Gewalt von Zuwanderern Soziale Umstände begünstigen Kriminalität, nicht die Herkunft

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Innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag

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Innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag

Gewalt von Zuwanderern wird zu Unrecht mit der Ethnie und Religion der Täter in Verbindung gebracht. An der wirklichen Ursache, der oftmals fehlenden Perspektive, können wir etwas ändern. 

„Flüchtlinge sind zu 92 Prozent für die Zunahme von Gewaltdelikten verantwortlich.“ So eine Überschrift liest sich schnell und den meisten gilt sie auch schon als definitive Einschätzung der „Flüchtlingsproblematik“. Populistische Schlussfolgerungen (Abschottung, „Obergrenze“) erfreuen sich großer Beliebtheit, führen aber in die Irre. Die Wirklichkeit ist komplexer. Denn die Studie belegt keineswegs, dass Flüchtlinge gewaltbereiter sind als alteingesessene Einwohner.

Zur notwendigen Differenzierung gehört der Hinweis auf die Altersstruktur: In allen Gesellschaften sind es überwiegend junge Männer, die zu Straf- und Gewalttaten neigen. Und genau diese Bevölkerungsgruppe ist unter Flüchtlingen weit überdurchschnittlich präsent, was angesichts der Strapazen des Fluchtweges wenig überraschend ist. Während der Anteil junger Männer zwischen 14 und 30 Jahren an der durchschnittlichen Wohnbevölkerung Niedersachsens nur 9,3 Prozent beträgt, ist er unter den Flüchtlingen drei Mal so hoch.

Die Lebenssituation der Flüchtlinge steht im Zusammenhang mit der Kriminalitätsneigung.

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Es kann und darf mit solchen Hinweisen nicht darum gehen, ein reales Problem wegzureden – man muss das Problem aber ergründen, wenn man es lösen will. Und dazu gehört, die Faktoren zu benennen, die Kriminalität begünstigen. Diese Faktoren sind nicht ethnischer, religiöser und auch nicht primär demographischer, sondern sozialer Art. Der Zusammenhang zwischen der Lebenssituation – Unterbringung, Beschäftigung, Familienverhältnisse usw. – und Kriminalitätsneigung wird in der Studie ausdrücklich betont. Der Schüssel, um der Zunahme von Gewaltkriminalität zu begegnen, lautet daher: Integration, und zwar von Anfang an!

Wer eine Aufenthaltschance hat, vermeidet Ärger.

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Ein Drittel der Gewaltopfer von Flüchtlings-Tätern sind ebenfalls Flüchtlinge – das lässt sich als deutlicher Hinweis darauf sehen, dass die beengte Unterbringung in provisorischen Unterkünften ein wichtiger Faktor ist. Man braucht ja kein Experte zu sein, um zu ahnen, dass es früher oder später „knallt“, wenn viele völlig unterschiedliche Menschen auf engem Raum zusammenhocken müssen. Wichtig ist, ob diese Menschen wenigstens Perspektiven auf ein besseres Leben haben. Die Studie zeigt, dass etwa syrische Flüchtlinge, die hier eine hohe Aufenthaltschance haben, sehr darum bemüht sind, Ärger zu vermeiden, um sich diese Perspektiven nicht zu verhageln.

Ein überdurchschnittlich hoher Anteil der untersuchten Gewaltdelikte geht hingegen auf nordafrikanische Flüchtlinge zurück – deren Bleibeperspektiven verschwindend gering sind. Weil die Länder, aus denen sie fliehen, als „sichere Herkunftsländer“ gelten, dürfen sie nicht arbeiten gehen und unterliegen häufig einer Residenzpflicht. Die daraus resultierende massive Enttäuschung – wir reden immerhin von Menschen, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben eine gefährliche Überfahrt übers Mittelmeer hinter sich haben – vermag nicht zu rechtfertigen, aber doch zu erklären, dass einige von ihnen zu Straftaten bereit sind. Weil sie glauben, ohnehin nichts mehr zu verlieren zu haben. Dazu kommt, dass unter Nordafrikanern der Anteil junger Männer noch einmal deutlich erhöht ist und fast die Hälfte ausmacht. Aber auch von diesen, das betont die Studie ausdrücklich, macht sich nur ein sehr kleiner Anteil einer Gewalttat schuldig. Wer dennoch nordafrikanische Migranten als „Nafris“ stigmatisiert, provoziert eine selbsterfüllende Prophezeiung: „Man gerät in Gefahr, dadurch zu einem frustrierten Außenseiter zu werden“, und „sich genauso zu verhalten, wie es negativ unterstellt wird“, so die Studie.

