete Produktion wirklich zu modernisieren.

Strafzölle gehen zu Lasten der Endverbraucher, da die Innovationskraft amerikanischer Unternehmen darunter leidet.

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Hinzu kommt, dass auch amerikanische Unternehmen leiden werden, wenn im Gegenzug die Schranken für sie im Ausland – zum Beispiel in China – hochgezogen werden. „Funktioniert“ Protektionismus aus amerikanischer Sicht, wenn zum Beispiel Apple-Produkte im Gegenzug mit Strafzöllen in China belegt werden? Oder wenn als Vergeltung in Europa für Tesla keine KfZ-Zulassungen mehr erteilt werden? An einem solchen Handelskrieg kann auch Präsident Trump kein Interesse haben.

Natürlich gibt es auch unauffälligere Methoden des Protektionismus. Steuererleichterungen für Firmen mit lokaler Produktion, bürokratische Hürden für ausländische Investoren, Bevorzugung heimischen Unternehmen bei Staatsaufträgen, die Liste ist lang und sie wird rund um den Globus immer länger. All diese Maßnahmen führen dazu, dass der Wettbewerb eingeschränkt wird und am Ende irgendjemand – sei es der Kunde oder der Steuerzahler – die daraus resultierenden Ineffizienzen bezahlen muss.

Trump sollte die amerikanischen Unternehmen wettbewerbsfähig machen, anstatt sie in einen Handelskrieg zu führen.

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Der amerikanische Präsident könnte dies umgehen, würde er einen anderen Weg wählen. Bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen, die in Amerika in Produktionstechnik investieren, würde die dortige Industrie insgesamt wettbewerbsfähiger auf den Weltmärkten machen. Damit würde auch der Export deutlich gestärkt und weitere Investitionen in Forschung und Entwicklung wären möglich. Das würde über die Jahre zu einer Aufwärtsspirale für die Industrie in den USA führen, während ein Handelskrieg immer Auftakt für eine Abwärtsspirale ist.

Die exportstarken Unternehmen gerade im deutschen Maschinenbau wiederum haben gelernt, mit Hindernissen wie „non-tariff barriers“ umzugehen – bis zu einem gewissen Maß zumindest. Sollte Donald Trump sich also auf kräftiges Poltern, aber eher weiche protektionistische Maßnahmen beschränken, dann werden die Marktteilnehmer lernen, damit zu leben. Kommt es aber doch zu den angekündigten Strafzöllen und anderen Mauern, dann wird Trumps Protektionismus nur so gut „funktionieren“, wie eine alte, nie gewartete Maschine: Mit viel Rumpeln und häufigem Stillstand. 

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