Ein Blick aus bezirklicher Sicht Mobilitätswende in Berlin: Global denken, lokal handeln

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Sprecher für Mobilität der Grünen-Fraktion Charlottenburg-Wilmer

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Sprecher für Mobilität der Grünen-Fraktion Charlottenburg-Wilmersdorf

Berlin bietet gute Voraussetzungen, Mobilität neu und weiter zu denken als nur vom motorisierten Individualverkehr her. Das Fahrrad ist in den Städten das ideale Verkehrsmittel. Hier einige Beispiele dafür, was wir in den Kiezen tun können.

Auf dem Pariser Weltklimagipfel der Vereinten Nationen haben die Staaten beschlossen, den Anstieg der Emissionen klimaschädlicher Gase bis 2050 so runterzufahren, dass die Erderwärmung möglichst nicht mehr als 1,5 Grad erreicht. Die Bundesregierung hatte sich zuvor verpflichtet, den CO2-Ausstieg bis 2020 um 40 % zu senken. Dieses Ziel wird sie aller Voraussicht nach verfehlen. Wenn wir den emmissionslosen/-armen Verkehr nicht auf die Agenda setzen, werden wir auch die Ziele des Pariser Weltklimagipfels verfehlen. In den Städten stößt der Verkehr bis zu 40 % CO2 aus. Zudem ist insbesondere der motorisierte Individualverkehr in Ballungsräumen für einen Großteil der gesundheitsschädlichen Stickoxidemissionen und den damit verbundenen Folgekosten verantwortlich. Seit sieben Jahren gelten die aktuellen und überschrittenen Stickoxid-Grenzwerte in Deutschland. Wenn das Bundesverfassungsgericht im Februar über mögliche Fahrverbote entscheiden wird, fällt das nicht plötzlich vom Himmel. Lärm ist ein weiteres Problem, für das in der Stadt hauptsächlich der Verkehr verantwortlich ist. Wer weniger Abgase und Lärm haben will, muss beim Verkehr ansetzen und Alternativen anbieten, die mit weniger Fahrzeugen die gleiche Mobilität anbieten.

Jüngeren ist das eigene Auto nicht mehr so bedeutsam wie es früher war.

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Berlin bietet gute Voraussetzungen, Mobilität neu/weiter zu denken als allein individuell: In der Stadt kommen auf 1.000 Einwohner weniger als 400 Autos. Jüngeren ist das eigene Auto nicht mehr so bedeutsam wie es früher war. Das eigene Smartphone ist ihnen wichtiger und Mobilität immer öfter darüber organisiert als mit einem eigenen Pkw. Immer mehr Apps bieten Mobilitätsangebote an – sei es bike oder car sharing, Bus- und Bahn-Informationen wie Ticketkauf. Was bisher fehlt, ist die eine App für alle. Wie kann Fahrrad, Bahn, Bus und (cargo) bike und car sharing am besten kombiniert werden? Dass große Unternehmen wie Google und Apple in diesem Bereich aktiv sind und am selbstfahrenden Auto arbeiten, zeigt, welche Potenziale dieser Markt hat. Wenn ich diese Trends weiterdenke, sehe ich in Zukunft mehr car sharing Fahrzeuge, die öfter fahren als dass sie stehen. Damit sinkt der Bedarf an Parkplätzen und gibt diesen Raum frei für die Menschen in der Stadt. Die entscheidenden Fragen sind, wer wird diese Fahrzeuge betreiben, wer verschläft hier möglicher Weise eine Entwicklung und mit welchem Antrieb werden die Autos fahren? Zum einen kann nur der abgasfreie Antrieb die Stadtluft entlasten, zum anderen kann der Verkehr der wachsenden Stadt nicht allein mit individueller motorisierter Mobilität gelöst werden. Das Ziel ist, Bahn, Bus, (Lasten-)Fahrrad und car sharing attraktiver zu gestalten, aber auch Orte des Wohnens mit denen des Arbeitens und der Versorgung zusammen zu denken: die Stadt der kurzen Wege.

"Volkentscheid Fahrrad" hat den Druck auf Landesebene noch einmal erhöht.

