Trumps wirtschaftliche Abschottung  Ausbildung statt Abschottung 

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Wirtschaftswissenschafler Institut für Weltwirtschaft

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Dennis J. Snower ist ein amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel sowie Professor für theoretische Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Trump geht in seiner Wirtschaftspolitik von falschen Voraussetzungen aus. Die Globalisierung kostet die USA nicht übermäßig viele Arbeitsplätze. Im Gegenteil, das Land gehört zu ihren größten Gewinnern. Zölle würden diesen Effekt nur hemmen.

Beschimpfen, Drohen, Erpressen: Der Stil, den der neue US-Präsident Donald Trump an den Tag legt, ist einzigartig und verstörend. Ausländische Staatschefs werden brüskiert, Verbündete vor den Kopf gestoßen, schlampig formulierte Dekrete ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz verabschiedet. Trump regiert die mächtigste Demokratie der Welt wie der Geschäftsführer eines Unternehmens, der ohne Rücksicht auf Andere seine selbstsüchtigen Ziele durchdrücken möchte. Das kann kurzfristig funktionieren – mittel- bis langfristig ist diese Politik jedoch zum Scheitern verurteilt.

Denn nicht nur die Art und Weise, wie Donald Trump auf dem politischen Parkett agiert und seine Politik kommuniziert ist problematisch – es ist auch die Politik selbst. Sie geht nämlich in vielen Punkten von völlig falschen Voraussetzungen aus. So zum Beispiel die neue handelspolitische Doktrin der Abschottung: Trump geht von der These aus, dass Güter und Dienstleistungen entweder in den USA oder in anderen Ländern produziert werden – und durch Zölle die Preise für ausländische Produkte steigen, was die Nachfrage nach amerikanischen Produkten treiben würde. Mit der Realität hat das jedoch nichts zu tun, weil die wenigsten Güter heutzutage vollständig innerhalb eines Landes produziert werden.

Mittelfristig wirken die Zollschranken der USA wachstumshemmend.

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Die meisten Produkte bestehen aus vielen intermediären Gütern und Dienstleistungen, die in vielen verschiedenen Ländern produziert werden. Moderne Produktionsketten kennen keine Grenzen mehr. Der Trump’sche Protektionismus schadet damit ausländischen wie amerikanischen Unternehmen und wird letztlich Arbeitsplätze vernichten. Mittelfristig wirken Zollschranken auch deshalb wachtumshemmend auf die US-Wirtschaft, weil sie den Wettbewerb verringern und sich dadurch negativ auf Produktivität und Qualität der heimischen Unternehmen auswirken.

Zudem würde es auch schlicht gegen amerikanisches Recht verstoßen, beispielsweise die Importe einzelner Automobilhersteller mit Strafzöllen überziehen. Eine solche Diskriminierung einzelner Hersteller wäre unzulässig. Wenn, dann müssten bestimmte Fahrzeugtypen aller Hersteller, etwa alle Kleinwagen, belastet werden – und das brächte für die amerikanische Wirtschaft aufgrund der grenzüberschreitenden Lieferketten gravierende wirtschaftliche Schäden. Jobverluste wären die Folge.

Vielleicht gelingt es ja beim bevorstehenden G20-Gipfel in Hamburg den übrigen Staats- und Regierungschefs, den Mächtigsten unter ihnen von der Selbstzerstörungskraft seiner Pläne zu überzeugen. Die G20, die drei Viertel des Welthandels und rund zwei Drittel der Weltbevölkerung stellen, stehen schließlich für ein starkes, nachhaltiges und ausgewogenes Wachstum der Weltwirtschaft. Trumps derzeitiger wirtschaftspolitischer Kurs hingegen steht für das Gegenteil.

Trump irrt, wenn er davon ausgeht, dass die Globalisierung in den USA übermäßig viele Arbeitsplätze kostet. 

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Zumal der neue US-Präsident auch noch dem fatalen Irrtum unterliegt, dass die Globalisierung und damit einhergehend die ausländische Konkurrenz aus Mexiko, China oder auch Deutschland die Amerikaner übermäßig viele Arbeitsplätze kosten würde. Dabei ist das Gegenteil korrekt: Die USA zählen zu den großen Profiteuren der Globalisierung. Die Routinejobs im Niedriglohnsektor, die in den letzten Jahren in Amerika verloren gingen, sind hauptsächlich an Roboter, nicht an Arbeiter in Mexiko und China gegangen. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung beziffert die Globalisierungsgewinne der USA auf jährlich 154,8 Milliarden Euro. Zum Vergleich: In China sind es nur 103 Milliarden Euro, in Mexiko sogar nur 11,4 Milliarden Euro.

Alte Routine-Jobs werden zunehmend obsolet – Maschinen übernehmen und ersetzen die Menschen. Für jeden Job im amerikanischen Niedriglohnbereich der an chinesische Auftragsfertiger verloren gegangen ist, haben Roboter beinahe sieben Jobs übernommen. Zwar bringt die Digitalisierung auch neue, hochwertige Tätigkeiten mit sich. Doch diese erfordern entsprechende Qualifikationen.

Eine echte Förderung der amerikanischen Wirtschaft funktioniert nur über Aus- und Weiterbildung sowie Umschulungen.

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Wollte Trump wirklich etwas für die amerikanischen Arbeitnehmer tun, müsste er dafür sorgen, dass die US-Regierung mit einer aktiven Arbeitsmarktpolitik Aus- und Weiterbildung sowie Umschulungen fördert. Die USA sind unter den OECD-Staaten weit hinten, wenn es darum geht, Arbeitnehmer für Veränderungen in der Arbeitswelt fit zu machen.

Wenn Trump das nicht versteht und lieber Geld für eine Mauer an der amerikanisch-mexikanischen Grenze ausgeben möchte, statt es in Bildung und eine aktive Arbeitsmarktpolitik zu investieren, werden Arbeitsplätze verloren gehen statt neue entstehen. So ist Trumps mächtigster Gegner die Realität.

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