Ein Plädoyer für den Diesel Der Diesel ist zukunftsfähig

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Professor am KIT Karlsruher Institut für Technologie

Expertise:

Prof. Dr. Thomas Koch ist seit 2013 Leiter des Institut für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und verantwortlich für die verbrennungsmotorischen Belange in den Bereichen Forschung, Lehre und Innovation. Zuvor arbeitete er 10 Jahre lang in der Nutzfahrzeugmotorenentwicklung der Daimler AG.

Die Kritik am Diesel-Motor hat jedes Maß verloren. Sie verdammt mit zweifelhaften Argumenten eine Technologie, deren niedrige CO2-Emissionen entscheidend sind, um die Umwelt zu schützen und gesellschaftliche Mobilität zu gewährleisten.

Kritik ist an manchen Softwarelösungen von Dieselmotoren unstrittig angebracht. Jedoch entwickelte sich hieraus ein maßloser Dauerbeschuss; der Diesel steuere keinen CO2-Vorteil bei und sei für zehntausende Tote pro Jahr alleine in Deutschland verantwortlich. Eine objektive Diskussion über einen technologisch sinnvollen Weg in die Zukunft der Mobilität ist angesichts solcher Behauptungen unmöglich. Dabei sollte gerade dies das wichtigste Ziel aller Beteiligten sein.

Eine generelle Verbannung des Diesels wäre verfehlt

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Natürlich sind Fahrzeuge mit einer illegalen Software, welche nur bei einem Prüfstandbetrieb niedrigere Emissionen erzeugt, inakzeptabel. Dies betrifft jedoch ausschließlich Fahrzeuge, deren Entwicklung schon vor über zwölf bis 15 Jahren begann. Eine generelle Verbannung des Diesels ist daher verfehlt.

Es ist gut, dass die neueste Realemissions-Gesetzgebung in diesem Jahr startet und die letzte Flanke der Stickoxide (NOx) längst geschlossen ist. Die verfügbare Dieseltechnologie ist entwickelt, ebenso die hierfür benötigte komplexe Messtechnik. Europa verfügt somit über die anspruchsvollste Gesetzgebung. Dieser Schritt war eine riesige Herausforderung!

Der Diesel hat großes Potenzial als Teil eines modernen Mobilitätskonzepts

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Mit Ausnahme der Herausforderung NOx unterbieten Dieselfahrzeuge seit circa zehn Jahren sämtliche Emissionswerte wie Partikel oder Kohlenmonoxid auf der Straße nicht nur deutlich, sie sind sogar unter vielen Betriebszuständen schon lange quasi immissionsneutral unterwegs. Dies zeigt das Potenzial des Diesels als wichtiger Teil der gesellschaftlichen Mobilität.

Dass gerade die NOx-Emissionen von Euro-5-Fahrzeugen im Realbetrieb erhöht bei über 500 Milligramm pro Kilometer liegen, war im Wesentlichen der Tribut an die verfügbare Technik und kein Betrug oder illegal. Der Partikelfilter benötigt schlicht zum sicheren Betrieb hohe NO2-Emissionen!

Kritikwürdig war die Strategie, den Verbrauch maximal zu reduzieren, was zu kaltem Abgas führt. Dies führt bei den Euro-6-Fahrzeugen der ersten Generation mit Adblue mit der temperaturempfindlichen Abgasnachbehandlung schnell zu Emissionen von mehr als 500 Milligramm pro Kilometer. Eine Vorgabe von 80 Milligramm pro Kilometer im Realbetrieb war bei Euro 6 der ersten Generation noch nicht umsetzbar. Hierzu bedurfte es weiterer Schritte, in die Ersterfahrungen mit wenigen US-Fahrzeugen mit Niedrigemissionstechnologien eingeflossen sind.

Die modernsten Diesel sind eine wichtige Technologie zur Reduktion von CO²-Emissionen

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Diese Entwicklung wurde nun mit dem modernsten Euro-6-Diesel der zweiten Generation umgesetzt. Er unterbietet den Grenzwert von 80 Milligramm im Realbetrieb in typischen relevanten Betriebszuständen deutlich. Dies zeigen Messungen der Deutschen Umwelthilfe, der Dekra oder des KIT eindrücklich.

