100 Tage Trump Überman - Wie Trump die Soft Power der USA verkehrt

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Associate Professor New Mexico State University

Expertise:

Neal Rosendorf lehrt an der New Mexico State University. Er befasst sich mit amerikanischer Außenpolitik, der Geschichte der Internationalen Beziehungen, Image-Kampagnen von Staaten und dem Konzept der Soft Power in Geschichte und Gegenwart. Zuletzt erschien von ihm "Franco Sells Spain to America: Hollywood, Tourism, and Public Relations as Postwar Spanish Soft Power"(Palgrave Macmillan Press, February 2014).

Auch Bösewichte können "Soft Power" haben. Neal Rosendorf erklärt, wie der Trumpismus auf die Welt wirkt - und warum er bei Trump keine echte Wende erkennen kann.

Können Bösewichte „Soft Power – weiche Macht“ besitzen? Soft Power ist die „Fähigkeit, die Präferenzen anderer zu prägen“, schrieb der Erfinder des Begriffs, Joseph S. Nye, und die Vereinigten Staaten haben bislang die Präferenzen anderer Staaten geprägt wie wenige andere: durch die internationale Anziehungskraft ihrer Ideen und Ideale, durch ihre Kultur, ihr Regierungssystem, ihre soziale Organisation, ihre Wirtschaftskraft und ihr Image von Optimismus, Stärke und Erfolg.

Aber was passiert, wenn die Vereinigten Staaten zu einem der führenden Bösewichte dieser Welt werden? Werden die USA noch über Soft Power verfügen, werden sie noch derart prägend sein, wenn sie Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit huldigen, wenn sie ihre Partner geringschätzen und den Zusammenbruch der gesamten Nachkriegsordnung betreiben? Was würde das mit der Welt machen?

Amerika wird auch unter Trump "Soft Power" ausüben - aber eine dunkle Soft Power.

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Viele prominente Beobachter warnen davor, dass Amerika seiner Rolle als Anführer der freien Welt abschwören und damit die amerikanische Soft Power erodieren könnte. Ich bin überzeugt, dass Amerika auch mit Trumps Außenpolitik eine erhebliche Fähigkeit, die Präferenzen anderer zu prägen, behalten wird. Aber es wird eine dramatisch veränderte Soft Power sein – und sie wird ein ganz anderes Publikum anziehen.

Eine passende Metapher für das, was passieren könnte, sollte die Regierung Trump die radikale Umgestaltung amerikanischer Innen- und Außenpolitik fortsetzen, findet sich in der US-Fernsehshow Saturday Night Live, genauer gesagt in dem ebenso lustigen wie grausigen Sketch „Überman“. „Überman“ ist eine Erfindung von Al Franken, der für Saturday Night Live arbeitete, bevor er in den US-Senat gewählt wurde. 1970 stellte er die kontrafaktische Frage: „Was, wenn Superman in Deutschland statt in Amerika aufgewachsen wäre?“

In Frankens schräger Umdeutung der Superman-Saga, landet Kal-Els Raumschiff in der Zwischenkriegszeit in Preußen statt in Kansas, wo der Junge von eingefleischten Nazis großgezogen wird. Auf diese Weise geprägt, wird aus Klaus Kent „Überman“, der sich Adolf Hitler im Kampf für die „Unwahrheit, Ungerechtigkeit und die Nazis“ verschreibt. Er bewahrt Hitler vor einer versteckten Bombe, die er mit seinem Röntgenblick aufspürt, gewinnt die Schlacht um Stalingrad in fünf Minuten, deportiert einhändig zwei Millionen Juden und „tötet sämtliche Einwohner von England – USA als Nächste dran“, wie der „Daily Planet“ titelt.

Trumps Politik legitimiert Fremdenfeindlichkeit, Desinformation und Angriffe auf die Presse in autoritären Staaten.

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Donald Trumps unverfrorene „America first“-Außenpolitik ist das metaphorische Äquivalent zu Übermans grausiger Verkehrung von Supermans Biografie und Prinzipien. Überman hört nicht auf, nun ja, „super“ zu sein, nur weil er jetzt bösartige Vorlieben hat. Genauso wenig wird Amerika etwas von seiner Soft Power verlieren, nur, weil jetzt Trump regiert. Es wird allerdings eine düstere weiche Macht sein: Sie wird populistisch-nationalistische Politiker legitimieren und inspirieren (FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky prahlte nach Donald Trumps Amtseinführung: „Er ist ein Gewinner, wir sind Gewinner: Frauke Petry, Marine le Pen, Geert Wilders.“) Die düstere Macht der Vereinigten Staaten wird anderen als Schutzschild für Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus dienen. Sie wird als Vorbild für Übergriffe auf die Presse dienen und zeigen, wie effizient Desinformation sein kann. Sie wird Linke wie Rechte in ihrem Glauben bestätigen, dass die USA ohnehin keine besonderen Erlöserkräfte haben. Sie wird den Zerfall der Europäischen Union, der Nato und der Welthandelsorganisation anleiten. Sie wird Wladimir Putins autoritäres Regime legitimieren. Sie wird die rassisch-ethnisch-religiöse Antipathie des Westens gegen die nicht westliche Welt im Allgemeinen und den Islam im Besonderen schüren.

