Kritik an Muslimen Mehr politischer Islam für Deutschland!

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Erziehungswissenschaftler

Expertise:

Harry Harun Behr ist Professor für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Islam an der Goethe Universität Frankfurt am Main, Sprecher des Fachverbands Deutsche Gesellschaft für islamisch-theologische Studien DEGITS und forscht im LOEWE-Exzellenzcluster zu Fragen religiöser Positionierung.

Religion darf und soll sich politisch einbringen. Das nur beim Islam zu pathologisieren und zur Gefahr zu erklären, ist das Gegenteil von dem, was nötig wäre. Es schadet sogar.

Die Debatte:

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann und der ehemalige bayerische Justizminister und Professor für öffentliches Recht, Winfried Bausback, fordern in einem Buch ein wehrhafteres Vorgehen gegen den politischen Islam. In einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel fassen Sie ihre Thesen zusammen. Darin heißt es: "Wenn Deutschland eine offene und tolerante Gesellschaft bleiben möchte, müssen wir jetzt wachsam und wehrhaft sein. Wir dürfen nicht zulassen, das die Intoleranten – um an die Formulierung Karl Poppers anzuknüpfen – die Toleranz nutzen, um eben diese und mit ihr die Toleranten zu beseitigen." Als konkrete Maßnahmen fordern sie: 1. Eine Klarstellung per Gesetz, "dass es für die individuelle Schuld und Strafzumessung keine Rolle spielt, wenn jemand aus einem anderen Kulturkreis stammt." 2. Ein Register für religiöse Vereine und Gebetshäuser. 3. Bildungseinrichtungen stärker als Orte der Prävention verstehen. 4. Von Bund und den Ländern getragene Leitlinien für Präventions- und De-Radikalisierungsprojekte. 5. Individuelle Integrationsvereinbarungen mit Zuwanderern.

Der Religionssoziologe Harry Harun Behr (Universität Frankfurt) hält hier dagegen - und liest das Buch ausgesprochen kritisch:

Im Vorfeld der letzten Bundestagswahlen wurde ich von einem Aktionsbündnis muslimischer Jugendlicher in Frankfurt um einen Vortrag zu der Frage gebeten, warum es wichtig sei wählen zu gehen. Im Verlauf der Debatte entwickelte sich eine unerwartet moraltheologische Dynamik. Das Plenum begann, den Islam unter neuen Vorzeichen zu verhandeln. Warum sich als Muslim politisch engagieren? Um die Gesellschaft mitzugestalten und die Demokratie vor der Konsensverschiebung nach rechts zu bewahren! Diskutiert wurden die Scharia als humanistische Reformulierung der islamischen Normen- und Methodenlehre und der Dschihad als das Ringen um die Verbesserung der Gesellschaft – ganz entgegen der verbreiteten Auffassung, solche arabischen Begriffe gehörten allein in das islamistische Arsenal.

Was sich da in der abendlichen Veranstaltung einer Frankfurter Moschee entfaltete, ist ein deutscher Islam. Dieser hat nur wenig mit dem skandalisierten Koranunterricht zu tun. Stattdessen verweist er auf den Verwirklichungskontext der religiösen Freiheitsrechte in Artikel 4 des Deutschen Grundgesetzes, zu denen sich die Freiheit von Meinung, Presse, Kunst und Wissenschaft in Artikel 5 gesellen. Das ist es, was Ernst-Wolfgang Böckenförde unter sozialem Kapital verstand: Der Staat lebe von Voraussetzungen, die er selbst nicht schaffen könne.

Der Islam darf, was andere auch dürfen: sich einmischen, quer legen und politisch sein.

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Ich würde hinzufügen: Religion lebt von der Voraussetzung säkularer Staatlichkeit, die sie selber nicht schaffen kann. Als Religion darf der Islam in Deutschland, was auch Wissenschaft, Presse und Kunst dürfen: sich öffentlich inszenieren, sich in die gesellschaftlichen Leitbilddiskurse einmischen, sich querlegen. Kurzum: Der Islam darf politisch sein.