Zudem bewirken wichtige Software-Updates, die aktuell ausgerollt werden, auch bei Euro-6-Fahrzeugen der ersten Generation mit Adblue eine Reduzierung der NOx-Emissionen um 50 bis 80 Prozent bei geringem Mehrverbrauch. Ein zukünftiger Austausch sämtlicher Diesel-Pkw durch diese modernste, bereits zu erwerbende Technologiestufe entkräftet jedes pauschale Argument gegen die Dieseltechnologie aus Immissionsgründen. Gerade der hohe Wirkungsgrad mit dem geringen CO2-Ausstoß macht den Diesel zu einer wichtigen Technologie bei der Reduzierung der CO2-Emissionen.

Die Zahl der vorzeitigen Todesfälle durch Feinstaub ist widersprüchlich

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Nun heizen exorbitante Todeszahlen wie die von der Europäischen Umweltagentur EEA genannten 10 610 vorzeitigen Todesfälle pro Jahr durch NO2 die Debatte über den Diesel zusätzlich an. Laut offiziellem EEA-Bericht sind in Deutschland 868 700 verlorene Lebensjahre durch Feinstaub und NO2 zu beklagen. Gespiegelt an offiziell insgesamt 4,6 Millionen jährlich verlorenen Lebensjahren in Deutschland durch Herz-Kreislauf-Lungenleiden wäre etwa jedes fünfte verlorene Lebensjahr durch die Luftqualität bedingt.

Dies steht im unerklärlichen Widerspruch zu allen Aussagen der Medizin bezüglich der Gefahr von Bluthochdruck, Zigaretten oder anderen Einflüssen, denen jeweils ein etwa tausendfach höheres Risikopotenzial zugeordnet wird als der Luftqualität. Hat sich die EEA also um den Faktor 1000 bis 10 000 verrechnet? Eine vernünftige analytische und sachliche Analyse scheint in diesen Tagen jedoch unmöglich.

Die aktuelle Kritik am Diesel ist maßlos und tendenziös

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Eine weitere Reduzierung der NO2-Immissionswerte ist wichtig und im vollen Gange, um jedes Risiko eines nachteiligen Einflusses auf die Gesundheit komplett zu eliminieren. 2014 waren noch 149 Messstationen NO2-seitig erhöht, 2016 nur noch 63. Die neuen Technologien wirken.

Die Diskussion führt in einer für die Umwelt dienlichen Weise zu einer begrüßenswerten, noch schnelleren Reduzierung der NO2-Immissionswerte. Eine Frage wird jedoch immer offensichtlicher: Wem nutzt eigentlich die mittlerweile maßlose Argumentation gegen den dieselmotorischen Antrieb?

5 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Heinrich Maiworm
    "Wem nutzt eigentlich die mittlerweile maßlose Argumentation gegen den dieselmotorischen Antrieb?" Zwei Ideen hätte ich: China würde uns gerne mit preiswerten Elektroautos überschwemmen, die USA mit beim Fracking in grossen Mengen anfallendem Erdgas. Beide sind in der Lage, unsere öffentliche Diskussion in ihrem Sinn zu beeinflussen.
  2. von Markus Spiekermann
    Nicht der fortgesetzte Betrug am Kunden oder etwaige Strafen durch Behörden bringen das Ende des Diesels als Antrieb für die Massen. Stattdessen werden der Preisverfall bei erneuerbaren Energien (PV - 90% seit 1990) und Batterien, die Digitalisierung und geringere Komplexität von e-Autos einen grossen wirtschaftlichen Druck aufbauen. Der Diesel wird preislich insb. in Kleinwagen / Mittelkassewagen schlicht zu teuer.
    1. von Markus Berinig
      Antwort auf den Beitrag von Markus Spiekermann 05.08.2017, 14:51:25
      Rein theoretisch ist Ihren Aussagen zuzustimmen. Praktisch aber sind sie widerlegbar.
      Einen Preisverfall bei Windkraft und Solarstrom, die derzeit, bei voller Verfügbarkeit, unseren Energiebedarf nur zu ca. 2 % decken (und an mehr als einem Monat im Jahr zu gleich oder fast 0%) kann man nicht erkennen. Gigantische Milliardensubventionen wurden versenkt, dazu ein Raubbau an emissionsfreien Kraftwerken (Kernkraft) und eine Zerstörung der wirtschaftlichen Basis für Gaskraftwerke (die daher, anders als alte Braunkohlekraftwerke, vom Markt verschwinden). Als Treppenwitz wird der deutsche Strombedarf in Dunkelflauten oder windarmen Zeiten von französischen Kernkraftwerken (!) gedeckt, die deutsche Kernkraft also nur ins Ausland verlagert, zusammen mit den daran hängenden Arbeitsplätzen und Umsätzen.

