Öffentlichkeit und Zensur Politische Korrektheit führt zur geistigen Knechtschaft

Bild von Norbert Bolz
Medienwissenschaftler Technische Universität Berlin

Expertise:

Norbert Bolz ist seit 2002 Professor für Medienwissenschaften am Institut für Sprache und Kommunikation der Technischen Universität Berlin. Die Schwerpunkte seiner Forschungsarbeit sind die Themen Netzwerklogik, Mediengeschichte und Kommunikationstheorie.

Unter dem Deckmantel der Politischen Korrektheit wird die Meinung an die Moral gebunden. Damit wird die Gesellschaft zum Opfer eines politisch motivierten "Tugendterrors".  

Politische Korrektheit ist ursprünglich ein Campus-Phänomen. Man hat den Politikern erfolgreich eingeredet, Universitäten seien pluralistische Institutionen, die nach Proporz und Quote besetzt werden müssten. Es geht also um die Bevorzugung bestimmter politisch organisierter Gruppen, die Erhöhung von Gruppenanteilen. Die ideologische Färbung eines Bewerbers wiegt seither viel schwerer als seine Qualität. Vor allem die Freiheit der Berufung ist durch Gleichstellungspolitik und Quotierung radikal beschnitten worden.

Die vermeintliche Moralisierung der Sprache verfolgt politische Interessen.

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Das ist wohl eine Spätfolge der Studentenbewegung. Sie wiederholt sich heute als die Farce der Politischen Korrektheit. Ihr Diskurs setzt sich zusammen aus „Demobürokratie“ (Niklas Luhmann) und Sprachhygiene, aus Moralismus und Heuchelei, aus Sozialkitsch und einer politisch gefährlichen Perversion der Toleranz. Und der Ton verschärft sich zusehends. Denn man wird politisch aggressiv, wenn man theoretisch nicht mehr weiter weiß. Unsere Gesellschaft wird so zum willenlosen Opfer eines Tugendterrors, der in Universitäten, Redaktionen und Antidiskriminierungsämtern ausgebrütet wird. Man darf ihn übrigens nicht offiziell als Politische Korrektheit ansprechen – das wäre politisch unkorrekt.

Die neuen Ingenieure der Seele arbeiten mit Sprachcodes, Gruppenidentitätszuschreibungen und Trainingscamps für „sensitivity“ und „awareness“. Hier ist die offene Diskussion freier Individuen längst durch Zensur, Einschüchterung und Indoktrination ersetzt worden. In der Vergangenheit diskriminierte Gruppen sollen durch positive Gegendiskriminierung Wiedergutmachung erfahren. Wer widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern zum Schweigen gebracht. Abweichende Meinungen werden heute schärfer sanktioniert als abweichendes Verhalten. Diese Sanktionen laufen zumeist nicht über Diskussionen, sondern über Ausschluss.

Die Zensur ist das zwangsläufige Ende von öffentlichem Diskurs und Meinungsvielfalt.

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Nun könnte man denken, dass ja immerhin noch die Gedanken frei sind. Aber es ist ein Irrtum, zu glauben, dass derjenige, dem man das Sprechen und Schreiben beschneidet, noch frei denken könne. Es gibt keine Freiheit des Denkens ohne die Möglichkeit einer öffentlichen Mitteilung des Gedachten. Und das gilt nicht nur für die wenigen Schreiber, sondern gerade auch für die vielen Leser. Gedankenfreiheit bedeutet für die meisten Menschen nämlich nur die Möglichkeit, zwischen einigen wenigen Ansichten zu wählen, die von einer kleinen Minderheit öffentlich Redender und Schreibender verbreitet worden sind. Deshalb zerstört das Zum-schweigen-bringen abweichender Meinungen die Gedankenfreiheit selbst.

Aus Angst vor Isolation beobachtet man ständig die öffentliche Meinung. Und öffentlich heißt eben genau die Meinung, die man ohne Isolationsangst aussprechen kann. Wir fürchten also nicht, eine falsche Meinung zu haben, sondern mit ihr allein zu stehen. Die Isolationsangst regiert die Welt. Wer aber den Zorn der anderen fürchtet, schließt sich leicht der Meinung der scheinbaren Mehrheit an, auch wenn er es eigentlich besser weiß. Er bringt sich selbst zum Schweigen, um seinen guten Ruf nicht aufs Spiel zu setzen.

Das ist der Ansatzpunkt für eine Dynamik, die Elisabeth Noelle-Neumann „Schweigespirale“ genannt hat. Und die wird heute von der Politischen Korrektheit genutzt. Sie ist zum einen durch die Verschmelzung von Thema und Meinung gekennzeichnet – man darf zu bestimmten Themen nur eine Meinung haben. Zum andern haben wir es mit einer Moralisierung am Medienpranger zu tun – dem politisch Unkorrekten wird der Schauprozess gemacht.

Politische Korrektheit darf nicht die Bedingung für soziale Akzeptanz sein.

