Ideen aus den Niederlanden Das Verkehrs-Startup Berlin braucht eine Fahrradbürgermeisterin wie Amsterdam

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Repräsentant für Amsterdam und Utrecht in Deutschland

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Repräsentant für die Regionen Amsterdam und Utrecht und die Niederländische Kreativwirtschaft in Deutschland

In Berlin konzentriert sich noch alles auf eine gute Fahrt für Autobesitzer. Auf dem Weg zur lebenswerten Stadt für alle lohnt ein Blick in die Niederlande. Dort wird ständig experimentiert und weiterentwickelt. Eine Fahrradbürgermeisterin wie in Amsterdam könnte Berlin als Verkehrs-Startup helfen.

Als ich als Neuberliner aus Amsterdam hierher kam, war mir aus niederländischer Sicht gleich klar: Das Auto ist der absolute Herrscher im Berliner Verkehr. Es gibt in Berlin ein komisches Verhalten im Verkehr und eine von Machismo geprägte Hierarchie. Für Radfahrer gibt es wenig Platz, sie werden oft beschimpft und selten geschützt. Über Fußgänger wird überhaupt nicht geredet.

Autofahren ist relativ günstig, Bußgelder für Falschparker sind niedrig. Es gibt dazu eine belehrende, auf Gesetzen und Regeln basierte Mentalität, wobei das Auto in der Fahrzeughierarchie als das Maß der Dinge gesehen wird. Alles konzentriert sich auf eine gute Fahrt für Autobesitzer.

Ein fließendes Zusammenbewegen im Verkehr gibt es wegen der schlechten infrastrukturellen Bedingungen und wegen der verärgerten Verkehrsteilnehmer leider überhaupt nicht. Zu viele Lkw sind in der Innenstadt unterwegs. Busstreifen sind hier oft gleichzeitig Fahrradwege. Ein vernünftiges Ampelmanagement ist auch nicht vorhanden. Und die Radfahrer fahren genervt in der Stadt herum.

Die Diskussionen über Verkehrspolitik sind hier in Berlin sehr emotional. Gerichtsverfahren und gegenseitige Belehrungen scheinen hier erfunden worden zu sein, aber das löst leider keine Verkehrsprobleme und verhindert auch nicht die viele tödlichen Unfälle.

Über mehrere Jahren organisiere ich professionell den Austausch zwischen Städten in den Niederlanden und Deutschland. Fast immer reden wir dabei über Urbane Mobilität. Sowohl München als Berlin haben die Region Amsterdam-Utrecht auf politische und Verwaltungsebene besucht. Regensburg, Stuttgart und Karlsruhe werden folgen.

Berlin braucht mehr Einbahnstraßen für Autos, weil Straßen dann ruhiger und übersichtlicher werden.

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Es gibt in den Niederlanden supertolle, alte und neue Konzepte. Tolle neue Parklösungen für Fahrräder, noch mehr Einbahnstraßen für Autos (so einfach und Berlin braucht davon viel viel mehr, weil Straßen viel ruhiger und übersichtlicher werden), noch breitere Fahrradwege (auch wegen der verschieden Geschwindigkeiten im Radverkehr), verbessertes Verkehrsmanagement, weniger Motorräder, mehr Park + Ride, shared space, multimodale Hubs, eCar-Sharing, Feinmäßige E-Citylogistik mit kleinen Lkw und Lastenrädern, Experimente für anderes Verkehrsmittelverhalten von Mittarbeitern (Förderprogramme für mehr Fahrrad und ÖPNV), usw. Wir arbeiten so viel wie möglich mit offenen Daten, oft zusammen mit den Einwohnern und Firmen. Alles damit die Stadt der Zukunft eine lebenswerte Stadt ist, in der Familien, Ältere und junge Leute ihren Weg finden.

In Berlin geht es mit Innovationen recht langsam voran.

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Alle sind sich in Holland über eine Sache einig: weniger Pkw-Verkehr und weniger (große) Lkw in der Stadt bedeutet weniger Gefahr, mehr Gesundheit, besser nutzbaren Öffentlichen Raum, und voilá, eine lebenswerte Stadt. Und wirklich niemand redet dann über Helmpflicht oder Polizeiberatung für kanariengelbe Sicherheitswesten.

Die Delegationsmitglieder waren oft begeistert über die Innovationen, die es in Holland gibt. München ist schon etwas weiter. In Berlin geht es mit Innovationen im Verkehrsbereich jedoch leider recht langsam voran.

Die Bedingungen sind gut, Berlin könnte die lebenswerteste Stadt der Welt sein.

Obwohl eigentlich die Vorbedingungen für eine lebenswerte Stadt in Berlin gar nicht so schlecht sind. Oder besser, Berlin könnte die beste und vor allem lebenswerteste Stadt der Welt sein. Berlin hat, im Vergleich zu fast allen Großstädten, die perfekten Bedingungen, um alles richtig zu machen (nicht nur bei der Verkehrspolitik…). Es ist flach, es gibt so viel Platz, breite Straßen, breite Gehwege, unglaublich viel Grün und Wasser, ein tolles ÖPNV-Netz, tolle Wissensinstitute und (!!!) begeisterte aktive Bürger. Amsterdamer können da neidisch werden. Aber es ist hier für Fußgänger oder Radfahrer noch immer äußerst heikel, eine Straße zu überqueren.

