CDU-Parteitag: Was ist konservativ? Konservativ sein heißt: Haltung statt Zeitgeist

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Generalsekretär CDU

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Peter Tauber ist Generalsekretär der CDU.

Die CDU ist noch immer konservativ, stellt Generalsekretär Peter Tauber fest. Was das ist? Eine Haltung haben, dem Zeitgeist widerstehen. Im Kleinen gehe es um den Satz, den viele noch von ihren Eltern lernen: „Das macht man nicht.“

Es ist ein beliebtes Lamento, dass das Konservative als eine der drei Wurzeln der CDU derzeit in der Partei nicht den Stellenwert einnehme, den es einst – vertreten durch Köpfe wie Alfred Dregger – innehatte. Um es vorweg zu schicken: Ich halte diese Behauptung für falsch.

Als ich Generalsekretär wurde, hieß es, nun habe Angela Merkel einen Konservativen für diese Position ausgedeutet. Dies war nicht nur manchen Überzeugungen, die ich vertrete, geschuldet, sondern wurde auch damit begründet, dass ich aus Hessen komme. Man bezeichnet die hessische CDU gerne als konservativ und schreibt ihr gewisse Eigenschaften zu: Zuverlässigkeit und Geschlossenheit zum Beispiel. In der Tat sind das Tugenden, die man als konservativ bezeichnen kann. Nun war es aber genau diese konservative hessische CDU, die unter der Führung von Volker Bouffier, auch ein profilierter Konservativer, die erste funktionierende schwarz-grüne Koalition schmiedete. Wie passt das zusammen?

Konservativ sein, heißt, eine Haltung haben und dem Zeitgeist zu trotzen.

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Erstens zeigt schon dieses Beispiel, dass in der Theorie die Verortung des Konservativen heute so leicht nicht ist. Und zweitens braucht es für ein schwarz-grünes Bündnis ganz praktisch gerade die Konservativen in der CDU. Inhaltlich sind Grüne und Schwarze in vielen Fragen nach wie vor weit auseinander. Umso wichtiger ist eine Haltung, die dem Konservativem zu eigen ist, wenn es um den Blick auf die Welt geht. Denn während der Zeitgeist vielfach eine Unterscheidbarkeit von verschiedenen Positionen verhindert und eine falsche political correctness zur Sprachlosigkeit führt, hat der Konservative einen eigenen Standpunkt. Konservative verabsolutieren im Gegensatz zu Sozialisten und anderen, die in geschlossenen Weltbildern denken, ihre Haltung aber nicht.

Konservativ heißt: Regeln akzeptieren, Rücksicht, Respekt, die Bereitschaft zu dienen.

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Der Historiker Andreas Rödder hat zu Recht darauf hingewiesen: „Keine unwandelbaren Inhalte also machen Konservatismus aus, und dennoch hat er durchgehende Grundlagen.“ Im Großen ist die Freiheit der entscheidende Wert für Konservative, aber  – im Sinne des Widerstandkämpfers Helmuth James Graf von Moltke – keine Freiheit von etwas, sondern eine Freiheit, die zur Verantwortung befähigt: für sich selbst, für andere und für das eigene Vaterland. Im Kleinen ist es der Satz, den viele noch von ihren Eltern lernen: „Das macht man nicht.“ Eine Haltung; nicht nur die Akzeptanz von Regeln, sondern die Einsicht in deren Notwendigkeit und das Einhalten solcher auch dann, wenn kein anderer sieht, dass man sie bricht; Rücksicht und Respekt; die Bereitschaft, sich zurückzunehmen, Entscheidungen und Veränderungen zu akzeptieren, auch wenn sie nicht der eigenen Überzeugung entsprechen; die Bereitschaft zu dienen: das ist konservativ.

Eine Haltung ergibt nicht zwangsläuftig ein politisches Programm, wohl aber ein Selbstverständnis.

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Aus dieser Haltung ergibt sich nicht zwangsläufig ein politisches Programm, wohl aber ein Selbstverständnis, aus dem heraus man politisch arbeitet. Das lateinische „conservare“ bedeutet „bewahren“. Und das ist der Anspruch: Das, was gut ist, was sich bewährt hat, soll in die Zukunft getragen werden.