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Wenn die veröffentlichte Meinung in unserer Gesellschaft gesprochen hat, bringt kaum mehr jemand den Mut zum Widerspruch auf. Ihr Druck ist so groß, dass gesetzlicher Zwang vielfach überflüssig wird. Und so breitet sich ein ewiger Friede des Intellekts aus. Niemand wagt es, einem unabhängigen Gedankenzug zu folgen. Deshalb gibt es auch keine großen Denker mehr. Abweichende Meinungen, die sich doch noch aus der Deckung wagen, werden sozial bestraft. Wie eh und je ergeht dann das Scherbengericht. Die soziale Intoleranz fügt heute zwar niemandem mehr körperlichen Schaden zu, aber wer anders denkt, muss seine Meinung maskieren oder auf Publizität verzichten.

Nietzsche hat einmal gesagt, der große Mensch sei ohne Furcht vor der Meinung. Der Satz ist aktueller denn je, denn heute wird eine abweichende Meinung schärfer kontrolliert als eine abweichende Handlung. Auf die abweichende Meinung reagieren die Politiker und ihre Mediengetreuen nicht mit Widerspruch, sondern mit Empörung.

Wenn abweichende Meinungen als unmoralisch gelten, führt das in eine geistige Knechtschaft.

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Längst haben die neuen Jakobiner die Stellen der sozialen Kontrolle dessen besetzt, was als diskutabel gilt. Damit koppeln sie die Moral vom gesunden Menschenverstand ab. Der Politischen Korrektheit geht es nicht darum, eine abweichende Meinung als falsch zu erweisen, sondern den abweichend Meinenden als unmoralisch zu verurteilen. Man kritisiert abweichende Meinungen nicht mehr, sondern hasst sie einfach.

Schlechte Vorzeichen also für das kommende Lutherjahr. Luther predigte noch spirituelle Freiheit in politischer Knechtschaft; wir haben heute spirituelle Knechtschaft in politischer Freiheit.

36 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Thomas Hellerberger
    Ich behaupte zunächst, daß Politische Korrektheit ausschließlich links ist. Ich denke zwar, daß es auch eine rechte politische Korrektheit geben könnte, sie wird aber, zumindest in Deutschland, nicht wirkungsmächtig.
    Die Linke hat immer einen Vorsprung, den die Rechte aus sich selbst heraus nie wettmachen kann: Die Linke will die Welt ändern, sie so gestalten, wie sie das für richtig hält – darum ist man „links“. Der Rechte ist in Kern seines Daseins ein Unpolitischer. Er will einfach nur „gut leben“, im Zweifelsfalle in Ruhe gelassen werden, auch und gerade vom Staat. Daher schafft es die Rechte i.d.R. nie, die Kampagnenstärke der Linken zu erreichen. Intellektuelle haben in der heutigen Wohlstandsgesellschaft fast immer eine linke Grundüberzeugung – und die Schule tut ein übriges, weil linke Lehrer dort ab der ersten Klasse vermitteln, daß ein anständiger Mensch grundsätzlich links sein habe. Sogar die meisten Rechten glauben das. Das ist der Humus, auf dem die PC gedeiht.

    Trotzdem ist es Kennzeichen aller menschlichen Gesellschaften, daß Übertreibungen in der einen Richtung irgendwann nicht nur unerträglich werden, sondern auch eine Gegenbewegung erfahren. Wir hatten im Westen nun eine rund 50 Jahre andauernde Phase linksliberaler kultureller Hegemonie. Die Auswüchse, die das inzwischen zeigt, beginnen für wachsende Teile der Gesellschaft unerträglich zu werden – auch weitere Wohlfahrtsversprechen tranquilisieren nicht mehr. Und in steigendem Maße beginnen sich Rechte der Mittel der Linken zu bedienen. Am plakativsten gehen dabei sicher Pegida und die Identitären vor. Ihre hohe Provokationswirkung beruht dabei weniger auf dem, was sie tun oder sagen, sondern WIE sie es tun. Sie machen der Linken die Herrschaft über die Straße, die Moral und damit dem Diskurs streitig – und genau das führt zu den Haßreaktionen von links. Donald Trump hat vorgeführt, wie man der Linken die kulturelle Hegemonie entreißen kann. Er markiert die Wasserscheide der nächsten 50 Jahre.
    1. von Rainer Auerbach
      Antwort auf den Beitrag von Thomas Hellerberger 15.01.2017, 16:18:34
      Sie haben es versäumt, zu beschreiben, was für Sie "links" oder "die Linke" ist.
      Und dass Sie übersehen wollen, dass "Rechte", wie Herr Kauder oder Herr Altmaier, uns gleich zu Beginn ihrer Ausführungen nicht erklären, was moralisch nicht gerade nicht gesagt werden darf, spricht für Ihre Einseitigkeit.
    2. von Rainer Auerbach
      Antwort auf den Beitrag von Rainer Auerbach 15.01.2017, 16:30:12
      Kdorrekt sollte es heißen: Ausführungen erklären ........was moralisch gerade nicht gesagt werden darf......
  2. von Rüdiger Nierlein
    Ich finde es erstaunlich, dass ein Universitätsprofessor einen derart flachen Beitrag abliefert, der vor unbelegten und unbewiesenen Behauptungen nur so strotzt und falsche Schuldzuweisungen an den Anfang stellt ("Spätfolge der Studentenbewegung").
    Erst nach der 68er-Zeit gab es eine freie Diskussion und Meinungsvielfalt, vorher herrschte gerade an den Universitäten ein strikter Verhaltenscode, Dresscode und vehemente Ausgrenzung all derer, die nicht auf der erwünschten Linie lagen. Berufungen wurden und werden an den Unis nicht von Politikern vorgenommen, sondern erfolgen aus den Unis heraus durch Dreier-Vorschläge, die dann ggf. von der Kultusbürokratie genehmigt werden. Politischer Einfluß wurde und wird je nach Bundesland, politischer Farbe des zuständigen Ministers / Koalition mal mehr, mal weniger spürbar, in den Naturwissenschaften anders als in den Geisteswissenschaften.

