Zwei Jahre am Rad gedreht Verkehrswende gemeinsam knacken

Bild von Heinrich Strößenreuther
Initiator des Fahrrad-Volksentscheids

Expertise:

Initiator des Fahrrad-Volksentscheids in Berlin und Geschäftsführer der Agentur für clevere Städte.

Dem Autoverkehr Flächen wegzunehmen, um darauf sichere Radwege, Fußwege und Busspuren zu bauen sowie die Gefahren des Autoverkehrs zu reduzieren, ist einer der schwersten politischen Konflikte der Nachkriegszeit. Aber die Chance auf eine neue Gemeinsamkeit ist da.

Es hätte so schön sein können, zwei Jahre später. Jetzt, zu Weihnachten, hätten wir gemeinsam mit Senatorin Günther, mit Verkehrsverbänden und den rot-rot-grünen Fraktionen mit Magnum-Flaschen, wie man sie nur von Formel-1-Rennen kennt, Deutschlands erstes Radverkehrsgesetz feiern können. Denn in der letzten Abgeordnetenhaussitzung des Jahres, am 14. Dezember 2017, hätte es beschlossen sein können. 

Garniert wäre es gewesen mit den ersten 100 Kilometern Radwege, die sofort das Radfahren sicherer gemacht hätten. 20 Millionen Euro wären dieses Jahr verbaut worden, um mehr Menschen aus dem Auto und rauf aufs Rad zu locken – von Senatskanzlei-Referenten, Arbeitern bis zu Vorstandsgattinnen, von Kindern bis Omis. Bei jedem schweren Unfall wären Sofort-Maßnahmen ergriffen worden, damit dort nie wieder Knochen brechen und Blut fließt. Mehrere Kilometer Fahrradstraßen wären in neuer Eintracht von ADAC und ADFC eröffnet worden, von einer Verkehrssenatorin, die den Rückhalt ihrer Bürger zu schätzen weiß. 

Dem Autoverkehr Flächen wegnehmen, um darauf sichere Radwege, Fußwege, Busspuren zu bauen.

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Was wäre das für ein Erfolg für bürgerliches Engagement gewesen, für ein entschlossenes Auftreten von Volksentscheiden und gewählten Politikern und für eine neue Gemeinsamkeit in einem der schwersten politischen Konflikte der Nachkriegszeit: die Verkehrswende zu knacken, also dem Autoverkehr Flächen wegzunehmen, um darauf sichere Radwege, Fußwege, Busspuren zu bauen und die Gefahren des Autoverkehrs zu reduzieren. Die Posse um ein paar Parkplätze vor der Haustür des Regierenden Bürgermeisters, die für einen sicheren Radverkehr zu tauschen waren, zeigte, wie tief verwurzelt die Ängste vor der Autolobby noch immer sind.

Vor fast genau zwei Jahren, im Dezember 2015, ging die Initiative Volksentscheid Fahrrad an den Start. Nicht wenige dachten: Was für eine abgedrehte Idee, mit einem Volksentscheid die Verkehrswende digital entscheiden zu lassen. Doch sie kamen zu einem Workshop und ließen sich von der Idee begeistern, eine Mega-Diskussion in Berlin über die Zukunft des Verkehrs zu führen. Sie waren entschlossen, in diesem Verkehrskonflikt mit gemeinsamen Kräften den Politikern zu helfen. Würden wir Mehrheiten überzeugen können, gäbe es eine neue Legitimität für politisches Handeln, so die Ratio. Schließlich legen zwei Millionen Berliner Innenstadtbewohner 4 von 5 Wegen nicht mehr mit dem Auto zurück. Soll eine Mehrheit weiter leiden unter der flächenraubenden und gefährlichen, wenn auch bequemen Verkehrsart einer Minderheit?

Lockt ein sicherer Radweg zum Umstieg, ist allen geholfen.

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Es musste etwas passieren, ein Weiter-so ging nicht: Jedes Jahr 20.000 Autos mehr in Berlin, die aber weniger fahren und immer länger nutzlos rumstehen. Gleichzeitig fuhren mehr Berliner Rad. Und es wollten noch weit mehr Menschen aufs Fahrrad umsteigen, aber Radfahren in Berlin war ihnen einfach zu gefährlich und zu stressig. Lockt ein sicherer Radweg zum Umstieg, so die Idee, ist allen geholfen. Der Ausbau des Nahverkehrs, so charmant er sich anhört, ist nicht in kurzer Zeit zu machen und kostete schon bislang fast 100-mal mehr als insgesamt für den Radverkehr ausgegeben wurde. Um die Erderhitzung auf zwei Grad zu begrenzen, muss kurzfristig massiv aufs Rad gelockt werden, damit die Verkehrswende überhaupt funktionieren kann.

In Rekordzeit hat die Bürgerinitiative Volksentscheid Fahrrad Deutschlands erstes Radverkehrsgesetz erarbeitet. Es lag im April 2016 vor – zum Abschreiben und Verbessern. In nur drei Wochen haben wir mehr als 100.000 Unterschriften dafür gesammelt, so schnell wie nie zuvor ein Volksentscheid in Berlin, Deutschland oder der Schweiz. Im Wahlkampf wurde das Radverkehrsgesetz Top-Thema. Im November 2016 versprach die neue rot-rot-grüne Koalition, bis März 2017 ein gemeinsames Radverkehrsgesetz zu verhandeln und zu verabschieden, an die 20 Millionen Euro für den Radverkehr im Jahr 2017 auszugeben und alle Ziele und Forderungen des Volksentscheids Fahrrad zu erfüllen.

Zu wenig wurde bislang umgesetzt für den Radverkehr, viel wäre schon möglich gewesen.