Mit all seinen Chancen, muss in Berlin jetzt doch endlich mal einiges umgesetzt werden. Metropolregionen wie Amsterdam und Kopenhagen haben sich in den letzten 30 Jahren auf innovative Art und Weise weiterentwickelt. Metropolen wie London, Paris oder New York sind schon länger unterwegs, die Städte lebenswerter zu machen. Paris, London und New York, mit umweltliebenden Bürgermeistern wie Sadiq Khan oder Anne Hidalgo, tun in Kommunikation und Aktion ihr Bestes. Aber diese Städte haben eine viel schwierigere Situation als Berlin. Es wäre so einfach für die Berliner Politik eine zukunftsorientierte Botschaft zu entwickeln und umzusetzen und allen anderen Weltmetropolen voraus zu sein.

Es wird in Berlin viel zu schnell gefahren, Autofahrer verhalten sich offensiv statt defensiv.

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Was soll sich in Berlin verbessern? Die Mentalität. Was würde dabei helfen? Eine bessere Infrastruktur und Verkehrsmanagement. Berlin braucht dringend eine andere Verkehrsmentalität. Es wird in Berlin in der urbanen Umgebung leider viel zu schnell gefahren und Autofahrer verhalten sich oft offensiv statt defensiv.

Dass man defensiv fahren soll, lernt man in den Niederlanden schon in der Fahrschule. Man lernt immer auf die andere Verkehrsteilnehmer zu achten, Rechts Raum zu lassen für Fahrräder und mit Parken zu warten bis man dabei niemanden hindert.

Natürlich sollten auch Radfahrer und Fußgänger aufpassen und sich richtig benehmen. Aber vor dem Gericht haben Autofahrer fast immer Schuld, auch wenn ein langsamerer Verkehrsteilnehmer etwas falsch gemacht hat. Der Autofahrer ist im Auto besser geschützt als alle andere Verkehrsteilnehmer und soll deswegen defensiv fahren.

Defensiver fahren und sich fließend und kompromissbereit zusammen zu bewegen sollten neue, wichtige Elemente im Verkehrsbenehmen sein. Autofahrern sollen sich bewusst sein, dass Radfahrer und Fußgänger verletzlicher sind. Einfach vorsichtig fahren ist keine Schande. Man kommt in der Stadt nicht langsamer ans Ziel, wenn man etwas vorsichtiger fährt und rechtzeitig bremst, auch wenn man eigentlich Vorfahrt hat.

Mentalitätswandel muss durch Infrastruktur unterstützt werden.

Eine Mentalität verändert sich nicht über Nacht, deren Wandel sollte unterstützt werden von infrastrukturellen Änderungen. Geschützte Fahrspuren für Radfahrer, weniger Spuren für Autos, mehr Einbahnstraßen, Geschwindigkeitsschwellen für Autos, mehr Zebrastreifen usw. Genau wie es in Amsterdam und Kopenhagen vor mehr als 30 Jahren anfing und jetzt auch in vielen anderen Metropolen passiert. Aber damit sollte es jetzt in Berlin auch richtig anfangen.

Straßen wie Bismarckstraße/Kaiserdamm, Kantstraße oder Frankfurter Allee könnten gut befahrbare lebenswerte Straßen sein, aber sind jetzt alles andere als das. Auch auf Tempo-30-Straßen ist eine sichtbarer Schutz oder eine Trennung für Radfahrer ab und zu notwendig. Oder eine Fahrradstraße, wo das Auto „zu Gast“ ist. Eine deutsche Erfindung, aber zum Beispiel in Amsterdam auch wirklich umgesetzt. Für schöne Fahrradrouten in grüne Bereiche wie Tiergarten oder entlang der Wasserwege wie an der Spree in Köpenick gibt es alle Möglichkeiten. Geht alles sehr gut und ist oft gar nicht so teuer.

Höchste Zeit für Verbesserungen, bevor Familien und junge Leute Berlin verlassen, weil es anderswo lebenswerter ist. 

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Zum Glück sieht man, dass es in Berlin mittlerweile eine kritische Masse gibt, die die Politik bewegen kann, wie auch die Initiatoren des Radentscheids gezeigt haben. Die Dringlichkeit für eine neue radfreundliche Verkehrspolitik hat die Berliner Politik erreicht. Nach Jahrzehnten lebensfeindlicher Politik des Stillstands, kann der Berliner Senat sich nicht mehr hinter Sparmaßnahmen und Armut verstecken. Der neue Senat plant, zumindest auf dem Papier, angetrieben von Bottom-Up-Protest, schöne neue Projekte. Er finanziert endlich mal Initiativen mit ein bisschen Investitionen. Es gibt aber so viel mehr Potenzial für Verbesserungen. Und jetzt ist es Zeit, richtig Tempo zu machen, bevor es zu spät ist und Familien und junge Leute diese Stadt wieder verlassen, weil andere Städte viel lebenswerter als Berlin sind.

Aber als Wahlberliner tut es mir leid, wenn ich Vorschläge gegen die Interessen der nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer lese. Es kommt leider aus fast allen politischen Richtungen: Sozialdemokraten, die höhere Bußgelder und Helmpflicht für Radfahrer wollen; Freidemokraten, die die Leipziger Straße als Autobahn betrachten; Christdemokraten, die lieber eine schmutzige gefährliche Frankfurter Allee haben anstatt einen lebenswerten Großstadtraum; Linke, denen alles egal ist, wenn man nicht über die absurde Mietsteigerung spricht.

