Zwei Jahre am Rad gedreht Verkehrswende gemeinsam knacken

Bild von Heinrich Strößenreuther
Initiator des Fahrrad-Volksentscheids

Expertise:

Initiator des Fahrrad-Volksentscheids in Berlin und Geschäftsführer der Agentur für clevere Städte.

Dem Autoverkehr Flächen wegzunehmen, um darauf sichere Radwege, Fußwege und Busspuren zu bauen sowie die Gefahren des Autoverkehrs zu reduzieren, ist einer der schwersten politischen Konflikte der Nachkriegszeit. Aber die Chance auf eine neue Gemeinsamkeit ist da.

Es hätte so schön sein können, zwei Jahre später. Jetzt, zu Weihnachten, hätten wir gemeinsam mit Senatorin Günther, mit Verkehrsverbänden und den rot-rot-grünen Fraktionen mit Magnum-Flaschen, wie man sie nur von Formel-1-Rennen kennt, Deutschlands erstes Radverkehrsgesetz feiern können. Denn in der letzten Abgeordnetenhaussitzung des Jahres, am 14. Dezember 2017, hätte es beschlossen sein können. 

Garniert wäre es gewesen mit den ersten 100 Kilometern Radwege, die sofort das Radfahren sicherer gemacht hätten. 20 Millionen Euro wären dieses Jahr verbaut worden, um mehr Menschen aus dem Auto und rauf aufs Rad zu locken – von Senatskanzlei-Referenten, Arbeitern bis zu Vorstandsgattinnen, von Kindern bis Omis. Bei jedem schweren Unfall wären Sofort-Maßnahmen ergriffen worden, damit dort nie wieder Knochen brechen und Blut fließt. Mehrere Kilometer Fahrradstraßen wären in neuer Eintracht von ADAC und ADFC eröffnet worden, von einer Verkehrssenatorin, die den Rückhalt ihrer Bürger zu schätzen weiß. 

Dem Autoverkehr Flächen wegnehmen, um darauf sichere Radwege, Fußwege, Busspuren zu bauen.

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Was wäre das für ein Erfolg für bürgerliches Engagement gewesen, für ein entschlossenes Auftreten von Volksentscheiden und gewählten Politikern und für eine neue Gemeinsamkeit in einem der schwersten politischen Konflikte der Nachkriegszeit: die Verkehrswende zu knacken, also dem Autoverkehr Flächen wegzunehmen, um darauf sichere Radwege, Fußwege, Busspuren zu bauen und die Gefahren des Autoverkehrs zu reduzieren. Die Posse um ein paar Parkplätze vor der Haustür des Regierenden Bürgermeisters, die für einen sicheren Radverkehr zu tauschen waren, zeigte, wie tief verwurzelt die Ängste vor der Autolobby noch immer sind.

Vor fast genau zwei Jahren, im Dezember 2015, ging die Initiative Volksentscheid Fahrrad an den Start. Nicht wenige dachten: Was für eine abgedrehte Idee, mit einem Volksentscheid die Verkehrswende digital entscheiden zu lassen. Doch sie kamen zu einem Workshop und ließen sich von der Idee begeistern, eine Mega-Diskussion in Berlin über die Zukunft des Verkehrs zu führen. Sie waren entschlossen, in diesem Verkehrskonflikt mit gemeinsamen Kräften den Politikern zu helfen. Würden wir Mehrheiten überzeugen können, gäbe es eine neue Legitimität für politisches Handeln, so die Ratio. Schließlich legen zwei Millionen Berliner Innenstadtbewohner 4 von 5 Wegen nicht mehr mit dem Auto zurück. Soll eine Mehrheit weiter leiden unter der flächenraubenden und gefährlichen, wenn auch bequemen Verkehrsart einer Minderheit?

Lockt ein sicherer Radweg zum Umstieg, ist allen geholfen.

