Ein Berliner Bezirk als Vorbild? Anarchie und Chaos auf der B1 beenden - sichere Radwege jetzt!

Bild von Jens Blume
Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg

Expertise:

Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg

Das Netzwerk fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg macht konkrete, einfach umzusetzende Vorschläge für die Hauptstraße, die für ganz Berlin und andere deutsche Großstädte beispielhaft sein können.

Wild-West Verhältnisse herrschen auf der Schöneberger B1 - seit Jahrzehnten. Die Busspur wird grundsätzlich zugeparkt, Zweite-Reihe-Kampfparker machen aus der dreispurigen Straße eine einspurige. Die vielen Linienbusse bleiben stecken, verspäten sich. Fahrgäste müssen mitten auf der Fahrbahn aussteigen, weil die Haltestelle für den Bus nicht erreichbar ist.

Und die Radfahrenden? Die meiden in den meisten Fällen die Hauptstraße - viel zu gefährlich. Andere weichen aus Angst auf den Gehweg aus. Wer dennoch auf der Fahrbahn mit dem Rad unterwegs ist, muss immer wieder riskante Slalom-Manöver in Kauf nehmen - zwischen sich öffnenden Autotüren, Zweite- Reihe-Parkern, ÖPNV-ausbremsenden Egoisten und fließendem Verkehr. Radinfrastruktur? Fehlanzeige.

Noch nicht mal jungen wendigen Sportradlern sind diese Zustände zuzumuten - von Kindern oder Senioren ganz zu schweigen.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Genauso die Kreuzungen. Kreuzgefährlich - auf maximalen Kfz-Durchfluss optimiert. Der tödliche Abbiegeunfall vom Januar 2018? Blutzoll für ein bisschen schnelleres Ankommen mit dem Auto. Für motorisierte Bequemlichkeit, für mutloses und viel zu zögerliches Umsetzen der Vision Zero.

Die schon im Sommer letzten Jahres - am 19.07.2017 - von der BVV beschlossenen Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit an exakt der Unfallstelle werden zynischer Weise “Sofortmaßnahme” genannt - brauchten aber nach Recherchen vom Tagesspiegel  vier Monate, um vom Bezirksschreibtisch auf den entscheidenden Senatsschreibtisch der Verkehrslenkungsbehörde zu wandern.

Ein Jahr Bearbeitungsdauer ist kein rasches und vorbildliches Handeln.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Zynisch ist weiterhin, dass Verkehrssenatorin Regine Günther nun den “schnellen” Umbau der Kreuzung ab Frühjahr lobt und ein Jahr Bearbeitungsdauer für rasches und vorbildliches Handeln hält.

Angesichts der vielen tödlichen und schweren Fahrradunfälle in Berlin, angesichts des schrecklichen Unfalls am bekannten Gefahrenpunkt Kolonnenstraße/ Hauptstraße fordern wir von den verantwortlichen Politikerinnen - namentlich Frau Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und Frau Verkehrssenatorin Regine Günther - ein Ende des bürokratischen Schneckentempos. Ein Jahr Bearbeitungsdauer für eine Sofortmaßnahme ist ein Grund zum Weinen, keiner zum Stolz sein.

Daher fordern wir die unverzügliche Umsetzung beschlossener Sofortmaßnahmen:

1. Wegnahme der rechten Spur in der Kolonnenstraße
2. Markierung eines breiten Radweges dort, wo sich ehemals die rechte Spur befand
3. Farbliche Markierung der Radfurt über die B1 hinweg
4. Umsetzung innerhalb der nächsten Woche - warm genug ist es
5. Ggf. Verzicht auf Garantiegewährung der Baufirma wegen Winterperiode
6. Ggf. Nachbesserungsarbeiten im Frühling
7. Notfalls provisorische Markierung mit gelber Baustellenfarbe, “richtige” Farbe dann im Frühling

Bus und Fahrrad sollen sich nicht ausbremsen,  sondern auf getrennten Spuren Menschen umweltfreundlich vorwärts bringen.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Mittelfristig - mit Umsetzung bis Ende des Jahres - fordern wir für den B1-Abschnitt zwischen Dominicusstraße im Süden und U-Bahnhof Kleistpark im Norden eine einfache und sichere Zwischenlösung für den Radverkehr, bis die Straßenbahn nach Steglitz errichtet wird (was noch Jahre dauern kann). Denn wir wollen schon heute - nicht erst im nächsten Jahrzehnt - Radwege, auf denen wir guten Gewissens unsere Kinder und Großeltern alleine fahren lassen würden. Wir wollen uns nicht zwischen Bussen und rasendem Kfz-Verkehr unseren Weg suchen müssen. Die beiden leistungsfähigsten Verkehrsmittel auf der B1– Bus und Fahrrad – sollten sich nicht ausbremsen, sondern auf getrennten Spuren Menschen umweltfreundlich vorwärts bringen.

Verlagerung von Auto- zu Radverkehr macht öffentlichen Raum lebenswerter.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Radfahrende machen keinen Lärm, brauchen wenig Platz – produzieren keine vergiftenden Stickoxide oder Krebs bringenden Feinstaub. Die Verlagerung von Auto- zu Radverkehr macht öffentlichen Raum lebenswerter – und jeden Einzelnen gesünder. Radverkehr ist gut für das Klima in Städten, auch in Berlin, auch in Tempelhof-Schöneberg. Deshalb sollten wir Fahrradfahrende belohnen und verwöhnen, nicht ihnen das Leben schwer machen.

Maßnahmen sind ohne Versetzung eines einzigen Bordsteins möglich.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Wir brauchen an der Schöneberger Hauptstraße sichere, geschützte Radwege - auch getrennt vom ÖPNV - damit dort alle Radfahren können und wollen. Daher fordern wir:

1. B1 für Radfahrende sicher gestalten
2. Die Busspur um eine Spur weiter gen Fahrbahnmitte verschieben
3. Die Busspur ausnahmslos dem ÖPNV vorbehalten
4. Einrichtung einer geschützten Radspur auf ehemaliger Busspur
5. Tempo 30 auf verbleibender Fahrspur
6. Konsequentes Abschleppen von Fahrzeugen, die eine Verkehrsbehinderung darstellen

Diese Maßnahmen sind ohne Versetzung eines einzigen Bordsteins möglich - wie unsere Visualisierung veranschaulicht. Lediglich an den Bushaltestellen sind Anpassungsarbeiten notwendig. Schon Ende des Jahres könnte der Umbau vollzogen sein. Voraussetzung: Einzig und allein politischer Wille und mutiges Voranschreiten.

Wir bitten die Bezirksverwaltung, Verkehrssenatorin Regine Günther und nicht zuletzt den Regierenden Bürgermeister Michael Müller, rasch zu handeln. Nicht erneut darf ein Menschenleben der Preis sein für das Aufwachen und Aktivwerden der verantwortlichen Politiker*innen.

 

0 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

Diese Community ist nur während der Arbeitszeiten der Tagesspiegel-Community-Redaktion geöffnet. Sie können täglich von sechs bis 21 Uhr Kommentare schreiben.