Islam in Deutschland Muslime, seid stolz!

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M. Walid Nakschbandi ist Produzent und Geschäftsführer der Medienproduktionsgesellschaft AVE Publishing in Berlin und München.

Angst vor dem Islam zu haben, entspricht dem deutschen Zeitgeist und führt zu Hass oder Überheblichkeit. Es ist endlich Zeit, sich zu wehren.

Einige Tage vor Beginn der heiligen Fastenzeit Ramadan stellte die südafrikanische Supermarktkette Pick n Pay in all ihren Läden Plakate auf: „Wishing all our Muslim customers well in the Holy Month of Ramadan“, stand darauf. Für die meisten Kunden, die in diesen Tagen neben mir durch die Regale schlenderten, war das eine selbstverständliche, respektvolle Geste gegenüber einer von vielen Religionsgruppen im Land. Für mich war es mehr. Ein Anlass, über meine Heimat Deutschland nachzudenken. Und ihren Umgang mit Muslimen.
Ich fragte mich, ob Deutschlands Supermarktketten auch auf diese Idee kommen würden. Wohl eher nicht. Deutschland ist für seine Technik, die Motoren und die Pfennigfuchserei bekannt, aber nicht als Mutterland der Sensiblen, Empathischen und Einfühlsamen. Dem Zeitgeist entspricht es eher, vor „dem Muslim“ Angst zu haben. Schließlich könnte er jederzeit in der Fußgängerzone sein Messer zücken oder mit seinem Sprengstoffgürtel um den Bauch „Ungläubige“ in die Luft jagen oder „unsere“ deutschen Frauen vergewaltigen. Die lebensgefährliche Überseefahrt aus der Türkei hat er nur gewagt, um Deutschland zu islamisieren, die Macht im Abendland zu übernehmen und damit endlich den „osmanischen Traum“ zu erfüllen. „Der Muslim“ ist, so denken die, die mit der AfD im Gleichschritt unterwegs sind, mordlustig, unzivilisiert, hängt einer dogmatischen, fanatischen und mittelalterlichen Gesinnung an, ist habgierig (insbesondere was deutsche Sozialleistungen angeht) und lässt die deutsche Gesellschaft verdummen.

Dem deutschen Zeitgeist entspricht es, vor „dem Muslim“ Angst zu haben

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Gegen die „German Angst“ sind Muslime scheinbar machtlos, nein, schlimmer noch, sie sind ihr ausgeliefert. Dabei haben hier auch vor der sogenannten Flüchtlingskrise viele Millionen Muslime friedlich gelebt. Die meisten von ihnen hießen damals nicht nur im deutschen Gossenjargon „Kümmeltürken“ oder „Muselmänner“. Sie waren zum großen Teil Gastarbeiter, die den deutschen Wohlstand und das Wirtschaftswunder realisierten. Als irgendwann ihr (Wähler)-Potenzial erkannt wurde, kam der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf die Idee eine Islamkonferenz auszurichten. Natürlich ging es ihm erst einmal darum, den Roten und den Grünen ein originäres Thema zu klauen. Der gewiefte Parteipolitiker hatte erkannt, dass die damals fünf Millionen Muslime in Deutschland einen relevanten Bevölkerungsanteil darstellen. Und ein kluger Staat beachtet einen solchen im politischen Diskurs, nimmt ihn ernst und gewährt ihm selbstverständlich Rechte.
Auch ich nahm an der ersten Phase der Konferenz teil. Doch Schäubles Versuch, einen Dialog herbeizuführen, scheiterte tragisch: Ein Grund war der massive und spürbare Widerstand vieler Bundestagsabgeordneter sowie leitender Beamter in Ministerien, ein anderer die Kurzsichtigkeit der muslimischen Vertreter. Jetzt ist die Islamkonferenz tot, und bedauerlicherweise existiert nach wie vor kein gesellschaftlicher Dialog. Was aber existiert, ist ein anhaltender Monolog. Eine Hetzrede, die Muslime im öffentlichen Raum beleidigt, herabsetzt, beschimpft und nicht respektiert.