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Es ist daher folgerichtig, dass sich die rot-rot-grüne Koalition darauf geeinigt hat, das Thema der Mobilität in Berlin anzupacken. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Klimaschutz und Verkehr unter der von den Grünen nominierten Senatorin Regine Günther hat ein Mobilitätsgesetz auf den Weg gebracht, dass bundesweit das erste seiner Art ist. Der erste Teil des Mobilitätsgesetzes wird neben der Regelung für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ein Radgesetz enthalten. Dieses geht zurück auf die Initiative „Volksentscheid Fahrrad“, die bereits in der ersten Phase des Berliner Volksentscheids mit mehr als 80.000 Unterschriften äußerst erfolgreich war. Damit wurde der Druck auf die Landesebene nochmal erhöht, die Fakten ernst zu nehmen und eine ausreichende Fahrradinfrastruktur bereit zu stellen.

Das Fahrrad ist in den Städten das ideale Verkehrsmittel.

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Denn im letzten Jahrzehnt hat sich der Radverkehr verdoppelt, ohne dass die Infrastruktur mit gewachsen ist. Betrachtet nach den Verkehrsträgern (modal split) sind in Berlin 13 % der Verkehrsteilnehmenden (Stand 2013) mit dem Fahrrad unterwegs; doch auf der Straße haben sie nur etwa drei Prozent der Fläche. Das Fahrrad ist in den Städten das ideale Verkehrsmittel, denn in der Regel sind Autofahrten in der Stadt nicht länger als sechs Kilometer. Das sind Distanzen, die bequem mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können. London hat darauf mit Radschnellwegen reagiert, die ein attraktiveres Angebot schaffen. In Kopenhagen ist der Radverkehr mit einem Anteil von etwa 50% deutlich führend. Berlin kann hiervon lernen. Mit dem Mobilitäts- und Radgesetz wird das in Gesetzesform gegossen. Aber ein Gesetz allein genügt nicht. Es müssen auch Personal und Gelder bereitgestellt werden. Mit dem neuen Haushalt hat das Abgeordnetenhaus von Berlin Mittel bereitgestellt, mit dem sich der Ausbau der Fahrradinfrastruktur auf höherem Niveau fortführen lässt. Mit der Infravelo wird der Senat eine Gesellschaft gründen, die das bewerkstelligen und die Bezirke unterstützen kann.

Das Fahrradroutennetz ist noch nicht da, wo es laut Verkehrskonzept sein sollte.

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Daher nun ein Blick auf den Bezirk. In Charlottenburg-Wilmersdorf hat das Bezirksamt ein Verkehrskonzept aufgelegt, dass als Ziele die Mobilität für alle mit den Schwerpunkt der Förderung des umweltfreundlichen Verkehrs zu Fuß, Fahrrad, Bus und Bahn hat sowie die Sicherheit im Verkehr zu erhöhen, den Schadstoffausstoß und den Lärm zu senken. Handeln kann der Bezirk u.a. bei der Infrastruktur für das Fahrrad und die Fußgänger sowie für den Lieferverkehr. Auch hier gibt es einiges aufzuholen. Das Fahrradroutennetz ist noch nicht da, wo es laut Verkehrskonzept sein sollte. Grünes Ziel ist es, die Lücken zu schließen und die bestehende Infrastruktur den aktuellen Standards anzupassen. Dafür braucht es Planungskapazitäten. Das hat die rot-rot-grüne Koalition in Berlin erkannt und den Bezirken je zwei Fahrradplanerstellen bewilligt. Die Ausschreibungen liefen/laufen, doch es zeigt sich, dass es nicht einfach ist, die Stellen zu besetzen. Bisher konnte in Charlottenburg-Wilmersdorf erst eine Stelle besetzt werden, die andere muss nochmal ausgeschrieben werden. Nicht nur hier kämpfen die Bezirke schon lange für eine bessere Bezahlung, um konkurrenzfähig am Markt zu sein. Denn das Geld kann nur investiert werden, wenn es ordentlich verplant wird. Die Verwaltung ausreichend auszustatten und für die Mobilitätswende zu motivieren, ist die Herausforderung.

(Elektrische) Lastenräder oder E-Scooter für die letzten Kilometer zum Kunden.