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Wie kommt es also, dass wir nicht ganz zufrieden sind mit Rot-Rot-Grün und der Verkehrssenatorin? Weil auf den Straßen nicht viel passierte. Kein neuer sicherer Radweg, keine Kreuzung entschärft, keine neuen Fahrradstellplätze. Nur das Sterben ging weiter: im Vorjahr alle drei Wochen, in diesem Jahr auch schon wieder acht getötete Radfahrer. 

Dass entschlossenes politisches Handeln auch schnell gehen kann, hat die Bezirksbürgermeisterin von Neukölln, Franziska Giffey (SPD), bewiesen. Nach einem tödlichen Unfall, bei dem ein Autofahrer ohne Rücksicht seine Tür öffnete, wurde innerhalb von vier Wochen immerhin provisorisch Abhilfe geschaffen. 

Überbezirklich wäre in kurzer Zeit ebenfalls viel möglich gewesen: An vielen Hauptstraßen können einfach Parkstreifen und Radstreifen getauscht werden, sodass Radfahrer nicht mehr eingezwängt zwischen rasendem Autoverkehr links und geparkten Autos rechts (Achtung, Türen!) fahren müssen. Die Straße des 17. Juni hat laut einer Umfrage den sichersten Radweg Berlins, eben einen solchen geschützten Radstreifen rechts von der Reihe abgestellter Autos, nicht links davon. 90 Prozent der anderen Berliner Radwege sind durchgefallen, insbesondere die Straßenmalereien (ironischerweise „Schutzstreifen“ genannt), die ohne Bordstein oder Poller keinerlei Schutz bieten. So sind von den versprochenen 20 Millionen Euro kaum etwas abgeflossen.

Viele neue Planer werden gebraucht, damit der Radverkehr nicht der nächste BER wird.

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Kommen wir zum Lob: Respekt hat sich Senatorin Günther dafür verdient, dass sie sich in dieses Konfliktfeld gewagt hat. Lob verdienen alle Beteiligten für neue Planungen wie den geschützten Radweg an der Hasenheide. Toll ist auch, dass die Planungsmannschaft im Senat und in den Bezirken langsam wächst. Damit liegt der Senat sogar noch vor dem ursprünglichen Zeitplan, den der Volksentscheid 2015 aufgestellt hatte. Darüber freuen wir uns und zählen ein paar gute Vorsätze fürs neue Jahre und Aufgaben auf, die noch zu lösen sind:

Erstens: Wirklich bauen können. Um nächstes Jahr 40 Millionen und 2019 an die 51 Millionen Euro zu verbauen, bräuchte es weit über 130 Planer. Sonst wird der Radverkehr der nächste BER. 

Fahrradstaffeln der Polizei sind hilfreich und sollten erweitert werden.

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Zweitens: Tempo üben. Bei schweren Unfällen wollen wir Bürger nicht nur eine sofortige Prüfung, sondern auch notfalls provisorische Abhilfemaßnahmen innerhalb weniger Wochen. 

Drittens: Verkehr befrieden. Die Fahrradstaffeln in Mitte haben nachweislich die Unfallzahlen gesenkt und für ein besseres Miteinander gesorgt. Was ist so schwierig dran, kurzfristig 80 zusätzliche Fahrräder und Uniformen zu kaufen?

Bußgelder sind zu niedrig und führen nicht zu Verhaltensänderungen.

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Viertens: Strafen erhöhen. Die Bußgelder fürs Zuparken von Geh- und Radwegen und für ähnliche Vergehen sind so niedrig, dass sie nicht zu Verhaltensänderungen führen. Berlin sollte sich auf Bundesebene für eine Null mehr im Bußgeldkatalog einsetzen. 

Fünftens: Berufskraftfahrer überprüfen. Wer mit seinem Lkw einen Menschen tot fährt, kommt mit 3.600 Euro Strafe davon und darf den Führerschein behalten. Ist das das richtige Zeichen? Und wurden in den Fuhrbetrieben einmal Lenkzeiten, Einsatzplanung und Zuverlässigkeit überprüft? Dann dürfte so mancher Taxibetreiber, Spediteur oder Kleinunternehmer seine Fahrer zu mehr Vorsicht anhalten.

Neue Radwege helfen, Fahrverbote für Autos zu vermeiden.

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Sechstens: Fahrverbote überflüssig machen. Statt auf Gerichtsurteile zu warten, kann jetzt bereits gehandelt werden, um die Luft besser zu machen. An allen Messstellen mit Überschreitungen lässt sich mit dem Bau von Radwegen sofort giftiger Verkehr in sauberen Radverkehr verwandeln. Selbst die IHK Berlin fordert schon Radwege, um Diesel-Fahrverbote zu vermeiden und Wirtschaftsverkehr weiter zu ermöglichen.

Siebtens: Rad und Bahn für Pendler der Außenbezirke attraktiver machen. Verkehrsprobleme in der Stadt löst man besonders auch außerhalb der Stadt. Verkehrswende heißt auch, Kurzstrecken-Nutzer aufs Rad zu locken, um Platz in den Bussen und Bahnen für die Pendler zu machen. Dass Bahnhöfe und Haltestellen im Umland genügend Fahrradständer brauchen, versteht sich von selbst. 

Es ist eine Mär, dass E-Mobiltät alle Probleme löst.

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Achtens: Verkehrsversteher werden. Eine Mär ist, dass der ÖPNV kurzfristig ausgebaut werden könnte oder die E-Mobilität alle Probleme löst. Der Radverkehr ist der entscheidende Baustein, den kein Planer, kein Politiker und kein Kämmerer auslassen darf. 

Alles in allem – nach vielen Monaten Einsatz für Deutschlands erstes Radverkehrs- und Mobilitätsgesetz – freuen wir uns, dass es jetzt hoffentlich im Turbogang vorangeht. 

Mein Wunsch für 2018: Dass bereits im Frühling ein rotes Band durchgeschnitten wird – bei der feierlichen Eröffnung der ersten 10 Kilometer eines breiten und geschützten Radwegs.