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Es musste etwas passieren, ein Weiter-so ging nicht: Jedes Jahr 20.000 Autos mehr in Berlin, die aber weniger fahren und immer länger nutzlos rumstehen. Gleichzeitig fuhren mehr Berliner Rad. Und es wollten noch weit mehr Menschen aufs Fahrrad umsteigen, aber Radfahren in Berlin war ihnen einfach zu gefährlich und zu stressig. Lockt ein sicherer Radweg zum Umstieg, so die Idee, ist allen geholfen. Der Ausbau des Nahverkehrs, so charmant er sich anhört, ist nicht in kurzer Zeit zu machen und kostete schon bislang fast 100-mal mehr als insgesamt für den Radverkehr ausgegeben wurde. Um die Erderhitzung auf zwei Grad zu begrenzen, muss kurzfristig massiv aufs Rad gelockt werden, damit die Verkehrswende überhaupt funktionieren kann.

In Rekordzeit hat die Bürgerinitiative Volksentscheid Fahrrad Deutschlands erstes Radverkehrsgesetz erarbeitet. Es lag im April 2016 vor – zum Abschreiben und Verbessern. In nur drei Wochen haben wir mehr als 100.000 Unterschriften dafür gesammelt, so schnell wie nie zuvor ein Volksentscheid in Berlin, Deutschland oder der Schweiz. Im Wahlkampf wurde das Radverkehrsgesetz Top-Thema. Im November 2016 versprach die neue rot-rot-grüne Koalition, bis März 2017 ein gemeinsames Radverkehrsgesetz zu verhandeln und zu verabschieden, an die 20 Millionen Euro für den Radverkehr im Jahr 2017 auszugeben und alle Ziele und Forderungen des Volksentscheids Fahrrad zu erfüllen.

Zu wenig wurde bislang umgesetzt für den Radverkehr, viel wäre schon möglich gewesen.

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Wie kommt es also, dass wir nicht ganz zufrieden sind mit Rot-Rot-Grün und der Verkehrssenatorin? Weil auf den Straßen nicht viel passierte. Kein neuer sicherer Radweg, keine Kreuzung entschärft, keine neuen Fahrradstellplätze. Nur das Sterben ging weiter: im Vorjahr alle drei Wochen, in diesem Jahr auch schon wieder acht getötete Radfahrer. 

Dass entschlossenes politisches Handeln auch schnell gehen kann, hat die Bezirksbürgermeisterin von Neukölln, Franziska Giffey (SPD), bewiesen. Nach einem tödlichen Unfall, bei dem ein Autofahrer ohne Rücksicht seine Tür öffnete, wurde innerhalb von vier Wochen immerhin provisorisch Abhilfe geschaffen. 

Überbezirklich wäre in kurzer Zeit ebenfalls viel möglich gewesen: An vielen Hauptstraßen können einfach Parkstreifen und Radstreifen getauscht werden, sodass Radfahrer nicht mehr eingezwängt zwischen rasendem Autoverkehr links und geparkten Autos rechts (Achtung, Türen!) fahren müssen. Die Straße des 17. Juni hat laut einer Umfrage den sichersten Radweg Berlins, eben einen solchen geschützten Radstreifen rechts von der Reihe abgestellter Autos, nicht links davon. 90 Prozent der anderen Berliner Radwege sind durchgefallen, insbesondere die Straßenmalereien (ironischerweise „Schutzstreifen“ genannt), die ohne Bordstein oder Poller keinerlei Schutz bieten. So sind von den versprochenen 20 Millionen Euro kaum etwas abgeflossen.

Viele neue Planer werden gebraucht, damit der Radverkehr nicht der nächste BER wird.

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Kommen wir zum Lob: Respekt hat sich Senatorin Günther dafür verdient, dass sie sich in dieses Konfliktfeld gewagt hat. Lob verdienen alle Beteiligten für neue Planungen wie den geschützten Radweg an der Hasenheide. Toll ist auch, dass die Planungsmannschaft im Senat und in den Bezirken langsam wächst. Damit liegt der Senat sogar noch vor dem ursprünglichen Zeitplan, den der Volksentscheid 2015 aufgestellt hatte. Darüber freuen wir uns und zählen ein paar gute Vorsätze fürs neue Jahre und Aufgaben auf, die noch zu lösen sind:

Erstens: Wirklich bauen können. Um nächstes Jahr 40 Millionen und 2019 an die 51 Millionen Euro zu verbauen, bräuchte es weit über 130 Planer. Sonst wird der Radverkehr der nächste BER. 