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Im Transport denkt der Bezirk weiter: Für die Lieferung von Waren mit dem (E-)Lastenrad auf dem letzten Kilometer zum Kunden agiert der Bezirk mit der Technischen Universität und vielen anderen Partnern im Projekt „Distribut E“ zusammen. Dieses informiert um den Klausenerplatz und auf der Mierendorff-Insel, wie dort Anwohnende und Geschäftstreibende den Service nutzen können und greift Verbesserungsvorschläge auf. „Distribut E“ wird 2018 starten. Dann können Waren durch den Kiez ohne Lärm und Abgase transportiert und Lkw ersetzt werden. Das entlastet den Verkehr insgesamt.
Eine andere Möglichkeit für den Transport zum Kunden kann der E-Scooter sein, den Professor Günter Schuh von der RWTH Aachen für die Post baute, nachdem sie auf dem Markt keinen Anbieter fand. Heute ist der E-Scooter der Renner und eine zweite Fabrik wird geplant. Hier droht Deutschland insgesamt einen Trend zu verschlafen, wie bei den E-Bussen, wo China bereits Großaufträge zur Umstellung seiner Busflotte auf Elektroantrieb vergibt.

Für Fußgänger gibt es noch zu viele Barrieren.

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Die Fußgänger sind in Berlin die größte Gruppe im modal split (31% Stand 2013). Auch für sie braucht es in der wachsenden und älter werdenden Stadt ausreichend Platz, damit z.B. Kinderwagen, Rollatoren oder Rollstühle auf dem Gehweg bequem aneinander vorbekommen und es keine Stolperfallen gibt.
Beim Queren der Straßen finden sich oft die größten Barrieren. Viele Straßen in Berlin sind in Zeiten gestaltet worden, als die autogerechte, nicht die menschengerechte, Stadt als die Maxime galt. Mal schnell in den Laden gegenüber zu gehen ist oft nicht möglich. Mein persönliches Beispiel ist die Bundesallee. Die Ampelschaltungen sind auf das Auto eingestellt; zuständig ist die Verkehrslenkung Berlin (VLB). Selbst ich schaffe es hier kaum, die Straße in einem Zug zu queren – Kinder noch weniger. Für viele ist das aber der Schulweg. Wenn wir wollen, dass Kinder selbstständig zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen, müssen wir die Stadt aus Kinderaugen sehen. Nur so wird es uns gelingen, den Stau vor den Schulen jeden Morgen zu verringern. Bisher bringen Eltern ihre Kinder lieber mit dem Auto zur Schule als sie allein auf den Weg zu schicken, wie ich das damals in Wilmersdorf getan habe. Ich hoffe hier auf den frischen Wind in der VLB und weiß aus der Bezirksverordnetenversammlung, wie es ist, für ein Ziel einen langen Atem haben zu müssen.
Am Volkspark Wilmersdorf kann die Bundesallee nur über die dortige Brücke überquert werden. Barrierefrei ist sie nicht wirklich. Eine ebenerdige Querung könnte dies beheben. Letztlich sollen am Bundesplatz nach jahrelangem Einsatz der dortigen Initiative Querungen von der Mainzer und Tübinger Straße zum Platz führen. Ähnliche Bedingungen gibt es im Bezirk einige, wie z. B. an der Lewishamstraße auf Höhe der Sybel- und Waitzstraße. Diese stehen symptomatisch dafür, dass der Umbau zur fußgängerfreundlichen Stadt noch am Anfang steht. Aber es lohnt, den Weg zu gehen, um Berlin ein Stück lebenswerter und nachhaltiger für alle zu gestalten.

18 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Bernd Sobisch
    Wenn Mobilität neu und weiter gedacht werden soll, dann aber gefälligst auch mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen. Irgend welche dubiosen Vehicles - welche ein Großteil der Leute selbst zusammenbasteln kann, als Automobilersatz einsetzen zu wollen, ist absurd. Der fiskalische Schaden wäre katrastophal. Nicht nur der Verlust an Arbeitsplätzen, auch die Bereitstellung von Transfergeldern und anderen Standards durch den Staat, wäre im derzeitigen Umfang nicht mehr möglich. Zu viele Menschen in unserer Gesellschaft leben vom und mit dem Auto. Diese Struktur ist nicht adäquat zu ersetzen. Die ineffektive Logistik, duch mit Muskelkraft betriebene Fahrzeuge, ist ein weiterer Punkt den es zu bedenken gibt. Aber, eine These bis zum Ende zu bedenken, gehört bekannter Weise nicht die Stärke „grüner Politik".

    Gruß Lanarkon
    1. von Frank A.
      Antwort auf den Beitrag von Bernd Sobisch 02.02.2018, 13:53:00
      "Aber, eine These bis zum Ende zu bedenken, gehört bekannter Weise nicht die Stärke „grüner Politik"."