    Das Verdikt der politischen Korrektheit ist zu platt und viel zu sehr aus dem Elfenbeinturm heraus formuliert. Vereinheitlichung der Meinung erfolgt heute viel mehr durch die Medien und die Personen, die als Geldgeber überaus stark beeinflussen, welche Meinung geduldet und veröffentlicht wird. Diese Personenkreise sind alles andere als links. Im Gegensatz zu den 70er Jahren, als zB die Ostpolitik überaus kontrovers in Medien und Gesellschaft hart diskutiert wurde, herrscht heute ein starker medialer Einheitsbrei vor. Von der SZ, Zeit, FAZ, Welt bis Spiegel uam werden heute Pressemitteilungen und Agenturtexte wortgleich abgedruckt, ohne Recherche - weil das so erwünscht ist. Stellenabbau einerseits und Sanktionierung abweichender kritischer Meinungen andererseits züchten Medienmitarbeiter, die beliebig austauschbar sind.
    Davon zu unterscheiden ist die öffentliche Meinung der Menschen, die sich noch nie demselben Maßstab oder "PC" unterworfen hat wie Universitäten, Medien, Politik oder Lobbyismus. Daher ist heute das Wort Reform eher eine Drohung, sei es Hartz IV, Gesundheit oder Rente.
    1. von Thomas Hellerberger
      Antwort auf den Beitrag von Rüdiger Nierlein 15.01.2017, 14:32:36
      Herr Nierlein, die nach meiner Ansicht wichtigste Änderung, die die "68er" und ihre Epigonen in den universitären Betrieb gebracht haben, war, daß sie sich darin breit gemacht haben, sie als "ihr" Biotop definiert haben. Die deutsche (staatliche) Universität bietet einer Unzahl an (linken) Menschen Sinnstiftung und Auskommen, das sie in der "Realwirtschaft" weder erlangen könnten noch sich der Mühen unterziehen wollten, die es kosten würde, es außerhalb zu tun. So sind abgeschlossene Universen linker Selbstvergewisserung entstanden, denen der normale Student nur entkommen kann, wenn er sein Studium so handhabt wie morgens kalt duschen - tief Luft holen, Augen zu und durch.
      Die Codes, Kleiderordnungen und Anstandsregeln, die an Universtäten gelten, waren immer ein Spiegel ihrer Zeit. Schlechtes Benehmen und schlampige Kleidung sind nicht erst seit Joschka Fischer oder Steve Jobs ein Ausdruck "cool" zu sein. In "meiner Zeit" (den 80ern) gab es dazu bereits erste Gegenbewegungen, so wie die Popper, Sie werden ev. wissen, was das ist. Auch die Burschenschaften stehen dafür.
      Die Grundfrage wäre meiner Meinung doch eher: Ist die Hochschule (Uni, FH) primär eine akademische Berufsausbildungsanstalt oder soll in ihr "Politik gemacht" werden? Genau das ist doch der Unterschied zu früher. Für die meisten Studenten ist das Studium auch heute nicht anderes als eine Berufsausbildung, teilweise auch ein Weg, bequem im Hotel Mama Zeit totzuschlagen, obwohl die Bologna-Reform das weit schwerer als früher gemacht hat, wo der archetypische taxifahrende Student im 35. Semester alles andere als ein Klischee war. Es hat aber sehr wohl Einfluß auf die Denkweise und Kultur junger Menschen, ob die Uni ein Ort reiner Fachwissensvermittlung, politischer Meinungsformung oder universaler Selbstfindungsmöglichkeit ist. Das haben die Linken damals gut erkannt - und verteidigen ihre Hegemonie im universitären Betrieb daher mit Klauen und Zähnen.
  3. von Jan Meyer
    Es ist übrigens frappierend, wie blind Herr Bolz argumentiert: Ist doch gerade unsere Zeit durch eine nie dagewesene Vielfalt von Meinungen, Stilen und Interpretationen gekennzeichnet. Der Postmoderne kann man vieles vorwerfen, Relativismus, Beliebigkeit etc, nur eines nicht: Meinungsdiktatur. Übrigens auch keine Linkslastigkeit. Die Werte der bürgerlichen Mitte sind völlig ausreichend, um rechtes Positionen als a) gefährlich und b) nicht argumentativ begründbar zurückzuweisen.
    1. von George Müller
      Antwort auf den Beitrag von Jan Meyer 15.01.2017, 14:28:21
      Ihre freie Meinung in allen Ehren! Nur, jemanden so schnell als "blind" zu bezeichnen, gleich im aller ersten Satz, wie Sie dies hier tun, bestätigt aus meiner Sicht genau das, was Herr Bolz hier zum Thema gemacht hat. Die Welt wird nun mal von über 7 Milliarden Augenpaaren ganz unterschiedlich gesehen. Das sollten sie vielleicht bedenken, bevor Sie jemand andern als "blind" abstempeln. Meine Meinung! In diesem Sinne und mit besten Grüßen.

