Islam in Deutschland Muslime, seid stolz!

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Expertise:

M. Walid Nakschbandi ist Produzent und Geschäftsführer der Medienproduktionsgesellschaft AVE Publishing in Berlin und München.

Angst vor dem Islam zu haben, entspricht dem deutschen Zeitgeist und führt zu Hass oder Überheblichkeit. Es ist endlich Zeit, sich zu wehren.

Einige Tage vor Beginn der heiligen Fastenzeit Ramadan stellte die südafrikanische Supermarktkette Pick n Pay in all ihren Läden Plakate auf: „Wishing all our Muslim customers well in the Holy Month of Ramadan“, stand darauf. Für die meisten Kunden, die in diesen Tagen neben mir durch die Regale schlenderten, war das eine selbstverständliche, respektvolle Geste gegenüber einer von vielen Religionsgruppen im Land. Für mich war es mehr. Ein Anlass, über meine Heimat Deutschland nachzudenken. Und ihren Umgang mit Muslimen.
Ich fragte mich, ob Deutschlands Supermarktketten auch auf diese Idee kommen würden. Wohl eher nicht. Deutschland ist für seine Technik, die Motoren und die Pfennigfuchserei bekannt, aber nicht als Mutterland der Sensiblen, Empathischen und Einfühlsamen. Dem Zeitgeist entspricht es eher, vor „dem Muslim“ Angst zu haben. Schließlich könnte er jederzeit in der Fußgängerzone sein Messer zücken oder mit seinem Sprengstoffgürtel um den Bauch „Ungläubige“ in die Luft jagen oder „unsere“ deutschen Frauen vergewaltigen. Die lebensgefährliche Überseefahrt aus der Türkei hat er nur gewagt, um Deutschland zu islamisieren, die Macht im Abendland zu übernehmen und damit endlich den „osmanischen Traum“ zu erfüllen. „Der Muslim“ ist, so denken die, die mit der AfD im Gleichschritt unterwegs sind, mordlustig, unzivilisiert, hängt einer dogmatischen, fanatischen und mittelalterlichen Gesinnung an, ist habgierig (insbesondere was deutsche Sozialleistungen angeht) und lässt die deutsche Gesellschaft verdummen.

Dem deutschen Zeitgeist entspricht es, vor „dem Muslim“ Angst zu haben

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Gegen die „German Angst“ sind Muslime scheinbar machtlos, nein, schlimmer noch, sie sind ihr ausgeliefert. Dabei haben hier auch vor der sogenannten Flüchtlingskrise viele Millionen Muslime friedlich gelebt. Die meisten von ihnen hießen damals nicht nur im deutschen Gossenjargon „Kümmeltürken“ oder „Muselmänner“. Sie waren zum großen Teil Gastarbeiter, die den deutschen Wohlstand und das Wirtschaftswunder realisierten. Als irgendwann ihr (Wähler)-Potenzial erkannt wurde, kam der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf die Idee eine Islamkonferenz auszurichten. Natürlich ging es ihm erst einmal darum, den Roten und den Grünen ein originäres Thema zu klauen. Der gewiefte Parteipolitiker hatte erkannt, dass die damals fünf Millionen Muslime in Deutschland einen relevanten Bevölkerungsanteil darstellen. Und ein kluger Staat beachtet einen solchen im politischen Diskurs, nimmt ihn ernst und gewährt ihm selbstverständlich Rechte.
Auch ich nahm an der ersten Phase der Konferenz teil. Doch Schäubles Versuch, einen Dialog herbeizuführen, scheiterte tragisch: Ein Grund war der massive und spürbare Widerstand vieler Bundestagsabgeordneter sowie leitender Beamter in Ministerien, ein anderer die Kurzsichtigkeit der muslimischen Vertreter. Jetzt ist die Islamkonferenz tot, und bedauerlicherweise existiert nach wie vor kein gesellschaftlicher Dialog. Was aber existiert, ist ein anhaltender Monolog. Eine Hetzrede, die Muslime im öffentlichen Raum beleidigt, herabsetzt, beschimpft und nicht respektiert.