Als fortschrittliebender Holländer wünsche ich mir, dass diese fantastische Stadt und ihre Politiker etwas mehr Mut hätten, das Potenzial der Stadt zu nutzen und nicht in Rückzugsgefechten hängen blieben. Zum Glück gibt es auch Politiker wie Senatorin Regine Günther, Staatssekretär Jens-Holger Kirchner, oder Sybille Uken von der SPD mit Sachverstand und guten Einsichten. Aber diese Politikern brauchen mehr Raum in der und für die Stadt.

Berlin braucht eine Verkehrspolitik ohne alte Machtstrukturen und politische Spielchen.

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Gerade jetzt braucht auch die Stadt Berlin eine Politik, die nicht wieder auf alte Machtstrukturen und politische Spielchen zurückgreift, sondern eine neue, begeisterte, positiv urbane und an Innovationen orientierte Politik. Es soll auch ein Befreiungsschlag für die Interesse der Berlinerinnen und Berliner sein.

Oft sind diese Lösungen low-tech und sehr einfach umzusetzen, aber manchmal gerade auch high-tech. Bessere Infrastruktur und Ampelmanagement sowohl für Radfahrer als auch Fußgänger wären nur ein erster Schritt. Radfahrer und Fußgänger müssen physisch besser geschützt und vor allem bedient werden. So bekommen auch Autofahrer mit, dass die Stadt ein gemeinsam genutzter Raum ist, in dem wir uns alle bewegen. Und dass Fahrradfahren etwas Schönes ist. Gute Radinfrastruktur ist Werbung für das Fahrradfahren. Es ist in den Niederlanden gerade auch sicherer, weil Autofahrer auch Radfahrer sind.

Übrigens, der öffentliche Raum gehört uns allen und nicht nur Autobesitzern - Parkingmanagement ist angesagt. Ja, auch Bezahlen für öffentlichen Raum, der besetzt wird, um damit die Infrastruktur und den öffentlichen Raum weiter verbessern zu können.

Lösungen für Berlin sollten eher aus der Startup-Szene als aus der Großindustrie kommen.

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Gerade Berlin soll dabei nicht am Gängelband der Großindustrie wie Siemens oder Cisco laborieren, sondern eher der tollen eigenen Startup-Szene und Bottom-up-Initiativen in der Stadt die Möglichkeiten geben, Lösungen für die urbanen Mobilitätsdilemmas zu denken, zu prüfen und umzusetzen.

Natürlich ist in Holland nicht alles perfekt. Aber wir arbeiten auf jeden Fall ständig daran, die Städte lebenswerter zu machen. Wir versuchen und experimentieren. Niederländische Städte wie Utrecht zeigen, wie eine lebenswerte Stadt aussehen kann. Da gibt es zum Beispiel jetzt mit 12.500 Stellplätzen das größte Fahrradparkhaus der Welt. Amsterdam und Rotterdam folgen, und tja, die Münchner SPD sieht das als Vorbild für neue Radparkplätze in München.

Berlin als Startup betrachten: Ohne Experimente keine Erfolge.

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Berlinern sollte es auch keine Angst machen, etwas mehr zu experimentieren, Berlin als Startup zu betrachten. Ohne Experimente keine Erfolge. Zum Beispiel ein paar Ampeln auf weniger befahrenen Kreuzungen ausschalten und die Leute selbst entscheiden zu lassen, ob es sicher ist, die Kreuzung zu überqueren. Man kann manche Straßen zu Einbahnstraßen oder einfach autofrei machen. Wieso soll man nicht auf dem Fahrrad nebeneinander fahren? Wieso soll ich keinen Passagier auf meinem Gepäckträger mitnehmen? Regelungen und Verkehrsmaßnahmen sind da für Menschen und nicht andersrum.

Aber Fahrradinfrastruktur ist nur ein Teil der innovativen Stadt. Es gibt noch viel mehr und schlauere Experimente, mit denen man ausprobieren kann. Urbane Verbesserungen, gerade im Mobilitätsbereich, muss man organisieren. In Amsterdam, San Francisco und Barcelona gibt es Chief Tech and Innovation Officers mit CTOs und vielen Mitarbeitern, und in Amsterdam sogar eine CTO Urban Mobility Gruppe, die quer durch die Verwaltung Innovationen anstoßen soll. Das braucht Berlin! Oder eine/n Fahrradbürgermeister/in. Unabhängige Bicycle Mayors/Ambassadors gibt es in verschiedenen Städten in der Welt, wie in Amsterdam - eine Idee für Berlin? Das müssten die Berliner Politiker doch auch für die Berliner, die das Gute und Schöne tun, nämlich sich bewegen, per Fahrrad oder zu Fuß, befürworten?!

Eine Idee aus Amsterdam wäre auch etwas für Berlin: ein/e Fahrradbürgermeister/in.

