D ist kein islamisches Land Völlige Verdrehung der Tatsachen

Bild von Lea Rosh (r.) und  Barbara  Schaeffer-Hegel
Sozialwissenschaftlerin / Publizistin

Expertise:

Barbara Schaeffer-Hegel ist emeritierte deutsche Sozialwissenschaftlerin und Gründerin der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin, Außerdem ist sie Gründerin und Vorsitzende des Vereins LieberLesen e.V. Lea Rosh ist ist eine deutsche Fernsehjournalistin, Autorin und Publizistin. Bekannt wurde sie durch ihr erfolgreiches Engagement für das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin

Die Deutschen stellen sich gegen die Muslime? Nicht unsere Erfahrung. Es ist vielmehr umgekehrt - und geht vom Deutschen-Mobbing in Schulen bis zum demonstrativen Kleidungsstil überall.

Wenn man mehr als dreieinhalb Jahre mit Flüchtlingskindern gearbeitet hat, kennt man die Debatten um Migration, Integration und den Umgang mit Flüchtlingen genau. Aber kaum jemals ist uns ein Artikel untergekommen, der so schamlos verfälschend und verzerrend mit Tatbeständen umgeht, wie der Beitrag von Walid Nakschbandi. Da redet einer über ein Thema, welches für uns alle in diesem Land eine wichtige Aufgabe, aber auch ein großes Problem darstellt, und bezieht sich dabei auf eine Wirklichkeit, die es so einfach nicht gibt.

Wo, bitte schön, gibt es denn die "Hetzreden, die Muslime im öffentlichen Raum beleidigten, herabsetzten und beschimpften"? Auf den vom Autor zitierten Schulhöfen, die offenbar sein Vorbild für das Zusammenleben von Muslimen und Einheimischen sind, hört man überwiegend Schimpfworte wie "Ungläubige!", "Schweinefresser", "Teufelsanbeter!" (an Jesiden gerichtet), nicht aber die von ihm zitierten Ausdrücke. Und in manchen Schulklassen in Berlin wie in anderen Großstädten ist es ähnlich: Arabisch- und türkischstämmige Jungen dominieren die Szene, beschimpfen ihre nicht muslimischen Schulkameraden, machen ihnen das Leben schwer, wenn sie während des Ramadan ihr Schulbrot verzehren und erklären stolz, dass sie ihre Schwester und natürlich auch deren Freund umbringen werden, falls diese sich untersteht, einen deutschen Freund zu haben. Das alles ist dokumentiert, nachzulesen und im Originalton anzuhören. Für den Autor offenbar das Vorbild für unser zukünftiges Zusammenleben in Deutschland, denn er ruft seinen Glaubensbrüdern zu: "Was auf deutschen Schulhöfen gilt, gilt im ganzen Leben: wenn Ihr Euch keinen Respekt verschafft, dann bleibt Ihr ewig die Verlierer!"

Von wegen "Bloß nicht auffallen": Muslimische Männer treten laut und aggressiv auf, Frauen verhüllen sich.

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Von der angeblichen Devise der Muslime "Bloß nicht auffallen!", ist bislang allerdings kaum etwas zu merken. Junge Männer ziehen überlaut arabisch redend im Pulk durch die U-Bahn, die städtischen Parks und die Straßen; Frauen erscheinen in unterschiedlichster Verhüllung, mit Kopftuch, mit Burka, mit Nikab, und beanspruchen, im Schwimmbad mit voller Bekleidung, sprich Burkini, ins Wasser zu gehen!

Das demonstrierte Anderssein hat zum wachsenden Rechtsextremismus beigetragen.

