Pfandsystem für Zigaretten Eine Rücknahme von Kippen ist machbar - und nötig

Bild von Jörg  Jozwiak

Expertise:

Bildender Künstler und Mitautor des Konzepts der Petition zur Etablierung eines einheitlichen Pfandsystems auf Filterzigaretten der Bürgerinitiative „Die Aufheber“.

Bis zu 80 Prozent aller Zigarettenkippen landen auf dem Boden. Das hat dramatische Folgen - und erfordert mutige Maßnahmen.

Wer einen Schritt vor das Haus macht wird selten einen zweiten tun müssen, um sie zu finden: weggeworfene Zigarettenkippen. Allein in den inneren Bezirken Berlins wurden im Rahmen einer Studie 2014 durchschnittlich 2,7 Stummel pro Quadratmeter gezählt. Auch an Stränden und in Parks, an Feldwegen und Bundesstraßen, im Wald und im See liegen sie millionenfach. Und offenbaren: An einem Pfandsystem für Zigaretten führt kein Weg vorbei.

An einem Pfandsystem für Zigaretten führt kein Weg vorbei

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Schätzungsweise landen weltweit jährlich 4,5 Billionen Zigarettenfilter in der Umwelt. Sie enthalten Nikotin, Arsen, Cadmium, Benzol, Blausäure, Dioxin und unzählige andere Gifte. Diese beeinträchtigen das Wachstum von Pflanzen und führen bei Tieren zu Schäden, die bis hin zum Tod reichen. Ein großer Teil der Gifte wird bereits mit dem ersten Regen ausgewaschen. Der Kunststofffilter aus Zelluloseacetat zerfällt in einem oft viele Jahre dauernden Prozess zu Mikroplastik. All das landet in Böden und Gewässern.

Ein weggeworfener Stummel ist im Grunde Sondermüll

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Die Gefahren, die von weggeworfenen Stummeln ausgehen, wurden bisher kaum öffentlich diskutiert. Dass ein weggeworfener Stummel im Grunde Sondermüll ist, wissen vermutlich viele RaucherInnen nicht. Wahrscheinlich wird beim Wegschnippen einer Zigarette meistens gar nicht viel nachgedacht. Es ist die Macht der Gewohnheit.

So geht es nicht weiter. Langsam erkennt das auch die Politik. Im Frühjahr 2019 hat das Europäische Parlament einer Gesetzesinitiative der EU-Kommission für den zukünftigen Umgang mit Einwegplastik zugestimmt, wozu auch Zigarettenfilter zählen. Darin heißt es, dass "die enormen Umweltauswirkungen von Abfällen von Tabakprodukten mit kunststoffhaltigen Filtern" verringert werden müssen und die Mitgliedsstaaten „breitgefächerte Maßnahmen zur Verringerung der Vermüllung" durch solche Abfälle fördern sollen.
Zu diesen breitgefächerten Maßnahmen gehört, dass sich die Hersteller von Filtern im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung an den Reinigungskosten der Umwelt beteiligen sollen.

Mehr Mülleimer, mehr Aufklärung, mehr Sanktionen - das reicht alles nicht

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Das Bundesumweltministerium erklärt, dass es drei Strategien gibt, um dem Problem zu begegnen: Sensibilisierung der Bevölkerung, mehr öffentliche Mülleimer mit Aschenbechern und nachhaltiger exekutierte Sanktionen gegen Verschmutzungen. Alles wünschenswert als Begleitmaßnahmen zur Verringerung von Müll – aber leider völlig unzureichend. Für Bewusstseinsbildungskampagnen, die zu einem Umdenken breiter Teile der Bevölkerung geführt haben, fehlen die Beispiele. 
Wer denkt, dass mehr Mülleimer mit Aschenbechern das Problem lösen, sei aufgefordert, sich den Boden im Umkreis von zehn Metern um Abfallkörbe anzusehen. Zur Verschärfung von Bußgeldern: Hier empfiehlt sich der Blick auf die Gleise großer deutscher Bahnhöfe. Diese gleichen nicht selten einem riesigen Aschenbecher. Wer also das Kippenproblem über mehr Kontrollen und Sanktionen lösen möchte, muss eine höhere Dichte von Personal zur Verfügung stellen als in einem 24 Stunden überwachten Bahnhof bereits jetzt im Einsatz ist – und das überall in der Republik. Vor diesem Hintergrund verpufft auch der Verweis des Ministeriums, die Tabakindustrie werde dank der EU-Regelung an den Kosten für mehr Mülleimer und die Reinigung von Straßen, Parks und Stränden beteiligt werden. 