Fahrradstaffeln der Polizei sind hilfreich und sollten erweitert werden.

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Zweitens: Tempo üben. Bei schweren Unfällen wollen wir Bürger nicht nur eine sofortige Prüfung, sondern auch notfalls provisorische Abhilfemaßnahmen innerhalb weniger Wochen. 

Drittens: Verkehr befrieden. Die Fahrradstaffeln in Mitte haben nachweislich die Unfallzahlen gesenkt und für ein besseres Miteinander gesorgt. Was ist so schwierig dran, kurzfristig 80 zusätzliche Fahrräder und Uniformen zu kaufen?

Bußgelder sind zu niedrig und führen nicht zu Verhaltensänderungen.

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Viertens: Strafen erhöhen. Die Bußgelder fürs Zuparken von Geh- und Radwegen und für ähnliche Vergehen sind so niedrig, dass sie nicht zu Verhaltensänderungen führen. Berlin sollte sich auf Bundesebene für eine Null mehr im Bußgeldkatalog einsetzen. 

Fünftens: Berufskraftfahrer überprüfen. Wer mit seinem Lkw einen Menschen tot fährt, kommt mit 3.600 Euro Strafe davon und darf den Führerschein behalten. Ist das das richtige Zeichen? Und wurden in den Fuhrbetrieben einmal Lenkzeiten, Einsatzplanung und Zuverlässigkeit überprüft? Dann dürfte so mancher Taxibetreiber, Spediteur oder Kleinunternehmer seine Fahrer zu mehr Vorsicht anhalten.

Neue Radwege helfen, Fahrverbote für Autos zu vermeiden.

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Sechstens: Fahrverbote überflüssig machen. Statt auf Gerichtsurteile zu warten, kann jetzt bereits gehandelt werden, um die Luft besser zu machen. An allen Messstellen mit Überschreitungen lässt sich mit dem Bau von Radwegen sofort giftiger Verkehr in sauberen Radverkehr verwandeln. Selbst die IHK Berlin fordert schon Radwege, um Diesel-Fahrverbote zu vermeiden und Wirtschaftsverkehr weiter zu ermöglichen.

Siebtens: Rad und Bahn für Pendler der Außenbezirke attraktiver machen. Verkehrsprobleme in der Stadt löst man besonders auch außerhalb der Stadt. Verkehrswende heißt auch, Kurzstrecken-Nutzer aufs Rad zu locken, um Platz in den Bussen und Bahnen für die Pendler zu machen. Dass Bahnhöfe und Haltestellen im Umland genügend Fahrradständer brauchen, versteht sich von selbst. 

Es ist eine Mär, dass E-Mobiltät alle Probleme löst.

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Achtens: Verkehrsversteher werden. Eine Mär ist, dass der ÖPNV kurzfristig ausgebaut werden könnte oder die E-Mobilität alle Probleme löst. Der Radverkehr ist der entscheidende Baustein, den kein Planer, kein Politiker und kein Kämmerer auslassen darf. 

Alles in allem – nach vielen Monaten Einsatz für Deutschlands erstes Radverkehrs- und Mobilitätsgesetz – freuen wir uns, dass es jetzt hoffentlich im Turbogang vorangeht. 

Mein Wunsch für 2018: Dass bereits im Frühling ein rotes Band durchgeschnitten wird – bei der feierlichen Eröffnung der ersten 10 Kilometer eines breiten und geschützten Radwegs.