Es existiert kein gesellschaftlicher Dialog mit dem Islam

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Es gibt ein Recht auf Meinungsfreiheit, so dürfen auch die Dummen ihre Meinungen äußern. Was mich aber wirklich ratlos macht, ist das phlegmatische Verhalten, die Gleichgültigkeit der Muslime und der Funktionäre der hiesigen Islamverbände. Natürlich kann man das alles ganz christlich angehen und auch noch die dritte, vierte und fünfte Wange hinhalten – aber wie lange eigentlich noch? Und hat das bisher irgendwas gebracht? Hat irgendein Rassist, Faschist, Dummschwätzer oder Mitläufer vor dem nächsten Ausholen mal kurz innegehalten und gesagt: „Hey, Du wehrst Dich ja gar nicht. Du bist wohl gar nicht so brutal und gefährlich?“
Liebe Muslime, ich adressiere euch jetzt ganz direkt: Warum wehrt ihr euch nicht? Warum nehmt ihr euer Recht der freien Meinungsäußerung nicht wahr? Warum haltet ihr angesichts der Unverfrorenheit den Mund? Warum gebt ihr euch unfähig, euch intellektuell und kulturell zu verteidigen? Ihr seid tief getroffen und scheint paralysiert, als hättet ihr den letzten Rest Selbstbewusstsein verloren – merkt ihr gar nicht, dass ihr euch damit vollends ausliefert?
Ein aktuelles Beispiel: Vor wenigen Wochen wurde hierzulande aufgeregt darüber berichtet, „Mohammad“ sei nun in Berlin der häufigste Vorname bei Neugeborenen. Viele sahen darin den ultimativen Beweis für die Islamisierung Deutschlands. Echt jetzt? Man stelle sich mal vor, jemand würde behaupten, die Häufigkeit der Vornamen Ferdinand, Fritz oder Luise bedeute eine Renaissance der deutschen Monarchie oder die der Vornamen Adolf, Heinrich oder Reinhard stünde für die Wiederkehr des Nationalsozialismus in Deutschland. 

Muslime und Islamverbände zeigen ein phlegmatisches Verhalten und Gleichgültigkeit  

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Mal ehrlich, ihr deutschen Muslime oder muslimischen Deutschen: Wie lange wollt ihr das eigentlich noch mit hängenden Schultern und ohne Widerrede hinnehmen? Es geht niemanden etwas an, ob ihr eure Kinder Mohammed oder Ella nennt. Wenn ihr nicht endlich lernt, für euch zu sprechen, sei euch gesagt: Das wird niemand anderes in diesem Land für euch tun. Höchstens die wenigen „Gutmenschen“, die es versuchen, dafür aber Dankbarkeit und Lob erwarten, dass sie euch über euer geschundenes Haupt streicheln wie einem Kind und sagen: „Alles gut. Sind nur ein paar Dummköpfe, die so reden, wir anderen sind alle ganz lieb.“ Nein, das sind sie nicht. Es sitzt zu tief: die Angst, der Hass, die Überheblichkeit, das paternalistische Verhalten. Der Hetze wird kaum etwas entgegengesetzt. Egal, ob es um das muslimische Schächten geht, um Beschneidungen, Einführung eines Feiertages für Muslime oder den Umgang mit Fußballern. „Lieber Mesut Özil, gut, dass Sie das Hemd mit dem Adler ausgezogen haben. Wir passen nicht mehr zusammen“, schrieb die „Bild“-Zeitung im Sommer 2018.

Der Hetze wird hierzulande kaum etwas entgegengesetzt

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Die Liste der deutschtümelnden Beleidigungen und Herabwürdigungen ist lang. Und euer Schweigen noch langmütiger. Fühlt ihr noch was? Eure Tatenlosigkeit, eure Agonie, dieses apathische Verhalten machen alles nur noch schlimmer. Das, was auf deutschen Schulhöfen gilt, gilt im ganzen Leben: Wenn ihr euch keinen Respekt verschafft, dann bleibt ihr ewig die Verlierer. Auch sich wehren zu dürfen, wenn die eigene Würde verletzt wird, ist ein Recht, das verfassungsmäßig verankert ist. Ihr aber duckt euch weg, schweigt, immer nach der Devise: bloß nicht auffallen. Ich muss euch enttäuschen. Das mit dem Nichtauffallen klappt nicht. Ich weiß genau, wie viele von euch täglich von Unbekannten auf der Straße, in der Kassenschlange, auf dem Parkplatz oder im Büro als „Terrorist“, „Sozialschmarotzer“ oder sonst was beschimpft werdet – stets abgerundet mit dem Befehl „Geh nach Hause!“ oder „Verpiss dich!“. Wie lange noch? Wenn ihr als Bürger dieses Landes und Mitglieder dieser Gesellschaft ernst genommen werden wollt, dann müsst ihr euch schon auch selbst ernst nehmen, sonst wird das nie etwas.
Ihr habt jetzt 60 Jahre lang versucht, von den Deutschen geliebt zu werden. Ihr habt über „Kümmeltürke“ in den fünfziger Jahren und über „Taliban“ heute hinweggelächelt. Ihr habt euch von Edmund Stoiber, der von der „durchrassten Gesellschaft“ sprach, und seinem Geistesbruder Thilo Sarrazin, der euch ein Gen für Dummheit beschieden hat, tatsächlich zum Schweigen bringen lassen. Schluss mit der Anbiederei und dem Gehorsam. Warum entschuldigt ihr euch für den Terror der Terroristen? Habt ihr irgendwas damit zu tun? Von meinen christlichen deutschen Freunden hat sich noch niemand für die Kinderschändereien der Priester entschuldigen müssen.