Wenn die Industrie schon zahlen soll, kann sie das Geld auch gleich in ein Pfandsystem investieren

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Wenn sich die Industrie schon an Maßnahmen beteiligen muss, wäre das Geld deutlich besser in ein Pfandsystem investiert. Unser Vorschlag: 20 Cent Pfand pro Kippe, beziehungsweise vier Euro pro Packung. Zu jeder Zigarettenpackung gibt es einen Taschenaschenbecher. Wer die Schachtel samt vollem Taschenaschenbecher zurückbringt, erhält sein Geld zurück. RaucherInnen werden also nicht finanziell belastet, lediglich der Umweltfrevel wird teuer. Kippen und Packungen werden dem Recycling zugeführt. Dass selbst aus Stummeln noch etwas zu machen ist, zeigen Initiativen wie TobaCycle oder GreenMinded. Bei der technischen Umsetzung des Pfandsystems ist die Industrie gefordert. Für Rücknahmemaschinen, Prozessautomatisierung und das Design der Taschenaschenbecher werden schon jetzt von UnterstützerInnen unserer Petition Ideen geschmiedet und logistische Fragen erörtert. Auch gibt es Lösungen für das Problem eines potenziellen Ausweichens auf Importe und Schmuggelware.

Ein Pfandsystem ist nicht leicht, aber machbar

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Was wäre die Alternative? Selbst wenn die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Maßnahmen eine Erfolgsquote von 20 oder gar 30 Prozent erreichten, würden noch zig Millionen Stummel täglich auf dem Boden landen. Nähmen wir das in Kauf? Oder wollen wir eine Maßnahme, die das Problem beseitigt? Ein Pfandsystem ist nicht leicht, aber machbar.

2 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Eugen Hoppe-Schultze
    1 Euro Pfand, 20 Cent sind zu wenig

    Auch drakonische Strafen bringen nur teilweise etwas. Im Schutz der Anonymität werden die Stummel dann doch illegal weggeworfen. Darum hilft nur der direkte Griff in den Geldbeutel. Wer nach den ersten zehn Mal nach alter Gewohnheit die Kippe aus dem Auto geschnipst oder auf dem Bürgersteig zertreten hat wird schon bald besser aufpassen. Ein Euro je Kippe ist dann auch beim Porschefahrer schmerzhaft.

    Darum bitte meine EU-Petition Nr. 0215/2019 nach Registrierung unterzeichnen: https://petiport.secure.europarl.europa.eu/petitions/de/petition/content/0215%252F2019/html/Petition-Nr.-0215%252F2019%252C-eingereicht-von-Eugen-Hoppe-Schultze%252C-deutscher-Staatsangeh%25C3%25B6rigkeit%252C-f%25C3%25BCr-ein-Pfandsystem-auf-Zigarettenm%25C3%25BCll-und-Tabakerzeugnisse . Ich hoffe, der Link ist nach den Diskussionsregeln hier erlaubt.
  2. von Tumtrah Sberk
    In Deutschland, besonders in Parteien, wird immer wieder von Kultur und Wertekultur geredet. Aber es wird gern geredet, doch leider nicht gehandelt. Rauchen war, ehe es zum Suchtproblem geortet wurde, ein Stück Kultur. Die aber ist verloren gegangen. Ich nenne als Stichwort nur den Smoking. Wenn doch wenigstens, bei einigen wenigen sieht man das, die Raucher, die ihre Sucht austragen müssen (oder wollen), einen kleinen Aschenbecher bei sich tragen würden, um ihn zu gegebener Zeit am rechten Ort zu entleeren. Wahrscheinlich ist das aber zuviel verlangt. So geht eben Kultur, das gepflegte Rauchen, aber auch das gepflegte Miteinander verloren.