      George Müller
      Berlin
    2. von Jan Meyer
      Antwort auf den Beitrag von George Müller 16.01.2017, 10:23:41
      Schön und gut. Nur habe ich nicht Herrn Bolz als blind bezeichnet, sondern seine Argumentation. Auch habe ich diese Ansicht durchaus begründet.
    3. von Administrator
      Antwort auf den Beitrag von Jan Meyer 15.01.2017, 14:28:21
      test
  4. von Jan Meyer
    Das ist erstens eine völlig unseriöse Argumentation. Da die sogenannte Politische Korrektheit ein ganz und gar uneinheitliches Phänomen ist, muss Herr Bolz, bevor er etwas zu bekämpfen hat, zunächst einen Strohmann aufbauen. Das tut er mit geradezu wurschtiger Pauschalität. Natürlich gibt es sporadische Exzesse, wie sich an amerikanischen Unis hier und da beobachten lässt. Aber die geben keine Verallgemeinerung her. Zweitens hängt Herr Bolz alles am Begriff der Meinung auf. Wie schon andere Kommentatoren bemerkt haben, verfehlt er damit das Problem. Es geht doch vielmehr um Argumente: Toleranz, Empathie, Minderheitenschutz, sprachliche Gerechtigkeit, haben sich aufgrund ihrer argumentativen Kraft als herrschendes Paradigma durchgesetzt. Zu behaupten (auch implizit), sie seien den Menschen top-down von einem wie auch immer gearteten Schulterschluss linksliberaler Meinungsmacher aufgedrückt worden, ist absurd. Herr Bolz, wo sind denn die Argumente gegen den Trend zu einer rücksichtsvollen, toleranten, inklusiven Gesellschaft?
    1. von Focus Turnier
      Antwort auf den Beitrag von Jan Meyer 15.01.2017, 13:30:04
      Die argumentative Kraft. Toleranz, Empathie und so weiter...

      Bei solchen Sätzen faßt man sich einfach nur noch an den Kopf bzw. haut diesen auf die Tischplatte. Nicht nur, daß es in linken (empathischen und toleranten....) Kreisen inzwischen üblich ist, Veranstaltungen, die nicht ins ideologische Raster passen, mit Gewaltanwendung zu stören und auch vor dem Einsatz von Schlagringen (Kubotan) nicht zurückschreckt. Nun bedroht man mittlerweile auch den Rektor der Uni Magdeburg mit dem Tod:

      http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/magdeburg/morddrohungen-strackeljan-100.html

      Sie sollten Ihre Argumente mal etwas tiefer beleuchten, denn die Befürworter und Förderer der Gender-Studies machen da gerade ein großes Faß auf. Vielleicht fällt Ihnen da doch noch was in Bezug auf die 68-er auf....
    2. von Jan Meyer
      Antwort auf den Beitrag von Focus Turnier 17.01.2017, 08:17:19
      Nein, so etwas ist gewiss nicht "in linken Kreisen üblich" oder bei "den 68ern". Und auch bedroht nicht "man" und schon gar nicht "mittlerweile" den Rektor der Uni Magdeburg. Das sind rhetorische Konstruktionen, denen in der Wirklichkeit nicht allzu viel entspricht. Ich bezog mich auch überhaupt nicht auf die linke Seite des politischen Spektrums. Werte wie Empathie, Toleranz, Minderheitenschutz, Inklusivität etc. sind zuvorderst Werte der bürgerlichen Mitte, der Mehrheitsgesellschaft. Sie können also kaum als bestimmendes Merkmal von Gruppen herhalten, die "inzwischen" Schlagringe gegen politische Gegner einsetzen. Kurz gesagt: Ich kann sehr wohl gegen Exzesse des Gender Mainstreaming sein, ohne prinzipiell die Richtigkeit des zugrundeliegenden Gedanken zu bestreiten. Nun mögen Sie einwenden, solche Exzesse nähmen zu und kannibalisierten inzwischen die vernünftigeren Ausprägungen. Das sehe ich aber nicht. Die Exzesse sind spektakulär und bestimmen die Schlagzeilen, werden aber sicher nie breite Zustimmung in der Mehrheitsgesellschaft finden. Sprich: Die Werte sind vernünftig, über den Grad der Verwirklichung muss diskutiert, Exzesse müssen bekämpft werden Das Gegenteil trifft auf die Werte zu, die beispielsweise im Denken etlicher AfD-Politiker aufscheinen -- bezeichenderweise ohne je offen benannt zu werden. Diese implizieren meist irgendeine Form von Diskriminierung, und Diskriminierung ist schlicht und einfach etwas, das gesellschaftlich nicht funktioniert. Rein rational betrachtet. Daher sind solche Werte an und für sich argumentativ nicht haltbar. Da braucht es dann gar keine Exzesse mehr. Hier muss lediglich diskutiert werden, inwieweit die Äußerung entsprechender Ansichten noch in den gesetzlichen Rahmen der freien Rede fällt.
  5. von Gerhart Huhn
    Leider hat Hr. Bolz versäumt zu erklären, was eine Meinung ist, nämliche eine Haltung zu einem Thema, die frei von jeder faktischen Grundlage sein kann, sich also weder durch Fakten, Wissenschaft oder zumindest Religion erhärten läßt.