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Auf der Velo Berlin wird am 14. April über ein/e Berliner Fahrradbürgermeister/in und die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Bürgern und Firmen bei der Umsetzung von Fahrradpolitik diskutiert. Das ist schon gut. Für die SPD, FDP, Linke und CDU organisiere ich gern einen inspirierenden Arbeitsausflug nach Amsterdam und Utrecht. Dann können Berliner Politiker, die es noch nicht verstehen, mal fühlen und anfassen, wie die Luxusprobleme der Zukunft aussehen: So viel Fahrraderfolg, dass es an Fahrradparkplätzen fehlt, und wieder neue Innovationen gefragt sind. Wie gesagt ist auch in Amsterdam und Utrecht nicht immer alles perfekt und mit jeden Erfolg gibt es wieder neue Herausforderungen und Probleme zu lösen. Aber das ist auch gut so.

Berliner, ich schreibe hier auch als Wahlberliner: Ich bin kein Radikaler, ich fahre einen VW und ein Sparta Hollandrad. Berliner, seid zukunftsbereit! Ich möchte in einer Stadt leben, in der ich mir keine Sorgen darüber machen muss, ob es sicher ist, dass meine achtjährige Tochter mit dem Fahrrad zu ihrer Freundin fährt. Wo meine kleine neue in Spandau geborene Berlinerin auch ohne Helm und ohne Angst Fahrrad fahren kann. Ich will neben meinen Kindern auf der Straße nach Grunewald fahren können, ohne von hinten hören zu müssen, dass so etwas nicht erlaubt sei. Oder meine Frau romantisch auf meinem Gepäckträger zum Lietzensee fahren...

Es geht bei der Verkehrspolitik um Freiheit, Spaß, Schönheit und Gesundheit.

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Sich in der Stadt per Fahrrad zu bewegen, sollte sicher sein und es muss Spaß machen (darüber hat die ehemalige Niederländische Botschafterin Monique van Daalen mal einen tollen Artikel für Tagesspiegel Causa geschrieben. Dann gibt es von alle Seiten weniger Ärger und die Investitionen wird es mehr als wert sein. Weil die Stadt gesünder und schöner wird. Und die Bürgerinnen und Bürger sind freier!

Die Stadt Berlin hat ihre eigene DNA und Geschichte, was sie so einzigartig toll macht. Aber sie sollte auch unbedingt schnell innovativer werden und ihre eigenen Lösungen finden, damit die Stadt nicht ihren Lebenswert im Vergleich zu andere Weltmetropolen verliert. Zusammen lösen die unterschiedlichsten Berliner viele von Berlins Problemen ohne Mühe. Manchmal mit Hilfe von außen und nur wenn wir offen dafür sind und es wollen Kompromissbereit und Fortschritt liebend zusammen etwas bewegend!

Floris Beemster ist Repräsentant für die Regionen Amsterdam und Utrecht und der Niederländischen Kreativwirtschaft in Deutschland, wohnt in Berlin Charlottenburg und beschäftigt sich beruflich mit Urbaner Innovation.

27 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Mike Nixda
    Nein! Berlin braucht keinen "Fahrradbürgermeister"! Was dringend Berlin braucht, ist eine ausgewogene und zukunftsorierntierte Verkehrspolitik. Da wird sicherlich auch der Radverkehr eine Rolle spielen, aber nicht die dominante Rolle, die gewisse Lobbygruppen durchzudrücken versuchen.

    Eine aktuelle Umfrage des Civey-Instituts ist da ganz eindeutig: Auf die Frage, wo in Zukunft investiert werden soll, antworten über fünfzig Prozent, dass dies im Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs geschehen soll.

    Leider suggeriert auch dieser Causa-Artikel nur, dass die alleinige Zukunft im Fahrrad läge. Solange jedoch den Berlinern derart idiologisch verbrämte Propaganda aufgedrängt wird, verhärten sich allenfalls die Fronten. So wird das nichts!
    1. von Floris Beemster
      Antwort auf den Beitrag von Mike Nixda 15.04.2018, 14:50:57
      Haben Sie es wirklich gelesen...? ;)
    2. von Floris Beemster
      Antwort auf den Beitrag von Floris Beemster 15.04.2018, 14:55:46
      "Leider suggeriert auch dieser Causa-Artikel nur, dass die alleinige Zukunft im Fahrrad läge“. Ich suggeriere gerade das nicht... und bin mit fast alles was Sie schreiben einverstanden (außer wie Sie meine Artikel zusammenfassen...;-)
    3. von Mike Nixda
      Antwort auf den Beitrag von Floris Beemster 15.04.2018, 14:55:46
      Ja natürlich habe ich und ich bin ehrlich, ich bin genervt, weil es *noch* ein Artikel ist, der dieses Schönwetterverkehrsmittel als *die* Alternative zum PKW propagiert.

      Es geht mir nicht darum, das Radfahren zu verteufeln. Ich komme aus dem wunderschönen Münster, einer Stadt, in der Radfahren ebenso beliebt ist wie in dem ebenso wunderschönen Amsterdam. Bei schönem Wetter fahre ich selbst gerne mit dem Rad.

      Sie gehen nur nicht auf die eigentlichen Probleme der Stadt ein. Der Verkehr in Berlin scheitert an einer seit rund 20 Jahren dauernden Sparpolitik. Die Straßen sind in schlechtem Zustand und der ÖPNV ist bis zum Erbrechen kaputt gespart.