63 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Christoph Hensel
    Es ist eine Mär, dass das Rad die Lösung all unserer Probleme ist und deshalb rücksichtslos gefördert werden muss. Räder sind nur für einen recht engen Personenkreis eine Alternative. Man muss die Zeit haben, wenig Transporte machen bzw. Kinder transportieren, nur geringe Entfernungen zu bewältigen haben und von der Kleidung her darf man keine Ansprüche seitens des AG gestellt bekommen. Spätestens bei Regen und im Winter wechseln mindestens 2/3 wieder aufs Auto oder den ÖPNV. Kann man in den Problemradlerbezirken eindrucksvoll miterleben, wie plötzlich die Horden ausdünnen. Außerdem muss man, wenn man den Individualverkehr zurück drängen will vorher Alternativen schaffen. Regios und ÖPNV sind aber schon jetzt im Berufsverkehr extrem überlastet, so dass dort keiner Kapazitäten mehr vorhanden sind. Also bitte erst hier für mehr Kapazität sorgen (auch mit P&R Parkplätzen) und dann kann man überlegen irgendwo mal wieder eine Spur zum Radweg umzudeuten. Mehr Radlerpolizisten empfinde ich als mehr als dringend notwendig um die Radler mal wieder "einzufangen", denn deren Verhalten in den obigen Bezirken spottet jeder Beschreibung.
    1. von Jim Knopf
      Antwort auf den Beitrag von Christoph Hensel 15.12.2017, 10:59:32
      Es ist eine Mär, dass man ein Auto braucht wenn man Kinder hat oder weite Entfernungen zurücklegen muss. Keine Mär ist, dass Kinder mit dem Fahrrad zur Kit oder Schule fahren. Keine Mär ist, dass Autofahrer diese Kinder beim Abbiegen gern ignorieren, nötigen und somit gefährden. Keine Mär ist, dass Eltern deshalb lieber selber mit dem Auto fahren, bevor ihre Kinder auf den unsicheren, unterdimensionierten Radwegen tot- oder zu Krüppeln gefahren werden.
    2. von Christoph Hensel
      Antwort auf den Beitrag von Jim Knopf 15.12.2017, 11:39:54
      Das mit den weiten Entfernungen, das gilt nur für einige, wenige Leute. Das Gros der Leute will es sich nicht zu muten 60 min auf dem Rad zu verbringen um zur Arbeit zu kommen. Ich vermute die Schallgrenze liegt bei ca. 20 min und auch das nur bei gutem Wetter. Wenn Sie Kind A zur Kita Richtung Norden bringen müssen, Kind B zur Schule Richtung Osten und dann zur Arbeit Richtung Norden, dann hat die Radbegeisterung auch schnell ein Ende, besonders wenn man dann auch noch einkaufen gehen muss. Klar geht es *irgendwie* und wenn man es aus ideologischen Gründen unbedingt will. Aber der normale Bürger tut sich das nicht an. Abbiegeunfälle, egal ob Rechts oder Links sind leider verbreitet, werden aber dann noch durch extreme Fahrstile seitens der Radler begünstigt. Aber hier bedarf es auf beiden Seiten mehr Aufmerksamkeit. Ihr letzter Satz ist einfach nur billigste Stimmungsmache.
    3. von Jim Knopf
      Antwort auf den Beitrag von Christoph Hensel 15.12.2017, 11:52:36
      Kind A könnte Radfahren, Kind B den ÖPNV nutzen. Selbst die holländische Thronfolgerin fährt täglich über 5 km mit dem Rad zur Schule. Und für meinen 15 km Arbeitsweg nutze ich auch ganzjährig das Fahrrad. Mit Guten Allwetterreifen und Funktionskleidung kein Problem. Den Anzug kann ich an der Arbeit anziehen.