    Damit lassen sich alle Dinge als Meinung verkleiden, Rassenhass, Fake News, Holocaust Leugnung, Lügen Presse usw.

    Damit wird schnell klar, dass man mit einer Vielzahl von derartigen Meinungen, die jeder Grundlage entbehren, die öffentliche Diskussion lahm legen bzw. steuern kann.

    Daher ist es dringend notwendig, dass es zu gewissen, immer wieder geäußerten Meinungen, feste Antworten gibt, die man bei Bedarf als Political Correctness bezeichen kann.

    Damit sieht man auch, dass die Grenze von Meinung und bewusster Lüge fliessend ist.

    Was wir also nicht brauchen, ist eine Meinungsfreiheit, die zu einer ungehemmten Veröffentlichung von substanzlosen Äußerungen, getarnt als Meinung, führt.

    Wenn es beim Begriff Meinung bleiben soll, müssen Anforderungen an die Belastbarkeit von Inhalten gestellt werden, um eine Effizienz in der Diskussion zu erhalten bzw. zu erreichen.
    Daher war und ist es wesentlich besser, auf der Basis von Argumenten statt Meinungen zu agieren.
  6. von Martin Lind
    Es wäre interessant zu erfahren, ob Herr Bolz auch in Zeiten von Radikalenerlass und Berufsverboten Ängste hatte, dass die ideologische Färbung eines Bewerbers schwerer gewogen hätte als seine Qualifizierung. Ansonsten würde ich vermuten, dass er zu denen gehört, die unzufrieden sind mit dem Stand der öffentlichen Meinung, hinsichtlich Weltoffenheit und Toleranz. Es ist immer anstrengender gegen den Strom zu schwimmen und eine Minderheitsmeinung zu vertreten und aktuell finden konservative Ansichten in unserer Gesellschaft nun mal keine Mehrheiten. Ich hätte kein Problem damit wenn Herr Bolz mit dieser Unzufriedenheit noch eine Weile leben müsste, denn aus meiner Sicht sind Positionen die von deren Gegnern heute häufig unter dem Oberbegriff "political correctness" abgetan werden, schlicht Ergebnis von wissenschaftlicher Forschung (Klimawandel), sozialer Gerechtigkeit (Fluchtbewegungen) und Geschichtsbewusstein (Toleranz gegenüber Anderen). An einer Stelle verdreht oder missachtet er aber die Tatsachen. Er spricht von politischer Agressivität und verschärften Ton und verbindet dies mit dem Begriff "Tugendterror". Nun belegen aber alle Statistiken, dass verbale Aggressivität, Hass, Terror und Gewalt in unserer Gesellschaft sich verstärkt gegen Positionen, Einrichtungen und Menschen richten, die sich gegen eine konservative Politik und gegen die Einschränkung der Demokratie positionieren. Angesichts der Veröffentlichung des Artikels frage ich mich, ob Herr Bolz generell an einer Störung der Realitätswahrnehmung leidet, denn seine Meinung ist ja veröffentlicht und nicht unterdrückt, Gegenwind ist dann inklusive. Erschreckend auch die von Herrn Bolz durchgeführte Verortung des Ursprungs des "Problems" - es sei ein Campus-Phänomen oder anders gesagt, die Intellektuellen sind schuld. Ein ähnliche Verortung eines Problemherdes gab es in der Vergangenheit immer wieder wenn demokratische Rechte eingeschränkt werden sollten. Jüngste Beispiele finden sich in der Türkei.
    1. von Zacha Zachowski
      Antwort auf den Beitrag von Martin Lind 14.01.2017, 16:33:45
      Es geht hier nicht darum ob es "anstrengend" ist, eine Minderheitenmeinung zu vertreten. Es geht darum, dass ganze Themenfelder so vermint sind, dass jeder der sich nicht politisch korrekt verhält Gefahr läuft, massiven persönlichen Anfeindungen (neudeutsch "Shitstorm") ausgesetzt zu werden.


      Und diese Behauptung "dass verbale Aggressivität, Hass, Terror und Gewalt in unserer Gesellschaft sich verstärkt gegen Positionen, Einrichtungen und Menschen richten, die sich gegen eine konservative Politik und gegen die Einschränkung der Demokratie positionieren." halte ich für unhaltbar. Sie sagen auch gar nicht, wer die Opfer hier sein sollen, so dass man es gar nicht konkret diskutieren kann. Aber ein Beispiel, um die Allgemeingültigkeit schon mal zu widerlegen, wären verbale Aggressionen, Hass und Gewalt von linksextremer Seite gegen Polizei und andere "Systemvertreter". Gibt auch andere Aggressionen, Hass und Gewalt, die vielleicht ihre Kriterien erfüllen, aber wie gesagt, das ist keinesfalls spezifisch. Vielleicht nennen Sie mal ihre "Alle Statistiken", die ihre Behauptung angeblich belegen.
    2. von Martin Lind
      Antwort auf den Beitrag von Zacha Zachowski 14.01.2017, 18:19:04
      Einfach mal in die Kriminalitätsstatistiken der jüngeren Vergangenheit schauen. Berichtet wurde darüber u. a. am 14.11.16 in dieser Zeitung http://www.tagesspiegel.de/politik/rechtsextremismus-starke-zunahme-rechter-gewalt/14839814.html
    3. von Zacha Zachowski
      Antwort auf den Beitrag von Martin Lind 15.01.2017, 09:29:34
      Das ist eine Täterstatistik, keine Opferstatistik. Ihre Behauptung wogegen sich diese richten ist damit also nicht belegbar. Bei rechten Gewalttaten sind Ziele mutmaßlich vor allem links-autonome und Migranten - aber ihre Aussage ist selbst dann nicht belegt.

