Nach dem Fahrverbots-Urteil Städte ohne Autos!

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Berliner Büro Zukunftsinstitut, Beratung Transformationsprozesse

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Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts: Nicht die  Bundesregierung, sondern die Städte werden die Treiber der Verkehrswende sein. Eine neue mobile Bewegung entsteht.

Verkehrswende kommt per Gericht.

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Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu den Fahrverboten in deutschen Innenstädten leitet die Verkehrswende ein. Die Städte dürfen aus Gründen des Gesundheitsschutzes Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge verhängen. Nach Berechnungen des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz sterben in Deutschland jährlich 7.000 Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr – doppelt so viele wie bei Verkehrsunfällen. 30 deutsche Städte können nach dem Urteil Fahrverbote erlassen. 

Roboter-Autos und autonome Fahrsysteme sind sicherer als der Mensch.

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Werden wir in Zukunft noch Auto fahren? Die Frage ist falsch gestellt. Richtig müsste sie lauten: „Dürfen wir in Zukunft noch fahren?“ Roboter-Autos und autonome Fahrsysteme sind sicherer als der Mensch. Ihr Versprechen ist eine Reduzierung der Verkehrstoten und Unfälle auf nahezu Null. Neben „zero accidents“ lautet das zweite große Versprechen der neuen Mobilität „zero emissions“. Der Verkehr der Zukunft stößt keine umweltschädlichen Emissionen mehr aus.

Treiber der neuen Mobilität sind die Städte. Weltweit leben bald 80 Prozent der Bevölkerung in Städten. Auch in Deutschland zieht es immer mehr Menschen in die Städte. Hier passieren die meisten Unfälle und werden die meisten schädlichen Emissionen ausgestoßen. Verursacher sind vor allem Diesel-Fahrzeuge. Statt auf mehr Regulierung sollte die Städte auf ihre Bürger setzen. Eine Mehrheit der Bevölkerung begrüßt Fahrverbote für schmutzige Diesel-Fahrzeuge.

Das Umweltbewusstsein steigt, die Bürger wollen mitentscheiden.

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Das Umweltbewusstsein der Bürger ist seit der Debatte über Fahrverbote erheblich gestiegen. Drei Viertel der Bürger fühlen sich durch Autoabgase belästigt oder gestört. Eine Mehrheit fordert ein Fahrverbot für ältere Diesel-Fahrzeuge in den Innenstädten. Die Städter wollen die neue Mobilität. Mehr als 90 Prozent fordern eine gezielte Umgestaltung von Städten und Gemeinden. Allerdings gilt auch hier das NIMBY-Prinzip (Not in my backyard). Wenn eigene Gewohnheiten und Interessen betroffen sind, schlägt die theoretische Zustimmung schnell in praktische Verweigerung um. Zwar erfüllt das Auto seine eigentliche Funktion angesichts überfüllter Straßen voller Staus und knapper Parkmöglichkeiten immer weniger.  Ohne ein tragfähiges Konzept und ohne attraktive Alternativen sind Gewerbetreibende oder Berufspendler jedoch kaum zum Einstieg in den Umstieg zu überzeugen. Beispiele aus anderen Ländern zeigen, dass sich mutige Verkehrsprojekte umsetzen lassen, wenn man die Bevölkerung mitentscheiden lässt und frühzeitig am Prozess beteiligt.

Städte wie Kopenhagen und London und Länder wie Norwegen machen vor, wie neue Mobilität in den Städten gelingen kann. Kopenhagen und Amsterdam haben den Autoverkehr in den letzten Jahren weitgehend reduziert und zwar im Einvernehmen mit der Bevölkerung. Kopenhagen ist heute die „umweltfreundlichste Stadt Europas“. Norwegen stellt in Zukunft komplett auf Elektro-Mobilität um. Frankreich und England wollen ab 2040 Diesel und Benziner verbieten, um die hohen Schadstoffwerte zu senken. Mit drastischen Worten beschreibt der Bürgermeister der englischen Hauptstadt die Lage „Die Luft in London ist ein Killer“. Die schlechte Luftqualität sei das größte Umwelt- und Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung. Österreich hat eine Initiative „Zero Emission Cities“ gestartet.

Die Zukunft sind autofreie Innenstädte.

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Die Bürger wollen autofreie Innenstädte. Das Auto, lange Zeit ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit und des sozialen Status, hat seine Vormachtstellung in den Städten verloren, weil es seine eigentliche Funktion immer weniger erfüllt: Angenehm und schnell von A nach B zu kommen gelingt mit ihm angesichts überfüllter Straßen voller Staus und knapper Parkmöglichkeiten immer weniger. Die Bürger wollen die Verkehrswende nicht aus ideologischen Gründen, sondern wegen der Lebensqualität. Und die Generation 4.0 wird in Zukunft individuell nur noch, wenn sie dazu gezwungen ist. Weniger Autos in den Innenstädten bedeuten schließlich auch mehr bezahlbaren Wohnraum. 90 Prozent des verfügbaren öffentlichen Raums machen Parkplätze für Autos aus. Jeder Parkplatz verbraucht 12 Quadratmeter. So viel wie ein Kinderzimmer.