      Es steht außer Frage, dass sich etwas ändern muß, wenn Berlin sauberer und lebenswerter werden soll. Die von mir zitierte Civey-Umfrage gibt die Antwort: Es muss dringend und in großem Umfang in den öffentlichen Nahverkehr investiert werden. So wünscht es sich die Mehrheit der Berliner! Mehr Busse und mehr Züge, Ausbau der Tram- und U-Bahnstrecken, mehr Sicherheit und Sauberkeit in den Fahrzeugen und Bahnhöfen.

      Die Menschen sind bequem! Darum möchten die Berliner auch bei schlechtem Wetter sauber und trocken in der Stadt voran kommen. Das ist mit Fahrrädern nicht möglich (auch wenn einige "Kampfradler nicht müde werden, das Gegenteil zu behaupten).

      Davon ist in ihrem einseitigen Artikel nichts zu lesen. Sie bieten keine allumfassenden Lösungen an, denn dann würden sie einen Zukunftsverkehrsbürgermeister fordern. Aber sie fordern nur einen Fahrradbürgermeister und erwarten, das sich die Berliner dessen Diktat zu fügen haben.
    4. von Floris Beemster
      Antwort auf den Beitrag von Mike Nixda 15.04.2018, 15:32:19
      Vielleicht doch nochmals alles Lesen (ich weiß, es ist etwas Lange ;-), weil ich glaube ehrlich dass ich alle Ihre Punkte mehr oder weniger irgendwo im Artikel ein Platz gegeben habe. Natürlich war mein Hauptpunkt hier über Fahrradinfrastruktur und die Verkehrsmentalität in Berlin. Da ging es mir ums Verhalten zwischen Fahrradfahrer und Autofahrer. Aber das schließt alle Ihre Punkte nicht aus. Und ich habe auch das geschrieben: "mehr Park + Ride, shared space, multimodale Hubs, eCar-Sharing, Feinmäßige E-Citylogistik mit kleinen Lkw und Lastenrädern, Experimente für anderes Verkehrsmittelverhalten von Mittarbeitern (Förderprogramme für mehr Fahrrad und ÖPNV), usw.“
      Dass der Überschrift über eine Fahrradbürgermeister/in ist, war prima, eine Wahl der Redaktion ;) Aber es ist nur eine Mini-idee im ganzen Artikel. Könnte Berlin vielleicht helfen. Meine Arbeitsüberschrift war eigentlich: "Berlin ist verkehrspolitisch (lese nicht nur Fahrradinfrastruktur) in der 80er Jahre hängen geblieben und das kommt den Berlinern nicht zugute“. Ich muß dazu übrigens sagen der ÖPNV hier viel besser organisiert ist als in viele andere Weltmetropolen... Und Münster ist absolut eine schöne Stadt! :-)
    5. von Mike Nixda
      Antwort auf den Beitrag von Floris Beemster 15.04.2018, 16:59:17
      Sehr geehrter Herr Beemster!

      Ich habe Ihren Text durchaus in gänze gelesen! Sie müssen mir nicht unterstellen, ich sei zu doof längere Texte zu verstehen, weil Sie ein Problem damit haben, dass ich ihn anders interpretiere und ihre Thesen anders gewichte. Auch ein Smiley macht das nicht netter.

      Ich glaube ich habe mehr als ausführlich meine Meinung beschrieben. Sie schreiben über die verkehrspolitische Zukunft Berlins. Ich schreibe, dass sie einseitig gewichten. Was ist daran falsch zu verstehen?

      Richtig, Sie haben alles, was ich sage, auch irgendwo in ihrem Text untergebracht. Trotzdem lese ich nun mal aus ihrem Artikel heraus, dass sich alles dem Fahrrad nachzuordnen hat. Ich lese sehr viel, was man alles für Radfahrer verbessern muß. Aber ich lese keine allumfassende Vorschläge. Ich lese nichts von Ihnen, wie der ÖPNV zukunftsfähig gemacht werden könnte. Es nebenbei zu erwähnen reicht eben nicht.

      Und zur Verkehrsmentalität? Wo ist ihre Kritik daran, dass Radfahrer zu den aggresivsten Teilnehmen zählen. Radfahrer die sich nicht an die Spurrichtungen halten, die Regeln mißachten und für die es kein Rot an den Ampeln gibt. Radfahrer wie den, der mich auf dem Fußweg anrempelte und fluchte weil ich ihm im weg war?

