Eine Debatte der Initiative Schmeckt Richtig! Reformulierung: „Wann kommt die Geschmacks-Polizei?“

Bild von Günter Tissen
Hauptgeschäftsführer Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V.

Expertise:

Günter Tissen ist Diplom-Agraringenieur und seit 2012 Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ).

Nationale Reduktionsstrategie. Günter Tissen, WVZ-Hauptgeschäftsführer, sieht in dem Strategieentwurf zur Reduktion von Zucker, Salz und Fetten weitreichende Eingriffe in die Freiheitsrechte der Verbraucher.

Süßes darf uns künftig nicht mehr schmecken. Bundesernährungsminister Schmidt will Verbrauchern ein neues Geschmacksempfinden anerziehen. Dazu will er ihnen die angeborene Süßpräferenz abgewöhnen. Schritt für Schritt soll Zucker in Lebensmitteln reduziert werden, um Verbraucher so in ihrem Geschmacksempfinden – so der ausdrückliche Plan – umzuerziehen. Nachzulesen ist das in dem vom Bundesernährungsministerium vorgelegten Entwurf zur Reduktion von Zucker, Salz und Fetten in Lebensmitteln. Das Ergebnis: kein Zucker, eine staatlich verordnete Gleichmacherei sowie eine ebenso staatlich verordnete Umerziehung in Sachen Geschmacksempfinden. Ist das legitim? Nein: Geschmack ist eine zutiefst persönliche Angelegenheit. Der Staat hat kein Recht, vorzuschreiben, was schmecken darf und was nicht. Außer einer Vereinheitlichung der Geschmäcker wird damit nichts erreicht. Das Vorgehen erinnert stark an den vor vier Jahren propagierten „Veggie-Day“.

Der Staat darf dem Verbraucher nicht vorschreiben, was schmeckt und was nicht.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Die Gleichmacherei wird bei den Rezepturen vorangetrieben: Zentralistisch und marktfern festgelegte Reduktionsmechanismen („best in class“) führen über kurz oder lang zu Produkten, die sich in Geschmack und Beschaffenheit kaum voneinander unterscheiden. Und alle Lebensmittelhersteller müssen mitmachen. Die „zunächst freiwillige“ Beteiligung der Lebensmittelwirtschaft wird schnell zum Zwang werden. Mit fatalen Folgen für den deutschen Mittelstand, wie in dem Entwurf sogar eingeräumt wird. Sehenden Auges wird hier Politik gegen den Mittelstand gemacht. Daran ändert auch die Bereitstellung öffentlicher Forschungsmittel nichts. Diese nützen bei solch einem Konzept letztlich niemandem, weder den Verbrauchern, der Lebensmittelwirtschaft noch der Politik.

Die zentralistische Gleichmacherei von Rezepturen hat fatale Folgen für den Mittelstand.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Das Bundesministerium muss sich auch der Frage der Verbrauchertäuschung stellen: Zucker wird fälschlicherweise nahezu alleinverantwortlich für die Gewichtszunahme gemacht. Kalorien und die Tatsache, dass dick wird, wer zu viel isst und sich zu wenig bewegt, spielen bei der Reduktionsstrategie praktisch keine Rolle. Die Reduktion einzelner Nährstoffe ist zum Selbstzweck geworden, und das eigentliche Ziel – die Bekämpfung von Übergewicht und seinen Folgekrankheiten – wird komplett aus den Augen verloren.

Im Zentrum einer Reformulierungsstrategie müssen Kalorien stehen, nicht einzelne Zutaten.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Zucker macht weder dick noch krank. Es gibt keine Studien, die das belegen. Die Feststellung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) von 2010, die besagt, dass keine ausreichenden Daten vorliegen, um eine Obergrenze für den Zuckerverzehr festzulegen, findet in der Reduktionsstrategie keinen Widerhall. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) kommt zu dem Schluss, dass der Verzehr von Zucker per se kein Gesundheitsrisiko darstellt. Es ist unverantwortlich, dass dennoch ein solcher Zusammenhang suggeriert wird. Allein auf der Basis vager Behauptungen werden tiefe Eingriffe in individuelle Freiheiten und Grundrechte jedes einzelnen Menschen und der Lebensmittelunternehmen gerechtfertigt. Eine Strategie zur Reduktion von Zucker, Fetten und Salz darf die wissenschaftlichen Grundlagen nicht ignorieren.

Staatliche Rezepturvorgaben sind Eingriffe in individuelle Freiheiten des Menschen.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Geschmacksveränderung, Gleichmacherei und Reduktion einzelner Nährstoffe – gegen Übergewicht wird all das nicht helfen. Übergewicht hat viele Ursachen – und am Ende läuft es immer auf dasselbe hinaus: Wer mehr Kalorien aufnimmt, als er verbraucht, nimmt zu. Deshalb müssen wir die Kalorien und die Bedeutung der persönlichen Kalorienbilanz in das Zentrum der Debatte stellen. Nur eine ehrliche Reformulierung mit einer signifikanten Kalorienreduktion kann helfen, Übergewicht zu reduzieren.

Reduktion einzelner Nährstoffe hilft nicht gegen Übergewicht.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht
0 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

Diese Community ist nur während der Arbeitszeiten der Tagesspiegel-Community-Redaktion geöffnet. Sie können täglich von sechs bis 21 Uhr Kommentare schreiben.

Partnerangebot

Sämtliche Inhalte dieser Seite sind ein Angebot des Anzeigenpartners. Für die Inhalte ist nicht der Tagesspiegel verantwortlich. Der Verlag der Tagesspiegel GmbH tritt lediglich als Vermittler auf.