Konzepte, Kreativität, Konfliktlösung und Kompetenz für neue Mobilität sind gefragt.

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Gefragt sind neue Konzepte, viel Kreativität, offene Konfliktlösung und ein übergreifendes Kompetenzzentrum für neue Mobilität. Häufig sind es die Bürgermeister und lokalen Entscheidungsträger wie der neue Präsident des Städtetags und Oberbürgermeister von Münster Markus Lewe, die hier mutig in die Zukunft gehen.

Entscheidend wird sein, die urbane Verkehrswende nicht gegen Bevölkerung und Wirtschaft umzusetzen, sondern mit ihnen. Eine Verkehrswende, die das Ende des Individualverkehrs mit Verboten erreichen will, wird am Widerstand der Bürger scheitern. Konflikte können nur durch klare Ziele und eine Stadtentwicklung unter Beteiligung der Bürger gelöst werden. Kreative Instrumente der Konfliktlösung und Bürgerbeteiligung sind wichtige Voraussetzungen, um den Mindset für neue Mobilität zu befördern. Nichtparken beginnt im Kopf. 

Urbane Mobilität wird zum Wachstumsmarkt.

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Urbane Mobilität wird weltweit zum Wachstumsmarkt. Von intelligenten Mobilitätslösungen profitieren die Städte in Deutschland auch wirtschaftlich. Allein 40 Milliarden Euro jährlich kostet die Städte die Suche der Autofahrer  nach Parkplätzen. Die meisten Arbeitsplätze werden in jenen Unternehmen entstehen, die auf sich verändernde Nutzerbedürfnisse reagieren. Die deutsche Post versteht sich längst nicht nur als Logistik, sondern als Mobilitätsunternehmen und verkauft heute mehr E-Autos als alle deutschen Autohersteller zusammen. Die aktuell 50.000 Post-Autos sollen durch E-Autos ersetzt werden. Der „Street-Scooter“ der Post ist auch für andere Unternehmen erwerbbar. 

Nicht auf Politik von oben warten: Auf die Städte kommt es an.

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Während sich viele Städte und Länder bereits aufmachen in die Welt der urbanen Mobilität 4.0, fehlen in Deutschland vor allem klare Ziele und kreative Konzepte. Die Städte sollten nicht auf die Politik von oben, den Bund und die Große Koalition, warten. Auf sie selbst, ihre Bürgermeister und Bürger kommt es an! Die Mobilität von morgen entscheidet sich in den Städten.

Dr. Daniel Dettling leitet das Berliner Büro des Zukunftsinstituts (www.zukunftsinstitut.de). Soeben erschienen ist die Studie „Futopolis: Stadt,Land,Zukunft.“

Johannes Näumann ist Berater für strategische Kommunikation in Transformationsprozessen (www.naeumann-sk.de). 

5 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Frank Fidorra
    Dass autonome Fahrsysteme keine Unfälle verursachen, halte ich für falsch. Das ist sicher das Ziel, aber so wird es anfangs nicht funktionieren.

