Ein Schlüssel der Wirtschaft Startups für den Wohlstand von morgen

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Leiter des Teams Wirtschaftspolitik Konrad-Adenauer-Stiftung

Expertise:

Matthias Schäfer studierte Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Er arbeitete als freier Mitarbeiter der Kienbaum Unternehmensberatung Düsseldorf, als Leiter der Straf- und Bußgeldsachenstelle am Finanzamt Stuttgart II und für die Senatsverwaltung für Finanzen. Seit März 2003 ist er bei der Konrad-Adenauer-Stiftung als Koordinator im Team Wirtschaftspolitik tätig, dessen Leitung er 2010 übernahm.

Die deutsche Wirtschaft hat sich zu lange gegen den Wandel gestellt. Um angesichts von Krisen und Umbrüchen am Markt zu überleben, braucht sie die Fähigkeit der Startups, Widerstände zu überwinden und ihre Stärken ins digitale Zeitalter zu übertragen.

Startups sind bereits seit einiger Zeit das heißeste Thema der Wirtschaft. Politiker und Journalisten schleppen sich ins Silicon Valley,  um mehr zu erfahren über Startup-Kultur und die Ökosysteme aus jungen Tech-Nerds, Kapitalgebern, dem Technologiestandort und der Wissenschaftsschmiede. Mehr als 60.000 Deutsche leben inzwischen vor Ort.

Startups sind ein Schlüssel, um die enormen Herausforderungen der deutschen Wirtschaft zu bestehen

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Ist die deutsche Wirtschaft also gut beraten, auf Startups zu setzen? Die Antwort hängt nicht davon ab, ob klassischer Mittelstand und Startup-Kultur zusammenpassen, ob im Silicon-Valley Geld verbrannt wird oder ob protzige Hipster-Kultur und verschwiegenes deutsches  Unternehmertum zusammenpassen. Es geht schlicht um die Tatsache, dass „die“ deutsche Wirtschaft vor enormen Aufgaben steht. Und dass Startups ein Schlüssel dafür sind, dabei zu bestehen.

Seit dem Jahr 2007, in dem Apple das iPhone vorstellte, haben sich die Grundlagen des Erfolgs der deutschen Wirtschaft fundamental verändert. Die Finanzkrise hat Staat und Politik auf den Plan gerufen, der Stabilität des Finanzsystems wieder mehr Bedeutung zu geben, das Geschäftsmodell der Banken hat entsprechend gelitten. Die Katastrophe von Fukushima hat das Ende der bisherigen Energiewirtschaft und der großen Versorger heraufbeschworen und einen ergebnisoffenen Umstrukturierungsprozess in Gang gesetzt. Und, in diesen Tagen augenscheinlich, die Dieselkrise, möglicherweise das Menetekel für die größte und erfolgreichste Branche hierzulande.

Deutsche Manager haben sich zu lange gegen den Wandel der Wirtschaft gestellt

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Von außen entsteht der Eindruck, dass das Management der deutschen Wirtschaft (zu) lange den Erfolg der letzten Dekade genossen und der Unerschütterlichkeit vergangener Erfolgsfaktoren vertraut hat, sich gar gegen den Wandel gestellt hat, der bedeutet, das heute Erfolgreiche herauszufordern und sich damit selbst zu „kannibalisieren“.  Die anstehenden Veränderungen sind nicht getrieben von der Einsicht unserer Wirtschaft und ihrer Bosse, sondern von krisenhaften Disruptionen, und aus denen es nun gilt, eine Tugend zu machen.

Um diesen Prozess erfolgreich zu gestalten, um künftig früher und entschiedener zu reagieren, dafür sind Startups, vor allem aber die ihnen innewohnende Kultur, ein aussichtsreicher Nährboden.