Muslime sollen sich nicht für islamistische Terroristen entschuldigen

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Wir würden noch heute von „Negern“, „Hottentotten“ und „Bimbos“ sprechen, wenn Martin Luther King, Steve Biko oder Nelson Mandela nicht dagegen aufgestanden wären. Immer wieder beweisen Einzelne, dass sie die Welt umkrempeln und verändern können. Es sind Menschen mit Mut, Furchtlosigkeit, Selbstbewusstsein und Liebe.
Die AfD und jene, die ihr nachlaufen, wollen nicht wahrhaben, dass Deutschland seine ethnische Homogenität längst verloren hat und heute ein multiethnisches und multikulturelles Land ist. Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff hat mit seiner historisch bedeutsamen Rede am 3. Oktober 2010 für eine Eruption in der deutschen Gesellschaft gesorgt: „Zuallererst brauchen wir aber eine klare Haltung: ein Verständnis von Deutschland, das Zugehörigkeit nicht auf einen Pass, eine Familiengeschichte oder einen Glauben verengt, sondern breiter angelegt ist. Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“
Muslime, es liegt auch an euch, dafür zu sorgen, dass auch der letzte Verblendete das endlich erkennt. Befreit euch von eurem Dasein als Opfer und lasst nicht weiter zu, dass man euch zum Schweigen bringt. Dieses Land ist nicht nur das Land von Luise und Friedrich, sondern auch das Land von Ayse und Mohammad. Also auch das eure. Das unsere. Denn wir haben kein anderes.

81 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Max Holloway
    Für Sie gibt es also nur zwei Arten von Deutschen,die Hasserfüllten und die linken"Gutmenschen"?
    Nun, die Deutschen sollten wohl öfter in islamische Länder reisen und sich etwas von der dort vorherrschenden Hochkultur und der überall spürbaren Feinfühligkeit und Empathie, vor allem anderen Religionen und Frauen gegenüber, ein Beispiel nehmen.
    MfG
  2. von Hartmut Flemming
    BUCH lesen ! Warum werden Beiträge gelöscht,die Redaktion sollte lieber allen Usern das Buch: SARRAZIN....Feindliche Übernahme "Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht...da bekommt jeder für sich eine treffende oder auch nicht zutreffende Antwort auf diesen Beitrag....und kann sich somit seine eigene Meinung bilden...freundliche Grüße an Alle !!!
  3. von Raluca Voda
    Sehr geehrte/r User*in, bitte unterlassen Sie pauschale Unterstellungen. Mit freundlichen Grüßen Ihre Community-Redaktion / ah
  4. von Jo Eck
  5. von Andreas Rabe
    Sehr geehrter User, dieser Kommentar wurde gelöscht, da er pauschale Unterstellungen enthielt und unsachlich formuliert war. Bitte unterlassen Sie solche Unterstellungen und bleiben Sie sachlich. Mit freundlichen Grüßen Ihre Community-Redaktion / ah
    1. von Jo Eck
      Antwort auf den Beitrag von Andreas Rabe 22.07.2019, 09:00:06
      [Sehr geehrter Nutzer, wir haben Ihren Kommentar entfernt, da er keine keine sachliche, fundierte Kritik am Autor enthält. Viele Grüße, die Community-Redaktion/tkn]
    2. von Jo Eck
      Antwort auf den Beitrag von Jo Eck 22.07.2019, 09:55:26
      ...es war aber eine Bitte um journalistische Recherche?
      Sehr geehrter User, Ihr ursprünglicher Kommentar enthielt den Versuch, unseren Autoren zu diskreditieren. Sie können durchaus Artikel / Autoren kritisieren, doch bleiben Sie bitte sachlich und argumentativ. MfG, die Redaktion/tkn
    3. von Jo Eck
      Antwort auf den Beitrag von Jo Eck 22.07.2019, 10:37:20
      Frage war, warum eine Kolumne, die auf Leser / Journalist unsachlich wirkt, mit Unterstellungen arbeitet, von der Redaktion veröffentlicht wurde, während unsachliche und unterstellende Kommentare gelöscht wurden? Links zu Wikipedia, einem anderen polemischen Artikel des Autors wurden gelöscht - ? So ist ein sachliches Gespräch nicht möglich.
    4. von Hartmut Flemming
      Antwort auf den Beitrag von Jo Eck 22.07.2019, 11:14:43
      Volle Zustimmung !!!
  6. von Andrea Götsch
    "Angst vor dem Islam zu haben, entspricht dem deutschen Zeitgeist und führt zu Hass oder Überheblichkeit. Es ist endlich Zeit, sich zu wehren."
    Die Angst vor dem Islam ist nicht unbegründet. Viele Anschläge (weltweit) wurden im Namen dieser Religion begangen. Es wird wieder gefordert das wir Deutschen unser Denken hinterfragen müssen, nicht aber die anderen. Für das Zusammenleben in unserem Staat muss das aber jeder machen, denn gerade unsere Werte werden doch von vielen Muslimen nicht akzeptiert.
    Der Kommentar von Herrn Nakschbandi zeigt mir, dass auch er in unserem Land nicht angekommen zu sein scheint.
    1. von Jörn Ellerbrock
      Antwort auf den Beitrag von Andrea Götsch 22.07.2019, 08:50:14
      Sehr geehrter User, dieser Kommentar wurde gelöscht, weil er unseren Autoren unsachlich und unangemessen kritisierte. Mit freundlichen Grüßen Ihre Community-Redaktion / ah
    2. von Andrea Götsch
      Antwort auf den Beitrag von Jörn Ellerbrock 24.07.2019, 08:28:46
      Sehr geehrte Userin, dieser Kommentar wurde gelöscht, weil er unseren Autoren unsachlich und unangemessen kritisierte. Mit freundlichen Grüßen Ihre Community-Redaktion / ah
  7. von Eckhardt Kiwitt, Freising
    Selbstdiskriminierung & Selbstkritikphobie