      Und nein, Berlin hat keinen guten ÖPNV. Berlin hat engagierte Mitarbeiter der BVG und S-Bahn, die mit viel Fleiß aus einer jahrzehntelangen Mangelwirtschaft das bestmöglichste herausholt. Es sind die Mitarbeiter, die seit langer Zeit mit uralten und maroden Betriebsmitteln und fehlenden Investitionen arbeiten müssen und damit die Stadt am Leben erhalten! Einen guten ÖPNV sehen Sie zum Beispiel in Budapest, wo Busse, Tram und U-Bahnen zu Stoßzeiten alle zwei Minuten fahren und alles sauber ist. Und wo eine neue, 10km lange UBahn in acht Jahren entstanden ist, während man in Berlin an den 3,5km der U55 bereits seit einem viertel Jahrhundert baut.
    6. von Floris Beemster
      Antwort auf den Beitrag von Mike Nixda 15.04.2018, 17:54:40
      Verstehen Sie ;-) Ich hab das total freundlich gemeint :-) Wie gesagt, es gibt aus meiner Sicht nicht so viel Meinungsunterschiede zwischen uns Beide. Aber ich bekomme jetzt den Gefühl dass Sie lieber das Falsche in meine Beitrag lesen wollen. Wieder eine Quote: "Natürlich sollten auch Radfahrer und Fußgänger aufpassen und sich richtig benehmen“. Aber sie kommen aus Münster, oder? Da kann mann doch auch sehen wie eine gute Radinfrastruktur vieles in die gute Richtung bewegt. Es geht alles um den richtigen Gleichgewicht.
    7. von Floris Beemster
      Antwort auf den Beitrag von Floris Beemster 15.04.2018, 18:08:08
      Und ich war da auch selbstkritisch, ich fand meine Text viel zu lange, aber hatte vieles zu erzählen ;-) Aber für Sie offenbar nicht genug, und das ist auch gut so :-) Auf jeden Fall Danke für den Kommentar (und das meine ich ehrlich)!
    8. von Mike Nixda
      Antwort auf den Beitrag von Mike Nixda 15.04.2018, 14:50:57
      Nachtrag: da ich den Text aus dem Kopf geschrieben habe, hier noch die genauen Zahlen der Civey-Umfage:

      "Für welche Verkehrsteilnehmer soll in den kommenden Jahren in Berlin vorrangig investiert werden?"
      - Autofahrer: 17,9%
      - Fahrradfahrer: 21,3%
      - Fußgänger: 9,2%
      - Nutzer des Personennahverkehrs: 49,1%
      - Weiß nicht: 2,5%

      Stand: 15.04.2018 14:55
      Abgegebene Stimmen: 63067
      Link: https://app.civey.com/shares/304
    9. von Florian Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Mike Nixda 15.04.2018, 14:59:52
      Wenn man sagt, dass sich der Radverkehr verbessern muss, schließt das doch eine Verbesserung des ÖPNVs nicht aus. Der Artikel wendet sich nur gegen MIV, nicht gegen den ÖPNV. Ich sehe in der Kombination verschiedener Verkehrsarten die Zukunft... das schließt auch das Auto nicht aus, aber gerade das Fahrrad ist ein günstiges und effektives Fortbewegungsmittel, das eine große Bandbreite an Strecken abdecken kann.
    10. von Mike Nixda
      Antwort auf den Beitrag von Florian Winkler 15.04.2018, 16:23:31
      Stimmt, das eine schließt das andere nicht aus. Habe ich auch nicht gesagt.

      Mich triggert es, dass man jede Woche mindestens einen Artikel lesen muss, was alles für Radfahrer gemacht und verbessert werden muss und man dieses Verkehrsmittel bevorzugen soll. Egal ob man nun den Tagesspiegel, die Berliner Zeitung oder die Morgenpost liest.

      Der Berliner Landeshaushalt wurde letztes Jahr mit einem Überschuss von 2,1 Milliarden Euro abgeschlossen. Für nicht einmal die Hälfte dieses Betrages könnte man alle Strecken, die im 200km Plan von 1995 vorgesehen waren, ausbauen. Das wäre Zukunft!

      Ich lebe in Reinickendorf. Ganz in der Nähe ist das Märkische Viertel. Dort leben rund 40.000 Menschen, die seit den 70er Jahren darauf warten, dass sie vernünftig an den ÖPNV angeschlossen werden. Die Straßenbahn endet östlich an der Haltestelle Rosenthal Nord. Ein geplanter Weiterbau wird vom tramfeindlichen Senat blockiert. Die U8 endet seit über 20 Jahren westlich am Bahnhof Wittenau und auch hier ist der Weiterbau nicht in Sicht.

      Die Situation im Märkischen Viertel ist symptomatisch für Berlin. Die Planungen sind da, Geld ist inzwischen auch wieder da und es passiert ... nichts!

      Quellen:
      https://www.tagesspiegel.de/berlin/finanzen-hoechster-ueberschuss-aller-zeiten-fuer-berlin/20827982.html

      http://berliner-u-bahn.info/PDF/u_planung_1995.pdf

      https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin-M%C3%A4rkisches_Viertel#Schienenverkehr
    11. von Florian Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Mike Nixda 15.04.2018, 17:02:52
      Ich denke die vielen Radartikel erscheinen, weil das Klicks generiert, und die Fahrrad-Community ziemlich aktiv ist. Im Endeffekt werden aber nur ein paar schlappe Millionen in den Radverkehr investiert, im Vergleich zu allen anderen Verkehrsarten, einschließlich des ÖPNV, ist das ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ich finde es nicht schlimm, dass so viel über den Radverkehr berichtet wird, aber es muss viel mehr für den ÖPNV getan werden, da bin ich Ihrer Meinung, der muss mit Abstand die allerhöchste Prio haben - denn er garantiert das ganz Jahr über Mobilität für jeden. aber wie beim Radverkehr malen die Mühlen beim ÖPNV zu langsam.
    12. von Sternen Strömer
      Antwort auf den Beitrag von Mike Nixda 15.04.2018, 14:59:52
      So wie Civey die Erhebung vornimmt, wird die Statistik verfälscht.
      Es wird nur eine einzige Antwort zugelassen. Das spiegelt nicht wirklich den Willen der Berliner wieder.
      Wir nutzen alle mehrere Verkehrsalternativen gleichzeitig. So sind aus meiner Sicht sowohl in den ÖPNV wie auch den Fahrradverkehr gleichermaßen vorrangig zu investieren.

