Sind Flüchtlinge ein Terror-Risiko? Das Narrativ der Terroristen muss durchbrochen werden

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Studienreferent BAKS - Bundesakademie für Sicherheitspolitik

Expertise:

Dr. Ulf Brüggemann arbeitete von 2004-2008 im Bundeskanzleramt. Heute ist er Studienreferent an der Bundesakademie für Sicherheitspolitk und befasst sich dort schwerpunktmäßig mit Terrorismus.

Vermeintlich einfache Lösungen wie eine radikale Umkehr in der Flüchtlingspolitik lenken bei der Terrorabwehr nur von den eigentlichen Aufgaben ab. Die Flüchtlingsaufnahme unterläuft die IS Propaganda und ist somit eine Chance im Kampf gegen den Terror. 

Würzburg und Ansbach im Sommer, ein knapp verhindertes Sprengstoffattentat im Herbst, dann der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz – in allen Fällen waren Täter Flüchtlinge, die erst kürzlich in Deutschland Aufnahme gefunden hatten. Die öffentliche Diskussion, gerade in den sozialen Medien, ist entsprechend aufgeheizt. Tote und Verletzte werden Bundeskanzlerin Merkel persönlich angelastet, die mit der Öffnung der Grenzen für syrische Flüchtlinge im Sommer 2015 erst die Voraussetzungen für den Terrorismus bei uns geschaffen habe.

Über Attentäter verfügt der IS auf absehbare Zeit genug - auch ohne Flüchtlinge

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Dahinter steckt die schlichte Logik: keine Flüchtlinge, keine Anschläge. Die Forderung lautet demnach, keine oder möglichst wenige Flüchtlinge ins Land zu lassen. Doch diese Schlussfolgerung springt zu kurz. Der Islamische Staat (IS) hat sich einzelner Flüchtlinge bedient, das ist richtig, aber es ist ein Irrglaube zu denken, er sei auf diese angewiesen. Allein die Zahl der europäischen Kämpfer des IS geht in die Tausende, hinzu kommen weitere erkannte Gefährder bzw. eine unbekannte Zahl an Personen, die die Ziele des IS unterstützen, aber bisher nicht entsprechend auffällig geworden sind. Bouhlel, der Fahrer des Lastwagens in Nizza, gehörte zum Beispiel zu diesem Kreis. Und wir dürfen uns nicht nur auf Deutschland fokussieren, sondern müssen den gesamten Schengen-Raum im Blick haben. Die Täter von Paris oder Brüssel hätten ebenso gut nach Köln fahren können, um dort ihre Bomben zu zünden. Über Attentäter verfügt der IS auf absehbare Zeit genug.

Der Narrativ der Terroristen muss durchbrochen werden

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Zu denken geben, sollte uns vielmehr die Tatsache, dass es den Terroristen seit Jahren gelingt, andere von ihrer Sicht der Welt zu überzeugen und somit beständig Nachwuchs zu generieren. Danach sei es in Wahrheit der Westen, der gegen den Islam Krieg führe, die Anschläge der Terroristen seien nur die Gegenwehr. Als Belege hierfür dienen etwa die beiden letzten Kriege gegen den Irak, die Luftangriffe der internationalen Militärkoalition in Syrien auf den IS, bei denen es auch zu zivilen Opfern kommt, oder eben die Indifferenz, wenn es um Tod und Leiden in Syrien und dem Jemen geht. Für die westlichen Länder zählen, so die Sicht der Jihadisten und ihrer Sympathisanten, Tote nur dann, wenn sie auch aus dem Westen kommen.

Egal, wie verzerrt dieses Bild sein mag, wenn es langfristig nicht immer neue Anschläge geben soll, muss es gelingen, diesen Narrativ zu durchbrechen, die Attentäter wachsen sonst einfach nach. Das ist eine Gratwanderung, denn natürlich können wir aus Angst, Argumente für Gewalt zu liefern, unsere Politik nicht von islamistischen Extremisten diktieren lassen. Sehr hilfreich wäre es aber, dieses Bild nicht noch unnötigerweise zu bestätigen. Bei 4,7 Millionen Moslems in diesem Land ist zum Beispiel die Debatte darüber, ob der Islam zu Deutschland gehöre, abwegig und kann nur als Ausgrenzung wahrgenommen werden. Genauso dürfen wir nicht einfach wegsehen, wenn es um die Opfer einer humanitären Katastrophe wie dem syrischen Bürgerkrieg geht, sondern sollten durch Hilfe in der Region wie auch durch Aufnahme von Flüchtlingen beweisen, dass uns Menschen nicht dann egal werden, wenn es Moslems sind.