Es existiert kein gesellschaftlicher Dialog mit dem Islam

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Es gibt ein Recht auf Meinungsfreiheit, so dürfen auch die Dummen ihre Meinungen äußern. Was mich aber wirklich ratlos macht, ist das phlegmatische Verhalten, die Gleichgültigkeit der Muslime und der Funktionäre der hiesigen Islamverbände. Natürlich kann man das alles ganz christlich angehen und auch noch die dritte, vierte und fünfte Wange hinhalten – aber wie lange eigentlich noch? Und hat das bisher irgendwas gebracht? Hat irgendein Rassist, Faschist, Dummschwätzer oder Mitläufer vor dem nächsten Ausholen mal kurz innegehalten und gesagt: „Hey, Du wehrst Dich ja gar nicht. Du bist wohl gar nicht so brutal und gefährlich?“
Liebe Muslime, ich adressiere euch jetzt ganz direkt: Warum wehrt ihr euch nicht? Warum nehmt ihr euer Recht der freien Meinungsäußerung nicht wahr? Warum haltet ihr angesichts der Unverfrorenheit den Mund? Warum gebt ihr euch unfähig, euch intellektuell und kulturell zu verteidigen? Ihr seid tief getroffen und scheint paralysiert, als hättet ihr den letzten Rest Selbstbewusstsein verloren – merkt ihr gar nicht, dass ihr euch damit vollends ausliefert?
Ein aktuelles Beispiel: Vor wenigen Wochen wurde hierzulande aufgeregt darüber berichtet, „Mohammad“ sei nun in Berlin der häufigste Vorname bei Neugeborenen. Viele sahen darin den ultimativen Beweis für die Islamisierung Deutschlands. Echt jetzt? Man stelle sich mal vor, jemand würde behaupten, die Häufigkeit der Vornamen Ferdinand, Fritz oder Luise bedeute eine Renaissance der deutschen Monarchie oder die der Vornamen Adolf, Heinrich oder Reinhard stünde für die Wiederkehr des Nationalsozialismus in Deutschland. 

Muslime und Islamverbände zeigen ein phlegmatisches Verhalten und Gleichgültigkeit  

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Mal ehrlich, ihr deutschen Muslime oder muslimischen Deutschen: Wie lange wollt ihr das eigentlich noch mit hängenden Schultern und ohne Widerrede hinnehmen? Es geht niemanden etwas an, ob ihr eure Kinder Mohammed oder Ella nennt. Wenn ihr nicht endlich lernt, für euch zu sprechen, sei euch gesagt: Das wird niemand anderes in diesem Land für euch tun. Höchstens die wenigen „Gutmenschen“, die es versuchen, dafür aber Dankbarkeit und Lob erwarten, dass sie euch über euer geschundenes Haupt streicheln wie einem Kind und sagen: „Alles gut. Sind nur ein paar Dummköpfe, die so reden, wir anderen sind alle ganz lieb.“ Nein, das sind sie nicht. Es sitzt zu tief: die Angst, der Hass, die Überheblichkeit, das paternalistische Verhalten. Der Hetze wird kaum etwas entgegengesetzt. Egal, ob es um das muslimische Schächten geht, um Beschneidungen, Einführung eines Feiertages für Muslime oder den Umgang mit Fußballern. „Lieber Mesut Özil, gut, dass Sie das Hemd mit dem Adler ausgezogen haben. Wir passen nicht mehr zusammen“, schrieb die „Bild“-Zeitung im Sommer 2018.