      Außerdem sehen Sie hier http://www.tagesspiegel.de/politik/jahresbericht-des-verfassungsschutzes-linksextremisten-und-spionage/13799826-3.html Statistiken über rechte und linke Gewalt. Die Zahl der Gewalttaten die dem linksextremen Spektrum zugeordnet werden ist sogar noch höher (links 2246, 1485 rechts). Beides finde ich persönlich vergleichbar abstoßend, relativieren sollte man also mit solchen Zahlen ohnehin nichts - aber ihre Behauptung ist weiterhin unfundiert.
  7. von Frank Fidorra
    In meiner Wahrnehmung hat das Phänomen damit angefangen, dass es in Deutschland verboten ist, den Holocaust zu leugnen. Das war und ist an sich und nach den Erfahrungen der NS-Zeit sicher gerechtfertigt.

    Seitdem aber hat sich das Instrument der political correctness verselbständigt und mündet heute in einer immer größer werdenden Lawine von Sprachregelungen, die von amüsant-abstrus bis ärgerlich reichen. Dazu gehört die Gender-Sprach- oder besser Schreibregelung der *-Innen Wortgeschöpfe, die man zwar schreiben und lesen, aber nicht mehr aussprechen kann.

    Und klar, dazu gehört auch das Spekrum der "unanständigen Meinungen" die man nicht aussprechen darf und über die also nicht unzensiert diskutiert werden kann. Ich bin mir sicher, dass damit das Gegenteil dessen erreicht wird, was eigentlich bezweckt werden sollte: die Eindämmung der unerwünschten Meinungen. Menschen wegen ihren Äußerungen zu isolieren und in irgendeine Ecke zu stellen, hat noch nie geholfen, im Gegenteil. Zusätzlich wird damit die Frage nach dem "Warum" blockiert, warum denken die Menschen so und nicht anders.

    Die political correctness, so mein Fazit, dient vor allem der Bequemlichkeit derer, die sie ins Leben rufen. Es ist halt beschwerlich, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen, und auch nicht immer erfolgreich. Manchmal muss man auch selber nachdenken und seine Meinung korrigieren. Dann doch lieber verbieten ;-)
  8. von Lilo Start
    Das hier Dargestellte ist seit langem Problem an Universitäten, hierzu eine Fülle an Texten unter

    http://www.faz.net/aktuell/politik/thema/meinungsfreiheit

    Immerhin darf es darüber noch publiziert werden. Noch werden kritische und das Dilemma durchschauende Meinungsforen, wie Die Achse des Guten und Tychis Einblick von einer Masse an Lesern gegen versuchte Diffamierungskampagnen, um diese rechtspopulistisch unseriös zu verunglimpfen, verteidigt.

    Leider scheint das moralische Diktat an Universitäten unter Studenten so verbreitet, das viele Wissenschatler beklagen, daß die intellektuelle Kreativität und selbstständige Analysefähigkeit durch einerseits mangelnde Schulbildung und andererseits ideologische verkürzte Schlussfolgerungen der Studenten dem Wissenschaftsstandort Deutschlands auch sehr schaden wird.
    Political correctness seine Ursache und nachteiligen Gefahren, sollten zum Gegenstand der universitären Betrachtung werden. Um die Freiheit der Rede und somit auch des Denkens wieder zu erlangen, ohne beispielsweise unbewußt übernommene Rassismus unreflektiert zu pflegen, sollte jeder in der Lage sein, zu disskutieren, wann inwieweit Sprache wirklich diskriminiert, und wann einfach nur Denktabus aufgebaut werden, die wissenschaftlichen Erkenntnisse sogar einfach zuwiderlaufen und verbieten. Hochaktuell zur Zeit.
    http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-01/uni-magdeburg-afd-vorlesung-poggenburg-proteste
    Krawall statt Streitgespräche??? Die neue "intellektuelle" Form der Auseinandersetzung und Gegenrede. Eins zu Null für die rechtsextremen Kräfte in der AfD in diesem Fall.
  9. von Michael Meyer
    Ich kann mit dieser ganzen Debatte nichts anfangen. Seit Jahren schon die gleiche Leier von Bolz und anderen, dass man sofort in die rechte Ecke gestellt wird, wenn man sich kritisch äußert. Zugegeben, vor Jahren mag das noch so gewesen sein, doch spätestens Sarrazin hat doch alle Türen aufgebrochen, die da noch als letzte Tabus gestanden haben mögen. Was will Bolz denn sagen, was er nicht kann, oder bzw. ihn sofort in die rechte Ecke rückt? Man weiß es nicht, man wüsste es gerne. In dieser Debatte, übrigens auch in der Lügenpressen-Diskussion, geht es in Wahrheit um etwas anderes: Man möchte für sein konservatives, oder auch mieses und rassistisches Denken auch noch Zustimmung. Und die gibt es in der Mehrheitsgesellschaft und in den Medien zum Glück nicht. Pech. Diese Unbequemlichkeit müssen diese Leute eben aushalten. Da habe ich auch keinerlei Mitleid. Zum Glück gibt es diesen Widerspruch noch. Ich finde auch nicht alles toll, was diskutiert wird, ob nun überall Genderfreie Toiletten stehen sollen, oder man überall ein Sternchen anhängen muss. Na und? Diese Debatten sind doch vernünftig. Wir leben halt nicht mehr in den 50ern. Bolz und Konsorten finden halt manches von damals gut - er hat beispielsweise mal ein ganzes Buch darüber geschrieben, wie schön es doch ist, dass seine Frau zu Hause bleibt und die Kinder aufzieht. Mag ja ok für die beiden sein - aber daraus gleich eine ganze Ideologie zu zimmern, ist halt daneben im 21.Jahrhundert.
    Sorry, diese Debatte wird von bestimmten Gruppen gezielt verdreht und instrumentalisiert. Welcome to the 50's!
    1. von Zacha Zachowski
      Antwort auf den Beitrag von Michael Meyer 14.01.2017, 14:27:16
      "doch spätestens Sarrazin hat doch alle Türen aufgebrochen, die da noch als letzte Tabus gestanden haben mögen"