63 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Petra Lippmann
    Ich beziehe mich auf den Artikel: Umbau des Kottbusser Damms, Radstreifen statt Parkplätze.
    Ohne ein vernünftiges Verkehrskonzept steuert Berlin auf einen Krieg zu: Autofahrer gegen den Rest der Welt. Es gibt bereits reichlich Radstreifen in der Stadt, deren Auslastung überschaubar ist. Ich glaube nicht, dass viele Autobesitzer bereit sind, ihr Fahrzeug aufzugeben, auch wenn diese nur wenig benutzt werden. Die Autos sind nun mal da! Wo sollen sie hin? Dass auf ein Zeichen hin alle Autobesitzer, die in der Innenstadt wohnen, ihr Fahrzeug verschrotten, ist unzumutbar. Außerdem will uns die Wirtschaft nach wie vor ihre Autos verkaufen. Ja, wir sollen sie uns kaufen, nur benutzen dürfen wir sie nicht. Auf einen Parkplatz im Karstadt Parkhaus auszuweichen, das kann sich nicht jeder leisten. Außerdem dürften auch dort Kapazitätsgrenzen bestehen. Die Fahrstreifen des Kottbusser Damms von 4 auf 2 zu begrenzen, wird den Verkehr massiv ausbremsen. Das wird wiederum die Schadstoffbelastung und Feinstauberzeugung irrsinnig verstärken. Vernünftige Ampelschaltung und weniger Ampeln! Oder besteht das Konzept darin: die Autofahrer so lange zu nerven, bis sie aufgeben? Die Anwohner werden sich auch bedanken ob der schlechten Luft. Mir kommt der Umbau Berlins zu einer radfreundlichen Stadt vor wie unüberlegter Aktionismus. Die Weserstraße, die in den Kottbusser Damm mündet, soll zur Fahrradstraße umgebaut werden. Dabei wird das schöne alte Kopfsteinpflaster zubetonniert. Es werden wieder einmal Flächen versiegelt, wobei Kopfsteinpflaster bei Starkregen viel besser ist, ganz zu schweigen von der Ästhetik. Zu den Altbauten passt das alte Pflaster sehr gut.
    Und dann sind da noch die Leute, die aus gesundheitlichen Gründen nicht Radfahren können. Dank des Klimawandels leiden viele an extremem Asthma, weil der Pollenflug sich sehr verstärkt hat. Die haben schlicht keine Puste fürs Rad und brauchen ein Auto.
  2. von Jet Bundle
    Wie wär's eigentlich damit, endlich mal die Verkehrsregeln in Berlin durchzusetzen, damit der Verkehr wieder fließt? Das würde bedeuten höhere Bußgelder für 2. Reihe Parker, Handynutzer etc. Man könnte auch die Schaffung kommerzieller Tiefgaragen ermutigen. In anderen Ländern gibt es Tiefgaragen unter Plätzen und Parks. In den Innenstadtquartieren könnte man auch einen nachgewiesenen Parkplatz als Voraussetzung zur Autoanmeldung machen, mit einer Reserve öffentlicher Parkplätze für Familien.

    Und für den Fahrradverkehr sind Fahrradspuren auf der Straße viel effektiver als abgetrennte Radwege. Das wurde schon in den 90ern erkannt.

    Den Verkehr im Allgemeinen kann man auch durch eine vernünftige Stadtplanung reduzieren. Mit einer Dezentralisierung von öffentlichen Einrichtungen und Behörden ermöglicht man das Arbeitsnahe Wohnen. Und mit neuen effizient in den ÖPNV eingebundenen Stadtrandvierteln mit eigener Versorgunsinfrastruktur und lokalen Gewerbegebieten wirkt man dem Verkehrswachstum entgegen. Denkbar sind auch neue Konzepte für den Lieferverkehr. Elektrische Paketmobile auf dem Bürgersteig in der Innenstadt oder Paketstationen im Häuserblock. Dazu eine gewerbliche Lieferstrategie mit Sortierzentren außerhalb der Stadt und anschließenden Sammeltransporten.
  3. von Jens Schmidt
    Der erste notwendige Schritt wäre wohl, dass die Verkehrsregeln von Autofahrern, Fahrradfahrern und Fußgängern eingehalten werden. Und da es freiwillig viele nicht tun, muss die Überwachung verstärkt werden. Und evtl. müssen die Strafen erhöht werden, obwohl ich fürchte es reicht einfach Fehlverhalten mit den jetzigen Strafen zu ahnden. Man muss es nur ahnden wollen.

    Da stehen dann Dinge wie Nummernschilde für Fahrradfahrer, die unsägliche Unterscheidung von ruhenden und fließenden Verkehr (jeweils jemand anders für zuständig) und z.B. mehr Blitzer auf der Tagessordnung (Brandenburg hat 200+ festinstallierte Blitzer und Berlin 16).
    1. von Joerg Simon
      Antwort auf den Beitrag von Jens Schmidt 15.12.2017, 15:34:34
      Volle Zustimmung. Aber Strafen allein tun es nicht, es braucht eine generelle Änderung des Verhaltens wieder mehr hin zu mehr Rücksicht und Achtsamkeit. Weniger Stress und Co. Das jedoch wird lange dauern.
    2. von Jet Bundle
      Antwort auf den Beitrag von Joerg Simon 15.12.2017, 17:12:01
      Vor Allem braucht es erst mal mehr Konsequenz der Behörden. Es muss erst mal schlichtweg jeder Verstoß geahndet werden den die polizei sieht, sei es der 2. Reihe Parker oder der Radfahrer ohne Licht. Das schafft ein Bewusstsein dafür, Regeln zu achten.
    3. von Kai Mertins
      Antwort auf den Beitrag von Jens Schmidt 15.12.2017, 15:34:34
      Zustimmung. Nummernschilder für Fahrräder würden das verkehrswidrige Verhalten einer Gruppe von „militanten Radfahrern“ schnell ändern. Nicht ideologisch vorgehen (Radfahrer allein) sondern nach Verkehrsleistung entscheiden (Personenkilometer/Strecke). Dann könnten dort Radwege gebaut werden wo echter Bedarf ist und nicht sinnlos teure Autostraße in Radwege umgewandelt werden.
    4. von Michael Stoß
      Antwort auf den Beitrag von Jens Schmidt 15.12.2017, 15:34:34
      Sie irren fundamental. Selbst eine polizeilich durchgesetzte 100%ige Regeltreue aller Verkehrsteilnehmer könnte an den derzeitigen Defiziten nichts ändern. Sie dürfen getrost davon ausgehen, dass sich die Menschen nicht groß in ihrer Regeltreue nach Verkehrsmittelwahl unterscheiden lassen, nur die Art der Übertretungen unterscheidet sich. Die Mittel, die man investieren müsste, um hinterher genauso weit zu sein, wie vorher, kann man besser in eine bessere Infrastruktur stecken. Das würde sich sehr schnell auswirken und auch finanziell für Berlin mittelfristig rechnen.