Der Hetze wird hierzulande kaum etwas entgegengesetzt

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Die Liste der deutschtümelnden Beleidigungen und Herabwürdigungen ist lang. Und euer Schweigen noch langmütiger. Fühlt ihr noch was? Eure Tatenlosigkeit, eure Agonie, dieses apathische Verhalten machen alles nur noch schlimmer. Das, was auf deutschen Schulhöfen gilt, gilt im ganzen Leben: Wenn ihr euch keinen Respekt verschafft, dann bleibt ihr ewig die Verlierer. Auch sich wehren zu dürfen, wenn die eigene Würde verletzt wird, ist ein Recht, das verfassungsmäßig verankert ist. Ihr aber duckt euch weg, schweigt, immer nach der Devise: bloß nicht auffallen. Ich muss euch enttäuschen. Das mit dem Nichtauffallen klappt nicht. Ich weiß genau, wie viele von euch täglich von Unbekannten auf der Straße, in der Kassenschlange, auf dem Parkplatz oder im Büro als „Terrorist“, „Sozialschmarotzer“ oder sonst was beschimpft werdet – stets abgerundet mit dem Befehl „Geh nach Hause!“ oder „Verpiss dich!“. Wie lange noch? Wenn ihr als Bürger dieses Landes und Mitglieder dieser Gesellschaft ernst genommen werden wollt, dann müsst ihr euch schon auch selbst ernst nehmen, sonst wird das nie etwas.
Ihr habt jetzt 60 Jahre lang versucht, von den Deutschen geliebt zu werden. Ihr habt über „Kümmeltürke“ in den fünfziger Jahren und über „Taliban“ heute hinweggelächelt. Ihr habt euch von Edmund Stoiber, der von der „durchrassten Gesellschaft“ sprach, und seinem Geistesbruder Thilo Sarrazin, der euch ein Gen für Dummheit beschieden hat, tatsächlich zum Schweigen bringen lassen. Schluss mit der Anbiederei und dem Gehorsam. Warum entschuldigt ihr euch für den Terror der Terroristen? Habt ihr irgendwas damit zu tun? Von meinen christlichen deutschen Freunden hat sich noch niemand für die Kinderschändereien der Priester entschuldigen müssen.

Muslime sollen sich nicht für islamistische Terroristen entschuldigen

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Wir würden noch heute von „Negern“, „Hottentotten“ und „Bimbos“ sprechen, wenn Martin Luther King, Steve Biko oder Nelson Mandela nicht dagegen aufgestanden wären. Immer wieder beweisen Einzelne, dass sie die Welt umkrempeln und verändern können. Es sind Menschen mit Mut, Furchtlosigkeit, Selbstbewusstsein und Liebe.
Die AfD und jene, die ihr nachlaufen, wollen nicht wahrhaben, dass Deutschland seine ethnische Homogenität längst verloren hat und heute ein multiethnisches und multikulturelles Land ist. Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff hat mit seiner historisch bedeutsamen Rede am 3. Oktober 2010 für eine Eruption in der deutschen Gesellschaft gesorgt: „Zuallererst brauchen wir aber eine klare Haltung: ein Verständnis von Deutschland, das Zugehörigkeit nicht auf einen Pass, eine Familiengeschichte oder einen Glauben verengt, sondern breiter angelegt ist. Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“
Muslime, es liegt auch an euch, dafür zu sorgen, dass auch der letzte Verblendete das endlich erkennt. Befreit euch von eurem Dasein als Opfer und lasst nicht weiter zu, dass man euch zum Schweigen bringt. Dieses Land ist nicht nur das Land von Luise und Friedrich, sondern auch das Land von Ayse und Mohammad. Also auch das eure. Das unsere. Denn wir haben kein anderes.