Eine großzügige Flüchtlingsaufnahme unterläuft die IS Propaganda 

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Dies gilt umso mehr, als der Anteil der Terroristen an den Flüchtlingen im Promillebereich liegt. Hunderttausende ihrem ungewissen Schicksal zu überlassen, um die Einreise eines potenziellen Terroristen zu verhindern, nährt die Propaganda von IS und anderen und schafft in der Konsequenz neue Terroristen, genau das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung. Umgekehrt entspricht großzügige und für jedermann erkennbare Hilfe nicht nur den Werten unseres Gemeinwesens, sie unterläuft diese Propaganda auch.

Mehr Videoüberwachung wäre ein Schritt zu mehr Sicherheit 

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Allerdings, mit humanitären Maßnahmen alleine ist es nicht getan. Die terroristische Bedrohung ist da, also müssen wir im Bereich der unmittelbaren Sicherheitsvorsorge unsere Hausaufgaben machen. Zwei Beispiele: Die deutsche Sicherheitsarchitektur ist auf Grund der föderalen Struktur durch zahlreiche Verantwortlichkeiten und entsprechend viele Schnittstellen gekennzeichnet. Genauso wie Verteidigung sollte auch innere Sicherheit vor allem eine bundesstaatliche Aufgabe sein. Die Vorschläge von Innenminister de Maizière gehen deshalb in die richtige Richtung. Zum zweiten sollte die Videoüberwachung ausgebaut werden. Dass wir Bilder aus Lyon und Turin haben, die uns den Fluchtweg von Amri zeigen, aber keine Videoaufzeichnungen vom Berliner Weihnachtsmarkt oder dessen Umgebung spricht für sich. Solche Bilder sind wichtig, sie können zum Beispiel zeigen, dass ein Attentäter mit anderen Personen Kontakt hatte oder auf sich allein gestellt war. Das beliebte Gegenargument, dass Videoüberwachung keine Anschläge verhindere, geht fehl; wenn man ideologisch motivierte Massenmörder oder deren Helfer auf Grund von Videoaufzeichnungen findet, verhindert man auch künftige Anschläge dieser Personen.

Der Fall Amri wirft weitere Fragen auf, zum Beispiel nach der Durchsetzung längst vorhandener rechtlicher Möglichkeiten, wie Meldeauflagen, Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber usw. Es sind jetzt vor allem diese praktischen, den Behördenalltag betreffenden Probleme, denen wir uns zuwenden müssen. Vermeintlich einfache Lösungen wie eine radikale Umkehr in der Flüchtlingspolitik lenken dagegen von den eigentlichen Aufgaben nur ab. 

Der Artikel gibt die Meinung des Autors, nicht der BAKS wider

28 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Thomas Hellerberger
    Deutschland benötigt keine Einwanderung - kein Land der Welt "braucht" Einwanderer.
    Es sind stets nur gewisse Kreise und Minderheiten im Land, die Zuwanderung brauchen, wollen oder antreiben.

