Die Nullzinspolitik der EZB Null-Null-Zins – die Lizenz für schlechte Altersvorsorge

Bild von Axel Kleinlein
Vorstandssprecher Bund der Versicherten e.V.

Expertise:

Axel Kleinlein ist Sprecher des BdV-Vorstandes.

Wir haben es eigentlich mit einer "Null-Null-Zins-Politik" zu tun: Null-Zins beim Sparen und die "schwarze Null" des Bundesfinanzministers. Beides hängt miteinander zusammen und belastet schließlich die private Altersvorsorge. Besonders junge Menschen müssen unter beiden Nullen leiden. 

Wer sich in Deutschland mit der Nullzinspolitik auseinandersetzt, muss eigentlich zwischen der „schlechten Null“ und der vermeintlich „guten Null“ unterscheiden. Erstere ist das, was man für sein Angespartes an Zinsen bekommt, nämlich nichts – dank der Nullzinspolitik der EZB. Manchmal bekommt man sogar noch weniger, dann macht man Verlust. Diese Null soll uns Angst machen. Die andere Null soll aber wieder für Freude sorgen: Null-Prozent neue Staatsschulden! Die „schwarze Null“ von Herrn Schäuble. Das ist aber doch eine tolle Sache, oder nicht?

Beide Nullen haben natürlich etwas miteinander zu tun und sind eng miteinander verwoben. Und das nicht nur auf einer abstrakten ökonomischen Ebene. Sondern beide Nullen wirken sich auch auf unsere Altersvorsorge aus - und damit natürlich auch besonders stark auf unsere Lebensversicherungen. Nebenbei geht es auch um Milliardengeschäfte und immer wenn es um viel Geld geht, sind natürlich auch die Lobbyisten und Politiker auf dem Plan.

Der Null-Zins bei den Anlagen bestraft alle, die sparen wollen.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Erst einmal die „böse Null“ – keine Verzinsung beim Sparen: Die Auswirkung der bösen Null auf die Altersvorsorge, das heißt der schlechten Verzinsung beim Sparen, ist ziemlich leicht nachzuvollziehen. Wenn ich keine Zinsen bekomme, dann bringt das Sparen so viel, als würde ich das Geld unters Kopfkissen legen. Wegen der Inflation, die es noch immer in kleinem Maße gibt, wird aber alles rundherum teurer. Mein Versuch, das Geld von heute in die Zukunft zu transferieren, schlägt fehl. Durch ein Beispiel wird das klarer: Wenn ich heute darauf verzichte, in der Pizzeria essen zu gehen und das Geld lieber spare, dann kann ich mir im Alter vom Angesparten gerade mal eine Tiefkühlpizza leisten.

Auch eine Lebensversicherung ist da kein Ausweg. Allianz, Ergo und Co. reden zwar immer noch von echten Verzinsungen über null Prozent. Sie verschweigen aber dabei, dass das die Verzinsung „nach Kosten“ ist. Berücksichtigt man die Kosten, dann schaut das ganz anders aus. Das kann dann durchaus zu einem echten Verlust führen – auch bei den garantierten Leistungen.

Der Nullzins bei den Staatsschulden belastet die junge Generation und verstärkt den Nullzins bei den Anlagen

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Die vermeintlich „gute Null“ – keine neuen Staatsschulden: Die „schwarze Null“, eben dass der Staat keine neuen Schulden macht, soll uns aber wenigstens etwas Trost geben. Der Effekt dieser Politik ist aber doppelt fatal, wenn wir in die Zukunft denken. Zum einen entfällt der Staat als „Anbieter“ im Zinsgeschäft. Das führt dazu, dass die Zinsen insgesamt erst recht in den Keller gehen und dort im dunkelsten Loch bei null verharren. Die „böse Null“ ist also auch eine Folge der „guten Null“. Die ist dann also gar nicht mehr so gut.