      Wir nutzen aber auch wieder das Auto, nachdem mein Sohn mehrmals von Autofahrern agressiv bedrängt wurde. Zwar haben wir erfolgreich geklagt, aber das ändert nichts an der Verkehssituation. Und der Bus meiner Tochter fährt einfach zu unzuverlässig.
    4. von Christoph Hensel
      Antwort auf den Beitrag von Jim Knopf 15.12.2017, 12:24:39
      Nun Sie sind nicht der Maßstab aller Bürger. Kinder per Rad und ÖPNV los schicken geht erst ab einem gewissen Alter und auch sehr nach Wegstrecke. Nur weil sie scheinbar ein fanatischer Radler sind, meinen Sie, die ganze Gesellschaft muss es Ihnen gleichtun? Sorry, aber Ihnen fehlt es da doch an Überblick. Sie sind zu keiner ordentlichen Diskussion fähig, so scheint mir.
    5. von Jim Knopf
      Antwort auf den Beitrag von Christoph Hensel 15.12.2017, 16:18:31
      Sie haben eine völlig verzerrte Wahrnehmung, verursacht durch persönliche Erlebnisse. Das hat aber mit der Realität nichts zu tun. Deshalb fehlt es Ihnen an argumentativer Konsistenz. Gefangenen in Ihrem ideologischen Käfig drehen Sie sich verbittert im Kreis. Das tut mir leid.
    6. von Christoph Hensel
      Antwort auf den Beitrag von Jim Knopf 15.12.2017, 20:36:32
      Ha ha ha. Ich fahre Rad, Mopped, Auto, LKW und ÖPNV, aber meine Wahrnehmung ist verzerrt. Das sagt Jemand der sein Kind allein auf dem Rad in die Kita schicken will. Danke reicht.
    7. von Jim Knopf
      Antwort auf den Beitrag von Christoph Hensel 16.12.2017, 17:46:11
      Auch wenn das jetzt hart klingt: Selbst wenn Sie auch noch Rikscha fahren würden, ändert das nichts an Ihrer verzerrten Wahrnehmung. Übrigens war es in meiner Kindheit normal und völlig unproblematisch, dass ältere Kinder allein in den Kindergarten gegangen sind. Es gab damals aber auch nicht soviel rücksichtslose Autofahrer.
    8. von Joerg Simon
      Antwort auf den Beitrag von Christoph Hensel 15.12.2017, 11:52:36
      Dieses Jahr mußte ich mit starken gesundheitlichen Einschränkungen einen Monat mit dem ÖPNV zur Arbeit fahren. 2 x Umsteigen um von Mitte nach Ernst-Reuter-Platz zu gelangen. Pitschnassgeschwitzt, erschöpft auf Arbeit angekommen. Sich kaum bewegen könnend in die Züge rein und raus, überall alles zugestellt. Mit Ausweis um Platz gebettelt. Entschuldigung, darauf kann ich verzichten. Es war im Juni diesen Jahres. Stinkende Leute, Betrunkene, Enge, Wärme. Schirme und Taschen abbekommen, Leute, die jegliche Fluchtdistanz mißachteten. Gerüche von Essen, Alk und Exkrementen. Die Hölle für mich. Aggression. Drogenabhängige und Dealer. Das als jemand, der bereits einmal niedergeschlagen wurde. Soweit meine Erfahrungen. Da fahre ich lieber Auto und stehe auch mal ein paar Minuten im Stau. Aber das hätte mich nach einigen Wochen den Job gekostet, was ich da durchgemacht habe.
    9. von Florian Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Joerg Simon 15.12.2017, 13:11:54
      Also Mal ganz ehrlich, so wie Sie es beschreiben, klingt es eher so, als ob Sie eine Problem mit Ihrer Wahrnehmung / Empfindlichkeit haben - und nicht der ÖPNV. Ich hatte jahrelang ein Semesterticket und den ÖPNV ausgiebig benutzt und kann Ihre Empfindlichkeiten nicht nachvollziehen. Als ob die Bahnen voller Irrer und Besoffener wären - das ist einfach nicht wahr.
    10. von Christoph Hensel
      Antwort auf den Beitrag von Florian Winkler 15.12.2017, 15:23:08
      Semesterticket...ok. Dann fahren Sie mal im richtigen Berufsverkehr. Da werden Sie dann schnell eines Besseren belehrt.