    Deutschland hat zu keinem Zeitpunkt seiner Existenz den Islam, seinen Import per Zuwanderung oder Misionierung oder die daran gebundene Kultur gebraucht. Es ist dadurch auch nicht bereichert worden, vielmehr haben die Muslime in Deutschland zu einer allgemeinen Senkung der Lebensqualität gesorgt.
    Eine derartige Äußerung wie vorstehend wird im sozialen Kontext, in dem sich der TAGESSPIEGEL bewegt, allgemein geächtet. Hier gilt: Kulturrelativismus und Fremdenaffinität werden als Ausdruck besonderer Progessivität angesehen. Doch dahinter steckt weder eine Neugier auf den Islam, andere Kulturen noch die Bereitschaft, die Konsequenzen von Multikulturalität auch zu ertragen.
    Zuwanderer gelten vielmehr als Allheilmittel, um unseren auf Hedonismus und Kinderarmut aufbauen Lebensstil weiterführen zu können. Um die Zuwanderer oder ihre Kulturen als solches geht es nie, sie sind Mittel zum Zweck, um Partikularinteressen gegen die Mehrheitsgesellschaft durchsetzen zu können, also einen asozialen Lebensstil. Um die dabei auftretenden Kollateralschäden, zu denen auch der importierte Islam-Terrorismus gehört, rechtfertigen zu können, wird darum herum ein moralisches Konstrukt aus Supertoleranz, Kulturrelativismus und einer Abwertung der Authochthonen gebaut.
    Der Text von Ulf Brüggemann fügt sich nahtlos in diesen Reigen, denn er bemüht sich noch nicht mal in Ansätzen, zu erklären, WARUM die Deutschen ihr Land zur Einwanderung freigeben sollen. Denn selbstverständlich wird ein Schuh daraus: Ohne Muslime kein muslimischer Terror. Mag sein, daß es auch solchen von Einheimischen gibt. Das aber sind unsere Probleme, nicht die der Araber. Deren Probleme sind deren, sie gehen uns nichts an - und wir können sie auch nicht lösen. Das ist deren Aufgabe, die sie lösen müssen - oder untergehen.
    1. von Zacha Zachowski
      Antwort auf den Beitrag von Thomas Hellerberger 13.01.2017, 14:11:44
      Abgesehen davon, dass Sie eine Spur zu sehr verallgemeinern (es gibt auch viele muslimische Einwanderer die gut integriert sind, den Lebensstandard heben und das Land bereichern), ist meiner Ansicht nach (leider) ihr Kommentar in weiten Teilen und summierend über die Gesamtheit gesehen treffend.