      Ob hier wirklich von allen Verkehrsteilnehmern gleichermaßen abgestimmt wird, darf wohl auch bezweifelt werden.
  2. von Michael Stoß
    In Berlin wäre ich vorsichtig mit der Forderung nach Experimenten. Solche hat es in den vergangenen Jahren zuhauf gegeben. Ob es um Fahrradparken oder blinkernde Ampeln geht, um Parklets oder Tempo 30, es ist jedesmal die gleiche Leier. Man gibt sich den Anschein, als ob man neue Lösungen ausprobieren wollte, es wird lang und breit diskutiert und mit den verschiedensten Hierarchieebenen abgestimmt, dann ein Miniversuch "gewagt", danach muss das ganze natürlich noch evaluiert werden und man hört nie wieder was davon. Es fehlt der parteiübergreifende echte Wille, mehr zu tun, als das Bestehende zu verwalten.
  3. von Frodo Beutlin
    Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion
    1. von Floris Beemster
      Antwort auf den Beitrag von Frodo Beutlin 13.04.2018, 14:13:34
      Ich wohne und fahre schon lange Auto und Fahrrad in Berlin ;)
    2. von Rens Douma
      Antwort auf den Beitrag von Frodo Beutlin 13.04.2018, 14:13:34
      Können Sie mir bitte erklären, was die "völlig verschiedenen urbanen Anforderungen und Strukturen" dann sein?
    3. von Floris Beemster
      Antwort auf den Beitrag von Rens Douma 13.04.2018, 18:39:01
      Ich schreibe auch: "Die Stadt Berlin hat ihre eigene DNA und Geschichte, was sie so einzigartig toll macht. Aber sie sollte auch unbedingt schnell innovativer werden und ihre eigenen Lösungen finden, damit die Stadt nicht ihren Lebenswert im Vergleich zu andere Weltmetropolen verliert“.
    4. von Michael Stoß
      Antwort auf den Beitrag von Frodo Beutlin 13.04.2018, 14:13:34
      Urbane Anforderungen und Strukturen in Städten sind in Europa erstaunlicherweise ziemlich ähnlich. Die Lösungen auch. Aber Kopenhagen und Amsterdam sind ja zu klein, London war mal groß genug, seitdem man dort aber trotz des Mini-Radanteils richtig viel Geld in die Hand nimmt, ist die Stadt zu britisch, Tokio mit 15% Radanteil und quasi Null öffentlichem Parkraum ist wohl ZU groß und so geht das in einer Tour. Die einzige richige Lösung ist wohl das Genöle der Berliner Autofahrer über zu wenige Parkplätze. Wenn dann mal wegen der immer fetteren Autos die Müllwagen nicht mehr durch die Straßen passen und gleich mal die Hälfte der Parkplätze wegfällt, ist es der Radverkehr der den Platz frisst.
  4. von T G
    Dass die Bußgelder für falsches Parken in Deutschland niedriger sind als andernorts, ist richtig. Dass gilt aber auch für andere Vergehen. so kosteten einem Radfahrer 2012 z.B. fehlende Reflektoren in den Niederlanden 30€, ein Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot 85€ und ein Rotlichtverstoß mindestens130€. Die Radfahrer Kopenhagens blicken noch neidvollen auf den hiesigen Bußgeldkatalog, kostet dort doch das Befahren des Gehweges mindestens umgerechnet 95€. Das Problem sind, wie Erfahrungen in Münster mit den Radfahrern zeigen, hier in Deutschland weniger die Höhe der Bußgelder den der fehlende Kontrolldruck.

    Im Tagesspiegel ist jemand anderem aus Amsterdam das folgende aufgefallen:
    "Die Radfahrer sind in Berlin tatsächlich noch schlimmer!
    Eine andere Sache haben Berlin und Amsterdam gemeinsam: Die Radfahrer – ich gehöre in beiden Städten dazu – dürfen alles. Wie alle sogenannten Gutmenschen sind sie etwas rechthaberisch und halten sich nicht an Verkehrsregeln. In Berlin ist das noch etwas ausgeprägter: Hier muss man sogar befürchten, als unschuldiger Fußgänger von links und rechts überfahren zu werden, weil die Radler wie selbstverständlich die Trottoire benutzen. In Amsterdam darf man alles, aber das nicht. Als Fußgänger ist man trotz knappen Raums wesentlich besser geschützt."

    Berlin braucht keinen Fahrradbürgermeister, sondern einen Innensenator, der sich stärker für die Einhalten der Spielregeln für ein gesittetes Zusammenleben einsetzt. Das fängt schon bei solchen Kleinigkeiten wie Falschparken und Gehwegfahren an.

