Kultur ist der Schlüssel Diese Arroganz der Kulturfragen-Abwehrer

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Bundestagspräsident a. D. SPD

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Wolfgang Thierse war von 1998 bis 2005 Präsident des Deutschen Bundestages und von 2005 bis 2013 dessen Vizepräsident.

Der AfD-Erfolg zeigt: Wir haben es mit Herausforderungen ganz wesentlich kultureller Natur zu tun, und wir benötigen kulturelle Bewältigungsstrategien. Die Sozialdemokratie (die Linke insgesamt) sollte damit aufhören, kulturelle Identitätsfragen arrogant abzuwehren.

Der Schrecken über das Ergebnis der Bundestagswahl sitzt vielen noch in den Knochen. Was ist da eigentlich passiert? Was sind die Ursachen für die deutliche Schwächung der Volksparteien, für das katastrophale Wahlergebnis der SPD, für den Erfolg der Rechtsaußenpartei AfD? Die Diskussion darüber hat erst begonnen, und wir sollten sie – wenn sie nicht an der Oberfläche bleiben soll – auch nicht so schnell wieder beenden (wie nach früheren Wahlniederlagen der SPD).

Der AfD-Erfolg lässt sich nicht mit politischen und sozialen Ursachen allein erklären

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Es ist gut, dass in der Ursachenanalyse und bei der Diskussion von notwendigen Konsequenzen die Frage nach der Kultur eine Rolle spielt. Eine Debatte wird damit wieder belebt, die vor Jahrzehnten zu Zeiten der deutschen Teilung einmal über Begriff und Konzept der „Kulturnation“ geführt wurde und nach der Überwindung der deutschen Spaltung erledigt schien. Eine Debatte außerdem, die immer mal wieder um Begriff und Konzept einer „deutschen Leitkultur“ angezettelt wurde und bisher regelmäßig misslang. Warum sollten wir eine solche Diskussion jetzt wieder führen? Nun, weil der Wahlerfolg der AfD sich nicht allein aus politisch-ideologischen und sozial-ökonomischen Ursachen erklären lässt!

Eine Angst der AfD-Wähler war: Verlust der deutschen Sprache und Kultur. Das sollte man ernst nehmen

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Es waren nicht nur Nationalisten und Rassisten, die die AfD gewählt haben und auch nicht nur die Benachteiligten, Armen und Arbeitslosen oder die Bewohner „abgehängter Regionen“. Es war auch nicht inhaltliche Zustimmung zum politischen Angebot der AfD. Für 60 Prozent ihrer Wähler war das nicht der Fall, sondern – so die Wahlforscher – vor allem Angst: vor Verlust der deutschen Sprache und Kultur, vor der Herrschaft des Islam, vor Terrorismus und Kriminalität, vor Überforderung durch Flüchtlinge (das sind übrigens genau die Ängste, die auch im Anfang September veröffentlichten allgemeinen „Angstindex der Deutschen“ an der Spitze lagen.) Sind das alles Einbildungen oder Übertreibungen, wie Harald Welzer meint, für den die Behauptung einer „verängstigten Gesellschaft“ ein „extrem gelungenes Marketing der Rechtspopulisten“ ist? Oder sind solche Ängste nicht doch soziale und politische Realitäten, die ernst genommen und bearbeitet werden müssen? Sonst werden sie -  von den Rechtspopulisten á la AfD geradezu systematisch befördert und ausgebeutet -  zu Machtfaktoren und so zu Ängsten, die ängstigen! Es gibt ja auch eine wütende Lust an der Angst, eine wütende Lust, Opfer zu sein.