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Diese u. a. durch die Kleidung demonstrierte Andersartigkeit – "Wir gehören nicht zu euch!" –, ruft verständlicherweise bei vielen unserer Mitbürger Ärger und Abwehr hervor und hat dazu beigetragen, dass wir in Deutschland zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg von radikalem Rechtsextremismus ernsthaft bedroht sind. Zweifellos gibt es daher Pöbeleien auch von Deutschen. Jedoch: Die Menschen, die „den Islam“ tatsächlich herausfordern, die sich kritisch mit ihm auseinandersetzen und ihn in manchen seiner religiösen Grundsätze verurteilen, sind meist selber Muslime. Und können in Deutschland nur unter Polizeischutz leben, da sie von ihren Glaubensbrüdern mit dem Tode bedroht werden.

Den nunmehr in Berlin häufigsten Neugeborenenvornamen Mohammad mit Fritz und Luise zu vergleichen ist lächerlich.

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Wenn manche Menschen besorgt darüber sind, dass in Berlin der häufigste Vorname bei Neugeborenen „Mohammad“ sei, so ist es geradezu lächerlich, diese Tatsache mit der Häufigkeit von Namen wie Fritz oder Luise zu vergleichen. Die Deutschen haben eine demokratische Verfassung, ein freiheitlich-rechtsstaatliches Leben erst sehr spät kennen gelernt. Nach furchtbaren Rückschlägen und grauenhafter Schuld während der Naziherrschaft. Rechtsstaatlichkeit mit allen Implikationen (Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Religionsfreiheit, Unabhängigkeit der Gerichte, die Trennung von Staat und Religion und die Gleichberechtigung der Geschlechter) sind daher den Menschen hier ein wertvolles, ja heiliges Gut. Viele Frauen haben ihr gesamtes berufliches Leben der Aufgabe gewidmet, dazu beizutragen, dass Frauen in Deutschland gleiche Rechte und gleiche Chancen im Leben bekommen.

Die Sorge, dass ein Islam, der Frauen benachteiligt, sich breit macht, ist berechtigt.

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Wie sollten wir da nicht mit Sorge sehen, dass eine Kultur, die diese Werte in Teilen offensichtlich ablehnt, in Deutschland schleichend und über die Generationen hin in zunehmendem Maße Einfluss auf unser Leben und das Leben unserer Kinder und Enkel erhält.

Solange sich der Islam nicht klar und eindeutig zu folgenden Grundwerten bekennt: zur Trennung von Staat und Religion, zur Würde und zum Selbstbestimmungsrecht jedes einzelnen Menschen, insbesondere dem der Frauen, zur Glaubensfreiheit in dem Sinne, dass ein Wechsel vom Islam zu anderen Religionen selbstverständlich möglich ist, ​so lange gehört der Islam nicht zu Deutschland!

Ein Islam, der dazu führt, dass Familien Töchter unterdrücken und Söhne schlagen, gehört nicht zu Deutschland.

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Dabei geht es nicht vom Islam Saudi-Arabiens oder Irans oder vom Islam der Terroristen. Auch nicht von dem Islam, der sich die Werte der Aufklärung angeeignet hat. Denn auch einen solchen Islam gibt es inzwischen in Deutschland. Ich spreche von dem real existierenden Islam, wie ihn von Erdogan bezahlte Imame in türkischer Sprache in deutschen Moscheen predigen und Kindern und Jugendlichen vermitteln. Von dem Islam, der in den Familien praktiziert wird, die ihren Töchtern mit Todesdrohungen ein selbstbestimmtes Leben verbieten und ihre Söhne schlagen, weil sie in einer schulischen Theateraufführung ein Kreuz tragen. Ich spreche von dem Islam, der auf den von Herrn Nakschsbandi so gelobten Schulhöfen und Schulklassen in arabisch-türkischen Wohngebieten von muslimischen Kindern und Jugendlichen praktiziert wird.

Dieser Islam gehört nicht zu Deutschland. Auch wenn es die vom Autor so belächelten „Gut-Menschen“, die in der deutschen Politik und in den Medien einen tonangebenden Teil der Bevölkerung ausmachen, möglicherweise nicht so sehen. Diese „Gutmenschen“, die laut Walid Nakschsbandi den Muslimen so "gütig übers geschundene Haupt streichen,… sie wie Kinder behandeln und…. dafür Lob und Dankbarkeit erwarten", haben so viel Einfluss in unserer Gesellschaft, dass jede Art von Islamkritik hierzulande schon als islamophob und als Rassismus gebrandmarkt wird.