Mit Blick auf die Tagespolitik können die Konservativen vieles vorweisen: Die Notwendigkeit einer Leitkultur, eines deutschen Leitbildes, hat sich die CDU schon 2007 in ihr Grundsatzprogramm geschrieben. Alle Entscheidungen zum Asylrecht, zur inneren Sicherheit und zur Integration fußen darauf. Vor 15 Jahren wurden Christdemokraten für das Bekenntnis zur Leitkultur noch beschimpft. Heute ist auch bei Sozialdemokraten und Grünen völlig unstrittig, dass wir etwas Verbindliches und Verbindendes brauchen, damit das Zusammenleben gelingt. Für Christdemokraten ist dabei klar, dass wir unser Land lieben, stolz auf Deutschland sind, aber dass das C eine klare Grenze nach rechts setzt. Auch diese Standortbestimmung verdankt die Partei den Konservativen.

Konservative hatten nie nur eine Heimat - jedenfalls nicht vor der Gründung der Bundesrepublik.

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Ein weiteres Beispiel: Am Montag findet zum zweiten Mal der „Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung“ statt. Diesen hat die Union durchgesetzt, weil es uns wichtig ist, dass wir die Erinnerung an das Schicksal der Millionen Heimatvertriebenen wachhalten und zugleich ihre Leistung beim Aufbau der jungen Bundesrepublik würdigen. Auch das ist etwas, auf das die Konservativen bei uns stolz sein können.

In der deutschen Geschichte hatten Konservative übrigens nie nur eine politische Heimat. Die Bundesrepublik bildet da eine Ausnahme. Gerade das Scheitern der Weimarer Republik führt vor Augen, dass auf der einen Seite Konservative Hitlers Weg in die Reichskanzlei ebneten, es auf der anderen Seite Konservative waren, die ihn und die Nazis bis zum Schluss bekämpften und aufs tiefste verachteten. Deren Ideen gehören zu den geistigen Wurzeln der CDU bei der Gründung 1945.

Christdemokraten suchen nach dem, was verbindet.

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Die CDU ist deshalb eben nicht nur eine konservative Partei. Wir sind Christdemokaten. Das christliche Menschenbild ist die Grundlage unserer politischen Überzeugungen und speist unsere drei Wurzeln: die christlich-soziale, die liberale und die konservative. Alle drei sind gleichermaßen wichtig. Alle drei müssen gleichermaßen gepflegt werden. Und darum haben Konservative nicht nur ihren Platz in der Union. Es braucht sie.

In einem ihrer Gründungsaufrufe bezeichnet sich die CDU als Sammlungsbewegung. Ausdruck findet das im Gedanken der Union im Namen unserer Partei. Wer unsere Werte und Überzeugungen teilt, der ist aufgefordert mitzumachen. Christdemokraten suchen nach dem, was verbindet. Deshalb sind wir die Volkspartei der Mitte.

Der Mut, das Notwendige zu tun, um das zu bewahren, was einem lieb und teuer ist, also auch zu Veränderungen bereit zu sein, ja sie sogar anzutreiben, ist ebenfalls konservativ. Genau das wird die Union im 21. Jahrhundert leisten müssen. Dafür braucht es das Konservative. Franz Josef Strauß wird häufig die Aussage „Tradition heißt, an der Spitze des Fortschritts zu marschieren“ zugeschrieben. Dieser Satz ist richtig. Er stammt aber ursprünglich von Gerhard von Scharnhorst. Einem preußischen General und Reformer.

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Was ist konservativ?

Der Text von Peter Tauber ist Teil der Debatte auf Tagesspiegel Causa, dem Online-Debattenmagazin des Tagesspiegels. Weitere Beiträge erscheinen in Kürze hier. Es schreiben unter anderem der Mainzer Historiker Andreas Rödder, Christean Wagner (Mitgründer des konservativen Berliner Kreis innerhalb der CDU) und der Psychologe Christian Kandler (Universität Bielefeld).

Außerdem aktuell diskutiert auf Tagesspiegel Causa: EM 2016: Ist Fußballpatriotismus gleich Nationalismus?

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