      Für den Einzelnen mag das immer anders aussehen - aber bei einem Beitrag wie diesem Artikel, der für noch mehr Zuwanderung wirbt, muss man so eine Summierung zulassen, denn dort wird auch nicht von selektiver Zuwanderung, also gezielten Einzelfällen, gesprochen, sondern allgemein.
    2. von Thomas Hellerberger
      Antwort auf den Beitrag von Zacha Zachowski 13.01.2017, 15:05:31
      Ingesamt stimmt was Sie sagen, aber ich halte "Integration" nicht für nicht ausreichend. Einwanderungsgesellschaften, die von ihren Zuwanderern keine Assimilation erzwungen haben, sondern sich mit oberflächlicher Einfügung - sprich Integration - begnügt haben, sind in der Geschichte immer untergegangen.
      Schauen Sie sich dazu die USA an. Dort, wo Assimilation stattfand - bei den Weißen untereinander - gibt es keinen Rassismus und es fand und findet sozialer Aufstieg statt, bzw. ist möglich. Bei den Schwarzen fand die Assimilation aus div. Gründen nie statt, die Latinos lehnen sie ab - und bilden in den USA das Lumpenproletariat ohne reale Aufstiegschancen außerhalb von Sport, Popmusik und Kriminalität. Einzelfälle wie Barack Omaba, Beyonce Knowles oder Mario Rubio ändern nichts daran, daß über eine Million männliche US-Schwarze im Gefängnis sitzen - und meist nicht, weil die Weißen schuld sind, oder 8 Millionen Latinos, dieillegal ins Land gekommen sind und deswegen kaum je etwas anders tun werden als Kartoffeln zu ernten oder Rasen zu mähen. Natürlich hat die (weiße) Mittelschicht dadurch billge Gärtner oder Handlanger, bezahlt das aber mit massiver Kriminalität und großen No-Go-Areas. Das eine gibt es ohne das andere nicht. So hart es klingt - aber den Döner bekommen Sie nicht ohne den Salafisten. Wenn Ihnen der Döner das wert ist - alles gut. Wenn nicht...
    3. von Anna Sauerbrey
      Antwort auf den Beitrag von Thomas Hellerberger 13.01.2017, 14:11:44
      Sehr geehrter Herr Hellerberger, Ihre Aussage, "die Muslime in Deutschland" hätten zu "einer allgemeinen Senkung der Lebensqualität" geführt, ist pauschal herabsetzend. Bitte achten Sie darauf, unsere Richtlinien einzuhalten: https://causa.tagesspiegel.de/community_richtlinien.html Dankeschön! Anna Sauerbrey für die Redaktion.
    4. von Thomas Hellerberger
      Antwort auf den Beitrag von Anna Sauerbrey 13.01.2017, 16:31:17
      Liebe Frau Sauerbrey, mir ist bewußt, daß wir hier nicht bei "Achgut" oder Roland Tichy sind, insofern möchte Ihren Blog nicht mißbrauchen, stehe aber inhaltlich zu meiner Aussage. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, daß Muslime in Deutschland "rechte" Deutsche wie mich (oder Nicht-Muslime allgemein) für eine klare Einschränkung ihrer Lebensqualität halten, da sie so massenhaft mit Menschen umgeben sind, die für sie Ungläubige, sittenlos und ehrlos sind. Insoweit kann ich jeden Muslim verstehen, der Deutsche nicht ausstehen kann. Die Frage wäre dann doch eher: Warum sind wir gezwungen, in einem Land zu leben? Muß die ganze Welt an einem Ort zusammenleben müssen? Muß man das auch noch fördern? Ab wann wird der Selbstverzicht des einzelnen, der Subgruppen, den multikulturelle Gesellschaften bedingen, zur Selbstverleugnung, und sublimiert zu Aggressionen und Gewalt?
      So wie es Menschen gibt wie Sie - ich antizipiere Sie als eine Journalisten mit deutlich grünlinker Affinität - die den Islam für akzeptabel, wenn nicht gar bereichernd halten und wollen, daß die Muslime, auch in dieser Zahl, hier leben und es auch gerne noch mehr sein dürfen, so gibt es welche, die nicht dieser Ansicht sind. Ich lehne den Islam oder die Kultur des Orients als solches keineswegs ab, will keinen Kreuzzug oder eine Verwestlichung des Muslime. Aber sie sind wie sie sind und wir sind wie wir sind, es paßt nirgendwo auf der Welt zwischen Muslimen und Nichtmuslimen. Daher will ich auch keine Muslime in Deutschland. Auch wir supertoleranten, selbstlosen Deutschen werden das nicht erzwingen können, es sei denn um den Preis der Selbstaufgabe. Wenn es aber jemand anders sieht, gut. Und natürlich, Ihre Richtlinien gelten. Wenn mein Kommentar für Sie unakzeptabel ist, dann löschen Sie ihn. Man muß nicht jede Meinung tolerieren, das gilt selbstverständlich in beide Richtungen. MfG
    5. von Frank Fidorra
      Antwort auf den Beitrag von Thomas Hellerberger 13.01.2017, 14:11:44
      In Ihrem Kommentar gibt es viele wahre Punkte, wie z.B. "wir brauchen den Islam in Deutschland nicht". Das ist natürlich richtig, soweit Sie mit "Wir" die christlichen "Ur-Deutschen" meinen.

      Aber da fängt das Problem schon an. Denn die Realität ist, dass wir bereits viele Muslime in Deutschland haben, die zumeist wohl integriert sind. Das Wort "assimiliert" möchte ich nicht verwenden, da nicht klar definiert.

      Auch ist es unrealistisch, Deutschland, bzw. heutzutage die EU gegen alle Muslime abzuschotten und sie nach Trump'scher Vision "draußen zu halten". Wir leben in einer offenen, freien Gesellschaft, und solange das so ist, werden wir auch Muslime in unserem Land haben.

