Donald Trump und der Antisemitismus in den USA Bei Donald Trump und Stephen Bannon finden Antisemiten eine Heimat

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Anwältin und Autorin

Expertise:

Gunda Trepp ist Anwältin und Autorin. Sie lebt in San Francisco.

Auch, wenn Donald Trump und sein Chefstratege Stephen Bannon keine Antisemiten sind - sie schaffen ein Klima, in dem Antisemitismus gedeiht. Über das neue, alte Gefühl, zu den "Anderen" zu gehören, schreibt die in San Francisco lebende Autorin Gunda Trepp.

Von jeher ist Amerika für viele Juden das Land ihrer Sehnsucht gewesen. Seit George Washington ihnen in seinem berühmten Brief an die Gemeinde in Newport, Rhode Island, nicht nur tolerierte Anwesenheit, sondern ein Leben in völliger Autonomie und Freiheit versprach, hat sich daran nicht viel geändert. 

Bis Donald Trump den Wahlkampf in einer Weise aufmischte, wie man sie bisher in den Vereinigten Staaten nicht für möglich gehalten hatte. Er äffte einen behinderten Reporter nach, warf Mexikaner ohne Papiere als Vergewaltiger alle zusammen in einen großen Topf, machte Andeutungen über Schwarze, die diese zu Recht als Rassismus einordneten, und über Muslime so direkt, dass es nichts mehr einzuordnen gab, und sprach von Frauen so, dass man als Zuschauerin froh war, gerade nichts im Magen zu haben. Und nicht wenige seiner Unterstützer, vom lästigen Korsett des zivilisierten und menschlichen Umgangs miteinander befreit, stürzten sich begeistert in die, ja, was eigentlich? Nennen wir es mal Debatte, obgleich die kenntnisfreien, hasserfüllten Beiträge, die während des Wahlkampfs und immer noch die Foren füllen, diese Aufwertung nicht verdienen. Beliebte Treffpunkte dabei sind Twitter und andere soziale Medien. Beliebteste Zielscheibe? Die Juden.

Schon im vergangenen Jahr haben antisemitische Attacken um neun Prozent zugenommen. Insgesamt zählte das FBI für 2015 in seinem Bericht über Hassverbrechen 664 Angriffe gegen Juden. Während sich ein Fünftel der religiös motivierten Anfeindungen gegen Muslime richtete, zielte mehr als die Hälfte auf Juden. Gelistet in dieser Statistik werden Attacken gegen Körper und Sachen. Hier spiegelt sich also die reale Welt, es sind Dinge wie Anspucken, Schlagen und Schubsen, Hakenkreuze auf Hauswände malen oder Grabsteine umwerfen.

Während des US-Wahlkampfes stieg die antisemitische Hetze im Internet an, besonders gegen Trump-kritische Journalisten.

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Doch nirgendwo hat es sich während des Wahlkampfes so manifestiert und damit normalisiert, gegen Juden zu hetzen, wie in der virtuellen Welt. Die Anti-Defamation-League (ADL) analysierte im Wahljahr von August 2015 bis Juli 2016 über zweieinhalb Millionen antisemitische Tweets. Allein mehr als 19.000 davon griffen 800  Journalisten an, die sich kritisch mit Donald Trump auseinandergesetzt hatten. Nachdem die Journalistin Julia Ioffe in GQ ein Porträt über Melania Trump geschrieben hatte, in dem sie einen heimlichen Halbbruder der zukünftigen First Lady in Slowenien ausfindig machte, bekam sie Morddrohungen und Fotos von den Öfen in Auschwitz. Der ADL-Report schildert dutzende Beispiele solcher ungefilterten Hasstiraden, sobald sich jemand gegen den republikanischen Kandidaten zu Wort meldete. „Es hört nicht auf“, wird Noah Rothman, Redakteur des konservativen Commentary Magazins zitiert. „Es hilft nicht einmal, sie zu blocken. Sie müssen Listen haben.“ 

Antisemitische Hasskampagnen im Netz stehen in Zusammenhang mit dem Verhalten von Donald Trump.

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Es hat erhitzte Debatten darüber gegeben, wie viel Verantwortung Donald Trump trägt dafür, „dass etwas entfesselt wurde, von dem keiner ahnte, dass es da war“, wie der Journalist Ben Shapiro sagt, und ob Stephen Bannon, ein enger Berater im Wahlkampf und der künftige Chefstratege im Weißen Haus, ein Rassist ist und ein Antisemit. Beide Männer betonen, sie lehnten jede Form von Hass und Gewalt ab. Und doch kommt man nicht drum herum festzustellen, dass 68 Prozent der Twitter-Angriffe aus einer Gruppe von 1600 Nutzern kamen, von denen sich viele rühmten, für Trump zu sprechen. Die meist genannten Begriffe in ihren Selbstbeschreibungen waren unter anderen „Trump“, und „national“. Und antisemitische Attacken häuften sich zum Beispiel, als der Kandidat im Februar zögerte, sich sofort und ohne Wenn und Aber vom Ku-Klux-Klan zu distanzieren, oder als Melanie Trump sagte, Ioffe habe die Angriffe auf sie ja „provoziert.“

Selbst wenn Trumps Chefstratege Bannon kein Antisemit ist - er hat dem Antisemitismus mit Breitbart eine Heimat gegeben.

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Worte haben Folgen. Und sie schaffen ein Klima. Bannon hat der nationalen Rechten auf Breitbart, der ultrakonservativen Website, von der er sich momentan hat beurlauben lassen, bewusst eine neue Heimat gegeben. Auch wenn er kein Antisemit ist, begibt er sich damit in ein Umfeld, dem antisemitische Töne nicht fremd sind. Es ist einigen wichtigen Konservativen im amerikanischen Journalismus hoch anzurechnen, dass sie diese Zusammenhänge früh dargestellt und sich distanziert haben. Man wünscht sich diese Klarheit auch aus dem liberalen Lager, in dem viele immer noch Schwierigkeiten haben, Attacken aus der anti-israelischen BDS-Bewegung auf jüdische Studenten als das zu beschreiben, was sie sind: antisemitische Angriffe.

Es ist schwer für Juden, damit fertig zu werden, dass sie für einige im linken und rechten Lager wieder zu sein scheinen, was sie seit George Washington nicht mehr sein sollten – die Anderen. Der erste Schritt dagegen? Das Problem beim Namen zu nennen, egal aus welcher Ecke es kommt! 

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