Hohe Managergehälter in Deutschland  Gehälter müssen begrenzt werden

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Die Linke

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Klaus Ernst ist Mitglied des Bundestags für die Linken. Von 2010 bis 2012 war er Vorsitzender der Partei.

Die hohen Gehälter der Manager gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mehr Transparenz über die Gehaltsstrukturen reicht aber nicht aus, um das Problem zu lösen. Die Managergehälter müssen fest gedeckelt werden.

„Leistung soll sich lohnen!“ ist ein Kernsatz, der fast schon konstituierend für unsere Leistungsgesellschaft ist. Wer mehr leistet, soll auch mehr verdienen. Nach Angaben der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz bekam Daimler-Chef Dieter Zetsche 8,541 Millionen Euro im Jahr 2015 und hat einen jährlichen Rentenanspruch von 4,098 Millionen Euro. Der Vorstandsvorsitzende von Merck, Karl-Ludwig Kley, erhielt ein Jahresgehalt von 7,886 Millionen und darf sich auf 630.000 Euro Rente pro Jahr freuen. Auch VW-Chef Matthias Müller kann sich mit über 7,347 Millionen Euro und 555.000 Euro jährlichem Rentenanspruch kaum über unfaire Bezahlung oder über drohende Altersarmut beklagen.

Aber haben die Manager das, was sie bekommen, auch verdient? Leisten sie so viel mehr als die "normalen" Beschäftigten? Im Jahr 2005 betrug das Salär eines DAX-Managers im Durchschnitt noch das 42-fache des Einkommens eines zum Durchschnittslohns beschäftigten Arbeitnehmers, 2014 schon das 57-fache. Soll das heißen, das Management leistet heute deutlich mehr? Und was für einen Schluss soll man demnach für die Leistung von Frau Merkel ziehen, die mit einem Monatsgehalt von 18.820 Euro weniger als 3 Prozent von Herrn Zetsche bekommt? Bei VW betrug die Differenz zwischen Managern und Beschäftigten gar das 141-fache. Und gerade bei VW drängt sich angesichts des Abgasskandals die Frage auf, warum eigentlich noch keiner der Verantwortlichen im Management hinter Gittern ist und wo elementare Prinzipien von Haftung und persönlicher Verantwortung abgeblieben sind.

Die Entwicklungen in den Chefetagen von Unternehmen gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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Die astronomischen Managerbezüge stoßen in der Gesellschaft immer mehr auf heftige Kritik. Und das lässt sich nicht mit Neiddebatte abtun! Für die meisten steht es außer Frage, dass Menschen mit einem verantwortungsvolleren und anspruchsvolleren Job mehr verdienen sollten. Doch die Vorstandsgehälter sind ausgeufert. Die Abzocke der wirtschaftlichen Eliten, die sich durch die Verflechtungen der Aufsichtsräte ihre Gehälter gegenseitig in die Höhe treiben, gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wenn die Akzeptanz für diese Selbstbedienungsmentalität nicht mehr gegeben ist, dann sinkt auch die Leistungsbereitschaft der unteren Einkommensbezieher. Warum sollten diese sich abrackern, wenn doch offenbar nicht mehr die Leistung für die Entlohnung ausschlaggebend ist?

Dazu kommt, dass ausgerechnet jene, die selbst spätrömische Dekadenz pflegen, den Arbeitnehmern in jeder Tarifrunde das Maßhalten empfehlen, durch Leiharbeit, Werkverträge sowie befristeter Beschäftigung die Löhne drücken und wegen angeblich zu hohen Lohnanteils mit Verlagerungen ins Ausland drohen. Übrigens auch bei den Altersbezügen: Das Management erhält fast schon obszön hohe Altersbezüge von den Unternehmen, aber empfiehlt jenen, die dieses Geld in den Betrieben erarbeiten müssen, mal eben das Arbeiten bis zum 70. Lebensjahr.

Steuert die Politik diesen Exzessen nicht wirksam entgegen, muss man sich über die Abkehr vieler von der etablierten Politik und den Aufstieg der Rechten nicht wundern. Denn spiegelbildlich dazu fühlen sich weite Teile der Bevölkerung abgehängt - wir haben in Deutschland mit 22 Prozent den größten Niedriglohnsektor Europas! Je Beschäftigtem sind die Arbeitnehmerentgelte von 2000 bis 2015 durchschnittlich gerade einmal um 1,2 Prozent gestiegen. Vielen droht trotz lebenslanger Leistung und Fleiß Altersarmut!

Transparenz über Managergehälter lösen das Problem der hohen Gehälter nicht.

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Was genau sollte die Politik also tun? Forderungen nach mehr Transparenz durch die Veröffentlichung der sogenannten Manager to Worker Pay Ratio sind nett, aber nicht die Lösung des Problems. Eine Frau Hohmann-Dennhardt wird nicht auf ihre 12 Millionen Abfindung für 13 Monate Arbeit verzichten, nur weil inzwischen jeder diese Zahlen kennt. Laut Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot sollte künftig die Hauptversammlung auf Vorschlag des Aufsichtsrats über die Vorstandsvergütung entscheiden, um Transparenz herzustellen. Auch das wird nicht viel ändern. Eine weitere Forderung, die derzeit kursiert, nämlich die Begrenzung der steuerlichen Abzugsfähigkeit der Managergehälter auf 500.000 Euro, wird das Problem ebenso wenig lösen. Es würde aber zumindest dazu führen, dass die Allgemeinheit nicht auch noch die Auswüchse mitfinanziert.

Es sollte ein festes Verhältnis der Einkommen von Vorstandsmitgliedern und denen der untersten Gehaltsgruppe geben.

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Wir LINKE fordern ein festes Verhältnis von 20:1 zwischen den Gesamtbezügen eines einzelnen Vorstandsmitglieds und denen eines sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der untersten Lohn- und Gehaltsgruppe des Unternehmens. Über den genauen Wert kann man diskutieren, aber die feste Deckelung ist der einzig wirksame Weg. Diese Regelung hätte auch den Charme, dass damit höhere Löhne und Gehälter der Beschäftigten auch für Manager ein Anliegen werden, wenn sie mehr bekommen wollen - anstatt immer nur nach Wegen zu suchen, die Löhne der Angestellten weiter zu drücken.

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