      Die Alternative wäre, die offene, freie Gesellschaft aufzugeben, aber bevor wir das tun, sollten wir uns fragen, ob das nicht genau die Absicht der Terroristen ist.
    6. von Thomas Hellerberger
      Antwort auf den Beitrag von Frank Fidorra 13.01.2017, 17:59:11
      Ich sehe es umgekehrt. Assimilation ist klar, Integration dagegen ein bewußt schwammiger bis nichtssagender Begriff. Assimilation bedeuet. "Wie die anderen werden". Das funktioniert natürlich nur kulturell, ein Joruba oder Mogole wird nicht zum blond-blauäugigen Nordeuropäer, egal wie er sich anstrengt. Assimiltation bedeutet Aufgabe der familiär erworbenen Kultur und Ananhme der neuen, was die Sprache beinhaltet. In der Regel überfordert dies jeden Einwanderer, insbesondere wenn seine tradierte der neuen Kultur divergent oder sehr verschieden ist, doch es kann schon ein Holländer daran scheitern, sich in Deutschland zu assimilieren. Insoweit findet Assimilation immer erst in der 2. Generation statt - dann muß sie aber stattgefunden haben, sonst kommt sie nicht mehr, denn andernfalls haben sich längst Parallelgemeinschaften entwickelt, die dem Gastland so fern stehen wie das Herkunftsland. Weite Teile von Berlin-Wedding fallen unter diese Kategorie, auch Neukölln hat vieler solcher Viertel. Kommt es aber bei den Migranten auf breiter Front zu dieser Assimilation, so wird sie zum Normalfall und der Migrant nicht mehr zur Bedrohung oder Störung, weil man ja weiß, er und seine Kinder werden "einer von uns".
      Integration ist ein anderes Konzept. Es verlangt und will nur eine oberflächliche Anpassung, Gesetzesbefolgung reicht i.d.R., ansonsten kann jeder der Ausländer bleiben, als der er kam, und seine Kinder und Enkel auch. Dieses Konzept ist gescheitert, der Raum reicht nicht, das zu begründen, aber ich verweise der Kürze halber auf Herrn Buschkowsky. Das Konzept existiert nur, weil wir Deutschen an sich glauben, daß unsere Kultur aufgrund der Nazi-Zeit nichts wert ist. Eigentlich wöllen wir weder deutsch noch Deutsche sein. Und so hoffen wir, daß die Einwanderer uns entdeutschen - und je mehr kommen, umso besser. Eine Minderheit hat dies als Teil der deutschen Staatsräson durchgesetzt. Und verteidigt es nun mit aller Härte. Die Syrer sind ihnen dabei hochwillkommen.
    7. von Frank Fidorra
      Antwort auf den Beitrag von Thomas Hellerberger 13.01.2017, 19:38:17
      Klingen erst mal plausibel, Ihre Definitionen von Assimilation und Integration. Sie sind aber in der Praxis schwer anwendbar. "Wie die anderen werden": ist der Ostfriese wie der Bayer, ist der Saarländer wie der Sachse? Sind die Französisch sprechenden Kanadier in ihrem Land nicht assimiliert? Dürfen Deutsche Muslime sein? Wie anders sind türkischstämmige Deutsche im Wedding gegenüber den Unterschieden zwischen Württembergern und Berlinern?

      Das Leben ist bunt. Insofern sehe ich Assimilation und Integration eher als Prozesse, denn als Zustände. Es gibt nicht den Tag, an dem man sagen kann, die oder der ist nun integriert. Das führt zu der Debatte um die Grundwerte, Mindestvoraussetzungen also, die ein Zuwanderer erfüllen muss, um hier bleiben zu können. Diese Debatte ist sinnvoll und wichtig, sie sollte aber mit Augenmaß geführt werden. Es kann nicht darum gehen, aus Migranten die "deutscheren Deutschen" zu machen.

      Im letzten Abschnitt Ihres Beitrages argumentieren Sie leider mit Unterstellungen. Warum glauben Sie, dass Menschen, die Flüchtlinge aufnehmen wollen, damit Deutschland "abschaffen" wollen? Um die Debatte nicht zu polarisieren, werde ich das hier nicht vertiefen.

      Worum es MIR geht, ist Menschlichkeit. Menschen z.B. aus Syrien sind zumeist in purer, existenzieller Not. Diesen Menschen zu helfen, Ihnen Schutz zu gewähren, entspricht m.E. unseren humanitären Grundwerten, auf denen auch unsere Solidargemeinschaft in Deutschland beruht. Als Deutscher fühle ich mich diesen Grundwerten verpflichtet.
  2. von Max Mustermann1
    Ich sehe das anders als der Autor.