Es gibt eine zwiespältige Gefühlslage im Land: Leben in Frieden in einer unfriedlichen Welt

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Aber vor allem gibt es wirkliche Gründe für Ängste und Unsicherheiten! Wir leben in unserem Land im Frieden, aber wir leben trotzdem in einer unfriedlichen Welt inmitten dramatischer Veränderungen: durch die Globalisierung, also eine Welt von Entgrenzungen und Beschleunigungen, durch die Digitalisierung, den demografischen Wandel, die Flüchtlingsbewegung. All dies zusammen erzeugt eine zwiespältige Gefühlslage im Lande zwischen positiver (ökonomischer und sozialer) Gegenwartsbeurteilung bei vielen Menschen und andererseits dem Überwiegen von Zukunftsunsicherheit, Veränderungsängsten, Benachteiligungsgefühlen und Entheimatungsbefürchtungen bei nicht wenigen anderen Menschen. Das Gefühl breitet sich aus, fremd zu werden im eigenen Land. Die politischen Folgen dieses Zwiespalts haben wir gerade mit Schrecken am vergangenen Wahlsonntag erlebt.

Deutschland wird sich verändern, und Veränderungsdynamiken sind keine Idylle

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Machen wir uns nichts vor. Trotz aller Veränderungsängste, trotz des verständlichen Wunsches nach Sicherheit, nach Bewahrung des Vertrauten, nach Schutz vor den Zumutungen des Fortschritts: Wir müssen uns darauf einstellen, dass unser Land sich weiter verändert und dauerhaft pluralistischer wird, also ethnisch und religiös-weltanschaulich und kulturell vielfältiger und widersprüchlicher wird. Diese Veränderungsdynamik und dieser Pluralismus sind keine Idylle, sondern stecken voller sozialem, religiös-kulturellem und eben auch politischem Konfliktpotenzial. Wir müssen neu, immer wieder neu lernen, damit umzugehen und zwar friedlich.

Wir haben es mit Herausforderungen ganz wesentlich kultureller Natur zu tun

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Damit das möglich bleibt und, mehr noch, gelingt, sind gewiss zunächst und vor allem sichtbare und erfolgreiche politische Anstrengungen notwendig zur Bewältigung der infrastrukturellen, ökonomischen, sozialen Probleme und Herausforderungen, die sich aus den genannten dramatischen Veränderungen ergeben. Aber darüber hinaus gilt es zu begreifen, dass wir es mit Herausforderungen ganz wesentlich kultureller Natur zu tun haben, dass wir kulturelle Bewältigungsstrategien der gegenwärtigen Problem- und Konfliktlagen benötigen!

Die Linke sollte aufhören, kulturelle Identitätsfragen arrogant abzuwehren

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Die Sozialdemokratie (die Linke insgesamt), sollte damit aufhören, kulturelle Identitätsfragen arrogant abzuwehren. Sie sollte endlich damit beginnen, die legitimen Beheimatungsbedürfnisse von Menschen ernst zu nehmen, den Begriff Heimat nicht allzu flott verächtlich zu machen, und sie sollte verstehen lernen, dass Heimat mehr ist als gut funktionierende soziale Infrastruktur. Heimat, das meint den kulturell geprägten Raum der Vertrautheiten und Geborgenheiten, der emotionalen Bindung und Identifikation, der Anerkennung und Wertschätzung, der Selbstverständlichkeiten und Zuordnungen, der Kenntnis von Ort und Herkunft und Geschichte, meint die Erfahrung des Geworden- und Geprägtseins…

Gerade in Umbruchzeiten ist Identität besonders wichtig. Und damit sind wir bei Kultur

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Was hat dies mit linker, sozialdemokratischer Politik zu tun? Der im linken Spektrum verbreitete Abwehrreflex gegenüber dem Ungefähren und Diffusen und damit Gefährdet-Gefährlichen von Begriffen wie Heimat, Identität, (deutsche) Kultur mag ja verständlich sein, zumal mit Blick nach rechts, auf die kulturellen Reinheitsfantasien von Konservativen und von Nationalisten, auch der AfD. Aber diese Abwehr, das Nicht-Wahrhaben-Wollen einer kulturellen Herausforderung ist und macht hilflos! Schließlich ist doch nicht zu übersehen: Gerade in Zeiten heftiger Umbrüche, beschleunigter technisch-wissenschaftlicher, wirtschaftlicher, sozialer und eben ethnischer Veränderungen ist das individuelle und kollektive Bedürfnis nach Vergewisserung und Verständigung, nach Identität, besonders groß. Und damit sind wir im Zentrum der Kultur.