      So ist es. Außerdem ist es doch immer noch nur eine kleine Minderheit, die gerne Rad fährt und für dieses Fortbewegungsmittel geeignet ist.

      Wirtschaftlich ist es ebenfalls unvertretbar. Wir wollen doch nicht unseren Wohlstand aufgeben, weil ein paar Spinner meinen, sie könnten aus einer Großstadt ein Fahrradparadies machen.
  2. von Heiko GEBHARDT
    Ja und Nein

    Es ist zwar so bei vielen Causadebatten aber hier besonders prägnant: die Fragestellung lässt nur ein schwarzes oder weisses Weltbild zu.

    Z.B. diese folgende Feststellung
    "Das Fahrrad ist in den Städten das ideale Verkehrsmittel."

    Das ist doch genauso dämlich wie
    "Die U-Bahn ist in den Städten das ideale Verkehrsmittel."
    oder
    die Strassenbahn oder der Bus oder das Segelboot.

    Was ist denn nun das ideale Verkehrsmittel zwischen Zehlendorf und Marzahn? Oder wenn ich zu IKEA fahre? Ofer wenn mein Kaiser's um die Ecke ersatzlos geschlossen wird?
  3. von Joachim Neu
    Viel Theorie, wenig Praxis
    Seitenweise heute bereits allgemeines Wissen zu verbreiten ist die eine Seite, die andere sind die konkreten Ergebnisse von rot-grüner Bezirkspolitik in charlottenburg-wilmersdorf.Da hat der verkehrspolitische Sprecher mit seiner Partei so gut wie nichts an Ergebnissen vorzuzeigen.

    Sonst hätter er mal detailliert angeführt, was in cw denn unternommen wurde um die wahren theoretischen Erkenntnisse umzusetzen.
  4. von Bernd Jalowski
    So, so, Fußgänger brauchen ausreichend Platz. Dann sollte sich mal der Sprecher für Mobilität die Stromstrasse ab Alt-Moabit anschauen. Dort wurde für einen breiten Radfahrweg der Fußgängerbereich drastisch eingeschränkt. Man sollte doch der Wahrheit ins Auge schauen. Der jetzige Senat sieht seine Priorität im Ausbau der Fahrradwege und schränkt die Mobilität aller anderen Verkehrsteilnehmer dafür ein. Auch besteht anscheinend Berlin nur noch aus der Innenstadt. Die Außenbezirke sind anscheinend für unsere Politiker schon Brandenburg.
  5. von Frodo Beutlin
    Hab hier gerade ne Ladung Flanschplatten geliefert bekommen - Stückgewicht 47kg. Der Fahrer war nicht davon zu überzeugen künftig bitte mit dem 'Lastenfahrrad' anzuliefern...
    Es ist schon reichlich bizarr in welch einer beschränkten Welt so mancher zu leben scheint. Die Großstadt Berlin mag ja auch den ein oder anderen heimeligen Kiez zu umfassen, wo man sich den lieben langen Tag dem Müßiggang hingibt und allenfalls mal die Zeitung und frische Brötchen benötigt. Die Realität der meisten Bewohner dieser Stadt sieht allerdings anders aus.
    1. von Florian Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Frodo Beutlin 26.01.2018, 10:51:41
      Hab hier gerade ne Pizza geliefert bekommen - Stückgewicht 470g. Der Fahrer war nicht davon zu überzeugen künftig bitte mit dem 'Lastenfahrrad' anzuliefern...
      Es ist schon reichlich bizarr in welch einer beschränkten Welt so mancher zu leben scheint.
    2. von Frodo Beutlin
      Antwort auf den Beitrag von Florian Winkler 26.01.2018, 12:02:46
      Sinn ihrer Replik? Das wirkliche Leben besteht eben nicht nur aus Müßiggang mit Pizzalieferung. Die könnte ich mir tatsächlich noch selbst holen. Zu Fuß.
    3. von Florian Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Frodo Beutlin 26.01.2018, 13:25:17
      Leider haben Sie es nicht verstanden -> hier der Sinn meiner Replik: Für verschiedene Aufgaben gibt es unterschiedliche Werkzeuge. Wenn ich einen Brief öffnen möchte, brauch ich keine Heckenschere. Und mit einer Nagelschere kann ich keine Hecke schneiden. Es geht nicht darum Liefer-LKWs abzuschaffen, aber es gibt eben auch viele Waren die weniger als 47kg wiegen und von A nach B innerhalb der Stadt transportiert werden müssen, diese können mit dem Rad oder Lastenrad transportiert werden. Was wesentlich effizienter und platzsparender wäre.

