Trumps Sexismus Donald Trumps Verhalten erinnert an die Kölner Silvesternacht

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Kulturwissenschaftlerin Humboldt-Universität zu Berlin

Expertise:

Gabriele Dietze, Kulturwissenschaftlerin an der Humboldt Universität, ist zur Zeit Fellow der Volkswagen Stiftung im Projekt Sexueller Exzeptionalismus.

Donald Trump ist ein aggressiver Sexist. Beschönigungen kann es da keine geben. Mit seinem Verhalten sollte man eben so streng ins Gericht gehen, wie mit den Tätern der Kölner Silvesternacht. 

Die Aura der Macht hat schon eingesetzt. Die meisten der vorher skeptischen Republikaner sind nun gar nicht mehr beschämt, wittern Ministerposten, die europäischen Regierungschef_innen schwenken in Pragmatismus ein und die Wirtschaftsseiten der Medien wittern sogar Morgenluft. Bevor Trump nun ganz normalisiert und veralltäglicht wird möchte ich an etwas erinnern, das vergessen werden wird, wenn bald die allfälligen Klischees durch Wiederholung Wahrheitsgewalt bekommen: „Na, er ist ja gar nicht so schlimm wie gedacht, die politischen ‚Eliten‘ haben einen Weckruf verdient, das ‚System‘ der repräsentativen Demokratie kann Modernisierer gebrauchen, die ‚Abgehängten‘ müssen auch eine Chance haben, gehört zu werden, nicht jeder Trumpwähler ist Rassist, ja und sowieso, man muss den besorgten Bürger ernst nehmen…“

Ich möchte ganz bescheiden daran erinnern dass mit Donald Trump ein aggressiver Sexist auf die mächtigste Position der Welt gewählt wurde. Auch hier sind die Verharmlosungen schon alle genannt worden, nämlich dass viele Politiker Sexisten seien, dass auch andere amerikanische Präsidenten, z.B. Idole wie JFK, und deutsche Kohls, Schröders, Brüderles und Henkels Sexisten waren und sind. Das sei zwar unappetitlich aber der Lauf der Welt, und schließlich hätten viele (weiße) Frauen im vollen Bewusstsein dieser Tatsache Trump gewählt und dass es überhaupt unsexy sei, sich über Sexismus aufzuregen…

Sexismus ist ein sehr flexibles Diskriminierungsmuster

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An dieser Stelle scheint es mir sinnvoll Sexismen zu differenzieren, um Trump den richtigen und damit auch verdienten Platz einräumen zu können. Sexismus ist ein sehr flexibles Diskriminierungsmuster, das sich ständig modernisiert und verschiedene Modi des Verhaltens nach sich zieht: Nichtwahrnehmung, ostentative Wahrnehmung über Blicke, Pfiffe, Nicht-Wertschätzung, verbale Beleidigung, Belästigung und Übergriff. Am schwersten zu greifen sind ‚benevolente‘ Sexismen, die angeblich Frauen ehren und beschützen. Der Preis ist ein Sonderstatus, der vielleicht manchen weiblichen Eitelkeiten schmeichelt, aber ein fundamentales Nicht-Ernstnehmen nach sich zieht. Ebenfalls schwer zu greifen ist das Paradigma der Leugnung, der Sexismus bestenfalls für eine rückständige Sitte unbelehrbarer Neandertaler versteht und sowohl die Realexistenz von Sexismus wie auch jedes persönliche Verhaltensmuster bestreitet.

Trumps Verhalten erinnert an die Geschehnisse der Kölner Silvesternacht 

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Zum Glück muss man sich bei Trump mit diesen kleinen Fischen nicht aufhalten. Trump ist ein weibliche Menschen verachtender aggressiver Sexist. Er verunglimpft eine Moderatorin, indem er unterstellt, sie sei aggressiv gegen ihn eingestellt, weil sie ihre Tage habe, und er prahlt damit, dass er als Star Frauen an die ‚Pussy‘ greifen könne, ohne dass sie sich gegen ihn wehren würden. Bevor das vergessen und/oder verharmlost wird, möchte ich daran erinnern, dass der amerikanische President Elect, damit genau dasselbe getan hat (oder gesagt, dass er es getan hat), was in dem ‚Ereignis‘ Köln nordafrikanischen und syrischen Geflüchteten vorgeworfen wird. Ganz Deutschland hat in „Schock“, so der Titel eines Pamphlets von Alice Schwarzer, über die Ungeheuerlichkeit gruppenförmiger sexueller Übergriffe diskutiert, im Juli das Sexualstrafrecht angepasst, das Asylrecht verschärft und die Abschiebepraxis intensiviert. Überaus beeindruckend, wie konsequent auf den Sexismus der ‚Anderen‘ reagiert wird. Und wie gut das kollektive Gedächtnis funktioniert, das mit den Ereignissen von Köln einen unumkehrbaren „Zivilisationsbruch“, wie Justizminister Maas sagte, wahrzunehmen glaubt.

Menschenverachtendes Verhalten sollte nicht aneinander gemessen werden

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Ich fordere weitern nichts als dieselbe Unversöhnlichkeit und paradigmatische Aufmerksamkeit gegenüber Donald Trump ein, der sich desselben Delikts schuldig gemacht hat, das man den Kölner Übergreifern vorwirft. Ich halte nichts von Komparativen, wenn es um menschenverachtendes Verhalten geht. Nein, ich muss nicht sagen, dass es ‚schlimmer‘ ist wenn ein gut erzogener christlicher weißer Mann denselben aggressiven Sexismus an den Tag legt wie eine Gruppe von arabischen Illegalen, Asylbewerbern und Geflüchteter. Mir reicht es völlig darauf zu bestehen, dass ich das genauso schlimm finde, und dass ich für dieses Verhalten ähnlich drastische Sanktionen und Gesetzesänderungen wünsche. Diese Art von verbalem Sexismus sollte, ganz unabhängig davon, ob er es tatsächlich getan hat, als Hate-Speech kriminalisiert sein. Ich muss auch nicht alle weißen Männer – wir können die Gruppe auch noch kleiner machen: Immobilienspekulanten, Lohndrücker und Steuerflüchtlinge – für aggressive Sexisten halten, so wie es ‚nach Köln‘ vielen sexuell völlig unauffälligen muslimischen Geflüchteten ergangen ist.

Man sollte Donald Trump ein Mahnmal auf der Kölner Domplatte errichten

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Nein, ich bin ganz zufrieden damit, wenn dem einen aggressiven Sexisten ebenfalls eine nachhaltige Erinnerungspolitik zu Teil wird und ein stabiler Gedächtnisort eingerichtet wird. Prominenz hilft hier, schließlich wird er amerikanischer Präsident. Man könnte ihm ein Denk- oder Mahnmal auf der Kölner Domplatte errichten. Ganz hell erleuchtet, als Abschreckung für arabische Dunkelmänner. Oder als Pilgerort für feministische ‚Kampf dem Sexismus‘ Demonstrationen. Man könnte Kränze niederlegen, wenn sich wieder einmal Mutige finden, die es wagen, prominente Figuren wegen ihres Sexismus oder ihrer Homophobie zu beschämen und sie deshalb angegriffen werden. Ich freu mich schon auf die Ausschreibung für das Denkmal und die Vorschläge wie man diesen wichtigen Gedächtnisort gestalten soll. 

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