    Nebenbei sei auch hier darauf hingewiesen, dass trotz der ach so autogerechten Stadt der PKW in Berlin eine etwas geringere Rolle spielt als in Amsterdam. Das Risiko, bei einem Verkehrsunfall getötet zu werden, ist gemäß einer Auswertung von "Wien zu Fuß" mit 1,9 Toten je 100.000 fast doppelt so hoch wie hier in Berlin mit 1,1 Toten jeweils ermittelt zwischen 2012 und 2015.
    1. von Elmer Mexes
      Antwort auf den Beitrag von T G 13.04.2018, 13:20:10
      typisch Autofahrer immer gegen die achso pösen Radfaher nölen um dann im Gegenzug noch rücksichtsloser durch sie Straßen zu heizen und sich über die "Vekehrsbehinderung" der Radfahrer aufzuregen.
    2. von T G
      Antwort auf den Beitrag von Elmer Mexes 15.04.2018, 16:25:51
      Einen höheren Kontrolldruck habe ich bei z.B. Falschparkern und Gehweg-Radfahrern angemahnt.
      Bitte bleiben Sie sachlich und unterlassen Sie persönliche Unterstellungen. Die Redaktion
  5. von Markus Berinig
    Wer den Beitrag richtig liest und von modischem Sprech und Codes befreit, merkt, daß ein Lobbyist für sich und seinesgleichen mehr Raum und Anteil fordert, und, weil er sich auch in einer Art Mission befindet, möchte, daß seine Sicht der Dinge für alle verbindlich wird. Und wenn die nicht wollen, ist halt nachzuhelfen, mit sanfter, und wenn das nicht reicht, auch mal etwas nachdrücklicher Gewalt.
    Ich kenne Amsterdam ziemlich gut, befinde mich regelmäßig dort und kenne so auch die Schattenseiten der Radfahrerdiktatur, deren Opfer nicht die Autofahrer, sondern die Fußgänger sind – es gibt nur wenige europäische Großstädte, in dem man sich so ungern und unsicher zu Fuß bewegt wie in Amsterdam, gerade auch weil der Radfahrer immer im Recht ist und die Radfahrer rücksichtslos draufhalten. Außerdem unterschätzt Floris Beemster die Dimensionen – Amsterdam ist im Zentrum kaum größer als Potsdam oder höchstens Leipzig. Fahrradstadt ist es auch nur im Grachtenviertel. In den Vororten dagegen hat es, wie ganz Holland, Autobahnen, die eher wie die von Los Angeles anmuten als die verquasten, engen und kaputten oder nie fertigen von Berlin.
    Berlins Motto der 1920er war: „Tempo, Tempo“. Nicht "nett", oder "schön" oder "romantisch". Das war, was es neben seiner Größe zur einzigen Weltstadt Deutschlands machte, auf Augenhöhe mit Paris oder New York. Was seine Existenz als Millionenstadt, tief im Osten und mitten in der märkischen Taiga, rechtfertigte. Seine wesentliche Verkehrsinfrastruktur, insbesondere der ÖPNV, stammt aus dieser Zeit. Kaum etwas davon, denken wir an die U-Bahn, würde heute noch so gebaut, weil die Gelder überwiegend nur in den Sozialbereich, also Konsum fließen. Das Fahrrad ist ja die zu dieser Mentalität passende Antwort: Low Tech, billig, langsam, romantisch. Mit Metropole und Weltstadt hat es nichts zu tun.
    1. von Elmer Mexes
      Antwort auf den Beitrag von Markus Berinig 13.04.2018, 11:49:35
      Das Fahrrad ist in einer Stadt alles andere als "langsam". Der Durschnittsweg liegt in Berlin bei 7 km. Gerade der KFZ-Verkehr sowie Lagerung (Parken) verstopft die Stadt. Deswegen die Vorschläge mit intelligenten Ampeln und Einbahnstraßen.
  6. von Markus Berinig
    Fortsetzung: Eine Metropole muß schnell sein, schnelle Verbindungen bieten. Das Auto bietet das ab einer gewissen Masse nicht mehr, aber für die meisten immer noch besser als die „Fieten“. Daher bleibt auch die urbane Mobilität im 21. Jahrhundert eine motorisierte. Vielleicht nicht als vierrädiges Auto mit Benzinmotor und Höchstgeschwindigkeit 200 km/h. Aber Gazelle und Bakfliet stellen diese Mobilität nicht bereit. Für die Masse der Stadtbewohner brauchen wir andere Lösungen. Und eine Politik, die das annimmt und angeht. Der Fahradhype führt nur dazu, daß wir dabei Zeit und Geld verschwenden.
    1. von Floris Beemster
      Antwort auf den Beitrag von Markus Berinig 13.04.2018, 11:49:08
      Eine Metropole muß schnell únd langsam sein. Auf die richtige Mischung kommt es an. Und mehr und mehr Leute (auch in ander Weltmetropolen, wie auch der Randstad in NL, viel größer als Berlin...) wollen auch mehr und mehr bequem Fahrrad fahren können. Mit Dimensionen hat das alles übrigens gar nichts zu tun. Ich bin auch nicht gegen Autos. Es gibt in Amsterdam kein Fahrraddiktatur aber so viele Fahrraderfolge und deswegen auch wieder neue Probleme. Kann man auch da kritisch sein. Das wird Berlin bestimmt in 10 Jahre auch erleben. Und dann werden wieder neue Lösungen. Aber darüber werde ich nächstes Mal schreiben ;)
    2. von Frank A.
      Antwort auf den Beitrag von Markus Berinig 13.04.2018, 11:49:08
      Klasse Komentar. Volle Zustimmung.