      DHL, UPS und andere haben die Effizienz von Lastenrädern bereits erkannt und setzen sie ein, auch in Berlin.

      Das sieht dann zB so aus:

      http://www.nordbayerischer-kurier.de/sites/default/files/styles/nachrichtenbild/public/galleries/2017-03/01-19/4ebe1edf75a437d39b4562db894364f9.jpeg?itok=hprIfYML

      oder so:

      https://img.nwzonline.de/rf/image_online/NWZ_CMS/NWZ/2017-2020/Produktion/2017/03/03/OLDENBURG/2/Bilder/OLDENBURG_337fa3bc-e07a-4aa1-b6dd-ae22157fe202-019-k5DC--600x337%40NWZ-Online.jpg

      Nichts mit Müßiggang.
  6. von Harald Mertes
    Der "modal split" wertet den Abendspaziergang mit dem Hund oder den Gang zur Mülltonne genauso wie eine Autofahrt über 30 km. Wer behauptet, dass eine Autofahrt nicht länger als sechs Kilometer dauert, unterschlägt systematisch die Pendlerströme von und nach Brandenburg.

    Bei den durch die TU durchgeführten SrV 2013 wurden auch die Personenkilometer; jedoch wurden Durchgangsverkehre ebenso wenig erhoben wie Tangential- und Außenverkehre. Auch Entfernungen über 100 km wurden haerausgerechnet.

    Die mittlere Entfernung prp Fahrt betrug demnach 8,8 km. Wer läuft das? Wer fährt das mit dem Fahrrad, auch bei - 15 °C? Dieses Ergebnis passte den Grünen nicht. Also unterdrückt man diese Zahlen und versteigt sich auf den nicht aussagekräftigen "modal split".
    1. von Florian Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Harald Mertes 14.01.2018, 17:21:02
      "Die mittlere Entfernung prp Fahrt betrug demnach 8,8 km. Wer läuft das? Wer fährt das mit dem Fahrrad, auch bei - 15 °C? "

      Ich und noch sehr viele andere. mein täglicher Arbeitsweg beträgt 9,5km. Das Fahrrad ist einfach schneller auf der Strecke als das Auto, und als der ÖPNV eh.

      Der kälteste Tag des letzten Jahres war der 6.2.2017, in der Nacht waren es -20°C in Berlin. An der Oberbaumbrücke wurden dennoch 4952 Radfahrer gezählt. Der Durchschnitt an der Messstelle beträgt 8860..mit anderen Worten, auch bei -15°C fahren immer noch weit mehr als die Hälfte des üblichen Jahresschnitts mit dem Rad.

      Davon abgesehen, wie oft ware es diese Jahr schon -15°C? Darüber würde ich mich als Radfahrer freuen, weil dann brauch ich mich nur dick anziehen. Schimmer ist dieses graue Matschwetter, der Nebel, die nasse Schneeflocken bei +3%.



    2. von Frodo Beutlin
      Antwort auf den Beitrag von Florian Winkler 26.01.2018, 12:15:31
      Prima, wer fährt die Strecke dann bei grauem Matschwetter, Nebel und nassen Schneeflocken bei +3°? Bzw. viel wichtiger eigentlich - warum sollte man dazu gezwungen werden. Weil letztlich geht es genau darum. Ideologisch motivierte gesellschaftliche Umerziehung durch Zwang. Abgesehen davon, woher stammen die Zahlen?
    3. von Florian Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Frodo Beutlin 26.01.2018, 13:28:57
      Gestern hatten wir an der Oberbaumbrücke bei schlechtem Nieselwetter 6900 Radfahrer, dass entspricht ca. 75% des Durchschnitts. Radfahren bei Matschwetter ist möglich und für viele immer noch die beste Möglich in der Stadt voran zukommen.