81 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Beatrice Mayer
    Realitätsferne und gnadenlose Überheblichkeit zeichnen diesen text aus.
  2. von Daniel Anderson
    Sehr geehrter Nutzer, Ihr Kommentar wurde aufgrund von Verstößen gegen unsere Richtlinien entfernt. Bitte verzichten Sie auf Stigmatisierungen und Unterstellungen. Mit freundlichen Grüßen die Community-Redaktion / dr
  3. von Lisbeth Müller
    Nur eins kurz herausgenommen und festgehalten:Jeder Mißbrauch und jedes Opfer ist eine menschliche Tragödie und ist eines zuviel.
    Jedoch fügen christliche Kinderschänder ihren Opfern nicht aus religiösen Gründen Leid zu, Islamisten töten und foltern im Namen des Islam.
    Christen haben, im Gegensatz zu den Muslimen, die Möglichkeit aus Protest gegen die Schandtaten der Priester aus den Kirchen auszutreten. Und dies haben sie auch zu Tausenden getan.
    1. von Nelson Semedo
      Antwort auf den Beitrag von Lisbeth Müller 29.07.2019, 19:39:56
      Woher wollen sie das wissen? Können Sie in die Köpfe der Täter schauen und kennen Sie jeden Täter und sei e wahren Beweggründe? Und glauben sie ernsthaft, dass es einen Unterschied für das Opfer macht, von wem und wofür es getötet wird? Sie machen es sich viel zu einfach und wollen hier suggerieren, dass Täter, die sich den Islam zuschreiben die Regel sind, während es keine radikalen Attentäter anderer Religionen gibt. Wenn der Westen unter dem Deckmantel der Menschenrechte in fremde Länder einfällt und Menschen für Rohstoffe und den Kapitalismus ermordet, dann ist es das gleiche nur das die Opferzahlen der durch westliche Staaten verursachten kriege und invasionen, wesentlich höher sind, als die, der absoluten Minderheiten unter Muslimen, dies ist ein Fakt, den sie statisch recherchieren können.
  4. von Siegmund Braun
    Der Untertitel lautet: Angst vor dem Islam zu haben, entspricht dem deutschen Zeitgeist und führt zu Hass oder Überheblichkeit. Es ist endlich Zeit, sich zu wehren.
    Mal ganz unter uns: an wen ist der Artikel gerichtet? An die Christen oder an die Muslime?
    1. von Freya Bartels
      Antwort auf den Beitrag von Siegmund Braun 27.07.2019, 19:17:02
      In diesem Artikel geht es um Stolz und Respekt. Herr Nakschbandi hat ihn ausschließlich an seine muslimischen Glaubensgeschwister adressiert. Was er den Nicht-Muslimen mitzuteilen hat, klingt so:

      https://m.tagesspiegel.de/politik/rechtsextremismus-geht-nicht-fuer-uns-auf-die-strasse-die-guten-deutschen-und-die-auslaenderfeindlichkeit/159744.html
    2. von Regina Kratzer
      Antwort auf den Beitrag von Siegmund Braun 27.07.2019, 19:17:02
      Vermutlich ist die Leserschaft des Artikels mehrheitlich nicht muslimisch, je nachdem wie die Leserstruktur des Tagesspiegels so ist...
      Ich habe dennoch den Eindruck, der Aufruf richtet sich an die schweigende Mehrheit der Muslime und Muslimas. Zu Wort melden sich engagierte Menschen aus der Community, die aber meiner Vermutung nach, nur Minderheiten vertreten, so wie Seyran Ates in der heutigen Ausgabe des Tagesspiegels oder radikalisierte bzw. pubertierende Jugendliche, die ebenfalls keine Mehrheit repräsentieren...
      Wir nicht muslimischen Leser*innen werden daran erinnert, dass es diese schweigende Mehrheit auch gibt...
    3. von Nelson Semedo
      Antwort auf den Beitrag von Regina Kratzer 28.07.2019, 11:02:49
      Sehr geehrter Nutzer, Ihr Kommentar wurde aufgrund von Verleumdung entfernt. Mit freundlichen Grüßen die Community-Redaktion / dr
  5. von Freya Bartels
    Der Autor meint: "Deutschland ist für seine Technik, die Motoren und die Pfennigfuchserei bekannt, aber nicht als Mutterland der Sensiblen, Empathischen und Einfühlsamen."

    Die Flüchtlinge, mit denen ich zu tun hatte und habe, beurteilen unser Land als eines, das sie respektvoll und gleichberechtigt behandelt, indem ihnen das gleiche Existenzminimum zugestanden wird wie den Deutschen, und in dem ihnen auch von Ehrenamtlichen und anderen Normalbürgern geholfen wird. Ich habe bisher weder selbst erlebt, dass diese Menschen auf der Straße, an der Kassenschlange, auf dem Parkplatz oder in einem Büro als Terroristen oder Sozialschmarotzer beschimpft worden wären, noch hat mir davon jemals einer der Flüchtlinge berichtet. Vielleicht liegt das daran, dass sie sich selbst anständig benehmen? Zugegebenermaßen hat die deutsche "Willkommenskultur" schon Silvester 2015 den ersten Knacks bekommen, als deutlich wurde, was einige Männer von der unantastbaren Würde westlicher Frauen halten.