Natürlich gehören aber Muslime zu Deutschland: Diejenigen, die sich anpassen und sich einbringen wollen. 

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Nicht der Islam, wohl aber Muslime gehören zu Deutschland. Diejenigen, die sich an westlich aufgeklärte Werte und Normen angepasst haben, die sich lernend und arbeitend mit unserer Gesellschaft auseinandergesetzt, sie verstanden und sich in sie eingebracht haben. Sie können ihre Religion unbehelligt da praktizieren, wo sie hingehört: im privaten Raum und in ihren eigenen heiligen Stätten. Sie werden ganz so akzeptiert und integriert wie viele aus Vietnam, aus Laos, und aus anderen asiatischen Ländern kommende Menschen, oder auch wie die Hugenotten und die vielen anderen europäischen Zuwanderer – Polen, Tschechen, und Russen –, die in vergangenen Jahrhunderten nach Deutschland gekommen sind.

Deutschland ist multiethnisch und multikulturell, aber es wird niemals ein islamisches Land sein.

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Deutschland ist ein multiethnisches und auch ein multikulturelles Land. Damit hat der Autor recht! Aber es wird – so Gott, Allah und Jehova es wollen – niemals ein islamisches Land sein. Es wird ein aufgeklärtes, ein freiheitliches, ein geschlechtergerechtes und ein die Menschenwürde jedes Einzelnen achtendes Land bleiben.

28 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

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  1. von J. P.
    Der Umgang mit der muslimischen Bevölkerung beginnt schon im Treppenhaus des Mietshauses. Es gibt Leute die grundsätzlich nicht grüssen. OK, das kann auch unter Deutschen so sein. Es gibt ja keinen Zwang, aber jenes nicht grüssen wollen, obwohl man weiß das man da wohnt, sagt schon viel. Wer gerne mit dem Schein der Anoymität leben möchte bitte sehr.
  2. von H H
    Meinen herzlichen Dank an die Autorinnen für diesen erfrischenden Text! Viel zu oft ärgere ich mich über "politisch korrektes" Geschwurbel...
    Und die Tirade des Herrn Nakschbandi fand ich ohnedies anmaßend und ungerecht.
  3. von Kultur Feuilleton
    Danke. Zensur religionskritischer Äußerungen hatten Fragen zur Finanzierung des Tagesspiegels provoziert. Danke -
    Sehr geehrte/r User*in, eine Zensur findet nicht statt. Mit freundlichen Grüßen Ihre Community-Redaktion / ah
    1. von Bert Post
      Antwort auf den Beitrag von Kultur Feuilleton 28.07.2019, 18:44:11
      Liebe Redaktion, sicher findet aus Ihrer Perspektive keine Zensur statt, jedoch üben Sie sicher eine Art Hausrecht aus, was des Hauses verwiesene anders wahrnehmen.
  4. von Till Ulme
    Ich bin sehr überrascht, solche im Alltag täglich wahrnehmbare Verhaltensweisen soziokultureller, religiös fundamentierter Verhaltensweisen arabischer und türkischer Migranten in einem Artikel des Tagesspiegels zu lesen. Ja es handelt sich erstmal um Eigenleistungen der Autorinnen, aber sie spiegeln sicher die Erfahrungen tausender Großstädter wieder.
    Die weltpolitische Opferrolle, in welcher sich die Muslime gerne wälzen entspricht nicht meinem täglichen Erleben. Viele islamische Männer leben in der kriegerischen Tradition Mohammeds als Macho.
    Solange mein Sohn keine Muslima heiraten darf ohne vorher Muslim zu werden, solange möchte ich auch nicht, dass mir meine Tochter eines Tages einen muslimischen Schwiegersohn präsentiert.
    Ich bin froh, dass es hier offenbar erste ehrliche Beiträge zu diesem Thema in einer großen Tageszeitung gibt - eine echte Novität.
  5. von M. W.
    Genauso so nehme ich die Dinge wahr..kann mich der Vorgängerin nur anschließen: der Artikel spricht mir aus dem Herzen.
    Meine Beobachtung: Von Bescheidenheit keine Spur, man nimmt sich den Raum, den man haben will.Laut, provozierend und rücksichtslos. Nein, nicht von allen, aber vielen..man kennt keinerlei Hemmung. Arroganz begegnet einem tlw. von den Frauen..die Männer zeigen eine respektlose Art...
    Das gehört nicht zu unserem Land!
    Meine Offenheit Menschen gegenüber hat durch diverse Erlebnisse und Beobachtungen sich sehr reduziert. Schade, dass es so einen Weg genommen hat..aber eine normale Reaktion...

