Umgang mit der Corona-Krise Internationale Wertschöpfungsketten müssen auf ihre Tragfähigkeit geprüft werden

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Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.

Expertise:

Prof. Dr. Michael Grömling ist Leiter der Forschungsgruppe Gesamtwirtschaftliche Analysen und Konjunktur des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Der Coronavirus ist ein Nachfrage- und Angebotsschock. Deutsche Unternehmen befürchten einen Exportausfall nach China und eine Unterbrechung ihrer Wertschöpfungsketten.

COVID-19 belastet das öffentliche Leben in Deutschland. Über Ausmaß und Dauer von ökonomischen Beeinträchtigungen infolge dieser Epidemie kann derzeit nur spekuliert werden. Deutsche Unternehmen befürchten nicht nur einen Exportausfall nach China, sondern auch eine Unterbrechung ihrer Wertschöpfungsketten: Mitarbeiter können ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen – wegen Krankheit, eingeschränkter Mobilität oder auch aus Furcht. Fehlende Vorleistungen aus China oder anderen Ländern stellen ebenfalls ein Produktionshemmnis dar. Der Coronavirus ist ein Nachfrage- und Angebotsschock.

Der Coronavirus ist ein Nachfrage- und Angebotsschock.

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Die Internationalisierung der Produktion und die damit einhergehende Arbeitsteilung haben zu deutlichen Effizienzgewinnen in den beteiligten Volkswirtschaften geführt. Die Vorleistungsverflechtungen im Rahmen internationaler Wertschöpfungsketten, der wechselseitige Technologietransfer oder der Wissensaustausch über Mitarbeiter in multinationalen Firmen haben auch die Produktionsmöglichkeiten und den Wohlstand in Deutschland erhöht. Eigentlich sollte die Coronavirus-Krise für sich genommen keinen Rückschritt bei der länderübergreifenden Arbeitsteilung auslösen.

Die Coronavirus-Krise sollte keinen Rückschitt bei der länderübergreifenden Arbeitsteilung auslösen.

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Das mag sich anders gestalten, wenn derartige Pandemien häufiger auftreten und dies dann bei ausgeprägten Abhängigkeiten zu permanenten Produktionsschocks führt. Es würden Verlagerungen zurück an den heimischen oder an andere ausländische Standorte folgen. Begründet würde der teilweise Verzicht auf die Vorteile der internationalen Arbeitsteilung durch geringere Risiken infolge der Produktionsabhängigkeiten. Effiziente Internationalisierung bewirkt aber eine Streuung von Risiken – auch die Verminderung nationaler Abhängigkeiten. Insofern müssen internationale Wertschöpfungsketten auf ihre Tragfähigkeit überprüft und nicht generell auf den Prüfstand gestellt werden.

Internationale Wertschöpfungsketten müssen auf ihre Tragfähigkeit geprüft werden.

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Nachhaltige Effekte auf die Weltwirtschaft sind denkbar, wenn in zeitlicher Hinsicht überschaubare ökonomische Krisen als Vorwand für eine politisch motivierte Auflösung von internationaler Kooperation angeführt werden. Das Argument einer Restrukturierung der internationalen Produktionspotenziale infolge von Epidemien ist auch in den gegenwärtigen politischen Rahmen einzuordnen. Dieser ist vielfach geprägt von protektionistischem und autarkischem Denken. Nicht die Vernetzung von Ländern und die damit gewonnenen Wohlstands- und Kooperationsvorteile, sondern die Entkopplung von Volkswirtschaften und das Suchen nach wirtschaftlichen und politischen Unabhängigkeiten sind vielfach der aktuelle Geist. Damit besteht die Gefahr, dass COVID-19 zu einem weiteren Knock-out für die Globalisierung mutiert.

2 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Rolf-Jürgen Czerny
    "Der Coronavirus ist ein Nachfrage- und Angebotsschock."
    Man kann das aber auch als eine Art Regularium sehen, d.h. der kluge Unternehmer steht nicht nur auf einem Bein.
    Daraus ist folgerichtig:
    "Eigentlich sollte die Coronavirus-Krise für sich genommen keinen Rückschritt bei der länderübergreifenden Arbeitsteilung auslösen."
    Eine effiziente Arbeitsteilung garantiert den erforderlichen Materialnachschub auch in der Krise, zumindest für eine bestimmte Zeit.
    "...die Verminderung nationaler Abhängigkeiten" Insofern ist das keine Sreuung von Risiken, sondern durchdachtes Unternehmertum auf hohem Niveau.
    " Damit besteht die Gefahr, dass COVID-19 zu einem weiteren Knock-out für die Globalisierung mutiert."
    Das kann sein, muss aber nicht sein, erkannte Gefahr ist stets nur halbe Gefahr.
    Wir werden erleben, wie die Welt und jeder für sich zukünftig vorsorgen wird, z.B. mit der Vorhaltung von Masken und Schutzkleidung; denn eins ist gewiss: das nächste Virus kommt bestimmt, es ist nur eine Frage der Zeit.
  2. von Armin Pfeiffer
    Die Welt als Dorf zu sehen, sehe ich bei der derzeitigen Panik(mache) als verhängnisvoll. Im Ernährungsbereich verlangen die meisten Menschen die Regionalisierung und kurze Transportwege. Der große Überhang an Industrie und Dienstleistungen wollen trotz "Klimawandels" weiterhin die dummen Kapitalisten spielen und die Welt als ihr eigenes Dorf im Globalisierungswahn die Spaltung Superreich/arm trotz Arbeit als auch den globalen Missbrauch der Resourcen weiterhin für unseren Verarmungs-Wohlstand als Alternativlos für die kranke Weltwirtschaftsordnung verkaufen. Danke, genug falsch konsumiert !!!!!!