Kultur ist auch Raum der Emotion, des Weltanschaulichen, von Lebensstil und Einstellungen

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Denn Kultur ist mehr als normativer Konsens, als kollektive Werte-übereinstimmung, auch mehr als das Bewusstsein von der Kostbarkeit und der Gefährdung der Freiheit und der Menschenwürde, mehr als der notwendige Verfassungspatriotismus. Das ist sie alles auch, aber Kultur ist vor allem der Raum der Emotionen, der Anregung unserer Sinne, Raum des Leiblichen und Symbolischen – wie auch und gerade des Religiösen und des Weltanschaulichen. Und sie ist der Ort der Differenzen, ihrer Schärfung und Milderung zugleich. Als je konkrete, je bestimmte, je besondere Kultur ist diese aber nicht nur ein Modus, ein Raum von Verständigung, sondern ein immer geschichtlich geprägtes Ensemble von Lebens-Stilen und Lebens-Praktiken, von Überlieferungen, Erinnerungen, Erfahrungen, von Einstellungen und Überzeugungen, von ästhetischen Formen und künstlerischen Gestalten. Als solche prägt Kultur mehr als andere Teilsysteme der Gesellschaft die (relativ stabile) Identität einer Gruppe, einer Gesellschaft, einer Nation. Gilt dies nicht mehr in globalisierter Welt? Darf dies nicht mehr gelten in pluralistischen migrantischen Gesellschaften, die doch gerade das Bedürfnis nach Identität verstärken – und dessen Befriedigung zugleich erschweren? Von Hölderlin stammt der treffende Satz: „Das Eigene muss so gut gelernt sein wie das Fremde.“

Kulturelle Identität sei ein Mythos, man betreibe „Kulturalisierung“ von Problemen. Aber das ist falsch

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Aber was ist dieses Eigene? Was ist unser kulturelles Selbst? Dürfen wir danach fragen? Dürfen, ja müssen die Deutschen darüber reden und, ja, auch streiten? Schon allein so zu fragen, trifft nicht selten auf Abwehr und Misstrauen, setzt sich dem Missverständnis aus, man betreibe „kulturellen Protektionismus“. Kulturelle Identität sei ein Mythos, man betreibe „Kulturalisierung“ von Problemen, die ökonomisch-sozialer Natur seinen und nur als solche lösbar. Welch‘ Reduktion der wirklichen Problem- und Konfliktsituation einer pluralistischer werdenden Gesellschaft“! „Mit dem Hinweis auf Kultur fängt die ganze Misere an“, meint Armin Nassehi: „Was also ist das Deutsche? Hier zu leben. Mehr sollte man darüber nicht sagen müssen.“ Aber vielleicht sagen dürfen, hoffe ich! Nur die deutsche Sprache, sonst gäbe es nichts, was spezifisch deutsche Kultur sei, meinte Aydan Özoguz. Ein solcher Satz wurde von vielen Menschen als Angriff auf sie und ihr Selbstverständnis verstanden, musste wohl auch so missverstanden werden.

Kultur heute kann keine homogene Nationalkultur mehr meinen. Aber es muss auch nicht gleich alles Interkultur sein

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Heißt das, einer „deutschen Leitkultur“ das Wort zu reden? Gar in der Kurz-Fassung von Thomas de Maizière? Das muss wahrlich nicht sein. Aber die Linken sollten ihre Allergie gegen kulturelle Herkünfte und Traditionsbestände, ihren Verdacht gegen kulturelle Identitäts- und Beheimatungsbedürfnisse zu überwinden versuchen.
Die Veränderungen, die wir erleben, machen den Kulturbegriff in der Tradition von Herder, die Fiktion einer homogenen Nationalkultur allerdings endgültig obsolet. Aber ist deshalb Kultur nur noch vorstellbar als Interkultur? Und haben wir die Tendenz zur „Kreolisierung“, zum kulturellen “McWorld“, zum „Kulturplasma“, also zum kulturellen Einheitsstrom – dies alles nicht nur durch Migrationsbewegungen, sondern mehr noch durch ökonomische Globalisierungs-Macht befördert – nicht nur zu konstatieren, sondern gar zu bejubeln? Die Ängste allerdings genau davor, die Abwehr dessen, der Kampf dagegen machen einen wesentlichen Teil der gegenwärtigen kulturellen Globalisierungskonflikte aus, von denen die emotionalen Auseinandersetzungen in Deutschland und die europäischen Wahlergebnisse ein Widerhall sind.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen kultureller Selbstbehauptung und Politisierung kultureller Identität