    Erstens denke ich, dass vor allem die Anwesenheit vieler chancenloser junger Männer Risiken birgt, vor allem, wenn diese keine Frau und keine Arbeit finden. Dieses Problem bringen die Migranten nach Deutschland mit.

    Zweitens ist das nicht zu Ende gedacht. Der Nachschub an Fluchtwilligen ist ja unendlich, d.h. durch eine liberale Flüchtlingspolitik kommen mehr, und mehr und mehr... und dann? Dann muss man am Ende ohnehin von der Willkommenskultur abrücken - dann aber mit einer größeren Zahl unzufriedener junger Männer im Land. Das Ergebnis ist dann schlechter, als wenn man gleich die Grenze gesichert hätte.
  3. von Markus Müller
    Für die Neue Rechte,die sich seit Jahren formiert,ist die Flüchtlingskrise ein Himmelsgeschenk,dessen Wahrheiten sich so wunderbar und schnell verdrehen lassen,weil das Fremde immer angstbesetzt daherkommt für bestimmte Personen in der Gesellschaft.Ich habe von Anfang an gesagt,dass die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen eine freundschaftsbildende Maßnahme ist.Man bracuht nicht zu glauben,dass die Menschen,die da kommen undankbar wären.Leute die kriminell werden,weil sie ungeduldig sind,oder Chaos und Fehler bei der Aufnahme hier in Deutschland erleben,die müssen mit Ausweisung rechnen,denn darauf muss jeder der Kommt gefasst sein und sich in geduld üben.Bei den meisten Flüchtlingen gibt es da auch überhaupt kein Problem.
    1. von Thomas Hellerberger
      Antwort auf den Beitrag von Markus Müller 13.01.2017, 11:11:01
      Das begründet nicht, warum wir zu Kosten, die das doppelte des Verteidigungsetas betragen, überhaupt Muslime zuwandern lassen sollten. Erst recht solche, die weder Wissen, noch Kapital noch kulturelle Kompatibilität mitbringen
    2. von Markus Müller
      Antwort auf den Beitrag von Thomas Hellerberger 13.01.2017, 14:15:02
      Der Grund war die Aufnahme von KRIEGSFLÜCHTLINGEN!
      Dass diese Menschewn Muslime sind ist mir z.B. völlig gleichgültig,da ich die Religion nicht wie andere dazu benutze abzugrenzen und Vorurteile zu schüren und diese für politische Zwecke zu mißbrauchen.Einfach mal helfen,wenn es angesagt ist und nicht nur,wenn es einem gerade in den Kram passt,weil man sich damit schmücken kann oder daran verdient.
    3. von Zacha Zachowski
      Antwort auf den Beitrag von Markus Müller 13.01.2017, 14:31:10
      @MM: Wie wäre denn ihre Begründung, dass ein Kriegsflüchtling ein Privileg hat das sonst niemand hat, nämlich sich frei auf der Welt sein Aufnahmeland das sich dann um seine Integration in dieses Land zu kümmern hat auszuwählen?
    4. von Markus Müller
      Antwort auf den Beitrag von Zacha Zachowski 13.01.2017, 15:01:28
      Interessieren Sie deren "Privilegien",wenn sie zu 3 Millionen in der Türkei in Flüchtlingslagern zusammengefercht in Zelten leben müssen?Die Syrischen Flüchtlinge gehen verständlicherweise lieber in ein Land,in dem sie willkommen sind,als in ein Land,das zufällig nebenan liegt,sie aber wie Dreck behandelt.Wem kann man das verdenken.Und wenn sich unsere Europäischen Nachbarn nicht so erbärmlich aus der Affäre gezogen hätten,dann wären die Flüchtlinge fair verteilt worden und dagegen hätte bestimmt keiner von ihnen etwas gehabt.
  4. von Günter Gladis
    In der Tat!
    Wir sollten uns davon verabschieden, - wie seinerzeit bei den türkischen Gastarbeitern,- dass alle Geflüchteten wieder in ihre Heimatländer zurück gehen werden.