  6. von Freya Bartels
    "Deutschland ist ein multiethnisches und auch ein multikulturelles Land. Damit hat der Autor recht! Aber es wird – so Gott, Allah und Jehova es wollen – niemals ein islamisches Land sein. Es wird ein aufgeklärtes, ein freiheitliches, ein geschlechtergerechtes und ein die Menschenwürde jedes Einzelnen achtendes Land bleiben."

    Danke, Sie haben mir aus dem Herzen gesprochen!
  7. von Uwe R.
    Deutschland ist vor allem das Land der Deutschen sowie der Bürger anderer Staaten, die hier rechtmässig leben.

    Es gab und gibt jedoch keine 'islamische Staatsbürgerschaft' in Deutschland, man ist immer Bürger irgendeines Staates und nicht des Islams.

    Deutschland gehört zu jenen europäischen Ländern, deren geschichtliche, geistige und kulturelle Grundlagen sich auf Athen, Jerusalem und Rom stützen.
  8. von Freya Bartels
    "Von der angeblichen Devise der Muslime "Bloß nicht auffallen!", ist bislang allerdings kaum etwas zu merken."

    Jedenfalls heißen diejenigen, die es sich herausnehmen, einfach mal spontan eine Autobahn zu blockieren - nur um dort ihre Hochzeitsvideos und -fotos zu machen - nie Fritz und Luise. Sie sind es auch nicht, die sich weigern unseren Polizeikräften Folge zu leisten und stattdessen die Großfamilie mobilisieren, damit diese die Durchsetzung einer Maßnahme unterbindet.

    Zu dem Problem der illegalen Autorennen, bei denen auch der Tod von Unbeteiligten billigend in Kauf genommen wird, heißt es in einem Artikel des Tagesspiegels, dass die Fahrer überwiegend türkische, arabische und russische Wurzeln haben:

    "Mehrere Dutzend, meist hochwertige Fahrzeuge, stehen bereits in Hallen der Polizei.

    Die Amtsanwaltschaft will versuchen, diese Fahrzeuge endgültig einzukassieren. Dies gilt als besonders wirkungsvolles Mittel bei den meist jungen Rasern. Winkelmann hatte die so beschrieben: „Überwiegend Deutsche zwischen 20 und 30 mit – in dieser Reihenfolge – türkischen, arabischen und russischen Wurzeln.“

    https://m.tagesspiegel.de/berlin/raser-in-berlin-zahl-illegaler-autorennen-hat-sich-verdreifacht/22862924.html?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

    Derartig öffentlichkeitswirksame Aktionen garantieren zwar maximale Aufmerksamkeit, aber leider bringen sie auch eine ganze Bevölkerungsgruppe in Misskredit und spielen den rechten Hetzern in die Hände. Es wäre gut gewesen, wenn Herr Nakschbandi in seinem Artikel auch auf diese Zusammenhänge eingegangen wäre - anstatt allen Muslimen eine Art "Persilschein" auszustellen und sie in ihrer Ablehnung der Mehrheitsgesellschaft zu bestärken.