    Dieser Beitrag von Walid Nakschbandi ist für eine gelingende und vielfach bereits gelungene Integration m.E. nicht hilfreich -- im Gegenteil.

    Das, was Walid Nakschbandi hier empfielt oder gar fordert, halte ich für Selbstdiskriminierung, Selbstausgrenzung. Diese Selbstdiskriminierung lässt sich jedoch wunderbar in Diskriminierung umdeuten (oder umfunktionieren), aus der sich ein institutionalisierter Opferstatus konstruieren lässt -- Selbstkritikphobie inclusive.

    Wer seine eigene Religion / Weltanschauung über alles stellt, hebt sich damit über seine Mitmenschen -- und erniedrigt diese im Umkehrschluss.

    Gemäß unserer Verfassung, dem GG, sind alle Menschen (sic!) vor dem Gesetz gleich (Art. 3,1).

    Eckhardt Kiwitt, Freising
  8. von Eckhardt Kiwitt, Freising
    Stolz sein ?

    Stolz geht einher mit Verklärung.
    Wer trägt schon selber etwas dazu bei, in welchen Kulturkreis er hineingeboren wird ?

    Anerkennung sollte man nicht einfordern, man kann sie sich mit Aufrichtigkeit erarbeiten.

    Ganz nebenbei: Wer etwas über (den) Islam erfahren möchte, könnte sich z.B. die Gegebenheiten dort anschauen, wo islamische Gesetze gelten, Länder, in denen Islam Staatsreligion ist.

    Eckhardt Kiwitt, Freising
  9. von Rainer Werner
    Sehr geehrter User, dieser Kommentar wurde gelöscht, da er pauschale Unterstellungen enthielt. Bitte unterlassen Sie diese, sie verstoßen gegen unsere Richtlinien. Mit freundlichen Grüßen Ihre Community-Redaktion / ah
  10. von Gerd Abraham
    Auf was sollen denn Muslime Stolz sein?

    Auf eine Religion, die sich am 7. Jahrhundert orientiert! Und die es auch nicht zuläßt, wenn man über den Sinn mancher Suren einfach mal diskutieren will.

    Eine Religion, dessen Buch, oder sollte man Lebensanleitung sagen, nur Gut oder Böse kennt. Entweder man lebt nach dieser, oder man ist per se ungläubig!

    Ich akzeptiere jeden Menschen wie er ist. Aber wenn er sich auf Grund (s)einer Religion über mich stellen will, akzeptiere ich das niemals!