Politische Korrektheit und Pluralität Politische Korrektheit führt zu Ausgrenzung 

Bild von Wolfgang Kubicki
Stellvertretender Bundesvorsitzender FDP

Expertise:

Wolfgang Kubicki ist seit 1996 Vorsitzender der FDP-Fraktion im Landtag von Schleswig-Holstein. Seit Dezember 2013 ist er zudem stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP

Politische Korrektheit grenzt Menschen aus, die sich bestimmten Sprachcodes nicht anpassen. In einer pluralen Gesellschaft müssen aber auch Meinungen zugelassen werden, die nur schwer tolerierbar sind. 

Vor einigen Tagen machten verschiedene Vereine und Verbände im karnevalisierten Köln mit einer Plakataktion auf ein vorher eher wenig bekanntes Problem aufmerksam. Unter dem Motto: „Ich bin kein Kostüm“ erklärten die Initiatoren dieser Kampagne, einige Kostüme transportierten rassistische und stereotype Bilder. So seien zum Beispiel die Verkleidungen als Indianer, Geishas oder „Trans_Frauen“ im Karneval geeignet, diskriminierende, stigmatisierende oder überromantisierende Bilder an nachfolgende Generationen weiterzugeben.

Politisch in größtem Maße korrekt hieß es dann in einer Verlautbarung wörtlich: „Europäer_innen benutz(t)en diese Bilder, um Ausbeutung und Unterdrückung von bestimmten Menschengruppen zu rechtfertigen.“ Und: „Die Kostüme stärken Stereotype, die Ungleichbehandlungen rechtfertigen, jedes Jahr aufs Neue.“ Ich bin mir sicher, den wenigsten fröhlich feiernden Karnevals-Indianern ist klar, für wie rassistisch sie in bestimmten Kreisen gehalten werden.

Kaum strittig sollte sein, dass diese Art der politisch korrekten Korrektur so überzogen ist, dass sich die selbsternannten politischen Korrekteure der Lächerlichkeit preisgegeben haben. Und wer sich in harmloser Feierlaune dem Vorwurf der Menschenfeindlichkeit erwehren muss, der wird wenig Verständnis entwickeln für ein möglicherweise sogar berechtigtes Anliegen.

Der Kampf gegen Ausgrenzung führt selbst zur Stigmatisierung von Menschen.

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Denn dass es grundsätzlich ein nachvollziehbares und zutiefst humanes Bestreben ist, beherzt gegen Ausgrenzung vorzugehen, ist sicherlich nicht weiter erklärungsbedürftig. Wenn aber der Kampf gegen die Ausgrenzung selbst zur Stigmatisierung und Ausgrenzung führt, dann haben wir es mit einer politischen Korrektheit zu tun, die Unfreiheit zum Ergebnis hat. Insbesondere die Parteien Die Grünen oder Die Linke haben sich in der Vergangenheit mit der moralischen Stigmatisierung anderer einen zweifelhaften Ruf erarbeitet und hieraus bisweilen ein politisches Geschäftsmodell gemacht.

Diese Art der moralischen Bevormundung funktioniert mit Unterstellungen. Wer zum Beispiel nicht dafür ist, statt dem Wort „Studenten“ (das im Duden steht) das angeblich geschlechterneutralere „Studierende“ oder gar „Student_innen“ (das nicht im Duden steht) zu benutzen, steht bisweilen latent im Verdacht, ein unverbesserlicher Macho, gegen Gleichberechtigung – und in letzter Konsequenz gar: gegen Frauen zu sein. Die politische Korrektheit wird dann zur moralischen Waffe, wenn sie sich als ausschließliche Wahrheit versteht, die nur davon lebt, dass das Andere als indiskutabel falsch definiert wird. Dann kann es sogar egal sein, dass man sich sprachlich exakt an den Duden hält. Politische sticht terminologische Korrektheit.

Die politische Korrektheit wird dann zur moralischen Waffe, wenn sie sich als ausschließliche Wahrheit versteht.

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Es geht hierbei um eine Trennung in Gut und Böse, Schwarz und Weiß – die lautet: Wer unseren sprachlichen oder Symbol-Code nicht übernimmt, gehört nicht zu uns und darf deshalb vollkommen zu Recht ausgegrenzt werden – oftmals mit wenig Rücksicht auf Verluste. Wer den hohen moralischen Standard nicht erfüllt, ist automatisch ein schlechterer Mensch.