Den Islam machte von Anfang an politisch, dass er sich aus der doppelten Kritik am machtvollen Zugriff auf Religion und an der Sakralisierung von Macht heraus entwickelte. Zur altprophetischen Rede des Korans gehören Herrschaftskritik ebenso wie Glaube und soziale Ethik. Er bringt den Geist und die Zustände des Individuums gegen bloße Tradition, Buchstabentreue und Loyalitätszwang in Stellung. Und hier reicht der Islam Judentum und Christentum die Hand.

Islamische Theologie ist dabei, die  Idee der Freiheit des Menschen zur Mitte ihres Denkens zu machen.

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Der muslimische Soziologe Talal Asad meint, der Islam sei gar kein geschlossenes religiöses System, sondern Diskurs. Hier liegt auch eine zentrale Aufgabe akademischer islamischer Theologie. Sie ist auf dem Weg, die Idee der Freiheit des Menschen zur Mitte ihres Denkens zu machen und von dort aus die Koordinaten ihrer Forschung und Lehre zu bestimmen. So erreicht sie die vielfältigen muslimischen Identitäten in unserem Land, die sich mehrheitlich gar nicht in einer religiösen Gemeinschaft beheimaten.

Kritik am politischen Islam verheddert sich in Aufregung und fachlicher Unbeholfenheit.

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Die sogenannten Experten um Carsten Linnemann und Winfried Bausback lassen entsprechende Vertreter in ihrem Buch aber nicht zu Wort kommen. Sie haben sich stattdessen in Aufregung und fachlicher Unbeholfenheit verheddert. Ihre Beiträge rotieren um binäre Wahrnehmungen: Herrschaftsanspruch versus Spiritualität, radikalisierte Antisemiten versus säkulare und liberale Muslime, islamische Welt versus Europa.

Linnemann und Bausback schaffen Stereotype. Das ist eine erschreckende Simplifizierung.

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Aber das Buch offenbart noch tiefer liegende Widersprüche: hegemoniale Männlichkeit versus Wertschätzung von Differenz. Die Autoren bündeln ihre Stereotype von Sexualität, Gewalt und Orient zur Sozialfigur des Ungehörigen und Unzugehörigen und nehmen Deutungshoheit über muslimische Gegenwartskulturen in Anspruch – dies bei erschreckender Simplifizierung der religionsbezogenen Expertise. Sie migrantisieren den Islam und islamisieren Migration. Sie verdinglichen die religiöse Diversität von Muslimen in Deutschland zu einer exotischen Ethnie und sprechen ihnen die Voraussetzungslosigkeit der grundrechtlichen Bestimmungen ab.

Das Buch atmet Selbsthass. Den in unsere Kultur offenbar eingeschriebenen Hang zur Plausibilität der Evidenz und zur „Verneblung und Verdunkelung der Gehirne“ kritisierte bereits 1939 Friedrich Kellner in seinen Tagebüchern. Und wenn Carsten Linnemann im Tagesspiegel behauptet, man sei es „allen Muslimen schuldig“, dass man ihnen den Rücken stärke, dann halte ich mir den Rücken lieber frei.

Religion wird in die Unsichtbarkeit gewünscht. Heute die islamische, morgen jede andere.

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Das Buch bedient das Dispositiv des politischen Islams und befördert genau damit seine Politisierung. Hinter dem Islamgetöse schleicht sich die Schadensabsicht an: Das Diktat paternalistischer Gesinnung und die Vereinnahmung feministischer Geschlechter- und Sexualpolitik will die Ästhetik gelebter Religiosität in die Unsichtbarkeit verschieben – heute die muslimische, morgen jede andere.