Moment, werden Sie jetzt vielleicht sagen. Haben die USA nicht eben 59 Marschflugkörper auf eine Luftwaffenbasis Assads abgefeuert, um einen Giftgasanschlag zu vergelten? Hat Donald Trump nicht seine schlechte Meinung über die Nato geändert und das Bündnis für „nicht länger obsolet“ erklärt? Wurde nicht Stephen Bannon aus dem Nationalen Sicherheitsrat geworfen? Sind das nicht alles Anzeichen, dass wir erleichtert sein können, dass die Trump-Regierung in die Mitte rückt?

Trump hat bislang keinen wesentlichen Politikwechsel vollzogen.

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Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber ich schließe mich dieser beruhigenden Lesart der jüngsten Ereignisse nicht an. Ein Nadelstich-Angriff mit wenig erkennbaren Folgen für das Regime von Baschar al-Assad ist keine Wende hin zu einer Interventionspolitik, die sich am völkerrechtlichen Grundsatz der Schutzverantwortung orientiert. Die Logik hinter dem Angriff bleibt völlig unklar. Es mag sein, dass die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, Außenminister Rex Tillerson und andere kritische Bemerkungen über Russland gemacht haben, aber Donald Trump hat sich auffallend zurückgehalten und erklärt weiterhin, die Dinge zwischen Russland und den Vereinigten Staaten würden schon in Ordnung kommen. In der Außenpolitik hat der Präsident das letzte Wort – und das hat Russland verstanden.

Trump mag sich wohlwollend über die Nato geäußert haben – hat dann aber inmitten eines Besuches europäischer Verbündeter den Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Paul Ryan, angewiesen: „Paul, du hast jetzt genug über die Nato geredet. Bring sie dazu, ihre Rechnungen zu bezahlen.“ Trump äußert auch weiterhin seine Bewunderung für Marine Le Pen. Und was Stephen Bannon angeht: Er hat sein Büro im „West Wing“ des Weißen Hauses behalten.

Trump ist Trump: Einige seiner gefährlichsten außenpolitischen Ansichten äußert er seit Jahrzehnten. Schon in seinem berüchtigten Playboy-Interview von 1990 sagte er, er würde Deutschland und andere „sogenannte Alliierte, die uns um Milliarden bescheißen“ nicht nur anklagen. In dem selben Interview kritisierte er Michael Gorbatschows „außerordentliche Schwäche“ angesichts der Proteste in der Sowjetunion und lobte die brutale Niederschlagung der Demonstrationen auf dem Tiananmen-Platz durch das kommunistische Regime in China. Trump hat gerade an seine langjährige Bewunderung autoritärer Härte erinnert, als er Recep Tayyip Erdogan nach dem türkischen Referendum seine Glückwünsche übermittelte. Im Inland setzt Trump die eifernde Verfolgung von Einwanderern ohne Papiere mit genau jenem fremdenfeindlichen Furor fort, zu dem er sich im Wahlkampf verpflichtet hat.
Wenn Sie das alles deprimierend finden, stellen Sie sich erst einmal vor, wie es war, das zu schreiben! Ist wirklich alles verloren?

Vielleicht nicht. Wenn Trump weiterhin so schnell die Zustimmung der amerikanischen Wähler verliert wie bisher, könnte er als politischer Verlierer kurzerhand aus dem Weißen Haus geworfen werden. 
Doch Soft Power ist schneller zerstört als wieder errichtet oder, wie Warren Buffett einmal festgestellt hat, „sich einen Ruf zu erarbeiten dauert Jahrzehnte – ihn zu zerstören nur fünf Minuten.“ 

Bleibt Trump bis 2020 an der Macht, werden seine Nachfolger Jahrzehnte brauchen, den Reputationsschaden zu reparieren.

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Die traditionelle amerikanische Soft Power könnte erneuert werden, wenn sich sein Nachfolger zu den traditionellen amerikanischen Werten bekennt. Sollte Donald Trump allerdings 2020 wiedergewählt werden, würde das den grundlegenden Wandel der amerikanischen Soft Power für ein halbes Jahrhundert zementieren. Je länger Donald Trump an der Macht bleibt, desto stärker wird seine düstere Soft Power auf die Welt wirken, desto größer wird die Wirkung auf populistischen Bewegungen und autoritäre Regime sein.
Selbst wenn es nach zwei Amtszeiten von Donald Trump eine ideologische Wende gäbe, würde sich das geläuterte Amerika konfrontiert sehen mit einem Schwarm ehemals liberaler Staaten, die sich nun zu Metastasen der illiberalen Trump’schen Demokratie entwickelt hätten oder gleich zu Satelliten Russlands oder Chinas. Ein wiederbelebtes Superman-Amerika müsste sich der gewaltigen Gefahr der Überman-Welt stellen.

Dieser Text ist ein Auszug aus einem Beitrag des Autors auf dem Blog des Center for Public Diplomacy der University of Southern California. Bearbeitet und übersetzt von Anna Sauerbrey.

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