Wir brauchen einen neuen Generationenvertrag Schluss mit den Spezialrenten!

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Generalsekretär Wirtschaftsrat CDU

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Wolfgang Steiger ist Generalsekretär Wirtschaftsrat der CDU. Der Wirtschaftsrat ist ein bundesweit organisierter und von Unternehmern getragener Verband und repräsentiert rund 12.000 Mitglieder.

Weniger Beitragszahler und immer mehr Empfängergruppen, die immer älter werden? Das kann nicht funktionieren. Im besten Fall wird das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt.

Der Überbietungswettbewerb in der Rentenpolitik muss beendet werden. Sonst droht der gesetzlichen Rentenversicherung der Kollaps. Nicht heute, nicht morgen, aber spätestens 2045. Dann werden jährlich 784 Milliarden Euro an die Rentner ausgekehrt – dreimal so viel wie heute, so die Prognose des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Die Beitragseinnahmen steigen aber nur auf 606 Milliarden Euro, sodass der Bund aus dem Haushalt jedes Jahr 177 Milliarden Euro zuschießen muss.

Die Rentenbeiträge werden das Nettoeinkommen bestimmen

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Gründe für diese Entwicklungen gibt es vor allem zwei: Erstens werden wir immer älter, die Menschen beziehen immer länger Rente. So schön diese Aussicht für uns alle persönlich ist, so schlecht ist sie für unser umlagefinanziertes Rentensystem. Insbesondere dann, wenn die zweite Entwicklung diametral entgegenläuft: der Rückgang der Beitragszahler durch die demographische Entwicklung. Immer weniger Arbeitnehmer müssen immer mehr Rentner immer länger finanzieren. Die Prognosen sehen für 2045 einen Beitragssatz von über 25 Prozent vor gegenüber 18,7 Prozent heute. Gleichzeitig wird das Rentenniveau weiter absinken.

Diese Zahlen sind mehr als abstrakte Größen: Vielfach wird die Höhe des Rentenbeitrags ausschlaggebend sein, ob sich eine junge Familie nach Abzug der Sozialabgaben vom Nettolohn noch den Traum vom Eigenheim erfüllen kann oder für weiteren Nachwuchs entscheidet.

Verdi und SPD-Linke belasten mit ihren Plänen die junge Generation

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Noch viel schlimmer würde es für die junge Generation, wenn sich ver.di und SPD-Linke mit ihrer Forderung durchsetzen, das Rentenniveau auf 50 Prozent anzuheben. Der typische Alleinstehende mit einem Durchschnittseinkommen von 37.000 Euro brutto würde dann 2029 mit 870 Euro zusätzlich belastet, wie das IW ermittelt hat. Insgesamt müssten Arbeitnehmer und Arbeitgeber bis 2029 gigantische Zusatzlasten in Höhe von 350 Milliarden Euro schultern - allein im Jahr 2029 mit zusätzlich 52 Milliarden Euro. Tendenz stark steigend, und das bei immer weniger Arbeitnehmern, die dafür aufkommen können.

Es braucht einen Mix aus Maßnahmen

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Der Befund ist klar, aber wie sieht die Therapie aus? Wie so oft im Leben hilft nicht nur eine Maßnahme, vielmehr muss der richtige Mix gefunden werden, um die Rente zukunftsfest zu machen: Ein Ansatzpunkt ist die Ausgabenseite: Leistungsausweitungen darf es nicht geben. Eine Nahles’sche Solidarrente zur Bekämpfung einer Altersarmut, die es derzeit gar kaum gibt, darf genauso wenig kommen wie die Ausweitung der Mütterrente. Und die sogenannte Nahles-„Haltelinie“ für das Rentenniveau bei 46 Prozent würde zusätzliche Milliarden verschlingen.

Das Renteneintrittsalter muss deutlich über 67 Jahre erhöht werden

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Der zweite Hebel setzt sowohl an der Einnahmen- als auch an der Ausgabenseite an: Wenn wir immer länger leben und zudem nicht ausreichend Nachwuchs geboren wird, muss das Renteneintrittsalter erhöht werden. Und zwar deutlich über das 67. Lebensjahr hinaus. Im besten Fall wird das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt. Dann hätten wir es nicht mit einer Einbahnstraße zu tun: Sollte sich die demographische Entwicklung umkehren und mehr Kinder geboren werden, würde die Verknüpfung von Lebensarbeitszeit und Lebenserwartung wieder ein früheres Renteneintrittsalter erlauben. Flankiert werden müssen diese beiden Maßnahmen durch mehr betriebliche und private Altersvorsorge. Von der gesetzlichen Rente allein wird niemand seinen Lebensstandard im Alter halten können.

Ab 2050 werden Dänen erst mit 72 Jahren in die Rente gehen

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Zehn Staaten der EU sind wesentlich weiter als Deutschland. Sie haben bereits Gesetze, die den regulären Rentenbeginn weit über den 67. Geburtstag hinaus anheben. Die Dänen beispielsweise werden 2050 erst mit 72 Jahren regulär in Rente gehen. Auch in den Niederlanden und Griechenland sehen die Gesetze dann Altersgrenzen jenseits der 69 vor.

Darüber hinaus ist ein Mehr an Transparenz ein entscheidender Impuls für mehr Verantwortungsbewusstsein in der Alterssicherung. Eine App, in der gesetzliche, private und betriebliche Rentenansprüche zusammengeführt werden, und die jedem auf Knopfdruck sagt, wie er im Alter dasteht, würde dem allzu sorglosen Umgang vieler junger Menschen mit diesem Thema entgegenwirken.

Auch wenn man nicht in Panik verfallen sollte – denn immerhin sind die Renten in den letzten Jahren durch die Kopplung an die Lohnentwicklung schneller gestiegen als die Preise – so müssen wir jetzt dennoch die Zukunft unseres Rentensystems gestalten. Das ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe aller – jüngerer wie älterer Menschen -, die sozialpolitischen Sprengstoff in sich trägt. Wir brauchen insofern einen neuen Generationenvertrag, damit sich auch in Zukunft die Generationen vertragen.

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