Die vermeintlich soziologische, politologische, psychologische und religionswissenschaftliche Expertise stellt einen Missbrauch von Wissenschaft als Machtausübung jenseits ihrer eigentlichen Orientierungsfunktion dar. Wer nun meint, dabei gehe es um den Islam, geht fehl. Was sich hier warmläuft ist der Rückbau der zivilgesellschaftlichen Vertrauensbasis.

Das ist es auch, was die Gäste in jener Frankfurter Moschee umtrieb. Ihnen fehlte es noch an der sprachlichen Trittsicherheit, um zu formulieren, was die ahnen. Aber das ändert sich inzwischen. Das Problem an dem Buch ist, dass viele seiner Beiträge einen wahren Kern enthalten; nichts davon ist aus der Luft gegriffen. Was ich anklage ist seine Stoßrichtung. Nicht nur die rechte Straßenseite wird Beifall klatschen.

Was unserem Land, fehlt ist eine religionspolitische Vision.

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Der Koran warnt in Sure 68 davor, wie die Rosstäuscher und Brandstifter die Menschen über identitäre Verhärtungen gegeneinander aufwiegeln. Was unserem Land, fehlt ist eine religionspolitische Vision. Wir brauchen zivilgesellschaftliche Formate, die diese Sache verhandeln und die sich um Verstehen, Verständigung und Verständnis bemühen. Die Deutsche Islamkonferenz kann es nicht, so lange sie der etatistischen Formatierung eines Staatsislams die Rede führt. Und Linnemann und Bausback wollen es nicht, auch wenn sie das Gegenteil behaupten. So wie es gerade läuft darf es nicht weitergehen.

12 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Jürgen Link
    Teil III

    Und nun wird es ganz irre und sehr agitatorisch:

    Zitat: „Die vermeintlich soziologische, politologische, psychologische und religionswissenschaftliche Expertise stellt einen Missbrauch von Wissenschaft als Machtausübung jenseits ihrer eigentlichen Orientierungsfunktion dar. Wer nun meint, dabei gehe es um den Islam, geht fehl. Was sich hier warmläuft ist der Rückbau der zivilgesellschaftlichen Vertrauensbasis.“

    Das ist ein schwerwiegender Vorwurf - und eine Diffamierung seriöser Autoren, Eine subjektive Meinung ohne wissenschaftlichen Beleg , mit der Politik gemacht werden soll, Statt Argumentation, wie ich sie von einem Wissenschaftler erwarte, wird pure Agitation betrieben, wie es zu ihren Hochzeiten die Vertreter z. B. des Marxismus Leninismus nicht besser gemacht hätten, implizite oder auch explizite Herabsetzung der Kontrahenten inbegriffen.


    Zitat: „...dass viele seiner Beiträge einen wahren Kern enthalten; nichts davon ist aus der Luft gegriffen. Was ich anklage ist seine Stoßrichtung.“

    Das also ist es! Was in dem besprochenen Buch geschrieben wurde stimmt also, bestreitet er gar nicht. Doch die Veröffentlichung stört, weil sie nicht ins politische (ideologische) Konzept passt.

    Zitat: „Wir brauchen …. Formate, …..die sich um Verstehen, Verständigung und Verständnis bemühen. ….Linnemann und Bausback wollen es nicht, auch wenn sie das Gegenteil behaupten.“

    Eine besonders böswillige Unterstellung, Beleg Fehlanzeige, wieder reine Agitation!


    Der Beitrag von Herrn Behr scheint reine religionspolitisch motivierte Propaganda zu sein. Ob da vielleicht auch die früheren Aktivitäten Herrn Behrs im Umfeld der islamistischen Muslimbrüder beim islamisches Zentrum München eine Rolle spielen? (s. Eintrag Wikipedia)
    Das könnte evtl. auch erklären, weshalb Herr Behr das Buch und seine Autoren zu diskreditieren versucht.
  2. von Jürgen Link
    Teil II

    Es kann als gesichert angesehen werden, dass der von Islamisten vertretene und gepredigte Islam einerseits extrem politisch ist, andererseits politische Ziele verfolgt, die nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Das glauben Sie nicht? Besuchen Sie mal die Seite des Islamischen Zentrums München und informieren sich über die dort vertretenen Ansichten zur Stellung der Frau.

