Die Vorteile eines Brexits Ein Neustart für Großbritannien, das Ende für Europa

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Historiker, Gründer von UKIP

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Alan Sked gründete 1991 die UK Independence Party (UKIP). Er unterstützt die Partei heute nicht mehr, setzt sich aber immer noch für ein Großbritannien außerhalb der EU ein. Sked lehrte Internationale Geschichte an der London School of Economics.

David Cameron warnt vor Horrorszenarien im Falle eines Brexits. Dabei würde Großbritannien nichts verlieren, aber viel gewinnen. Das begreifen immer mehr Wähler rechtzeitig zum Referendum. 

Ich bin Historiker, kein Prophet. Ich habe 1991 eine britische Partei gegründet, die die Konservativen dazu drängen sollte, aus der EU auszutreten und es sieht ganz danach aus, als könnte meine Strategie von damals endlich aufgehen. Dennoch bin ich kein Hellseher und kann nicht voraussagen, ob der Brexit am 23 Juni beschlossen wird oder nicht. Es scheint jedoch sehr wahrscheinlich, dass an diesem Tag mindestens 45% aller Briten sich gegen einen Verbleib in der EU entscheiden werden.

Ein Brexit würde Abspaltungstendenzen in anderen Ländern fördern

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Die Aussicht auf einen Brexit versetzt die EU-Führungsriege in Angst und Schrecken – zu Recht. Ebenso besorgniserregend sollte aber die Lage in anderen EU-Ländern sein: jüngsten Umfragen zufolge wollen 48% der Italiener und 43% der Franzosen aus der EU austreten. Selbst in Deutschland sind es 34%. Die Mehrheit der Italiener und Franzosen sprechen sich für ein eigenes Referendum zum EU-Verbleib aus. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass ein Brexit diese Abspaltungstendenzen in anderen Ländern fördern würde. Die EU würde nach und nach auseinanderbrechen und verschwinden.

Sollte es dazu kommen, wäre die EU selbst Schuld an ihrer Misere. Die EU kam den Kernforderungen von David Cameron nicht nach, als er versuchte mit der EU zu verhandeln und dem britischen Parlament sein Reform-Paket zu präsentieren. Die Zugeständnisse, die er sichern konnte, wurden zu Recht von den britischen Medien belächelt und sind so marginal, dass sie es meist gar nicht in die Referendum-Debatte schaffen.

Wir Briten haben jetzt einen Premierminster, der uns nicht auf Basis einer reformierten und verbesserten EU vom Verbleib überzeugen will, wie er es ursprünglich wollte, sondern Angst schürt. Er erzählt uns, dass es zu Krieg kommen könnte, vielleicht sogar Genozid, dass die ganze Wirtschaft zusammenbrechen und Terroristen unser Land infiltrieren werden. Ich warte nur noch auf Warnungen vor Heuschreckenplagen oder Tod der Erstgeborenen, die uns bei einem Brexit drohen würden. Vor einigen Jahrzehnten sperrte man Leute, die den Weltuntergang prophezeiten, in eine Anstalt. Heute lässt man sie hierzulande in der 10 Downing Street wohnen. Sie werden von ausländischen Regierungen, multinationalen Konzernen, internationalen Wirtschaftsorganisationen und der militärischen Führungsriege unterstützt.

Die Sicherheit Großbritanniens ist auch ohne EU-Mitgliedschaft gesichert

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Das britische Volk hat aber immer wieder gezeigt, dass es diesem Druck standhalten kann. Die Bürger wissen, dass ihre Sicherheit auch ohne EU-Mitgliedschaft durch die NATO und das „Five Eyes“ Spionagenetzwerk zwischen dem Vereinigten Königreich, den USA, Kanada, Australien und Neuseeland gesichert ist. Die Bürger haben außerdem nur wenig Vertrauen in Ökonomen, die ihnen einst erzählten, dass eine Mitgliedschaft in der Eurozone unabdingbar für eine starke Wirtschaft ist und mit dieser Aussage völlig daneben lagen. Es waren ebenfalls diese Ökonomen, die es verpassten, die Krise 2008 vorherzusehen. Die wirtschaftlichen Prognosen von David Cameron oder George Osborne werden seitens der Bevölkerung nur noch als wirtschaftliches Horoskop angesehen. Vertrauen gibt es nicht mehr.

Wovor die Menschen hier wirklich Angst haben, ist unkontrollierte Einwanderung (besonders von Terroristen) über die EU, wenn es keine Visapflicht mehr für Türken, Kosovo-Albaner, Georgier oder Ukrainer mehr geben sollte. Der Druck auf britische Schulen, das Gesundheits- und  Sozialwesen ist bereits enorm. Man sorgt sich ebenfalls über die EU-Pläne, nach dem Referendum die Fiskal- und Bankenunion zu festigen und eine gemeinsame Außenpolitik zu fördern – ermöglicht durch eine Erhöhung des EU Haushaltsbudget. Der Brexit bleibt durch diese Ängste ein sehr wahrscheinlicher Ausgang des Referendum.

Man würde sich nicht in die EU zurücksehnen

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Welche Auswirkungen hätte ein solcher Ausgang für Großbritannien? Es gäbe sicherlich viele Straßenfeste. Das britische Pfund würde womöglich kurz fallen, das würde unserem Handelsdefizit aber ganz gut tun. Die wichtigste Veränderung aber wäre eine Rückkehr zu einer normalen, eigenständigen und demokratischen politischen Selbstbestimmung. Ein britisches Parlament und eine Regierung, die direkt den Bürgern dienen – ganz ohne Einfluss von ausländischen Bürokraten und Regierungen. In Sachen Wirtschaft sollten wir uns keine Sorgen machen: Die europäischen Industriekonzerne und internationalen Firmen würden einem Freihandelsabkommen sehr schnell zustimmen, da sie es sich nicht leisten können, den britischen Markt zu verlieren. Dieser wiederum würde sich bei einem Austritt billigeren Waren aus dem nicht-EU Ausland weiter öffnen. Kurz: Man würde sich nicht lange in die EU zurücksehnen, sondern diese unglückliche Zeit schnell vergessen.

Brexit wäre ein neuer Start für Großbritannien und das Ende der EU

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Was die EU angeht: im Falle eines Brexits, würde sich die europäische Politik der letzten Jahre sehr stark rächen. Die Sparpolitik und ihre Auswirkungen auf so unterschiedliche Länder wie Italien, Finnland oder Portugal müsste nachreichend überdacht werden. Man müsste auch weiterhin nach einer Lösung für das Problemkind Griechenland suchen, dessen demokratisch-gewählte Regierung durch das deutsche Diktat gedemütigt und vernichtet wurde. Die Strategie in der Migrationskrise muss neu gedacht werden. Die Politik der deutschen Kanzlerin – allen voran ihre Einigung mit der neo-faschistischen türkischen Regierung – zeigt, welches Fehlverhalten hier zu finden ist. Die Hauptaufgabe der EU wird es aber sein, den Zusammenhalt der Mitgliedsstaaten weiterhin zu sichern. Der Brexit wäre ein neuer Start für Großbritannien, aber wahrscheinlich das Ende der EU. Europa könnte dann endlich zu einer losen Gruppierung von freihandelnden, demokratischen Staaten werden.

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Lesen Sie hier unsere Brexit-Debatte

Außerdem auf Causa: Wie Referenden Europas Demokratie gefährden

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