      Auch ist bis auf weiteres mit keinem Preisverfall bei Hochleistungsbatterien zu rechnen. Das weltweit verfügbare Lithium reichte nicht einmal aus, den Bedarf Chinas zu decken, würde das Land auch nur zur Hälfte seine Autoverkäufe mit Batterieautos ausstatten.
      Als Antrieb für Autos, die sich schon als Neuwagen in einem preissensitiven Marktsegment bewegen, also insbesondere Kleinwagen, war der Diesel schon heute immer ein Nischenprodukt. Er wurde dort nie nachgefragt, folglich nicht angeboten.
      Letztlich hat der Markt also, solange ohne Eingriffe seitens der Politik, funktioniert. Ohne Not wird das nun zerschlagen. Gleiches hat die Politik schon bei der Energiewirtschaft getan, um das Gefallen einer elitären Minderheit zu erheischen. Die Automobilindustrie aber tangiert wesentlich mehr Menschen. Wer sie auf dem Altar einer grünlinken Hochmut opfern will, muß sich warm anziehen. Das Märchen der Kugel Eis glaubt man ihnen kein zweites Mal.
    2. von Harry P.
      Antwort auf den Beitrag von Markus Berinig 07.08.2017, 15:06:34
      Moooooment! Ich habe mich jetzt extra angemeldet, um zumindest die Aussage "Energiebedarf nur zu ca. 2% decken" stark anzuzweifeln. Haben Sie eine Quelle dafür? Allein die in Deutschland installierte Photovoltaik hat eine elektrische Nennleistung von 40GW und lieferte 2015 ca. 38TWh (von insgesamt 600TWh), was über 6% des _Bruttostromverbrauchs_ entspricht. Dazu kommt noch ein viel größerer Anteil der Windkraft. Der Bruttostromverbrauch wird derzeit zu fast einem Drittel (31,7% von erneuerbaren Energie gedeckt.
      Das Umweltbundesamt geht für 2016 von einem Anteil von 14,8% der Erneuerbaren am _Bruttoendenergieverbrauch_ aus: http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/372/bilder/anteil_ee_am_beev.png. Wikipedia schreibt immerhin von 12,5% am _Primärenergieverbauch_ :https://de.wikipedia.org/wiki/Bedarf_an_elektrischer_Energie#Deutschland
  3. von Frank Fidorra
    Die aktuelle Dieseldebatte trägt alle Anzeichen eines Hypes. Souveränes, gelassenes Handeln nach Abwägen aller Argumente sieht anders aus.

    Was ist das Ziel?
    Die Kriterien des Pariser Abkommens.

    Was ist zu tun, um dieses Ziel zu erreichen?
    Wir müssen die Verbrennung fossiler Brennstoffe drastisch einschränken und am Ende auf ein Minimum beschränken.

    Das betrifft den Diesel- genauso wie den Ottomotor und das geht noch weiter (Heizung, industrielle Energie).
    Mit anderen Worten: der Diesel spielt keine Sonderrolle, sondern sollte zusammen mit anderen Verbrennungsmotoren suzessive durch andere Antriebe ersetzt werden, die kompatibel mit erneuerbaren Energien sind. Das E-Motor/Batterie-System steht da z.B. in Konkurrenz zum E-Motor/Wasserstoff/Brennstoffzelle-System.

    Die Fokussierung auf den Dieselskandal zeigt m.E. nur, wie kurzatmig und hektisch unsere Politik agiert.