    Das heißt, wir müssten ein Integrations- und Ansiedlungskonzept für die Zukunft entwickeln.
    Und da ein solches Konzept für die zukünftigen Problemregionen der Braunkohle noch aussteht, scheint mir hier eine Kombination möglich.
    Vorbild:
    Der Alte Fritz und seine Hugenotten.
    Vom Alten Fritz lernen, heißt für unsere Regierenden, Zukunft lernen!
    1. von Thomas Hellerberger
      Antwort auf den Beitrag von Günter Gladis 13.01.2017, 11:03:14
      Für die Hugenotten waren die Alt-Märker weder "Kuffar" noch kamen ausschließlich Männer. Sie konnten sogar sofort in die gleichen Gotteshäuder wie die Einheimischen gehen. Es ist auch nicht bekannt, daß Preußen für die Hugenotten mehr Geld als für sein Militär ausgeben mußte, oder riesige Wohnbauprogamme für sie aufzulegen hatte. Es hat sie als das behandelt, was sie waren: Einwanderer. So verstanden sie sich, so benahmen sie sich. Oder haben sie zu 10000den Klagen gegen das preußische Königshaus geführt, um von diesen umsonst mit Brot und Milch versorgt zu werden?
    2. von Frank Fidorra
      Antwort auf den Beitrag von Thomas Hellerberger 13.01.2017, 14:19:11
      Sie sollten die Analogie nicht überstrapazieren. Natürlich ist die Integration von >1 Mio zumeist muslimischen Flüchtlingen heute eine andere Nummer, als die Aufnahme einiger 1000 Hugenottenfamilien damals in Preußen. Trotzdem hat Herr Gladis Recht, wenn er sagt, an Platz und finanziellen Möglichkeiten sollte es nicht scheitern.
  5. von Zacha Zachowski
    Noch mal kurz und polemisch: der Autor glaubt, wenn wir uns in jeder Hinsicht nur genug als "gute Menschen" darstellen, wird uns keiner was tun.
    Man stelle sich eine Demonstration vor, aus der einzelne Gewalttaten begehen - seine Theorie nach müsste die Polizei einfach nur alle Schutzmittel ablegen und die Demonstranten umarmen, und schon wäre alles Friede Freude Eierkuchen.
    Das ist doch eine Traumwelt, die des "Gutmenschen".
    1. von Frank Fidorra
      Antwort auf den Beitrag von Zacha Zachowski 13.01.2017, 10:40:58
      Ihre Konsequenz wäre daher, Demonstartionen zu verbieten?
      Das wäre jedenfalls die Analogie zu ihrer empfohlenen Flüchtlingspolitik.
    2. von Zacha Zachowski
      Antwort auf den Beitrag von Frank Fidorra 13.01.2017, 10:57:58
      Wo steht etwas über "meine empfohlene Flüchtlingspolitik"? Ich seh da nichts in meinem Kommentar. Daher weiß ich nicht worauf Sie sich beziehen wollen.
    3. von Frank Fidorra
      Antwort auf den Beitrag von Zacha Zachowski 13.01.2017, 14:57:12
      Siehe a) bis d) in Ihrem Beitrag unten.
    4. von Zacha Zachowski
      Antwort auf den Beitrag von Frank Fidorra 13.01.2017, 17:28:41
      Keiner der dortigen Punkte hat auch nur irgendwas mit Demonstrationsverboten hierzulande zu tun. Falls Sie anderer Ansicht sind, bitte erklären Sie das an einem Beispiel.
    5. von Frank Fidorra
      Antwort auf den Beitrag von Zacha Zachowski 14.01.2017, 17:05:01
      Nein, aber wenn Sie Ihre beiden Beiträge kombinieren, wobei der obige ja nach Ihrer Aussage eine Zuspitzung des unteren ist, dann schon (bitte korrigieren Sie mich, wo ich falsch liege):
      - Sie sagen unten, dass Sie gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sind (insbesondere unter d)).
      - Sie erklären Ihre Ansicht zur Flüchtlingspolitik anschaulich am Beispiel einer Demonstation mit einzelnen Gewalttätern, wo sich die Polizei ja auch nicht entwaffnet und den Tätern freien Lauf lässt.

