Übermäßige Managergehälter sind Einzelfälle Es gibt ausreichende Instrumente gegen Gehaltsexzesse

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Stellvertretender Hauptgeschäftsführer Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen

Expertise:

Sebastian Hopfner ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV).

Die aktuelle Debatte um Managergehälter zeugt von der wirtschaftlichen Unkenntnis linker Politiker. Eine Begrenzung der Gehälter würde die Marktmechanismen massiv einschränken und dem Staat weniger Steuereinnahmen bringen. Eine gesetzliche Regelung ist nicht nötig.

In einer Zeit, in der die Politik – bei bedenkenloser Zerstörung wichtiger ordnungspolitischer Grundsätze – sich von Reflexen leiten lässt und nicht von Überlegungen, ist es zwangsläufig, dass das Thema „Managergehälter“ in den Fokus der öffentlichen Debatte rückt. Von der Stammtischperspektive aus betrachtet erscheint es in der Tat „ungerecht“, wenn Manager, deren Beitrag zum Unternehmenserfolg fragwürdig erscheint (oder öffentlich mangels Hintergrundwissen nicht erkennbar ist), „gefühlt“ sehr hohe Gehälter beziehen und außerdem im Falle der Trennung noch dazu nach „Skandalen“ hohe Abfindungen erhalten. Auch das vermeintliche „Auseinanderdriften“ der Durchschnittsgehälter der „einfachen Indianer“ eines Unternehmens (Arbeitnehmermittelschicht) gegenüber den in der Debatte prominent hervorgehobenen Einzelbeispielen von sehr hohen Managergehältern, provoziert eine „Gerechtigkeitsdebatte“ zumal zu Wahlkampfzeiten.

Die Behauptungen zu den Managergehältern beruhen auf Einzelfällen und nicht auf repräsentativen Befunden.

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In den Hintergrund gerät dabei die Faktenlage: Bereits die in den Raum gestellten Behauptungen zur Höhe der Managergehälter beruhen auf exemplarischen Betrachtungen und keineswegs auf repräsentativen und validen Befunden. Vollkommen ausgeblendet wird der Umstand, dass die Anzahl an Spitzenfunktionen in der deutschen Wirtschaft sich in den vergangen Jahrzehnten – zum Glück – deutlich erhöht hat. Daneben hat sich auch die Anzahl an hoch bezahlten Arbeitsplätzen in der Ebene unterhalb der Vorstände (sog. F1-Ebene) in den vergangenen Jahrzehnten dank einer sehr günstigen wirtschaftlichen Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland deutlich erhöht.

Das „Management“ steht heute auf einem viel breiteren Fundament als es noch vor Jahrzehnten stand. Folge ist, dass an der Spitze des Managements einzelner Unternehmen nochmal gehaltlich „nachgelegt“ wurde. Hinzu tritt, dass aufgrund der fortschreitenden Compliance-Entwicklung zahlreiche vormals durch die Unternehmen nicht in Geld gewährte Annehmlichkeiten für Spitzenmanager deutlich reduziert wurden. Gehörte es in den 70er-Jahren noch zum guten Ton, dass jedes Vorstandsmitglied eines mittelständischen Versicherers neben einem üppigen Dienstwagen selbstverständlich auch einen persönlichen Fahrer zur Verfügung gestellt erhielt, fahren heute viele Vorstände der Branche in Dienstwägen der „unteren Oberklasse“ nicht selten selbst. Auch die „Dienstvilla“ ist zum absoluten Ausnahmefall geworden, ganz zu schweigen vom zugehörigen Gärtner. Folge ist, dass die Spitzenverantwortlichen in den Unternehmen all diese letztlich einer kruden Neidkultur zum Opfer gefallenen „geldwerten Vorteile“, die es übrigens mit sich brachten, die Betriebsbindung der Manager deutlich zu erhöhen, über die Barlohnvergütung erhalten wollen.

Die Deckelung von Managergehältern wäre ein massiver Eingriff in den wirtschaftlichen Preisfindungsprozess.

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Wenn man nun politisch wegen einzelner „Exzesse“ über etwaigen Handlungsbedarf nachdenkt, so sollte man sich zunächst eine valide Tatsachengrundlage verschaffen. Dies insbesondere dann, wenn massive Eingriffe in privatwirtschaftliche Preisfindungsprozesse als Lösung erwogen werden. Es bedarf keiner großen Phantasie, dass derartige Eingriffe der deutschen Wirtschaft schweren Schaden zufügen würden. Man stelle sich vor, in der Fußball-Bundesliga würde Ähnliches Einzug halten. Kein deutscher Verein würde in der Champions-League mehr mitspielen, da das Spitzenpersonal sich eben naturgemäß dort betätigt, wo Spitzengehälter bezahlt werden. Anders als in der Bundesliga würde allerdings die Deckelung von Managergehältern weniger dazu führen, dass künftig ausländische Spitzenmanager in Deutschland keinen Job suchen würden, als vielmehr zu dem Phänomen, dass deutsche Spitzenmanager ihr Glück zunehmend im Ausland und hierbei insbesondere in den USA suchen würden. In der DDR kannte man dieses Phänomen (und litt darunter), was die SED-Nachfolgepartei „DIE LINKE“ nicht davon abhält, nun für die BRD die gleichen (schädlichen) Mechanismen zu fordern.

Es sind bereits ausreichende Instrumente vorhanden, um Gehaltsexzesse zu verhindern.

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Politischer Handlungsbedarf besteht nicht. Bereits heute sind alle Instrumentarien vorhanden, um vermeintlichen „Exzessen“ wirksam zu begegnen: Aufsichtsräte, die Verträge mit Vorständen abschließen, welche in Konstellationen Abfindungszahlungen vorsehen, die vollkommen unangemessen erscheinen, begeben sich in die Gefahr der Verwirklichung des Straftatbestandes der Untreue. Hier könnte in denjenigen Einzelfällen, die es in die Presse schaffen, ggf. deutlicher hingeschaut werden. Der Untreuetatbestand ist bei Staatsanwaltschaften jedoch nicht besonders beliebt. Er erfordert nämlich deutlich mehr Aktenstudium als die Verfolgung einer Fahrerflucht.

Bei der steuerlichen Absetzbarkeit von Managergehältern würde der Staat deutlich weniger Steuern einnehmen können.

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Dass unter dem vermeintlichen „Gerechtigkeitsgedanken“ die Abschaffung der steuerlichen Absetzbarkeit von Managergehältern über einer Summe von 500.000 € ernsthaft erwogen wird, ist nicht weniger als ein Beleg totaler finanzpolitischer Inkompetenz derjenigen, die diese Position verfolgen. Dem Staat bringt es doch deutlich mehr Steuereinnahmen – und damit sozial verteilbare Geldmittel (zum Beispiel an Hartz IV-Empfänger) – wenn Einzelne hohe Gehälter erhalten, die sie zum Spitzensteuersatz zu versteuern haben, als wenn derselbe Betrag auf viele Köpfe – also nach dem Geist der Gleichmacherei dann auch vermeintlich „gerecht“ – verteilt wird. Würden die Unternehmen also künftig aus steuerlichen Gründen die Managergehälter entsprechend der Vorstellungen von politischen Vertretern des linken Spektrums auf 500.000 € „deckeln“, mindert dies die Steuereinnahmen. Der Staat hat dann weniger in der Tasche, aber darum scheint es ja nicht zu gehen. Reflexartiges politisches Handeln erfolgt nach dem Motto „Lieber arm, dafür aber gerecht!“

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