      Der Ruf nach Regeltreue meint im allgemeinen lediglich die Regeltreue der jeweils anderen: Splitter, Balken, eigenes Auge, Sie wissen schon...
  4. von Mike Nixda
    Es ist eine typische Illusion der grünen Traumtänzer, dass Radfahren eine Alternative zum Autofahren sei. Fakt ist und da gibt es auch nichts zu bezweifeln, dass kaum ein Autofahrer zugunsten es Rads auf sein PKW verzichten wird.

    Wenn man die Autos aus der Stadt raus haben will, kann die einzige Lösung nur sein, den ÖPNV massiv auszubauen. Und daran scheitert Berlin kläglich. Die BVG und S-Bahn sind kaputt gespart, pfeifen aus dem letzten Loch und fahren am Limit. Würden nur 10% der Autofahrer umsteigen wollen, würde der gesamte ÖPNV zusammenbrechen.

    Während in London die U-Bahn zu Stoßzeiten im 90-Sekunden-Takt fährt, schafft es die BVG nicht mal mehr, einen zuverlässigen 5-Minuten-Takt einzuhalten.

    Um U-Bahnen, S-Bahnen, Tram und Busverkehr fitt für eine autofreie Innenstadt zu machen, müssten Milliarden investiert werden. Das passiert nicht, und daher ist die Verkehrspolitik gescheitert.
    1. von Florian Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Mike Nixda 15.12.2017, 15:04:05
      Woran machen Sie es fest, dass ein Autofahrer nicht aufs Rad umsteigen würde?

      Ein wichtiger Grund fürs Auto ist doch die Freiheit, mit dem Auto kann ich ungestört von A nach B fahren. Und genau das bekommt man auch auf dem Rad, nur eben ohne Kosten, Stau und Parkplatzsuche, dafür muss man aber etwas Kraft aufwenden (oder in ein Pedelec ivestieren). Im Schnitt sind Berliner Wege 6,9km lang, mit dem Rad gemütlich in 25 Minuten zu fahren (ich pendle 10km durch die Stadt in 30 Minuten).

      Beides ist wichtig, Rad und ÖPNV. Fußwege sind okay so, wie sie sind.
    2. von Markus Berinig
      Antwort auf den Beitrag von Florian Winkler 15.12.2017, 15:34:43
      Autofahren und Radfahren sind nicht vergleichbar, nur insofern, als daß es sich bei beiden Arten um Individualverkehr handelt. Ich bin Auto- und Radfahrer und kenne und erlebe dabei den Perspektiv- und Bewußtseinswechsel. Bei beiden ärgere ich mich über typische Situation, vollkommen im Bewußtsein, daß jeweils weder der Radler noch der Autofahrer das absichtlich machen. Durch die geteilte Erfahrung bin aber nachsichtiger, und weiß schon im Voraus, wie manche Situationen laufen. Eine Rolle, die nur sekundär mit dem Verkehr zu tun hat, spielt vor allem die heutige Egokultur, das ich ich ich, das ja auch aus Strößenreuthers Argumentation spricht. Wir lesen von Typen, die Krankenwagenfahrer verprügeln, weil die jemanden helfen und dabei "im Weg" sind. Das verschwindet ja nicht einfach, wenn man aufs Rad oder ins Auto steigt. Jeder sieht nur ich, sein "Recht", sein Bedürfnis, schnell zum Ziel zu kommen. Als ich noch ein Schüler war, wurde definitiv anders Rad gefahren als heute. Aber auch das Autofahren war anders, und eine Großstadt war Berlin schon immer. Aber zurück zu Ihrer Frage: Das Rad ist keine Alternative zum Auto. Es ist eine eigene Art der Mobilität, so wie auch das Motorrad kein Auto ersetzt. Im Stadtverkehr hat es seinen Platz, aber ersetzen kann es das Auto nicht. Eine autofreie Stadt ist eine mit deutlich weniger individueller Mobilität. Warum sonst wäre die Radfahrernation China vor 20 Jahren so nachhaltig auf das Auto umgestiegen - in dem Moment, als Autos für die Masse verfügbar wurden und der Staat das Autofahren nicht mehr unterband? Man kann immer das Ideal einer kollektivistischen Verzichtsgesellschaft hochhalten, aber das ist dann eine andere Gesellschaft.
    3. von Florian Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Markus Berinig 15.12.2017, 17:54:35
      Autofahren ist nicht Radfahren, das stimmt. ÖPNV ist genauso wenig Autofahren. Ich bin überall zuhause, am meisten Rad, dann Auto, am Ende ÖPNV. Ich halte die Kombination am besten und sehe doch, dass ich das Auto, wenn ich es nutze, nur aus Bequemlichkeit nutze. Mehr als 1x im Jahr transportiere ich keine Möbel. Aber mit der Freundin im Auto ist eben doch schöner als auf dem Rad oder in der Bahn. Zumal Autofahren kaum teurer als der ÖPNV ist.