    11. von Florian Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Christoph Hensel 15.12.2017, 16:19:59
      Ich bin damit im Berufsverkehr gefahren.. es war sehr voll.. ich konnte oft nur stehen.. RE1, Ringbahn, Streiks... nervig fand ich die häufigen Verspätungen.. aber dennoch war es für mich nie so traumatisch, wie hier vorhin beschrieben.. ÖPNV ist durchaus eine Alternative, und nicht die Hölle auf Erden.
    12. von Christoph Hensel
      Antwort auf den Beitrag von Joerg Simon 15.12.2017, 13:11:54
      Jo, kenne ich auch so. Macht nicht wirklich Spaß
    13. von Markus Berinig
      Antwort auf den Beitrag von Christoph Hensel 15.12.2017, 10:59:32
      Antwort an alle hier im Thread: Was mich abtörnt, ist diese dogmatische Grundhaltung, die ich spießerhaft finde, egal ob es sich um Weltklimaretter auf dem Velo oder SUV-Fahrer mit eingebauter Vorfahrt handelt. Fakt ist, daß die seit 1996 linken Regierungen in Berlin ein autofeindliches Grundprogramm abspulen, das sich für lange Zeit in einer kompletten Einstellung des Straßenbau und vor allem der Sanierungen darstellte, dann kamen künstliche rote Wellen, dann die sinnfreien, im Grunde nur der Radarabzocke dienenden Tempo-30 Zonen, zum Schluß die überflüssige Radwegepinselei, die Straßen unnötig verschmalt, und zwar sowohl für den Auto- wie den Radfahrer. Besser ist dabei für keinen was geworden. Den Radfahrern hat man offen bis augenzwinkernd signalisiert, daß sie was besseres seien und alles dürften, diesen Geist bekommt man nun nicht so ohne weiteres in die Flasche zurück. Im Vergleich zu vielen anderen, auch deutschen großen Städten ist der Straßenverkehr in Berlin eher gesittet und harmlos.
      Wir leben nun einmal in einer Großstadt, einer verdammt großen mit Millionen an Einwohnern. Auf der Fläche Berlins leben in New York 11, in London 8, in Paris fast 9 Millionen, wie machen die das?
      Warum ist der ÖPNV bei so heruntergewirtschaftet? Ich sage dazu: Weil Berlin große Teile seines Geldes für den Konsum, als den Sozialetat ausgibt. Man kann eben nicht zehntausende an Armutseinwanderern in die Stadt locken und alimentieren und gleichzeitig U-Bahnen wie in Singapur haben. Wir konnten aber nicht einmal den Stand der 30er oder 70er Jahre halten. Der Stadtring der A100 ist immer noch nicht fertig, also rauscht der ganze Durchgangsverkehr durch die Bezirke. Ökospießer haben seinerzeit die Westtangente bis zum Citytunnel verhindert, nun drückt sich der Verkehr durch die Schlucht der Potsdamer/Hauptstraße. Würde die A103 nicht in Schöneberg enden sondern bis nach Wedding im Tunnel laufen, konnte dort längst die Straßenbahn fahren und zwei Radwege. Aber so ist Berlin.
    14. von Jim Knopf
      Antwort auf den Beitrag von Markus Berinig 15.12.2017, 17:32:54
      Oh mein Gott, wieviel Bitterkeit und Unkenntnis aus Ihnen spricht. Es hilft Ihnen daher auch nichts, wenn Sie wissen, dass in Berlin gerade die teuerste Autobahnverlängerung Deutschlands entsteht. Soviel Fläche, so teuer nur für Autos.
    15. von Christoph Hensel
      Antwort auf den Beitrag von Jim Knopf 15.12.2017, 20:41:19
      Ja und das wird den Kiez dort spürbar entlasten. Wenn es weiter bis zur Frankfurter geht wird es auch dort besser.
    16. von Jim Knopf
      Antwort auf den Beitrag von Christoph Hensel 16.12.2017, 17:38:15
      Der alte Glaube an eine lebenswerte, autogerechte Stadt bleibt ein Irrglaube. Um das zu verstehen reicht im Prinzip einfache Mathematik.