      Aus dem zweiten Punkt würde ICH schließen, dass man potentielle Gewalttäter unter Flüchtlingen (Demonstanten) finden, isolieren und festsetzen muss, bevor sie weiteren Schaden anrichten.

      Da Sie jedoch (erster Punkt) die Aufnahme von Flüchtlingen per se ablehnen (so hatte ich Sie verstanden), folgt aus dem zweiten Punkt, dass Sie Demonstartionen ablehnen müssten, weil es unter Demonstranten potentielle Gewalttäter gibt.

      Ich wollte Sie lediglich auf diese Inkonsistenz Ihrer Zuspitzung hinweisen.
  6. von Zacha Zachowski
    Das Argument, der IS habe ohnehin genügen potentielle Terroristen in Deutschland, also ist es relativ egal ob man diese Anzahl weiter erhöht, ist äußerst schwach.

    Das die IS Propaganda zu widerlegen ein wichtiger Teil im Kampf gegen den Terror ist, mag wahr sein. Deshalb aber Millionen von Moslems (und damit, wenn der Anteil wie der Autor schreibt wirklich wortwörtlich im "Promillebereich" liegt, tausende von Terroristen), aufzunehmen und hierzulande zu versorgen ist natürlich Unsinn. Vielmehr ist das Narrativ zu durchbrechen indem
    a) vermeidbare militärische Konflikte vermieden werden (Irak).
    b) Den Grund für Unvermeidbarkeit auf verständliche Weise selbst der betroffenen Bevölkerung klar machen.
    c) Den Menschen die in größte Not sind IN IHRER REGION helfen und darüber reden.
    d) Mit Selbstzerfleischung aufhören wo und wie man denn noch überall helfen müsste und man so unmenschlich wäre wenn man da nicht auch hilft.
    Die Aufnahme von Flüchtlingen kann diesbezüglich sogar schädlich sein - wenn die Integration nicht gelingt kann der IS behaupten die Menschen würden hier ausgegrenzt und ausgebeutet und sonst was. Davon, dass es dann irgendwann hier kracht (Stichworte Brandanschläge, Drogenhandel, Sylvester15/16 etc.) und wie das ausgeschlachtet werden kann ganz abgesehen.

    Daher ist die Argumentation des Autors nicht schlüssig. Seine empfohlene Handlungsweise hat wahrscheinlich den gegenteiligen Effekt den er beabsichtigt. Von den massiven Nebenwirkungen, über die er gar nicht spricht, ganz zu schweigen.
  7. von Frank Fidorra
    Ein richtiger und wichtiger Artikel.
    Bis auf eine Kleinigkeit:

    Zitat: ...in allen Fällen waren Täter Flüchtlinge, die erst kürzlich in Deutschland Aufnahme gefunden hatten...

    Der Attentäter von Berlin war schon lange in der EU, allein 4 Jahre in Italien im Gefängnis.
    1. von Thomas Hellerberger
      Antwort auf den Beitrag von Frank Fidorra 13.01.2017, 10:15:10
      Aber auch er kam als "Flüchtling" wanderte über die Asylschiene ein. Anders wäre er nie reingekommen, dafür heute noch am Leben, seine 13 Mordopfer auch noch, und hätte nie eine Bombe in Berlin hochgehen lassen, noch jemanden erschossen.
    2. von Frank Fidorra
      Antwort auf den Beitrag von Thomas Hellerberger 13.01.2017, 14:21:23
      Ja, es gibt Flüchtlinge, die sind kriminell. Unbestritten. Genauso, wie es kriminelle Deutsche gibt. Aber es gibt auch tausende Menschen, die im Mittelmeer ertrinken, die in Griechenland hungern oder erfrieren oder die in ihren Heimatländern erschossen, von Trümmern verschüttet oder zu Tode gefoltert werden. Am Ende muss jeder abwägen, was er hier für richtig und angemessen hält.

      Wie der Autor schon schrieb, der Terror ist auf die Flüchtlinge nicht angewiesen, auch das ist ein Faktum. Wer weiß also, was passiert wäre, wenn jemand anderes "aktiviert" worden wäre, als der aktuelle Täter von Berlin.
    3. von Administrator
      Antwort auf den Beitrag von Frank Fidorra 13.01.2017, 10:15:10
      test