      Niemand will das Auto verbieten. Da braucht keiner Angst haben. Man will und muss nur die Stadträume gerechter verteilen. Dem Auto steht objektiv gesehen einfach zu viel Platz auf Kosten der anderen zu, Man könnte auch überlegen den Wirtschaftsverkehr vor dem MIV zu priorisieren. Denn meiste MIV ist ersetztbar, das muss man objektiv einsehen.

      Die Prio müsste so ausehen: 1. ÖPNV 2. Fuß 3. Rad 4. Wirtschaftsverkehr 5. MIV

      In Tokyo hat das Auto einen Anteil von mageren 12%.. und auch dort sind sicherlich noch viele Fahrten dabei, die man mit der Bahn oder dem Rad absolvieren könnte.



    4. von Mike Nixda
      Antwort auf den Beitrag von Florian Winkler 15.12.2017, 15:34:43
      Frage: Woran machen Sie es fest, dass ein Autofahrer nicht aufs Rad umsteigen würde?

      Antwort: Sie werden kaum darauf kommen. Es ist der gesunde Menschenverstand. Der sagt uns nämlich, dass die wenigsten bereit sind, außer bei schönem Wetter mit dem Rad zu fahren. Bis auf die, die es aus Prinzip machen, sind die allerwenigsten bereit, sich Regen, Schnee und Kälte anzutun.
    5. von Florian Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Mike Nixda 15.12.2017, 18:21:12
      "Es ist der gesunde Menschenverstand. Der sagt uns nämlich, dass die wenigsten bereit sind, außer bei schönem Wetter mit dem Rad zu fahren. Bis auf die, die es aus Prinzip machen, sind die allerwenigsten bereit, sich Regen, Schnee und Kälte anzutun."

      Also mein Verstand sagt mir, dass es viele Autofahrer geben wird, die keine Lust auf Verbindungen haben, wo sie 2x umsteigen müssen und sich engen Raum mit Fremden teilen.

      Ich fahre auch im Winter Rad.. aber warum sollte ich das "nur aus Prinzip" tun? Ich habe zwar ein Auto, aber das ist mir einfach zu anstrengend im Stadtverkehr, ich brauch mehr Zeit und muss nen Parkplatz suchen. Im Winter Radfahren ist gar nicht schlimm. Für mich wäre in ner vollen Straßenbahn oder im Stau stehen schlimmer.. bin ich deswegen schon ein krasser Außenseiter-Öko? Nein.. ich wähle einfach die für mich passendste Verkehrsform, ohne irgend etwas vorher auszuschließen.
    6. von Mike Nixda
      Antwort auf den Beitrag von Florian Winkler 15.12.2017, 18:36:53
      Meine Anerkennung, dass Sie auch im Winter Rad fahren. Aber trotzdem, ich wette mit Ihnen, wenn Sie zehn Autofahrer fragen, ob sie bei dem Wetter (2°, Niesel- und Schneeregen) bereit wären, stattdessen mit dem Fahrrad zu fahren, werden mindestens neun mit "Nein" antworten.

      Darum bin ich der Meinung, dass man den ÖPNV massiv ausbauen muss. Das ist leider in den letzten 10-15 Jahren sträflich vernachlässigt worden, sodass nun ein Investionsstau in Milliardenhöhe entstanden ist. U-Bahn Fahrzeuge für einen dichteren Takt müssen gekauft und Strecken weitergebaut werden. Duzende Bahnhöfe sind in fürchterlichem Zustand und müssen saniert werden. Es ist mehr Wachpersonal nötig, weil sich einige leider immer wieder wie die Schweine benehmen. Außerdem mehr Straßenbahnen, mehr Busse und einen Masterplan für eine zuverlässigere S-Bahn.
    7. von Florian Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Mike Nixda 15.12.2017, 19:58:09
      "Meine Anerkennung, dass Sie auch im Winter Rad fahren. Aber trotzdem, ich wette mit Ihnen, wenn Sie zehn Autofahrer fragen, ob sie bei dem Wetter (2°, Niesel- und Schneeregen) bereit wären, stattdessen mit dem Fahrrad zu fahren, werden mindestens neun mit "Nein" antworten."

      Ja, 9 von 10 kann gut sein. Das wären 10%. Würde man grob beim ÖPNV 10% an Subventionieren einsparen, hätte man mehr als genug um gute Radinfra zu bauen, so dass man auch ÖPNV-Nutzer aufs Rad lockt und damit den ÖPNV entlastet.

      Für mich hat jeder Mensch seine individuellen Vorlieben in Sachen Verkehr, jeder hat seine eigenen Strecken. Jeder sollte best möglichst so vorwärts kommen, wie er es für am besten hält, aber das Ganze muss auch gerecht statt stattfinden, und nicht auf Kosten des anderen. Und wenn die 30% Autoverkehr mit Abstand den meisten Raum verbrauchen, sowie die Gesundheit der Bürger am stärksten belasten, so ist hier ein Missverhältnis zu den anderen 70%, das es zu beheben geht.