    Zitat: „Der Koranvers macht deutlich, dass ………..der Ehemann diese drei Schritten auf jeden Fall einhalten muss: Ermahnung, Trennung im Ehebett und Schlagen.
    (http://www.islamisches-zentrum-muenchen.de/html/islam_-_frau_und_familie.html#01) .

    Dass ein Mann seine Frau schlagen darf und Mann und Frau nicht gleichberechtigt sind, sind nur 2 bemerkenswerte Ansichten, die dort vertreten werden.

    Herr Behr sollte also wenigstens etwas näher erklären, von welcher Art politischem Islam er “mehr“ will und gleichzeitig sollte er auch feststellen, dass der Islam, wenn er politisch wird, das Grundgesetz vorbehaltlos zu akzeptieren hat.

    Zitat: „...wie die Rosstäuscher und Brandstifter die Menschen über identitäre Verhärtungen gegeneinander aufwiegeln.“

    Es ist schon heftig, wie hier die Autoren um Linnemann implizit als „ Rosstäuscher und Brandstifter“ diffamiert werden. Dies Vorgehen spricht gegen Herrn Behr.

    Zitat: „Die sogenannten Experten um Carsten Linnemann und Winfried Bausback…………. haben sich stattdessen in Aufregung und fachlicher Unbeholfenheit verheddert.“

    Bemerkenswert, wie Herr Behr in seinem Beitrag zwar permanent nicht belegte Behauptungen aufstellt – was nicht besonders wissenschaftlich ist - , dann aber andere Autoren einfach so als „sogenannte Experten“ diskreditiert.

    Zitat: „Das Buch atmet Selbsthass.“

    Eine Behauptung, bei der ich bezweifle, das Herr Behr sie belegen kann.
  3. von Jürgen Link
    Teil I

    Das ist ein bemerkenswerter Beitrag von Professor Behr!

    Zitat: „Religion darf und soll sich politisch einbringen. Das nur beim Islam zu pathologisieren und zur Gefahr zu erklären, ist das Gegenteil von dem, was nötig wäre. ….“

    Gleich zu Beginn stellt Herr Behr diese Falschbehauptung bezüglich des Islam aufgestellt, ohne Beleg!

    Niemand hier kritisiert Religionen, weil sie politisch Stellung beziehen, auch den Islam nicht. Kritisiert wird, wenn Religionen versuchen, teilweise im Grundgesetz oder durch Gesetze formulierte Grundsätze gesellschaftlichen Zusammenlebens auszuhebeln und für sich Sonderregeln oder gar die Änderung von Gesetzen verlangen, z. B. , um überall im öffentlichen Dienst, in Schulen und Gerichten die Religionsneutralität auszuhebeln und überall permanent und unübersehbar religiöse Symbolik vor Augen zu führen.
    Auch die Forderung nach Einrichtung von Gebetsräumen z B. In Schulen und Universitäten gehört in diese Kategorie von Forderungen, die außer von orthodoxen Muslimen von keiner anderen Religionsgemeinschaft erhoben wurden (werden).
    Diese politischen Aktionen konservativer oder islamistischer Muslime und Muslimverbände, vorangetrieben mit dem Schlachtruf „Religionsfreiheit“, werden in einer säkular verfassten Gesellschaft zu Recht kritisiert. Diese Kritik hat mit Pathologisierung überhaupt nichts zu tun. Es stößt eben auf Kritik, wenn das im Grundgesetz formulierte Recht auf freie Ausübung einer Religion überdehnt werden soll, um die politischen Ziele einer totalitären Ideologie wie des orthodoxen oder islamistischen Islam durchzusetzen.
    Die Religionsfreiheit ist eben nicht schrankenlos, steht nicht über, sondern neben anderen Grundrechten und ist kein Supergrundrecht.
  4. von Eduard Pampel
    Wenn man davon ausgeht, dass mit dem Islam Elemente des Mittelalters in Deutschland wieder bestimmend werden, dann sehe ich eine Gefahr für diese Gesellschaft. Leider wird dieser Porzess aber nicht aufzuhalten sein, da die zunehmende Bedeutung dieser Religion von einer Reihe Elitärer als Bereicherung bejubelt wird. Zunehmende Probleme mit dem Islam (welcher eigentlich) werden ignoriert. EIN Beispiel: Kritiker bedürfen Polizeischutz!
  5. von Max Mustermann1
    Nein, der Islam darf nicht politisch sein, denn bei uns steht die Religion unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes, politische Ideen und Ziele jedoch nicht.