      Sarrazin hat es gewagt, eine nicht poilitsch korrekte Intepretation von Tatsachen zu publizieren. Er hat dabei viel Zustimmung erfahren - aber noch mehr Gegenwehr. Seitdem wird er persönlich diffamiert, angegriffen, Auftritte von ihm wurden verhindert und Veranstaltern die ihm einen Auftritt ermöglichen wollten mit Sanktionsdrohungen eingeschüchtert. Mühselig wurde nach Fehlern in seinem Werk gesucht, und Nichtigkeiten wurden aufgebläht um ihn weiter zu attackieren, um sich nicht mit den Inhalten wirklich auseinandersetzen zu müssen.

      Alles in allem ist gerade Sarrazin ein Beispiel für die Folgen, wenn man ein solches Tabu bricht.
    2. von Michael Meyer
      Antwort auf den Beitrag von Zacha Zachowski 14.01.2017, 16:39:05
      Sehe ich nicht so. Sarrazins Pamphlet strotzt nur so von Fehlern, Vorurteilen und Falschbewertungen. Da musste man nicht "mühselig" nach Fehlern suchen. Selbst seine "Kronzeugin", eine, meiner Erinnerung nach, Schweizer Genetikerin und Erbforscherin hatte in einem Interview gesagt, dass Sarrazins Schlussfolgerungen völliger Käse sind, und er nichts verstanden hat von der Theorie. Schlimmer noch: Sarrazin hat, im Unterschied zu Buschkowsky, von der Thematik so viel Ahnung wie die Kuh vom Cello spielen und hat gerade mal Kontakt zu seinem türkisch-stämmigen Taxifahrer.
      Das genau ist nämlich auch der Unterschied: Wenn man beispielsweise beim Thema Integration, Flüchtlinge gut drinsteckt, und seine Thesen gut belegen kann, wie Buschkowsky, dann wird man eben nicht angefeindet. Aber man muss sich schon die Mühe der Differenzierung machen. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass Buschkowsky sich jemals beschwert hätte, nicht sagen zu dürfen, was er denkt.
    3. von Zacha Zachowski
      Antwort auf den Beitrag von Michael Meyer 14.01.2017, 16:51:35
      @TS: bitte mal die "Melden Funktion" überarbeiten, man klickt da zu leicht drauf und kanns nicht rückgängig machen...

      @MM: Die Genetikerin hatte wohl eher Angst, selbst Opfer ähnlicher Anfeindungn zu werden. Der "Fehler" war nicht zu sagen "Die Varianz der Intelligenz ist zu 80% erblich erklärbar", sondern "80% der Inteligenz sind erblich" (Zitate aus dem Gedächtnis) - 95% der Leser werden gar nicht wissen was der Unterschied ist. Daraus dann einen derartigen Aufriss zu machen, ist meiner Ansicht nach sehr wohl "mühselig nach Fehlern suchen".

      Und dem Kern meines Kommentars ignorieren Sie - nämlich das gerade Sarrazin massiv angefeindet wurde - Sie bestätigen das sogar. Dabei ist diese "Anfeindung" bereits falsch - man kann über seine Thesen streiten, aber "Anfeindungen" weil sie einem nicht passen sollte man unterlassen. Aber man tut es nicht, im Gegenteil - und damit sind wir wieder beim Artikel von Herrn Bolz. Der Anfeindung, dem Hass auf denjenigen der eine politisch unkorrekte Haltung vertritt.