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Offensichtlich erscheinen in Zeiten von Migrationen und von gewalttätigen Auseinandersetzungen gerade kulturelle Identitäten besonders bedroht. Nationale Identitäten geraten in Bewegung, aber sie verschwinden deshalb nicht. Sie zu schützen wird ein verbreitetes und heftiges Bedürfnis, global und sogar im eigenen Land. Und gerade Kultur ist der bevorzugte Ort, in dem man sich der eigenen Identität besonders streitig zu vergewissern sucht.
Dies als Kulturalisierung ökonomischer und sozialer Gegensätze zu kritisieren und abzuwehren, halte ich für unangemessen, genauso wie „Interkultur“ als einer Art neuer substanzartiger Homogenität zu verfechten. Vielmehr sollte es gehen: um die Unterscheidung zwischen legitimer kultureller Selbstbehauptung einerseits und fundamentalistischer Politisierung kultureller Identität andererseits; um kulturellen Dialog als Begegnungs- und Verständigungsprozess zwischen Verschiedenen (denn Dialog setzt verschiedene Identitäten voraus); um die Ausbildung kultureller Intelligenz, also um die Fähigkeit zum Verständnis von Denkmustern und Geschichtsbildern, von Narrativen, Ängsten und Hoffnungen der Anderen, der Fremden – und diese Fähigkeit ist nicht zu haben ohne ein Quantum an Distanz gegenüber der eigenen und kollektiven Identität.

Meinetwegen nennt die Tradition der kulturellen Integration "Leitkultur", aber meint es progressiv

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Deutschland hat in Europa nicht nur wirtschaftliche und politische Macht. Unser Land ist auch eine kulturelle Macht durchaus besonderer Art, wie ein Blick in die Geschichte zeigt: In den guten und glücklichen Phasen unserer deutschen Geschichte hat unsere Kultur eine besondere Integrationskraft bewiesen – und in den schlechten Phasen unserer Geschichte war das Land mit Abgrenzung und Ausgrenzung befasst. In der Mitte des Kontinents hat Deutschland in immer neuen Anstrengungen und geglückten Symbiosen Einflüsse aus West und Ost, Süd und Nord aufgenommen und etwas Eigenes daraus entwickelt, in gewiss widersprüchlichen und unterschiedlich langwierigen Prozessen (die nicht verordnet oder kommandiert werden können und müssen). Das Fremde und die Fremden wurden deutsch, sie veränderten sich und die Deutschen mit ihnen. Das macht nach meiner Überzeugung die besondere Leistungsfähigkeit der deutschen Kultur aus. Diese Geschichte und Tradition der kulturellen Integration gilt es fortzuschreiben!
Das kann dann auch deutsche Leitkultur heißen, meinetwegen – eine Leitkultur allerdings, der es um ein progressives, politisches Wir geht, um ein Wir-Gefühl, das nicht nur politisch (unter Berufung auf unser Grundgesetz), sondern auch kulturell gegründet ist. Schauen wir ringsum: Wer seiner selbst nicht sicher ist, reagiert mit Abwehr und Ausgrenzung um seine labile Identität zu stabilisieren. Wer aber seiner selbst sicher ist, dem ist Offenheit und Angstfreiheit möglich. Wie wäre es mit etwas mehr kulturellem Selbstbewusstsein.

- Der Beitrag erscheint auch im Oktoberheft der Zeitschrift Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte  

5 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Uwe Ruckriegel
    W. Thierse scheint wie ein Rufer in der Wüste, denn sein Essay ist wohl für nicht wenige SPD-Mitglieder zu anspruchsvoll, setzt mithin zu viel voraus. Daher rührt auch Frau Özoguz' zurecht scharf kritisierte Aussage bezüglich der deutschen Kultur.