Die deutsche Wirtschaft hat die erste Welle der Digitalisierung verschlafen

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Zumal die Wirtschaft nicht allein wegen der Krisen umgekrempelt werden wird. Auch die Digitalisierung, wie Startups nichts Neues, wird in ihren Folgen erst jetzt wirklich spürbar. Das Urteil der Experten lautet, die deutsche Wirtschaft habe die Anpassung ihres Geschäftsmodells in der ersten Welle der Digitalisierung verschlafen. Eine Welle, die sich vor allem auf das kundenorientierte B2C-Geschäft konzentrierte. Schlagworte sind E-Commerce, Preisvergleichsportale oder Lieferservices. Beruhigend soll wirken, dass die exportorientierte deutsche Wirtschaft darin nie besonders stark war, sondern  vor allem im B2B-Geschäft und dem Verkauf von Industriegütern. Aber die zweite Welle der Digitalisierung (sehr empfehlenswert Andrew McAfee und Erik Brynjolfssons The Second Machine Age genauso wie Thomas L. Friedmans Thank you for being late) nimmt genau diese unserer Wirtschaft zugrundeliegenden Wertschöpfungsketten in den Blick. Industrie 4.0 oder Internet of Things machen bei B2C nicht halt. Robotik, KI und Big Data sind ihre Stichworte. Selbstverständlich hat die deutsche Wirtschaft bereits Erfahrungen mit automatisierter Wertschöpfung, die Automobilindustrie hat die Daten-Zeichen der Zeit erkannt und die Politik verlangt inzwischen eine nationale Kraftanstrengung für KI.

Aber ist es genug, um den Wandel zu bestehen, sich unter Umständen komplett zu wandeln und dennoch am Markt zu überleben? Diese Frage wird die Zukunft beantworten. Aber Startups können auf diesem steinigen Weg ein Segen sein.

Erfolgreiche Startups sind selten Ausdruck einer genialen Idee, sondern Resultat harter Arbeit

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Im Management unserer Unternehmen, zweifellos ein Faktor des vergangenen Erfolgs, werden Organisation und Projektfähigkeit groß geschrieben. Andererseits sind starre Hierarchien, Diskussionen um Zuständigkeiten und eine Zurückhaltung gegenüber Kontroverse und Widerspruch wenig ausgeprägt. Diesen Qualitäten Raum zu geben, wird künftig die erfolgreichen von den erfolglosen Unternehmen unterscheiden. Und der dafür notwendige Baukasten an Fähigkeiten (skillset), vor allem aber an geistiger Haltung (mindset), sie werden in Startups vermittelt: unternehmerisch zu sein und sich einer Idee zu verschreiben, nie den Kundenfokus zu verlieren, Risiken einzugehen, Entscheidungen zu treffen und im Falle des Scheiterns zu lernen. Die erfolgreichen Startups sind selten Ausdruck einer genialen Idee, sondern ein hartes Stück Arbeit und Fleiß, Ausdruck der Fähigkeit, Widerstände zu überwinden und nicht aufzugeben.

Der Moment, in dem Maschinen intelligenter sind als Menschen, ist keine Utopie

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Zuletzt: Auch der digitale Wandel ist ein Verbündeter der Startups. Wir unterschätzen noch, dass alles digitalisiert wird, was digitalisierbar ist. Die technische Singularität, der Moment, in dem Maschinen intelligenter sind als Menschen, er muss keine Utopie sein. Dass der Mensch dennoch wichtig bleibt, dass es auf ein anderes Miteinander von Mensch und Maschine ankommt, auch dafür stehen die Erfahrungen speziell der Tech-Startups. Neun von zehn gescheiterte Gründungen tragen dann dazu bei, besser zu verstehen, was von der analogen Wirtschaft übrig bleibt, wenn wir die zweite Phase der Digitalisierung durchschreiten.

Das knappste Gut der deutschen Wirtschaft sind nicht Ideen oder Gründerkapital, organisatorische Erfahrung oder industrielle Fertigkeiten, sondern die Fähigkeit, diese Stärken mit Ehrgeiz in das digitale Zeitalter zu übertragen und den Wohlstand von morgen zu begründen. Startups sind dafür essentiell.

1 Kommentar - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Viola Bronsema
    Wichtig: IT Start-ups sind nur eine Teilmenge der Unternehmensgründungen. Mutige Unternehmerinnen und Unternehmer im Bereich Biotechnologie oder auch nichttechnische Innovationen zum Beispiel können die hiesige Industrie ebenso beflügeln und sie zudem nachhaltiger Wirtschaften lassen.