      Im übrigen, Buschkowski hat auch viele viele Anfeindungen über sich ergehen lassen müssen. Nicht ganz so viele, aber nur keines seiner Werke ganz so stark verbreitet wurde wie Sarrazins.
    4. von Michael Meyer
      Antwort auf den Beitrag von Zacha Zachowski 14.01.2017, 17:02:48
      Anfeindungen finde ich auch nicht gut. Ich glaube sogar, dass man mit Sarrazin bestimmt ein gutes Glas Rotwein trinken kann und er im Prinzip ein ganz netter Mensch ist. Das ändert aber nichts daran, dass er mit seinem Buch ein Tor aufgestoßen hat, und, so manches sagbar gemacht hat, was man vorher vernünftigerweise nicht sagen durfte. Das Ganze ist halt auch ein Aushandlungsprozess, was den einen beleidigt, ist für den anderen ok. Schlimm finde ich aber, und da graut es mir ein wenig vor, dass wenn alle Leute immer alles sagen würden, was sie so denken, sind wir kurz vor der Hölle. Es gibt eben auch Gründe für eine gewisse Zurückhaltung. Klar, natürlich gibt es auch übertriebene politische Korrektheit, aber ich kann die Debatte nicht wirklich nachvollziehen. Deswegen meinte ich ja, wäre mal hübsch gewesen, zu lesen, was Bolz uns denn sagen will, was er nicht sagen darf, oder sich nicht traut.
    5. von Zacha Zachowski
      Antwort auf den Beitrag von Michael Meyer 14.01.2017, 17:16:44
      Aber gerade um diese "Anfeindungen" geht es doch im Artikel. Und Sarrazin ist eben gerade ein Beispiel dafür, was geschieht wenn jemand sich nicht "korrekt" verhält - eben massive Anfeindungen statt inhaltlicher Kritik (diese war in diesem Fall völlig untergegangen und diente eigentlich nur als Vorwand für die Anfeindungen).

      Und natürlich muss nicht jeder immer unreflektiert sagen, was ihm gerade durch den Kopf geht. Und wer es doch tut, den sollte man inhaltlich widerlegen. Damit falsches nicht von anderen übernommen wird. Vielleicht ändert er dann ja sogar seine Meinung, vielleicht auch nicht, aber persönliche Anfeindungen sind in jedem Fall nicht das richtige Mittel.

      Und gerade darum geht es eben im Artikel. Und die Debatte ist natürlich wichtig - denn es gibt sie ohnehin, wird von Populisten vorgebracht. Wenn die Vernünftigen die Debatte nicht führen, die Populisten sie aber aufgreifen und die Menschen zu großen Teilen da eben die Debattenlosigkeit satt haben, dann laufen die Menschen zu den Populisten. Der Frust über die "übertriebene politische Korrektheit" ist real, in weiten Teilen der Gesellschaft.
  10. von Focus Turnier
    Die politische Knechtschaft ist schon längst da

    Wie auch bereits von Unis in den USA bekannt, eskaliert die Situation irgendwann und die politischen Akteure müssen ihr Gesicht zeigen. In Deutschland gab es solche Aktionen bisher noch nicht in großem Ausmaß, aber spätestens seit den neuesten Vorfällen an der Uni Magdeburg dürfte klar sein, daß die PC-Saat der etablierten Parteien auch bei uns jetzt so richtig aufgeht.
    Ich biete hier mal den heutigen Eintrag bei Genderama an, der recht umfassend auf die Proteste gegen einen AfD-begleiteten Vortrag eines Neurowissenschaftlers zum Thema Geschlechterforschung eingeht:

    http://genderama.blogspot.de/2017/01/tumulte-gender-watch-protokolle-und.html

    Man kann sich denken, wie sich das in den nächsten Monaten bis zur BTW entwicklen wird und welche Wahlergebnisse und andere gesellschaftliche Folgen das nach sich ziehen wird.
    1. von Peter Suntheim
      Antwort auf den Beitrag von Focus Turnier 14.01.2017, 14:16:37
      Ich danke, und bin entsetzt.
      Es gab einmal Zeiten, da war das Studierendürfen ein Privileg. Heute scheint es an einer Uni schlimmer zuzugehen, als an einer Berufsschule in einem Brennpunktbezirk. Das ist es nicht, was man unter der Freiheit von Forschung und Lehre versteht. Vielleicht sollte unsoziales Verhalten endlich (wieder) zur Exmatrikulation führen - nicht politisch unkorrektes. Die angehenden Akademiker sollen schließlich irgendwann die Führungspersönlichkeiten dieser Gesellschaft darstellen und da ist Sozialkompetenz sicher eine Grundvoraussetzung.
    2. von Focus Turnier
      Antwort auf den Beitrag von Peter Suntheim 14.01.2017, 18:35:23
      Ich bin da nicht ganz so entsetzt wie Sie, da mir die selbe Entwicklung bereits aus den USA recht gut bekannt ist. Aber es ist entsetzlich, da gebe ich Ihnen Recht. Auch, daß sich der Dekan der Human(!!)wissenschaften dieser Uni hinter die gewalttätigen Proteste stellt, finde ich mehr als bedenklich. Aber es kann auch noch schlimmer kommen. Die Österreicher dürfen an der Uni Salzburg jetzt nicht mehr mit den Augen rollen, wenn sie mit Gender-Themen konfrontiert werden:

      http://www.krone.at/oesterreich/salzburg-oeh-blamiert-sich-mit-gender-protokoll-verstoesse-sammeln-story-548693

      Uns stehen da noch spannende Zeiten ins Haus.