    8. von Christoph Hensel
      Antwort auf den Beitrag von Mike Nixda 15.12.2017, 18:21:12
      Ich bin da ganz bei ihnen. Selbst wenn das Wetter "zu schön" ist will man nicht mehr Rad fahrn. Ab 28-30° fahre ich lieber Auto statt Mopped weil ich dann die Klimaanlage anmachen kann. Das geht den Radlern dann genau so. Außer man ist eben Überzeugungstäter, die fahn immer und die kapieren auch nicht, warum Andere es Anders machen.
    9. von Jet Bundle
      Antwort auf den Beitrag von Florian Winkler 15.12.2017, 15:34:43
      Es geht ja nicht um "Auto oder Rad". Beide sowie der ÖPNV sind sinnvolle Verkehrsmittel für ihre jeweiligen Einsatzzwecke. Wenn das Auto wirklich nur bei Transportbedarf oder für schwer erreichbare Ziele weiter als 5km eingesetzt wird ist viel geholfen. Leider wird diese Diskussion aber überwiegend ideologisiert geführt und führt somit nicht zu einem vernünftigen Ziel.
    10. von Mike Nixda
      Antwort auf den Beitrag von Jet Bundle 15.12.2017, 19:47:44
      Idiologisiert ist vor allem die einseitige Bevorzugung der Radfahrer durch den grün dominierten Senat. Im ÖPNV fehlen Milliarden und es passiert nichts. So wird das nichts mit einer Wende im Stadtverkehr.
    11. von Christoph Hensel
      Antwort auf den Beitrag von Florian Winkler 15.12.2017, 15:34:43
      Im Ring mag das stimmen mit den 6.9km, aber wehe man wohnt außerhalb, da sind 20km eher normal denn die Ausnahme. Das macht dann weniger Spass, insbesondere bei dem Drexwetter
    12. von Michael Stoß
      Antwort auf den Beitrag von Mike Nixda 15.12.2017, 15:04:05
      Fahrende Autos sind nicht das Problem, es sind die Massen an Autos, die im öffentlichen Raum zum Nulltarif herumstehen. Würde man die Berliner Straßen auch nur von der Hälfte der parkenden Autos auf öffentlichen Flächen befreien, es gäbe genug Platz für üppige Radspuren. Und da für Radwege das gleiche altbekannte Prinzip gilt "Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten" würden auch mehr Menschen Rad fahren, die bisher Auto oder ÖPNV nutzen. Das verbessert die Situation für alle, die in Berlin vorankommen wollen, auch für den berühmten Wirtschaftsverkehr, der ja angeblich ausgebremst wird.

      Das einzige was in dieser Stadt (wie auch in vielen anderen) den Autoverkehr bremst, sind die Autos.
  5. von Hans Meyer
    Schwerster politischer Konflikt der Nachkriegszeit?

    Wow, da bin ich im ersten Moment etwas drüber gestolpert. Wenn ich mir aber die Debattenbeiträge einzelner Teilnehmer*innen hier so durchlese, schwant mir, was Herr Strößenreuther wohl gemeint haben könnte. Unsere Gesellschaft ist mittlerweile dermaßen auto-fixiert, dass damit regelrecht Ängste einhergehen, wenn man an diesem Zustand etwas ändern möchte.
    Wer ernsthaft und viel Fahrrad in dieser Stadt fährt, der weiß einfach wie schrecklich das mitunter ist. Da muss sich echt etwas ändern. Und ja, es gibt unter Fahrradfahrern genauso viele Rüpel wie es sie unter Autofahrern und Fußgängern gibt - warum das so ist, das müssen wohl Soziologen und/oder Psychotherapeuten mal genauer erklären.

    Fakt ist: Das Auto nimmt der Stadt inzwischen viel zu viel Raum weg und belegt es mit überwiegendem Rumstehen (Parken).

    Ich unterstütze Herrn Strößenreuthers Thesen vollumfänglich! Fordere Berlin aber auf, in gleichem Maße wie es sich hoffentlich bald für Radverkehr einsetzt, den Ausbau des ÖPNV und der Fußgängerinfrastruktur voranzutreiben. Nur wenn die Alternativen wirklich attraktiv sind, werden Autofahrer einen Umstieg überlegen.

    Nur: Endlich mal machen!
    1. von Markus Berinig
      Antwort auf den Beitrag von Hans Meyer 15.12.2017, 13:27:23
      Da möchte ich Ihnen widersprechen.
      Die Mehrzahl der heutigen Radfahrer fährt nicht mehr, wie früher, Rad, weil sie es muß (zu jung für Auto oder Roller, kein Geld) sondern weil sie es will. Es ist also im weitesten Sinne eine Lifestyle-, mitunter auch eine politische Entscheidung. Am Ende aber ist es auch die Ablehnung des kollektivistischen ÖPNV. Vor allem von jungen Frauen höre ich oft, sie fahren Rad, weil sie Angst oder Abneigung vor dunklen oder nach Urin riechenden Bahnhöfen haben oder weil sie schlicht keine Lust haben, mit anderen zusammen zu fahren. Das dürfte für Autofahrer genauso gelten.
      Daher stimme ich zwar zu, daß der ÖPNV in Berlin schlechter ist als er sein müßte und könnte, aber auch mehr Züge und Busse werden weder überzeugte Auto- noch Radfahrer zum Umsteigen bringen. In einer freien Gesellschaft kann sich eben jeder selbst aussuchen, welche Art Mobilität er will. Der Markt reguliert das.
    2. von Jim Knopf
      Antwort auf den Beitrag von Markus Berinig 15.12.2017, 14:07:45
      Wichtig sind beim freien Markt die Wettbewerbsbedingungen. Und angesichts unterdimensionierter, unzureichender und qualitativ ungenügender Radverkehrsanlagen sind Radfahrende in Berlin vollkommen benachteiligt. Deshalb Rückbau von Straßen, Ausbau von Radwegen, Umwandlung von Parkflächen in Lieferzohnen für Gewerbetreibende.
  6. von Frodo Beutlin
    Die Radproblematik ist für Pendler überhaupt kein Thema. Niemand fährt mit dem Fahrrad bis in die Innenstadt - allenfalls bis zur nächstliegenden S-Bahn Station. Aber im Regelfall wird auch dafür das Auto benutzt, da ohnehin im Umland unerlässlich. Will man also tatsächlich die Stadt von motorisierten Pendlerströmen entlasten, MUSS zwingend in den ÖPNV investiert werden und nicht etwa in zusätzliche Radstreifen. Derer gibt es heute bereits mehr als genug, die Auslastung ist minimal (verglichen mit dem Gedrängel auf dem Rest der Straße).
    1. von Jim Knopf
      Antwort auf den Beitrag von Frodo Beutlin 15.12.2017, 13:19:29
      Pendler fahren mit dem Rad in die Stadt. Zwar nicht von Überall, aber von vielen Endhaltestellen der S-Bahn wie z.B. Buch allemal. Und es wären sicher mehr, wenn es vernünftige Radweg in die Stadt gäbe.
    2. von Florian Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Frodo Beutlin 15.12.2017, 13:19:29
      Die durchschnittliche Weglänge in Berlin beträgt 6,9km. So lang sind die Wege nicht. Ich pendle mit dem Rad jeden Tag 10km rein, und dann abends wieder raus. Ich habe auch ein Auto, mit dem ich gerne fahren würde, aber das Rad ist schneller. ÖPNV ist auf dieser Strecke noch langsamer, da die Bahn nur alle 20 Minuten kommt und ich 2x umsteigen müsste.

