Das Vorbild als Botschaft Ja, Merkel ist Feministin - ob sie will oder nicht!

Bild von Joyce Mushaben
Politikwissenschaftlerin

Expertise:

Joyce Mushaben ist Professorin an der University of Missouri für Politikwissenschaft. 2017 erschien ihr Buch „Becoming Madam Chancellor: Angela Merkel and the Berlin Republic“.

Chancengleichheit war immer ihr Thema - und darum geht's beim Feminismus.

Seit 2005 hat Deutschlands erste Bundeskanzlerin Angela Merkel mehr zur täglichen Gleichberechtigung von Frauen und Männern beigetragen als alle ihre Amtsvorgänger zusammen. Auch wenn sie es nach 14 Jahren als die World's Most Powerful Woman nicht mal in einem „Zeit“-Interview übers Herz bringt, sich als wahre „Frauenrechtlerin“ zu bezeichnen: Sie hat sich durch ihr Handeln als real-existierende Feministin geoutet. Merkel hat ihre Macht stillschweigend aber strategisch eingesetzt, um das Recht auf Selbstbestimmung, Chancengleichheit und die freie Entfaltung der Persönlichkeit für möglichst viele Menschen zu verwirklichen.

Es geht nicht um Lippenbekenntnisse und korrekte Label, wie Ivanka Trump sie vor sich herträgt.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Diese Leistung entspricht meinem Verständnis von Feminismus wesentlich mehr als die orthodoxen Geschlechtertheorien, die auf politisch korrekten Labeln beharren, und beträchtlich mehr als die inszenierten Lippenbekenntnisse von Ivanka Trump und Christine Lagarde auf dem W-20-Gipfel 2017. Während ihrer ersten bundesweiten Wahlkampagne waren Merkel und ihre Berater keineswegs bereit, geschlechtsspezifische Themen anzusprechen, trotz ihres weiblichen Make-over mit neuem Haarschnitt, Schminke, pastellfarbener Kleidung und lächelndem Gesicht auf jedem Wahlplakat. Nachdem sie vier Jahre durchgehalten und etliche männlichen Rivalen überlebt hatte, war ihr Geschlecht kein Thema mehr. Bei der Bundestagswahl 2013 war das riesige Plakat mit der „Raute“ neben dem Berliner Hauptbahnhof Message genug.

Sie akzeptierte Frauenquoten für die Wirtschaft - mit Argumente, nicht als Ideologie.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Als junge Frauenministerin hat Merkel die parteipolitische Quotierung ausdrücklich abgelehnt, bis ihre persönlichen Erfahrungen sie eines Besseren belehrten: Bindende Quoten für Frauen in leitenden Positionen der Wirtschaft akzeptierte sie erst, als die Finanzkrise nicht nur die Überlebensfähigkeit des Euro sondern auch das „europäische Projekt“ in Frage stellte. Da fast 90 Prozent aller DDR-Frauen erwerbstätig waren, war es für Merkel selbstverständlich, dass Vater Staat einiges zur Vereinbarkeit von Familie und Arbeit beiträgt.

Merkel hat ihre Kinder-Küche-Kirche-Partei frauengerecht modernisiert.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Sie hat die frühere Kinder-Küche-Kirche-Partei so fundamental modernisiert, dass die Geburtenrate 2017 einen post-Pillen Höhepunkt erreichte, und damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Mehr Chancengleichheit für Frauen ist der erste Schritt zur Linderung des bevorstehenden demografischen Defizits.

Natürlich hat sie das alles nicht alleine geschafft. Mit ihren Forderungen nach Kitas, Elternzeit und Quotierung war Ursula von der Leyen - eine erwerbstätige Mutter von sieben Kindern - ihrer Chefin immer einige Schritte voraus. Wären von der Leyens radikale Vorschläge unakzeptabel gewesen, so hätte Merkel keinen Grund gehabt, sie in jedem Kabinett seit 2005 zu behalten, geschweige ihr bei jedem Regierungswechsel ein noch mächtigeres Ressort zu übertragen, sogar das Verteidigungsministerium.

Die vielen MINT-Initiativen sind im Sinne von "Gender Mainstreaming".

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Noch dramatischer sind die Veränderungen, die Merkel in vielen angeblich geschlechtsneutralen Bereichen vollzogen hat, zum Beispiel bezüglich der Wissenschafts-, Migrations-, und Asylpolitik. Wer behauptet, dass diese Themen nichts mit Gleichheit zu tun haben, versteht wenig von „Gender Mainstreaming“. Mit Hilfe von Annette Schavan hat Merkel viele MINT-Initiativen eingeführt, die Frauen ermuntern sollen, in die naturwissenschaftliche, medizinische sowie die technologische Entwicklung einzusteigen, um die Nachhaltigkeit Deutschlands aktiv mitzugestalten.

Weibliche Genitalverstümmelung ist heute Asylgrund - dank Merkel.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Genauso wichtig ist die Humanisierung der Flüchtlingspolitik durch die Anerkennung weiblicher Genitalverstümmelung als Fluchtgrund und ein eigenständiges Recht auf Asyl für Ehefrauen. Mit solchen Veränderungen hat Merkel ein menschenwürdiges Fundament für die Zukunft dieses Landes gelegt. Sie hat vielen Frauen und Mädchen nunmehr gezeigt, wie sie selber eine pragmatische Politik betreiben können, die gleichzeitig geschlechtersensibel und menschenrechtsbewusst wirken kann.

Merkel ist eine Feministin der Praxis, ob sie es sein will oder nicht.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Als eine empirisch-getestete Feministin mache ich mir keine Sorgen um Merkels „wahre Motive“. Was zählt, ist das Ergebnis. Dass eine wie Merkel es so weit bringen konnte, sollte alle Deutschen, einschließlich zögernden Feministinnen, stolz machen: Deutschland ist zu einem richtigen Land of Opportunity geworden. Seit 2005 hat Merkel versucht, fast allen MitbürgerInnen das Gefühl zu geben, das sie es schaffen können, Deutschland zu dienen, und vielleicht sogar ein bisschen zu lieben. Die Bundeskanzlerin hat dieses Land wesentlich verändert, meistens zum Guten. Angela Merkel hat die deutschen Männer auf eine Politik verpflichtet, die die meisten nicht wollen, die aber die deutsche Zukunft sichert. Sie ist eine Feministin der Praxis, ob sie es sein will oder nicht.

0 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
Bitte melden Sie sich zunächst an, um die Kommentarfunktion nutzen zu können.