Selbst wenn es das Ziel der politischen Korrektheit sein sollte, im Kampf gegen die Ausgrenzung von Minderheiten für mehr Pluralität zu sorgen, wirkt sie genau ins Gegenteil: Konformismus und Verkrampftheit wären die Ergebnisse, würden wir uns der politischen Korrektheit unterwerfen.

Dankenswerterweise ist die Meinungsfreiheit ein hohes Gut in unserer freiheitlichen Demokratie. Artikel 5 des Grundgesetzes spannt einen weiten Schirm, der zum Teil auch Beleidigungen gestattet. Und wir können froh sein, dass dies hier so ist.

Autoritäre Herrscher handeln ähnlich wie die Vertreter der Political Correctness.

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Autoritäre Herrscher handeln auf ganz ähnliche Weise wie die Vertreter der Political Correctness. Und auch wenn US-Präsident Donald Trump öffentlich erklärt, Medien seien „Feinde des Volkes“, dann übernimmt er die wesentlichen Elemente dieser Vorgehensweise: die Ausgrenzung der „anderen“, bis zum Exzess getriebene Selbstgerechtigkeit sowie der ausdrückliche und fordernde Wunsch nach Gleichklang mit der eigenen Auffassung. Andere Stimmen werden nicht mehr als gleichberechtigt akzeptiert, sondern grundsätzlich als falsch diskreditiert.

Wenn wir unsere Pluralität bewahren wollen, müssen wir im Rahmen der Meinungsfreiheit auch Meinungen und Verhaltensweisen zulassen, die nur schwer tolerabel sind. Auch wenn wir Rechtspopulisten aus verständlichen Gründen nicht sonderlich mögen, ist allein die Tatsache, dass es sie hier geben darf und dass sie ihren geistigen Unrat von sich geben können, ein Beweis dafür, dass unsere freiheitliche Demokratie, unsere Debattenkultur und unser Rechtsstaat funktionieren.

Zur Wahrung der Pluralität müssen wir auch Meinungen zulassen, die nur schwer tolerierbar sind.

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Unsere freie Gesellschaft profitiert davon, wenn wir dem Diskutanten auf der anderen Seite zunächst einmal unterstellen, dass er auch an einer Lösung eines Problems ein Interesse hat – aber logischerweise vor einem anderen Erfahrungshorizont argumentiert. Politische Korrektheit zerstört diesen Grundgedanken. Sie kultiviert Vorurteile.

2 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Jürgen Link
    "Autoritäre Herrscher handeln auf ganz ähnliche Weise wie die Vertreter der Political Correctness."

    Ich stelle den Satz um:
    Vertreter der Political Correctness handeln wie autoritäre Herrscher. Nur ihre Meinung gilt!

    Ansonsten bin ich zwar eher selten der Meinung von Herrn Kubicki. Doch hier hat er ein Problem hervorragend auf den Punkt gebracht. Danke für den Beitrag.
    Und nicht vergessen: Leute mit ausgeprägtem Sendungsbewusstsein haben , erst recht wenn sie die Sprache verändern wollten, in der Geschichte sehr häufig sehr unheilvoll gewirkt.
    Gruß
  2. von Focus Turnier
    Etwas genauer bitte, Herr Kubicki.
    Benennen Sie doch die "verschiedenen Vereine und Verbände" mal ganz konkret. Die Aktion "Ich bin kein Kostüm" ist ein Zusammenschluss von:

    - Forum gegen Rassismus und Diskriminierung
    - Antidiskriminierungsverband Deutschland
    - Amadeu-Antonio-Stiftung
    - Verein der Bundestagsfraktion Die Linke e.V.

    http://www.oegg.de/index.php?view-16

    So, und nun können Sie mal der Frage nachgehen, welcher dieser Vereine aus Steuergeldern finanziert wird, ob diese demokratisch legitimiert sind und welchen Anteil die FDP an dieser Entwicklung hat. Substanzloses Rumgeschwurbel heben Sie sich bitte für einen Talkshowauftritt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auf.