  7. von Joerg Simon
    Ergänzung: Was Sie machen, wird vielen Menschen in der Stadt große Erschwernisse bringen. Noch nie habe ich von Leuten wie Ihnen etwas darüber gelesen, wie kranke, ältere und behinderte Menschen klarkommen sollen. Der ÖPNV? Ein Witz. Für mich selbst die Hölle. Was ich aber selbst erlebt habe ist die Hölle der Radfahrer, die mich jagen auf dem Gehweg, beleidigen und beschimpfen, bedrohen. Die mich auf Fußgängerüberwegen fast überfahren und dann auch noch beleidigen. He Alter, mach die Augen auf. Wenn Autofahrer so über Fußgängerüberwege donnern würden, wie die Radfahrer, würde das als Massenmord enden.

    Vielen Radfahrern fehlt jegliches Bewußtsein für die Situation anderer Verkehrsteilnehmer. Sie fühlen sich als die Elite der Verkehrsgesellschaft, sind ja ökologisch so wertvoll.

    Nein Danke!
    1. von Jim Knopf
      Antwort auf den Beitrag von Joerg Simon 15.12.2017, 12:50:20
      Autofahrer handeln voll im Bewußtsein für die Situation anderer Verkehrsteilnehmer und fahren deshalb allein in Berlin monatlich einen Menschen tot und pro Jahr mehrere hundert zu Krüppeln. Rücksichtslos wie alle Radfahrer sind, fahren die einfach keinen Menschen tot.
    2. von Joerg Simon
      Antwort auf den Beitrag von Jim Knopf 15.12.2017, 14:36:33
      Es hat bereits Verkehrstote gegeben, weil Radfahrer entweder miteinander oder auch mit Fußgängern Unfälle hatten. Einmal abgesehen davon ist es völlig daneben, Autofahrer zu potentiellen Mördern zu stempeln.

  8. von Joerg Simon
    Was Sie machen ist für mich Totschlag an Berlins Wirtschaft. Die Wirtschaft braucht Transportwege, die Sie mit Lastenrädern sicher nicht bewältigen werden.

    Der unzuverlässige Nahverkehr mit seinen teilweise für die Fahrgäste unerträglichen Bedingungen (Stichwort Viehtransporter) ist bei weiten noch nicht so weit, den Individualverkehr zu entlasten.

    Teile der Bevölkerung werden ihre Arbeitsplätze verlieren, weil sie nicht mehr ordentlich zur Arbeit gelangen, Unternehmen Probleme haben, Ihre Kunden rechtzeitig zu erreichen.

    Last but not least: Wo sind Ihre Forderungen gegenüber den Radfahrern, sich ordentlich zu verhalten?`Sie schlagen auf LKW- und Autoverkehr ein. Aber: Radfahrer sind keine Engel und verhalten sich wie Anektionstruppen.
    1. von Jim Knopf
      Antwort auf den Beitrag von Joerg Simon 15.12.2017, 12:29:49
      Der derzeitige Dauer-Stau ist schädlich für die Wirtschaft. Deshalb Stärkung von ÖPNV, Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur und Umwandlung von Parkplätzen in Lieferzohnen für Gewerbetreibende.
    2. von Joerg Simon
      Antwort auf den Beitrag von Jim Knopf 15.12.2017, 14:21:15
      Das gute ist, dass wir beide nicht wissen, wer Recht hat. Darum geht es auch nicht. Denn es wird die Zukunft zeigen. Und dann habe ich diese Stadt hoffentlich verlassen.
  9. von Jet Bundle
    Ich bin leidenschaftlicher Radfahrer. Trotzdem halte ich das Ausbremsen des Autoverkehrs für falsch. Viele Menschen sind auf das Automobil angewiesen, seien es Familien, Menschen mit langen Arbeitswegen, Handwerker, Lieferanten und Andere. Dass jetzt Alle auf's Fahrrad umsteigen ist zum Einen nicht ohne erhebliche Abstriche möglich, zm Anderen ist es unrealistisch und Drittens ist es ein Eingriff in die Lebensfreiheit. Es kann nicht eine Minderheit grüner Traumtänzer dem Rest der Nation bzw. der Stadt diktieren, dass sie ihr Leben um ihre grünen Ideologien herum organisieren müssen. Insbesondere ist das auch unsozial, denn es geht auf Kosten von Familien, insbesonderer derer die nicht in der Innenstadt wohnen und die zwei Einkommen brauchen.

    Zum Schutz von Lust und Klima muss der Verkehr zunächst staufrei fließen. Jeder Brems- und Beschleunigungsvorgang kostet Benzin. Und um den Druck auf die Innenstadtviertel zu minimieren muss es attraktiv werden an den Stadtrand oder in's Umland zu ziehen, was bedeutet schneller, fließender Verkehr. Wenn man Autoverkehr begrenzen will, dann sollte man neue Wohngebiete am Stadtrand schaffen (damit die Leute nicht weiter in's Umland ziehen) und diese mit kurzen Wegen und guter Verkehrsinfrastruktur planen.