Die Anwesenheit der Familie hat eine "zivilisierende" Wirkung auf junge Männer.

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Die politische Schlussfolgerung liegt für mich auf der Hand: Perspektiven bieten, Integration fördern. Es braucht Angebote wie Sprachkurse und Berufspraktika, erst recht Arbeitserlaubnisse. Und zwar ausdrücklich auch für jene, die hier zwar keinen Schutzanspruch haben, aber doch eine Duldung, um ihnen wenigstens eine Perspektive für ihr Herkunftsland zu geben. Es ist Gift für die Gesellschaft, Menschen, die nun einmal für einige Jahre hier leben, für diese Zeit zum passiven Herumsitzen zu verdonnern. Wer seit Jahren geduldet wird, muss im Rahmen einer Altfallregelung auch endlich ein Bleiberecht erhalten. Die Aussetzung des Familiennachzugs für subsidiär schutzberechtigte Flüchtlinge (meist Syrer und Iraker) darf nicht verlängert werden, denn, auch das zeigt die Studie: Die Anwesenheit von Ehefrauen, Schwestern oder Müttern hat eine „zivilisierende“ Wirkung auf die Jungmänner.

Für Integration und Wertevermittlung ist die gesamte Gesellschaft verantwortlich.  

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„Integration“ darf dabei nicht auf der formal-rechtlichen Ebene verharren. Es muss auch um die Vermittlung von Werten gehen, nicht zuletzt um den Kampf gegen konservative bzw. diskriminierende Frauenbilder von Jung- wie Altmachos, denen man anscheinend mitunter noch erklären muss, dass Frauen, auch wenn sie in Deutschland leichter bekleidet sind als in islamisch geprägten Gesellschaften, kein männliches Verfügungsobjekt darstellen. Dass auch in unserer „abendländischen“ Gesellschaft die Schlechterbehandlung von Frauen noch lange nicht überwunden ist (auf #metoo sei verwiesen), zeigt: Wertevermittlung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, ebenso wie Integrationsanstrengungen. Deswegen, und schlichtweg aus menschlichem Anstand heraus, gilt es, jeglichen rassistischen Ressentiments entschlossen entgegenzutreten.

 

 

1 Kommentar - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Uwe R.
    Nähme man die vorgetragene Argumentation ernst, müsste man auch annehmen, dass weltweit in allen Staaten mit einiger Armut und/oder schlechten individuellen Lebenschancen die Kriminalität exorbitant hoch sei.

    Vielleicht guckt man dann doch besser darauf, dass überall dort, wo die Kriminalität besonders hoch ist, sich keine Demokratie und kein Rechtsstaat entwickeln konnten und können.

    Diese Bedingungen findet man in einigen Staaten der Organisation für islamische Zusammenarbeit [OIC] vor, wo eben der Islam und die Sharia sowie Clan-, Stammes- und Religionsführer und damit das Unrecht der Stärkeren herrschen.

    Aus den gewalttätigsten und gefährlichsten eben dieser islamischen [Bürgerkriegs-] Staaten liess und lässt man dann unkontrolliert und unidentifiziert hunderttausende junger kräftiger Männer nach Deutschland herein. Das ist Import von Rohheitskriminalität.

    Nun gab es schon früher für genau diese Staaten entsprechende Reisehinweise des Auswärtigen Amtes, damit deutsche Touristen wussten, was auf sie zukommt und vor allem, vor was sie sich in acht nehmen müssen. Umgekehrt herrscht seitens Deutschlands für Bürger all dieser Staaten eine Visumpflicht.

    Man muss schon ziemlich blauäugig sein, jetzt zu erklären, dass man all das nicht gewusst habe und dass verhältnismässig viele der illegalen Migranten leider nicht anders könnten, als eben hier kriminell zu werden. Wer so Kriminalität sozialromantisch verklärt, rechtfertigt sie.

    Kriminell wird man übrigens in aller Regel aus bewusster Entscheidung und wenn man mit der Kriminalität bei geringem Aufwand eine begründete Aussicht auf einen hohen Erfolg und auf Straffreiheit hat. Das weiss man von Gelegenheits-, Klein-, Gewohnheits- und Berufskriminellen.

    Die einzig richtigen Schlüsse daraus sind, sofortige Schliessung deutscher Grenzen gegen illegale Migranten, sofortige Abschiebung krimineller illegaler Migranten und gezielte De-Migration Hunderttausender.