    Solange diese Unterscheidung getroffen wird, darf eine Weltsicht, die von Religionsfreiheit geschützt wird nicht politisch sein. Umgekehrt darf sich eine politische Einstellung ja auch nicht auf die Religionsfreiheit berufen.

    (so oder so bin ich im Grunde kein Freund der Religionsfreiheit weil sie im Grunde Ideen und Weltsichten vor Kritik schützt, die manchmal hilfreich wäre).
  6. von Tobias Schneider
    Ich würde mal empfehlen nach dem Artikel ,,Es gibt keinen marktkonformen Islam" zu googeln bzw. hier den Artikel zu lesen (den Link poste ich ganz unten meines Kommentars) da es erstens nie schadet verschiedene Sichtweisen miteinander zu vergleichen und zweitens zu wissen, worum es wirklich geht bzw. was das eigentliche Problem ist...
    Genauso wie eine ECHTE Demokratie nicht marktkonform sein kann, kann auch der Islam nicht marktkonform sein

    Dieser Artikel soll einmal dazu anregen, sich intensiver und unabhängig von der marktkonformen Propaganda mit der Thematik zu beschäftigen:

    http://www.muslim-markt-forum.de/t1657f2-Es-gibt-keinen-marktkonformen-Islam-oder-Warum-der-Islam-die-einzig-verbliebene-Befreiungschance-fuer-Deutschland-ist.html
  7. von Uwe R.
    Anders als in den islamisch beherrschten Ländern ist die Religionszugehörigkeit im Westen keine der primären Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Unterscheidungskategorien mehr. Der Ausgangspunkt der westlichen Demokratien ist deshalb der Citoyen. Was dieser glaubt oder nicht glaubt, ist seine private Angelegenheit. Alle gemäss des Grundgesetzes und der Länderverfassung anerkannten Religionsgemeinschaften haben sich deshalb vorbehaltlos dem Grundgesetz, den Landesverfassungen und aller daraus folgenden Gesetze zu unterwerfen. Für die christlichen Kirchen tun dies stellvertretend deren Bischhöfe bei Amtsantritt gegenüber den jeweiligen Landesinnenministern. Den Religionsgemeinschaften stehen gemäss Grundgesetz Artikel 5 nicht die gleichen Rechte zu, wie Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre, die zudem durch die Treue zur Verfassung gebunden sind. Das Judentum brachte mit dem Alten Testament das für alle geltende Gesetz anstelle der archaischen Clan- und Stammesordnung. Das Christentum brachte mit dem Neuen Testament die Trennung von Kirche und Staat.
    Dieser Kommentar wurde gekürzt. Bitte unterlassen Sie die Gleichsetzung von Muslimen und Islamisten. /ag
    1. von Uwe R.
      Antwort auf den Beitrag von Uwe R. 04.03.2019, 13:00:09
      Dieser Kommentar wurde entfernt, weil er an die Moderation gerichtet war. /ag
    2. Bild von Bolko Bartsch
      Autor
      Bolko Bartsch, Bolko Bartsch ist seit vielen Jahren aktives Mitglied der Tagesspiegel Community. Community-Manager schätzen ihn für seinen Diskussionsstil.
      Antwort auf den Beitrag von Uwe R. 04.03.2019, 13:00:09
      Dass in Deutschland die Religionszugehörigkeit nicht mehr den Stellenwert besitzt, den sie in der Vergangenheit besaß, ist sicher richtig.