      Im Übrigen wird der Kiez erheblich belastet und die Frankfurter Allee ist jetzt schon überlastet. Aber Sie werden auch diesen Stau genießen dürfen, wie all die anderen. Herzlichen Glückwunsch!
    17. von Christoph Hensel
      Antwort auf den Beitrag von Markus Berinig 15.12.2017, 17:32:54
      Da bin ich bei Ihnen, mit quasi jedem Wort.
    18. von Jet Bundle
      Antwort auf den Beitrag von Christoph Hensel 15.12.2017, 10:59:32
      Ja, ein Auto ist praktisch, ich habe auch eines. Aber Sie demonstrieren Unwissen über das Radfahren:
      1) Gefühlt 90% der Bürger müssen keinen Anzug auf der Arbeit tragen. Und selbst für die 10% kann man ein Sakko auf der Arbeit lassen oder sich dort binnen 2 Minuten umziehen. Ich habe ohnehin ein Set Wechselklamotten im Bureauschrank. Und je nach Geometrie kann man auch im Anzug Rad fahren.
      2) Das Rad ist nicht unbedingt langsamer. Ich komme meine 7km in der Ruschhour schneller mit dem Rad zur Arbeit als mit dem Auto
      3) Ja, für die meisten unsportlichen Leute wird das Rad ab 5 km unbequem. Zum Einen gibt es den Trainingseffekt. Zum Anderen gibt es die Möglichkeit der Vernetzung mit den Stadtbahnen. In Kombination Rad/S-Bahn kommt man fast überall hin. Hilfreicher hierfür wäre es die Kriminalität einzudämmen, dass man das Rad am Bahnhof abstellen kann ohne dass es geklaut wird.
      4) Es gibt Regenzeug. In meinem Bekanntenkreis steigen weniger als 20% bei Schlechtwetter auf das Auto um, weitere ca 30% auf den ÖPNV.
    19. von Christoph Hensel
      Antwort auf den Beitrag von Jet Bundle 15.12.2017, 20:00:37
      Nun, die Sichtweise ist von Person zu Person unterschiedlich. Auch wenn man keinen Anzug braucht, so kann doch nur ein verschwindend geringer Teil in verschwitzten Fahrradklamotten auf Arbeit erscheinen und Duschen sind nicht an jeder Arbeitsstelle vorhanden. Bei Ihren 7km haben Sie natürlich eine Entfernung, die für den Radeinsatz ideal ist. Da würde ich es auch wählen, so das Wetter passt. Die Kombination Rad/ ÖPNV führt zu vielen Wutausbrüchen bei den ÖPNV Nutzern, das die Bahnen im Berufsverkehr eh schon übervoll sind. Ich wäre sogar dafür die F-Rad Mitnahme in bestimmten Zeitfenstern auszuschließen. Selbst in Ihrem Bekanntenkreis, der wahrscheinlich dem Rad sehr aufgeschlossen gegenüber steht lässt Jeder 2. das Rad bei schlechtem Wetter stehen, auch wenn es Regenzeug etc gibt. Meine Beobachtungen in Kreuzkölln sind ca. 2/3 weniger Radler.
    20. von Jet Bundle
      Antwort auf den Beitrag von Christoph Hensel 16.12.2017, 17:44:36
      Auch hier haben Sie vermutlich wenig Praxiserfahrung:
      1) Wenn man als halbwegs sportlicher Mensch die richtige Kleidung trägt kommt man bei Stadtfahrten nicht in's Schwitzen. Man muss halt auf's Thermometer schauen und überlegen was man sich an zieht bzw. rechtzeitig den Reißverschluss auf machen. Ich fahre in der Regel mit semi-formalen Hosen und Hemd zur Arbeit, wie die meisten Berufstätigen, und habe damit keine Probleme. Der Vorteil ist dass sich die Hemden auf der Fahrt entknittern, wen mal keine Zeit zum Bügeln war.
      2) In einer Stadt wo die Polizei Herr der Lage ist kann man mit dem Rad zum Bahnhof fahren, das Rad dort anschließen und von dort mit dem ÖPNV weiter. Wenn der Arbeitsplatz nicht gut angebunden ist kauft man sich eine Gurke die man dort anschließt.
  2. von Sonja Menzel
    Das Radeln neben den Pkw u. sonstigen Fahrzeugen ist natürlich die preiswerteste Form, die schwer gesundheitlichen Abgase durch die Lungen der Radler filtern zu lassen. Unverantwortlich, wer dort radelt; darüber wird leider nicht diskutiert - Zehntausende Tote allein in unserem Land, die an den Folgen der verniedlichten Luftverschmutzung besonders an stark befahrenen Straßen und in Innenstädten versterben.
  3. von Angelo Bienek
    Dem gibt es nicht hinzuzufügen. Der Volksentscheid Fahrrad mit Heinrich Strößenreuther hat uns einen Dienst erwiesen der in wenigen Jahren unsere Stadt wahrscheinlich lebenswerter machen wird. Man schaue in andere Städte und Länder die das schon lange schaffen, was wir hier versuchen. Denen sollte man ganz genau auf die Finger schauen und bewährte Methoden und Konzepte übernehmen. Man braucht das Rad nicht neu erfinden sondern muss die bereits vorhandenen Konzepte umsetzen.