    Im Übrigen halte ich als Radfahrer von diesen abgetrennten Fahrspuren relativ wenig. Die im Bild gezeigten Poller sind eine 1A Unfallursache, und Überholen ist auf den schmalen Wegen kaum möglich. Wenn man ständig von irgendwelchen Fahrradanhängern, älteren Herrschaften oder junden Leuten in 3er Reihe ausgebremst wird eignet sich das Fahhrad als Verkehrsmittel aber nicht mehr.
    1. von Florian Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Jet Bundle 15.12.2017, 11:57:35
      Es ist eine Minderheit, die Auto fährt (30%). Und viele, die Auto fahren, sind nicht darauf angewiesen. Das sage ich als leidenschaftlicher Autofahrer.

      Von daher sollte man etwas für die Mehrheit tun, die sich innerhalb des Umweltverbundes fortbewegen.. aber die 30% Autoverkehr sind so dominant, dass man annehmen könnte, ÖPNV, Rad und Fußverkehr sind nur Randerscheinungen.
    2. von Jet Bundle
      Antwort auf den Beitrag von Florian Winkler 15.12.2017, 15:26:29
      Ihre Ausgangszahl kann nicht stimmen. Berlin hat 1,2 Millionen gemeldete PKW zzgl. 0,3 Millionen Carsharingnutzern und 1,8 Millionen Haushalte. Also im Schnit 0,66 Autos und 0,13 Carsharing Nutzer pro Haushalt. Die Mehrheit der Haushalte nutzt also das Auto.

      Von den Haushalten sind 0,9 Millionen Singelhaushalte die öfters kein Auto habe weil sie es nicht benötigen und nur 0,4 Millionen Haushalte mit Kindern. Es wird also die überwiegende Mehrheit der Familien ein Auto haben und auch nutzen.

      Ein autofeindlicher Umbau der Stadt bedeutet ein Stadtumbau der Rentner und kinderlosen Singles auf Kosten der Familien. Aber das ist ja ganz im Trend.
  10. von Markus Berinig
    Da ich selbst täglich radfahre, muß ich Herrn Strößenreuthers Ausführungen widersprechen – allerdings, vorab, verbinde ich mein Radfahren weder mit einer weltrettenden Ideologie noch mit einer Feindschaft für andere Arten der Mobilität. Ich fahre da Rad, wo es mich optimal ist.
    Es ist ein Märchen, daß es in Berlin zu wenig Radwege gibt, daß man sie in dieser Form überhaupt braucht. Die Forderung, auf den Straßen die Exklusivfläche für Radfahrer noch weiter zu erhöhen, ist Unsinn und egoistisch zugleich. In Berlin wurde bei weitem genug für uns Radfahrer getan. Weil Radfahren seit Jahren grünlinks konnotiert wird, weil es eben nicht als eine normale Art der Fortbewegung angesehen wird, sondern einer vorwiegend akademischen Mittelschicht einen Distinktionsgewinn verschaffen soll, geraten wir Radfahrer nicht nur zunehmend in Konflikt mit anderen Verkehrsteilnehmern, wir akzeptieren auch auf dem Rad nicht mehr die üblichen Regeln menschlichen Zusammenlebens. Alle sollen für uns da sein, auf uns Rücksicht nehmen. Verkehrsregeln gelten für uns nicht, und wenn, nur nach einem archaischen Opportunitätsprinzip (dazu sich einfach mal an eine rote Ampel stellen). Dem folgt auch ein Fahrrad-Lobbyist wie Herr Strößenreuther. Ich komme in Berlin mit dem Rad hervorragend durch, überall. Schlagen wir Herrn Strößenreuther einmal folgenden Deal vor: Er bekommt mehr Radwege, akzeptiert dafür Kennzeichen an Rädern. Ich bin mir sicher, er wird sich verweigern. Denn dann würde er selbst vermutlich nicht mehr radfahren.
    Das Auto war für Linke schon immer aufgrund seiner emanzipatorischen, nicht dem Ideal des Kollektivs und Verzichts frönenden Charakteristik ein besonderes Feindbild. Ich möchte in einer solchen Gesellschaft aber nicht leben. Wenn Strößenreuther sich durchsetzt, fallen wir in eine von Moralismus, Egoismus und Blockwartsmentalität geprägte Gesellschaft zurück. Rad hin oder her - das ist es mit nicht wert.
    1. von Jim Knopf
      Antwort auf den Beitrag von Markus Berinig 15.12.2017, 11:51:06
      Sie fahren entweder zu wenig Rad, sind Kampfradler und haben keine Kinder die radfahren. Vor allem aber argumentieren Sie berlintypisch. Deshalb orientieren Sie sich nicht an den Städten in der Welt wo es sicherer ist für Radfahrer, sondern an den Städten, wo es noch schlechter ist.
    2. von Markus Berinig
      Antwort auf den Beitrag von Jim Knopf 15.12.2017, 14:27:51
      Habe zwei kleine Kinder, bin weder Kampf- noch Schleichradler und es ist sicher für Radfahrer in Berlin. Abgesehen davon, daß Räder ständig gestohlen werden, vermisse ich nichts und in meinem Bekanntenkreis, den man als typische radaffine Prenzlauer Berg Schickeria bezeichnen kann, auch niemand.
    3. von Jim Knopf
      Antwort auf den Beitrag von Markus Berinig 15.12.2017, 17:13:25
      Dann lade ich Sie zu einem Besuch auf die Kinderstation ins Krankenhaus Lichtenberg und ins Unfallkrankenhaus ein. Sie können dort den Kindern, die auf dem Schulweg von der Fahrbahn gedrängt wurden oder die von einem der wenigen Berliner Zebrastreifen gefegt wurde, dass Berlin sicher ist. Es ist schön, dass Sie sich sicher fühlen. Subjektiv gesehen sind übrigens auch die Ost-Ukraine und Afghanistan sicher.