    Roboter machen andere Fehler, verursachen Unfälle aus anderen Gründen, als der Mensch. Der Mensch geht gern mal Risiken ein oder verliert vielleicht mal den Überblick, die Maschine aber wird situationsabhängig die Realität systematisch falsch wahrnehmen und daraus Fehlschlüsse ziehen. Diese Fehler auszumerzen, wird ein langer Prozess sein, mit einigen Rückschlägen. So war es bisher mit jeder Software.
  2. von Reinhard Selke
    Ein Punkt, der mich an der Diskussion so stört:
    Die Arroganz der Städter, die ihre Probleme verallgemeinern und keinen Deut zur Verkehrssituation auf dem flachen Lande beitragen.
    Beispiel: Der öffentliche Nahverkehr in den Städten, den ich kaum kenne, ist bestimmt so gestrickt, dass alle paar Minuten von irgendwo nach irgendwo ein Verkehrsmittel vorhanden ist. Auf dem platten Lande gibt es vergleichbares, nur dass der Abstand nicht Minuten sondern Stunden beträgt, natürlich mit mehrmaligem umsteigen und entsprechenden Pausen.
    Was soll dieses Fantasieren über goldene Zustände in den Städten, etwas, was schon vor 70 Jahren die Fantasie erblühen ließ, wenn mit verlassen der Städte ganz andere Bedingungen herrschen.
    Sicher, die Städte haben ihr Problem, aber das ist altbekannt, nicht überraschend aufgetaucht und von der Politik, dem eigentlichen Gestalter von Gesellschaft, durch Nibelungentreue für die Gewinne der Autoindustrie "gelöst".
    So lange mir niemand erklären kann, wie man heute ohne Auto einen gewissen Grad an Mobilität auf dem Lande erreichen kann, so lange ist diese Diskussion sehr einseitig und meine Antwort eine sehr einfache:
    Die Industrie hat den entstandenen Schaden zu reparieren.
    Durch
    1. Nachrüstung, auch der vergessenen Benziner
    2. Sofortigen Umbau der Motoren, so dass kein Neuwagen mehr zur Luftverschmutzung beiträgt
    3. Eine sofortige Nachrüstung und Umrüstung aller sonstigen Verschmutzer, wie Flugzeug, Schiff, Kraftwerke und Industrieunternehmen und...
    4. Eine sofortige Konsultierung der anderen europäischen Staaten zwecks Vereinheitlichung aller Maßnahmen, und Bestrebungen weltweit
    5. Den Staaten, die diese Entwicklung für sich nicht einleiten können, kostenlose Unterstützung zuzusichern.
    Sich fantasievolle Szenarien für eine glückliche deutsche Zukunft auszumalen ist zu wenig, denn der Klimakollaps droht.
    Und der ist existenzgefährdend.
  3. von Mike Nixda
    Auch hier wieder das Hohelied vom emissionsfreien Elektroauto. Das gibt es so oft wie lila Kühe. Weder ist die Produktion, die Lieferketten, noch die Entsorgung von Elektrofahrzeugen emissonsfrei und es ist derzeit nicht ein Kilowatt "grüner" Strom dafür verfügbar. Klimafreundlicher Strom macht derzeit ein knappes Drittel des verfügbaren Stroms aus und jedes damit aufgeladene Fahrzeug nimmt es anderen Verbrauchern weg. Es ist also lediglich eine Umverteilung einer knappen Resource. Also reine Augenwischerei.

    In dem Zusammenhang gab es vor kurzem ein interessantes Interview mit dem Pschologen Rüdiger Hossiep in der Zeit. Eine Kernaussage zum Elektroautohype:
    "Der Mensch ist kein rationales Wesen, sondern ein rationalisierendes. Das heißt, jeder und jede von uns hat in der Regel gute Gründe für seine und ihre Entscheidungen und biegt sich die Dinge so zurecht, dass er und sie bei seinem Handeln ein gutes Gewissen hat. Der Mensch verhält sich weder ethisch noch ökologisch, sondern aus psychologischer Sicht so, wie es für ihn persönlich am stimmigsten ist. Dafür nutzt er die ihm passend erscheinenden Argumente. Da passt es prima, dass der Strom aus der Steckdose kommt."


    Im übrigen ist die Aussage richtig, dass man eine Verkehrswende nicht gegen den Willen der Bevölkerung erzwingen kann. Aber man muss den Stadtbewohnern auch attraktive Alternativen bieten. Am Beispiel Berlin zeigt sich, wie man es nicht machen darf. Die einseitige Protegierung des Fahrradverkehrs durch den rot-rot-grünen Senat verprellt die Bürger. Laut einer aktuellen Civey Umfrage wollen über 50% der Menschen Investitionen im öffentlichen Nahverkehr. Das passiert in Berlin nahezu gar nicht. Allein bei den U-Bahnen hat sich ein Investitionsstau in Milliardenhöhe angesammelt. Es fehlen Züge, es fehlt der Streckenausbau, es scheitert an Sauberkeit, Zuverlässigkei und Pünktlichkeit.

    Der ÖPNV ist in Berlin derzeit keine Alternative! Nach vier Jahren ohne habe ich mir wieder ein Auto gekauft!
  4. von Wenzeslaw Betow
    Und was solln die Bau- und Reparaturbetriebe, sicherheitsdienste und zusteller machen? die fahren ja schließlich auch Auto. Autofrei ist höchstens ne alternative für jemanden, der kaum außer haus geht und einen aktionsradius von höchstens 1 Km hat.
  5. von Wenzeslaw Betow
    Seit wann stellt ein Institut für Chemie Todesursachen fest?
    Meiner Meinung nach müßten das Ärzte tun und es steht gleube ich in keiner Todesbescheinigung die Ursache Umweltverschmutzung. so2 ist nicht gefährlicher als Milch trinken oder zuviel tierische Proteine zu sich nehmen, die Hauptursache für Prostata-und Brustkrebs.