    Nochmals Danke an den Volksentscheid für diese Arbeit!
  4. von Vorstadt Strizzi
    Es fällt auf, dass sowohl Günther (Der Autoverkehr wächst ...") wie auch Strößenreuther ("Dem Autoverkehr Flächen wegzunehmen ...") das Auto an den Anfang ihrer hier auf Causa dargelegten Überlegungen stellen.
    Besser ist die Crux des bundesdeutschen Mobilitäts(miss-)verständnisses kaum zu beschreiben:
    Das Auto ist das Paradigma, aus dem man sich nicht zu lösen vermag.
    Eine Verkehrspolitik, die als Ausgangspunkt den Kampf gegen das Auto nimmt, die ist weder nachhaltig, noch inklusiv, noch letztlich durchsetzungsfähig. Denn sie besitzt keine eigene Strategie und damit keine Vorstellung, die auch ohne Auto denkbar ist.

    Mobilitätspolitik muss sich nicht am Auto, sondern am Menschen orientieren.
    So verharrt Strößenreuther, bei allen guten Ansätzen, in technischen und ordnungsrechtlichen Vorschlägen.

    Innovation, Nachhaltigkeit und Inklusivität in der Mobilitätspolitik bedeuten: Orientierung an Menschen und menschlichem Verhalten.
    Die rein ökonomisch/technologisch geprägte Sicht auf Mobilität ist es, die uns in die Sackgasse geführt hat.

    Nimmt man statt des Anti-Auto Ansatzes den Menschen sowie die notwendige kulturelle Veränderung als Bezugspunkt für nachhaltige Mobilität, so ergeben sich zwei Schwerpunkte.

    Als zentrales Projekt wäre dann ein Netz von Schulradwegen vonnöten, das zunächst die weiterführenden Schulen miteinander verbindet. Je nach Einzugsgebiet muss es immer eine Möglichkeit geben, mit dem Rad sicher zur Schule zu kommen.

    Denn es ist so: Kinder behalten das einmal erlernte Mobilitätsverhalten oft auch als Erwachsene bei und geben es an ihre eigenen Kinder weiter. Sie profitieren körperlich und geistig von einer eigenständigen Mobilität. Und: Wo Kinder sich sicher bewegen können, dort können sich alle sicher bewegen.
    Ein Schulradwegenetz wäre damit der Grundstock - und die Voraussetzung - für ein stadtweites, inklusives und nachhaltiges Nahmobilitätsnetz.

    Das wäre Punkt 1 eines innovativen urbanen Mobilitätsprogramms.