Kontrolle funktioniert Der regulatorische Werkzeugkasten ist voll genug

Bild von Christine Bortenlänger
Vorstand des Deutschen Aktieninstituts

Expertise:

Christine Bortenlänger ist Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts, einem Verband für Unternehmen und Institutionen, die am deutschen Kapitalmarkt tätig sind.

Börsennotierte Unternehmen unterliegen einer Fülle gesonderter Transparenz- und Publizitätspflichten. Noch mehr Regeln verhindern auch kein Fehlverhalten. 

Der Fall Wirecard hat eine hitzige Debatte darüber entfacht, ob es ein Mehr an Regulierung für börsennotierte Unternehmen geben muss. Ein Blick in den regulatorischen Werkzeugkasten zeigt jedoch, dass börsennotierte Unternehmen bereits sehr weitreichend und streng reguliert sind. Da noch völlig unklar ist, wer welche Fehler gemacht hat, ist die Debatte verfrüht.

Wirecard muss lückenlos aufgeklärt werden - um das Vertrauen in den Kapitalmarkt zu schützen.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Bilanzskandale und Marktmanipulation wiegen schwer. Sie belasten die Arbeitnehmer des Unternehmens, die gute Arbeit geleistet haben, die betroffenen Aktionäre und schaden dem Kapitalmarkt insgesamt. Deswegen ist es wichtig und richtig, dass die notwendigen Untersuchungen seitens der Behörden jetzt schnell und lückenlos durchgeführt werden. Dies dient auch dazu, das Vertrauen in den Kapitalmarkt zu schützen.

Die Regulierung ist bereits sehr engmaschig.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

In der aktuellen Diskussion um strengere Regeln für börsennotierte Unternehmen wird gerne unterschlagen, dass diese bereits sehr engmaschig reguliert sind. Sie unterliegen einer Fülle gesonderter Transparenz- und Publizitätspflichten. Dazu gehören unter anderem besondere Anforderungen an den Jahresfinanzbericht, die Pflicht zur Erstellung von Halbjahresfinanzberichten und nicht zuletzt die Verpflichtung, kursrelevante Insiderinformationen ad hoc - also sofort - bekannt zu geben.

Management, Bilanzen und Kapitalmarktgebaren werden kontrolliert.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Außerdem gibt es verschiedene Kontrollinstanzen: Der Aufsichtsrat ist in der Pflicht, die Entscheidungen des Managements zu kontrollieren und zu hinterfragen. Die Wirtschaftsprüfer müssen die Bilanzen der Unternehmen prüfen und mit einem Testat versehen. Die Bilanzen unterliegen auch der Bilanzkontrolle. Nicht zuletzt hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) weitreichende Kontroll- und Ermittlungsbefugnisse bei Fehlverhalten am Kapitalmarkt.

Es gibt keinen Mangel an Straf- und Sanktionsmöglichkeiten.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Auch ein Mangel an Straf- und Sanktionsmöglichkeiten herrscht nicht. So können strafrechtliche Normen, wie beispielsweise Betrug, relevant sein. Aber auch Verstöße gegen Kapitalmarktregeln können empfindliche Sanktionen nach sich ziehen. Ein Beispiel: Nach der europäischen Marktmissbrauchsverordnung kann ein Unternehmen, das sich an Insidergeschäften oder Marktmanipulationen beteiligt, mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 15 Prozent seines Jahresumsatzes belegt werden. Den handelnden Personen drohen überdies Freiheitsstrafen.

Das beste Rechtssystem schützt nicht vor Fehlverhalten.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Vergessen darf man in diesem Zusammenhang auch nicht, dass die geltenden Regeln letztlich dazu geführt haben, dass das Fehlverhalten aufgedeckt wurde. Warum dies so lange gedauert hat, ist eine andere Frage.

Der Fall Wirecard ist ohne Frage für den Finanzplatz Deutschland eine Belastung. Dennoch gilt: Was dort schiefgelaufen ist, bedarf einer zeitnahen, gründlichen Aufklärung. Nur wenn diese Ergebnisse vorliegen, kann man entscheiden, was getan werden muss. Klar ist aber auch, dass selbst das beste Rechtssystem der Welt keine 100-prozentige Sicherheit vor Fehlverhalten garantieren kann.

0 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
Bitte melden Sie sich zunächst an, um die Kommentarfunktion nutzen zu können.