Zum anderen führten „Null-Prozent-Schulden“ dazu, dass der Staat weniger ausgibt. Das können wir alle spüren, wenn wir über das nächste Schlagloch fahren, es in Turnhallen regnet und die Infrastruktur vor die Hunde geht. „Dafür haben spätere Generationen aber dann weniger Schulden abzuzahlen“, entgegnen jetzt die Befürworter der schwarzen Null. Sie vergessen nur, dass dann in der Zukunft die Infrastruktur eher von Grund auf neu aufgebaut werden muss. Das ist teurer als eine laufende Pflege.

Dank der heutigen „schwarzen Null“ müssen also die zukünftigen Generationen deutlich mehr an Infrastruktur finanzieren. Und woher nimmt der dann amtierende Finanzminister das Geld? Vermutlich aus dem, was die Bürger dann angespart haben und zwar mittels Steuern. Da kann man dann noch so viel gespart haben, der Fiskus wird beherzt zugreifen. Dann hat das mit der Altersvorsorge doch wieder nicht geklappt.

Besonders die jüngeren Jahrgänge haben es also doppelt schwer: Sie bekommen beim Sparen wenig Zinsen und von dem, was sie einmal angespart haben, wird ihnen der Fiskus dann auch noch einen guten Teil wegnehmen, um die heute vernachlässigte Infrastruktur wieder auf Vordermann zu bringen.

Der Nullzins ist ein Vorwand für die Lebensversicherer den Kunden übermäßig viel Geld vorzuenthalten

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Dank Schützenhilfe der Politik: Lebensversicherungskunden leiden und Aktionäre gewinnen. In so einem Umfeld müsste das Geschäft mit Lebensversicherungen eigentlich total am Ende sein. Ist es aber (noch) nicht. Denn das Geschäft mit Lebensversicherungen wird durch das konzertierte Zusammenspiel von Politik, Lobbyisten und Unternehmen massiv unterstützt. So mancher namhafter Ex-Politiker oder Politikberater gibt dann sogar mal seinen eigenen Namen für die Produkte her (Riester- oder Rürup-Rente) oder wirft sich noch mehr in die Bresche, um eigentlich überteuerte Produkte anzupreisen.

Richtig perfide wird es, wenn die Politiker dann die „böse Null“ als Vorwand heranziehen, um den Lebensversicherungen mehr Geld zuzuschieben. Da werden dann auch mal verfassungsrechtliche Ansprüche über Bord geworfen. Die obersten Richter in Karlsruhe haben zum Beispiel bestätigt, dass Versicherungskunden an den sogenannten Bewertungsreserven zu beteiligen sind. Die Unternehmen wollen aber partout dieses Geld nicht auszahlen. Die Politiker haben dann vor zwei Jahren auch ein Gesetz gemacht, dass es erlaubt, dass die Unternehmen den Kunden dieses Geld vorenthalten. Begründung: die schlechte Kapitalmarktlage.

Aktionäre bekommen deshalb bei manch einem Unternehmen Rekorddividenden und den Kunden werden gleichzeitig die Überschüsse zusammengestrichen. Altersvorsorge mit Lebensversicherungen kann dann einfach nicht funktionieren, hat sie auch in der Vergangenheit nur sehr selten.

Und womit bedanken sich die Lebensversicherer bei der Politik? Ganz einfach! Die Versicherungsunternehmen kaufen Herrn Schäuble und den anderen Euro-Finanzministern die sehr schlecht verzinsten Staatspapiere ab. Das macht diese Minister froh, auch wenn damit der Null-Zins weiter zementiert wird. Und die Versicherer bezahlen das natürlich nicht mit eigenem Geld. Sie kaufen die schlecht verzinsten Papiere mit dem Geld der Kunden, also auch in ihrem Namen. Oder haben sie etwa keine Lebensversicherung, Riester-Rente oder Rürup-Rente?

Sie können an dieser Stelle derzeit keinen Kommentar schreiben.