So meistert Deutschland die Flüchtlingskrise Die Politik muss endlich einen Plan entwickeln

Bild von Marcel Fratzscher
Präsident Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)

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Der Ökonom Marcel Fratzscher leitet seit 1. Februar 2013 das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und ist Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zuvor arbeitete er u.a. für die Europäische Zentralbank, die Weltbank, für das Harvard Institute for International Development in Jakarta und das Peterson Institute for International Economics in Washington D.C.

Kurzfristig wird der Staat massive Mehrausgaben stemmen müssen, sagt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Das muss und darf aber nicht zu einem Verteilungskampf führen. Weder muss der Staat andere Ausgaben kürzen, noch Steuern erhöhen. Was die Politik aber tun muss, ist: Endlich einen konkreten Plan zur Integration entwickeln und umsetzen.

Die Frage, ob und wie diese Integration gelingen kann, ist zu einem großen Teil eine wirtschaftliche Frage. Wie schnell und gut Geflüchtete sich in Deutschland integrieren, hängt vor allem davon ab, ob sie eine Chance für eine Ausbildung und Arbeit bekommen, um ihr eigenes Schicksal in die Hand nehmen zu können. Viele Deutsche machen sich Sorgen über die wirtschaftlichen Kosten und ob sie durch die hohen Ausgaben für Geflüchtete den eigenen Gürtel enger schnallen müssen.

Es ist falsch zu glauben, nur ein hochqualifizierter Flüchtling mit hohem Einkommen würde sich wirtschaftlich „rechnen".

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Das ist eine berechtigte und wichtige Frage. Die Antwort ist, dass nicht nur die Geflüchteten, sondern wir alle von einer erfolgreichen Integration wirtschaftlich profitieren können. Natürlich hat die Mehrzahl der Geflüchteten keine gute Ausbildung und viele sind gering qualifiziert. Es ist aber falsch, zu glauben, nur ein hochqualifizierter Flüchtling mit hohem Einkommen würde sich wirtschaftlich für Deutschland „rechnen".

In der alternden Gesellschaft können Zuwanderer einige, wenn auch sicherlich nicht alle, Arbeitsmarktlücken schließen.

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Es gibt heute über eine Million offene Stellen in Deutschland, für qualifizierte und für weniger qualifizierte Arbeitskräfte. Deutsche müssen sich nicht sorgen, Geflüchtete würden ihnen die Arbeit wegnehmen oder die Löhne drücken. Im Gegenteil: Gerade in unserer alternden Gesellschaft können Zuwanderer einige, wenn auch sicherlich nicht alle, Lücken im Arbeitsmarkt schließen.

Und Studien, wie zum Beispiel zur Integration von Zuwanderern in den 1980er und 1990er Jahren in Dänemark, zeigen: Eine erfolgreiche Integration kann dazu führen, dass einheimische Arbeitnehmer in besser bezahlte Jobs aufsteigen können.

Weder muss der Staat andere Ausgaben kürzen, noch Steuern erhöhen.

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Kurzfristig wird der Staat massive Mehrausgaben stemmen müssen. Das muss und darf aber nicht zu einem Verteilungskampf führen. Weder muss der Staat andere Ausgaben kürzen, noch Steuern erhöhen.

Der deutsche Staat hat hohe Überschüsse und selbst wenn er Kredite aufnehmen müsste, kann er sie fast zu einem Nullzins finanzieren. Die Politik sollte sich klar dazu bekennen, einen Verteilungskampf zwischen Geflüchteten und Deutschen zu vermeiden. Eine erfolgreiche Integrationspolitik wird nicht nur den Flüchtlingen helfen, sondern Deutschland wirtschaftlich nutzen. Dazu muss die Politik aber endlich einen konkreten Plan zur Integration entwickeln und umsetzen.

 

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