Elektromobilität Elektroautos sind die Zukunft

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Geschäftsführer Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA)

Expertise:

Dr. Kay Lindemann ist Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) in Berlin. Seine thematischen Schwerpunkte sind unter anderem Wirtschaftspolitik, Märkte, Klimaschutz, sowie Verkehrs- und Europapolitik.

Es wäre es falsch, sich vorschnell vom Benziner zu verabschieden. Eine gemeinsame europäische Strategie muss her, damit Deutschland keine Wettbewerbsnachteile befürchten muss.

Die Automobilindustrie bekennt sich zum Klimaschutz. Wir sind überzeugt davon, dass die Perspektive saubere und klimaschonende Autos sein muss. Wir verstehen uns als Problemlöser hin zu einer nachhaltigen Mobilität. Damit verbunden sind enorme Investitionen: Bis zum Jahr 2020 wird die deutsche Automobilindustrie über 40 Milliarden Euro in alternative Antriebe investieren. Allerdings muss – neben den Fahrzeugen – eine zweite Komponente hinzukommen: Der Nachhaltigkeitsansatz ergibt nur Sinn, wenn auch die Kraftstoffe aus regenerativer Energie gewonnen werden, wie beispielsweise CO2-neutrale e-fuels oder Strom, der nicht aus Kohlekraftwerken stammt.

Der abrupte Abschied vom Verbrennungsmotor wäre ein großer Fehler.  

Zudem wäre es falsch, sich von einer bestimmten Antriebsart vorschnell zu verabschieden. Wer heute das Ende des Verbrenners im Jahr 2030 fordert, blendet die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und nicht zuletzt klimapolitischen Konsequenzen eines solchen Ansatzes aus. Heute sind 98 Prozent des gesamten Pkw-Bestands in Deutschland Autos mit Verbrennungsmotor, Benziner oder Diesel. Dies gilt auch für die Neuzulassungen – in Deutschland und auf der ganzen Welt. Diese Antriebsart steht nicht nur für den Löwenanteil an der Verkehrsleistung, diese Technologie ist auch mit der Beschäftigung von vielen Mitarbeitern am Standort Deutschland und in anderen Ländern verbunden.

Die bisherigen CO2-Einsparungen im Individualverkehr wurden durch die stetige technische Verbesserung von Verbrennungsmotoren geleistet. Das gilt auch und ganz besonders für Diesel. Ein Blick auf den modernen Euro-6-Diesel zeigt: Er wird gebraucht, um die Klimaschutzziele auf mittlere Sicht zu erreichen. Denn ein Dieselfahrzeug verbraucht bis zu 25 Prozent weniger Kraftstoff als ein Benziner, und sein CO2-Ausstoß ist 15 Prozent niedriger. Und die modernen Dieselaggregate schlagen sich auch bei den klassischen Emissionen wie den Stickoxiden hervorragend.

Die Elektromobilität ist schon heute die Zukunft der Automobilindustrie.  

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Der Anteil von Elektrofahrzeugen in Deutschland liegt indes noch unter 1 Prozent. Von Seiten der Bundesregierung wie auch der Hersteller werden derzeit große Anstrengungen unternommen, um diese Antriebsart populärer zu machen. Dabei ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur besonders wichtig. Die Bundesregierung hat mit ihrem Beschluss, hierfür 300 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 zu investieren, die richtigen Schritte unternommen. Auch die deutschen Hersteller selbst zeigen einen enormen Innovations- und Investitionswillen: Vor wenigen Tagen haben sie – zusammen mit dem Ford-Konzern – ihre gemeinsame Initiative vorgestellt, selbst ein Schnellladenetz an Autobahnen in Europa zu installieren. Geplant sind 400 Ultra-Schnellladestationen mit einer Ladeleistung von bis zu 350 kW. Hier können die Batterien in 30 Minuten aufgeladen werden. 2020 sollen bereits mehrere tausend Schnellladestationen in Betrieb sein.

Auch werden die deutschen Hersteller, die mit rund 30 E-Modellen heute zu den weltweiten Leitanbietern zählen, ihr Angebot bis zum Jahr 2020 auf knapp 100 mehr als verdreifachen. Darüber hinaus wird die Reichweite zunehmen, 500 Kilometer oder mehr werden dann Standard. Die Batteriekosten werden ebenfalls weiter sinken.

Die Voraussetzungen für eine steigende Nachfrage nach E-Autos werden also immer besser. Gingen Experten noch vor nicht allzu langer Zeit davon aus, dass im Jahr 2025 etwa 3 Prozent der neu zugelassenen Pkw über einen Elektroantrieb verfügen, so hat sich die Perspektive verändert: Führende Vertreter der deutschen Automobilindustrie rechnen damit, dass im Jahr 2025 etwa 15 bis 25 Prozent der Pkw-Neuzulassungen elektrisch unterwegs sein werden.

Ein gutes Verkehrsmanagement kalkuliert nicht ausschließlich mit Neuanschaffungen.

Auch der zweite große Innovationstrend, die Digitalisierung, wird sich bis dahin breit entfalten und dazu beitragen, den Verkehr immer sicherer, effizienter und klimaschonender zu machen. Dieser Veränderungsprozess wird viele Jahre dauern. Gerade auch im Hinblick auf Wertschöpfung und Arbeitsplätze am Standort Deutschland sollte er vernünftig gestaltet werden. Verbote für bestimmte Antriebsarten gehören mit Sicherheit nicht dazu. 

Kluge Politik setzt keine Technikvorgaben, sondern vernünftige Rahmenbedingungen. Die deutsche Automobilindustrie will ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Notwendig sind allerdings pragmatische Lösungen mit Augenmaß. „Nebenwirkungen“ einer ambitionierten Umwelt- und Klimaschutzpolitik dürfen wir nicht ausblenden. Wichtig ist stets ein integrierter Ansatz, der nicht nur den CO2-Ausstoß von Neuwagen reguliert, sondern umfassend auch den Bestand und seine Erneuerung, Kraftstoffe, Infrastruktur, Fahrerschulung und Verkehrsmanagement mit in den Blick nimmt.

Nur ein globales Vorgehen beim Klimaschutz gewährleistet einen fairen Wettbewerb.   

Gemeinsam heißt auch, dass Deutschland keine Alleingänge unternehmen sollte. Der für die Weltklimakonferenz in Marrakesch mit heißer Nadel gestrickte Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung hinterlässt keinen guten Eindruck. Nötig ist eine europäische Gesamtstrategie, die internationale Entwicklungen berücksichtigt und den Schutz unserer Wettbewerbsfähigkeit ebenso priorisiert. In diesem Kontext könnte ein breit aufgestellter Emissionshandel inklusive Straßenverkehr eine Option für effizienten Klimaschutz sein. Nationale „Insellösungen“, die sich nicht an den niedrigsten Vermeidungskosten orientieren, sind kein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz.

1 Kommentar - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Joa Falken
    Keine Partei fordert "heute das Ende des Verbrenners im Jahr 2030". Die Grünen fordern lediglich, dass ab 2030 keine neuen mehr zugelassen werden. Damit soll den Autokäufern endlich auch mal etwas Investitionssicherheit gegeben werden. Mit einem Diesel, der bald nur noch auf einem Teil der Straßen fahren darf, ist das nicht gewährleistet.