    Geholfen hätte ein Blick in den Kinderbrockhaus: "Mit Kultur bezeichnen wir alles, was der Mensch geschaffen hat. ... Jede Zeit und jedes Volk hat seine besondere Kultur. ... Gemeint ist damit die Art und Weise, wie die Menschen im Alltag gelebt haben [und leben] und was sie zum Beispiel in den Bereichen Technik, Wissenschaft, Kunst, Religion und Recht entwickelt haben [und entwickeln] ... ."

    Der Duden zur Kulturnation: "Nation, deren Kulturgeschichte sich über einen langen Zeitraum zurückverfolgen lässt und deren Angehörige ein entsprechendes Bewusstsein von der eigenen Kultur haben."

    Die deutsche Kultur zeigt sich daher in der auf das judeao-graeco-romano-christlichen Erbe, der mittelalterlich-katholischen Gelehrsamkeit, der protestantischen Arbeits- und Leistungshaltung stützenden und in der über Jahrhunderte sich entfaltenden Alltags-, Sitten-,Traditions-, Mentalitäts-, Kunst-, Wirtschafts-, Technik-, Wissenschafts-, Ideen- und Geistesgeschichte der Deutschen.

    Kultur als Ganzes ist -nach Aristoteles erkenntnistheoretischer und -leitender Aussage - mehr als die Summe seiner Teile.

    Der Begriff "Leitkultur" hat seinen Ursprung übrigens nicht in "Deutschtümelei", sondern in Bassam Tibis gescheitertem Versuch, dem mit seinen gut 100 Völkern/Volksgruppen kulturell immer schon vielfältigen Europa eine "europäische Leitkultur" zu verschreiben, um die dichtbesiedelte EU attraktiv für orientalische "Einwanderer" zu machen.

    Bei der Verteidigung der Kultur geht es deshalb darum: Michal Kozal, polnischer Bischof: „Schrecklicher als das Besiegtwerden durch Waffen ist der Zusammenbruch des menschlichen Geistes.“ Daher die vehemente Abwehr des seit Ende der 1970er sich hier massiv ausbreitenden politischen Islams.
    1. von Christian Starke
      Antwort auf den Beitrag von Uwe Ruckriegel 11.11.2017, 17:16:15
      Ich stimme ihnen zu. Ich denke Wolfgang Thierse hat auch ein bisschen jedes Wort genau abgewogen, um bei der Zielgruppe nicht gleich wieder den ideologischen Würgereflex auszulösen, der meist jede weitere sachliche Diskussion unmöglich macht.
  2. von Reimund Noll
    S E H R viele Worte für ein bischen Argument von Hern Pastor, und irgendwie langweilig. Vielleicht schaut man mal nach Dänemark, Polen, Tschechen und andere Länder, wo es kaum Flüchtlinge gibt und wo die Angst vor ihnen umso größer ist. Als Politiker sollte gerade Thiersen wissen, dass Politik gemacht wird, so wie die fllüchtlingsfeindliche Politik dieser Ländern von ihren Rechten gemacht wurde. Ansonsten besteht unsere Kultur hauptsächlich aus Geld, Auto & Co. Selbst die berühmte Gleichberechtigung der Frauen versinkt zurzeit in einem Sumpf täglicher Tätigkeiten. Ein fähiger Politiker, der seine Aufgabe wahrnimmt, die Welt zu gestalten, wirkt auf die Menschen ein und verhindert die Ausnutzung der Massen für rechte Propaganda.
    1. von Maxim Graf
      Antwort auf den Beitrag von Reimund Noll 11.11.2017, 14:02:47
      Getroffen!
      ich meine Sie, Herr Noll, nicht Ihren Kommentar.
      Ihre Leserzuschrift vertritt die im Artikel kritisierte Klientel.
      Kein Argument - aber elitäre Verunglimpfung ("Geld, Auto & Co.") aller Anderen. Jeder Mensch hat seine Würde und der gemeinste Angriff ist der auf sein Selbst, auf seine Identität.
    2. von Christian Starke
      Antwort auf den Beitrag von Reimund Noll 11.11.2017, 14:02:47
      Getroffen! sehe ich auch so.