      Und wie kommen Sie darauf, dass Sie gezwungen werden? Niemand zwingt Sie Rad zu fahren. Und was hat es mit Ideologie zu tun, wenn für viele Menschen das Rad das effektivste Verkehrsmittel in der Stadt ist. Darf man das nicht sagen, da man sonst im Ideologie-Verdacht steht? Wir sind doch alle erwachsene Menschen, sind Sie anfällig für Umerziehen? Also ich nicht, aus dem Alter bin ich schon lange raus.
    4. von Harald Mertes
      Antwort auf den Beitrag von Florian Winkler 26.01.2018, 12:15:31
      Ihre Erfahrungen kann ich nicht bestätigen. An meinem Arbeitsplatz steht im Sommer ein Meer von Fahrrädern. Die montierten Fahradständer und -unterstände sind ständig belegt; viele Fahrräder stehen dann sonst noch herum. Jetzt im Winter ist da immer Platz. Für die Mehrheit ist Fahrrad nur bei schönem Wetter eine Alternative. Im Winter dann doch lieber je nach Verbindung Straßenbahn oder Auto.

      Wenn bei 9,5 km das Fahrrad einfach schneller als das Auto sein soll, zeigt das nur eine überlastete Infrastruktur, aber nicht die Überlegenheit des Fahrrades. Die Mehrheit Ihrer Mitbürger überzeugt das jedoch nicht. Sei es, dass wichtige Arbeitsmaterialien mitgeführt werden, die bei einem Sturz in der Gosse lägen. Sei es Furcht vor einem Platzregen, sodass der Anzug hinüber ist.

      Ihre Zahlen ändern ja nichts daran, dass der "modal split" einfach nicht aussagekräftig ist, worum es in meinem Beitrag ging. Wer mit seinem Waldi einmal ums Karree rennt oder seinen Glasmüll wegbringt, wird genauso gewichtet wie einer, der 40 km zu einem Kunden fährt.
  7. von Holger Gluth
    Ich finde das schade, dass sich gerade die Grünen hier Fake-News bedienen. Es ist ganz offensichtlich völliger Unsinn, bei den Verkehrszählungen die Anzahl der Fahrten abzufragen. Entscheidend sind doch ausschließlich die Weglängen aller Strecken. Auch ich gehe morgens wie Abends mit dem Rad Einkäufe erledigen (ca. 3 KM), fahre allerdings mit dem Auto zur Arbeit (ca. 20 KM). Laut Grünenzählweise bin ich also 2:1 Radfahrer. Was für ein Unsinn. Man muss sich doch nur zu irgendeiner beliebigen Jahres- oder Tageszeit an irgendeine Straßenkreuzung stelllen (selbst im Kreuzberg...) und jeder, der zählen kann sieht mit eigenen Augen, dass die Autofahrer die Radfahrer um ein Vielfaches übertreffen. Das muss man keine Verkehrzählung fälschen.
    Ebenso irreal ist und bleibt die Vorstellung, dass es keine Menschen gibt, die mit sauberen Anzügen ohne Duschgelegenheit auf dem Job zur Arbeit fahren, Kinder die transportiert werden müssen und viele praktische Notwendigkeiten, die mit grünem Wunschdenken nicht kompatibel sind. Dumm nur, dass WünschDirWas in Deutschland zunehmend regierungsverantwortung bekommt und SoIsses sich nicht mehr durchzusetzten vermag
  8. von Kai Mertins
    Der Autor schreibt nur von %-Zahlen als Verkehrsteilnehmer. Bei der Größe Berlins (Innerhalb des Ringes 60km Durchmesser) kommt es auf die Personenkilometer an, also Personen mal zurückgelegte Kilometer. Das Fehlergebnis vieler heutiger "neuer" Radwege ist unmittelbar ersichtlich: Auf einem Radweg der dem Autoverkehr genommen wurde ist auf 2km Länge 1 Radfahrer aber zig Autos im Stop-and-Go weil nur noch eine Spur da ist! Einseitige idoelogische Politik ist immer an den Menschenvorbei!
    1. von Holger Gluth
      Antwort auf den Beitrag von Kai Mertins 05.01.2018, 16:03:01
      wäre schön, wenn Sie nicht Recht hätten....haben Sie aber....
    2. von Roland Hauschulz
      Antwort auf den Beitrag von Kai Mertins 05.01.2018, 16:03:01
      Das ist im Prinzip richtig, allerdings haben Sie einen massiven Fehler in Ihrer Überlegung: Innerhalb geschlossener Ortschaften hängt die Kapazität einer Straße nämlich primär an der Leistungsfähigkeit der Knotenpunkte, die Anzahl der Fahrstreifen ist absolut nebensächlich.