DER INHALT WIRD VERANTWORTET VON SCHMECKT RICHTIG - EINE INITIATIVE DER DEUTSCHEN ZUCKERWIRTSCHAFT. Total immobil in der Mobilitätsgesellschaft

Bild von Prof. Dr. Ulrich Nöhle
Technische Universität Braunschweig

Expertise:

Prof. Dr. Ulrich Nöhle ist Lebensmittelchemiker und öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Lebensmittelsicherheit und Hygiene und an der TU Braunschweig Honorarprofessor für industrielles Qualitätsmanagement.

Prof. Dr. Ulrich Nöhle beschreibt, wie uns die Mobilitätsgesellschaft oftmals bewegungslos macht und welche Folgen das für unser Körpergewicht hat.

Deutschland ist zu recht stolz auf seine Mobilitätsgesellschaft. ICE fahren flächendeckend, Regionalbahnen engmaschig und U-, S-Bahnen und Busse bis tief in die Nacht. Zumindest in Großstädten ist der öffentliche Nahverkehr derart gut ausgebaut, dass die Bewohner dort tatsächlich kein Auto mehr brauchen. Für diejenigen, die es aber doch brauchen, ist unser Straßensystem gut ausgebaut (wenn auch nach 40 Jahren jetzt überholungsbedürftig) und rund 60% aller deutschen Arbeitnehmer pendeln inzwischen zur Arbeit, d.h., durch (!) diese Mobilität haben viele Arbeitnehmer überhaupt erst die Chance, einen ihnen zusagenden Arbeitsplatz anzunehmen, ohne gleich umzuziehen. Gut so.

Mobilität ist ein echter Wohlstandstreiber.

Doch Mobilität geht noch weiter. Rolltreppen und Fahrstühle in shopping malls, auf Bahnhöfen, in öffentlichen Gebäuden und Industrieunternehmen sind allgegenwärtig. Das lässt „disabled“ Mitbürgern weitgehend am öffentlichen Leben nahezu ungehindert teilnehmen.  Auch gut so. Neu gebaute Wohnhäuser ab fünf Stockwerken müssen baurechtlich einen Fahrstuhl aufweisen. Perfekt! Ältere, zunehmend gebrechlich werdende Mitbürger sind nicht mehr wie früher frühzeitig an die eigenen vier Wände gebunden.  Und wer hat nicht schon einmal - vom Einkauf mit Tüten voll bepackt -  den Transportvorteil vom Parkplatz in der Tiefgarage bis fast in die Wohnung per Fahrstuhl genossen. Barrierefrei von der Arbeit zum  Supermarkt und dann bis in die Wohnung – besser kann es wirklich nicht gehen.

Ein Hoch auf die Mobilitätsgesellschaft!

Doch Augenblick mal....wer ist hier eigentlich mobil ?  Bewegen wir uns tatsächlich in der Mobilitätsgesellschaft ? Nein, voll daneben – wir werden bewegt. In allen diesen superpraktischen Bewegungsmitteln sitzen oder stehen wir nämlich völlig bewegungslos. Morgens aus der Wohnung 100 Meter bis zum Auto – sitzen – 200 Meter vom Parkhaus zum Arbeitsplatz – sitzen – 50 Meter bis zum Fahrstuhl in die Kantine – sitzen – abends wieder die 200 Meter bis zum Auto – sitzen – shoppen per Rolltreppe und Fahrstuhl – stehen – wieder 200 Meter bis zum Auto oder eben bis zur S-Bahn, U-Bahn, Bus – sitzen oder stehen. Bewegung ? Eher wenig.

Doch am Wochenende, da geht es richtig los – rauf auf’s Fahrrad. Äh, wer verzeichnet gerade zweistellige Zuwachsraten im Mobilitätsbereich? Richtig, die Hersteller von E-bikes. Doch, wer E-bike fährt, der radelt nicht, der wird geradelt.

Das neueste: E-bikes für kids. So werden auch 10jährige davon abgehalten, sich wenigstens etwas zu bewegen.

Ich stelle fest: Je höher der Grad der Entwicklung der Mobilitätsgesellschaft, desto weniger bewegen wir uns! Welch’ ein Widerspruch.....mit Folgen.

Je höher der Grad der Entwicklung der Mobilitätsgesellschaft, desto weniger bewegen wir uns.

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Denn unser durchschnittliches Körpergewicht steigt und steigt und auch kids werden immer dicker. Die durchaus „anstrengende“ Lösung dieses Problems lautet: Bewegung ist angesagt – aber nicht die mit Verkehrsmitteln, sondern die mit dem eigenen Körper. Oder etwas genauer ausgedrückt: eine ausgeglichene Bilanz von über die Nahrung aufgenommener Kalorien im Verhältnis zu durch körperliche Bewegung umgesetzter Energie entscheidet, ob uns die technische Mobilität mittelfristig zu körperlicher Immobilität verdammt. Dabei ist es nicht entscheidend, was wir essen, sondern wieviel und wie.

Es ist nicht entscheidend, was wir essen, sondern wieviel und wie.

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Wer sich den ganzen Tag der maximalen Bewegungsvermeidungsstrategie hingibt und dabei gleichzeitig „snacked around the clock“, der legt im Körpergewicht zu. Dafür braucht man auch nicht Medizin oder Ernährungswissenschaft zu studieren – einfacher Dreisatz reicht schon aus.

Wir müssen offensichtlich lernen, mit unserem so nie gekannten Wohlstand angemessen umzugehen.

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Wir müssen offensichtlich jetzt lernen, mit unserem so nie gekannten Wohlstand angemessen umzugehen; denn Wohlstand, so einfach er unser Leben auch macht, erfordert etwas ganz schwieriges: Disziplin !

Ach ja, was ich noch sagen wollte: Jede Treppe ist eine Chance.....

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