      Dass die Religionszugehörigkeit in Deutschland wirklich privat ist, wage ich aber eher zu bezweifeln: behördlich wird man doch abgefragt, ob man einer christlichen Kirche angehört.

      Und dass die jetzige Bundeskanzlerin evangelisch, die Aspiratin auf ihr Amt katholisch, ist doch immer wieder wert, es in der Zeitung lesen zu können.

      Dass mit dem Neuen Testament Staat und Kirche getrennt wurden, entspricht doch einfach nicht der Wahrheit. So gibt es in Großbritannien eine christliche Staatsreligion und wenn ich nicht irre, ebenfalls in Griechenland.

      Und was in Lateinamerika im Namen der staatlichen christlichen Religion während der Conquista alles passierte, ist doch jüngeren Datums, als die Geburt Christis.

      Dass es nun in Deutschland inzwischen viele Muslime gibt, die ihre Religion ernst nehmen, das ist sicher ein Novum.

      Und last but not least, es war gerade Mohammed, dem es gelungen war, das Arabien der Stämme und Clans zu einigen, das zuvor von ständigen politischen Streitigkeiten und Fehden zerrissen und aufgrund seiner verschiedenen Stammesgötter auch religiös zersplittert war: religiös geeint durch seine damals neuartige Herrschaftsform. Der Islam, der religiöse Vollmacht und politische Macht verbindet, als Grundlage der Einheit Arabiens.
      (Quelle: Hans Küng: "Der Islam" Piper 2004)
  8. von Maxim Graf
    Religionsfreiheit heißt in erster Linie, keine oder eine beliebige Religion als Privatsache auszuüben. Niemand darf deswegen diskriminiert oder bestraft werden. Ein Wechsel soll im bürgerlichen Leben folgenlos bleiben. Selbstverständlich dürfen Glaubensgemeinschaften und Einzelne über ihren/seinen Glauben informieren, aber nicht aufdrängen oder belästigen. Verleumdung, Diffamierung und Hetze Nicht- oder Anders-Gläubiger sind zu bestrafen. Aus der Politik sollen sie sich raushalten.Aus der Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft lassen sich keinerlei Rechte für den Einzelnen im Zivilleben ableiten.
    1. Bild von Bolko Bartsch
      Autor
      Bolko Bartsch, Bolko Bartsch ist seit vielen Jahren aktives Mitglied der Tagesspiegel Community. Community-Manager schätzen ihn für seinen Diskussionsstil.
      Antwort auf den Beitrag von Maxim Graf 03.03.2019, 17:23:10
      Entspricht denn das der Wirklichkeit in Deutschland?

      Zuletzt gab es doch einen Prozess eines geschiedenen katholischen Chefarzt, der sich nach einer Scheidung wieder verheiratete, was ihm eine Kündigung in einem katholischen Krankenhaus einbrachte, gegen die er sich augenscheinlich erfolgreich zur Wehr setzte. Chefarzt ist doch ein ziviler Beruf?

      Katholische Institutionen entlassen, wenn sie erfahren, dass ihr Mitarbeiter eine gleichgeschlechtliche Ehe eingegangen ist, obwohl diese gesetzlich ermöglicht wurde, und inzwischen sogar über unser Grundgesetz staatlich geschützt ist.

      Das Raushalten aus der Politik wird erst dann ermöglicht, wenn Staat und Kirche wirklich getrennt sind.
  9. von Maxim Graf
    Vorwand Religionsfreiheit