    Die Passage in der Rede des Bundespräsidenten Wulff am 3.10.2010, wonach der Islam zu Deutschland gehöre, wurde von Herrn Nakschbandi initiiert. Während Europa immer noch darauf wartet, dass sich für Christen in den islamischen Staaten etwas zum Positiven verändert, halten es manche der ca 5,5% Muslime der deutschen Bevölkerung inzwischen für an der Zeit, dass Deutschland einen muslimischen Feiertag erhält und dass im öffentlichen Raum eine Würdigung des Ramadan stattfindet als "eine selbstverständliche, respektvolle Geste gegenüber einer von vielen Religionsgruppen im Land". Vielen von ihnen mag es genau um diesen Respekt ihrer Religion gegenüber gehen; an der Lebensqualität ändert sich aber nichts.

    Wer sich, auch als Muslim, auf den Seiten der "Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte" (IGFM) über das Justizwesen, die Situation von Minderheiten und die Strafen für den Abfall vom Islam - z.B. in dem Geburtsland des Autors - informiert, wird Deutschland zu schätzen wissen.
  6. von Wolf-Dieter Busch
    Der Autor nennt uns überheblich. Wir sind es nicht!

    Zum Thema Zeitgeist und „Angst vor dem Muslim“ – ein Grundmisstrauen ist von vitalem Interesse. Die Moslems schotten sich von der Umgebung vollständig ab. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass sie unsere Wertvorstellungen teilen.

    „Gegen die ‚German Angst‘ sind Muslime scheinbar machtlos, nein, schlimmer noch, sie sind ihr ausgeliefert.“ – Aus der Zeitung erfahren wir, dass muslimische Schüler – sobald in der Überzahl – die deutschen Mitschüler terrorisieren. Wo genau fängt „unverschämt“ an bei Walid?

    Als meine damalige Partnerin im Auftrag des Sozialamts eine türkische Familie besuchte, sprach die Frau des Hauses: KEIN Wort Deutsch. Nach zwanzig Jahren in Deutschland! Daraus leitet sich zwanglos ab, dass sie (freiwillig oder nicht) unter Verschluss lebt.

    Dass wir uns recht verstehen, keine bösen Menschen, sondern nett! – Aber wie gehe ich um mit einer Frau, die meine Sprache nicht spricht? In meinem Land?
    1. von Petra Bleiweiss
      Antwort auf den Beitrag von Wolf-Dieter Busch 26.07.2019, 07:12:08
      > Die Moslems schotten sich von der Umgebung vollständig ab. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass sie unsere Wertvorstellungen teilen. <

      Nicht "die Moslems", sondern ein Teil von ihnen - und bei denen können wir uns uns darauf verlassen, dass sie unsere Wertvorstellungen NICHT teilen (sonst würden sie unsere Sprache lernen, uns kennenlernen wollen etc.).

      > Aus der Zeitung erfahren wir, dass muslimische Schüler – sobald in der Überzahl – die deutschen Mitschüler terrorisieren. <

      Und was schreibt dazu Herr Nakschbandi?
      "Eure Tatenlosigkeit, eure Agonie, dieses apathische Verhalten machen alles nur noch schlimmer. Das, was auf deutschen Schulhöfen gilt, gilt im ganzen Leben: Wenn ihr euch keinen Respekt verschafft, dann bleibt ihr ewig die Verlierer."

      Das von Ihnen beklagte und gefürchtete Verhalten vieler muslimischer Schüler ist für ihn offenbar der Weg, den Muslime auch in allen anderen Lebensbereichen wählen sollen, um sich "Respekt zu verschaffen".

      Wie mag es im Kopf von Herrn Nakschbandi aussehen?
      Für mich klingt das, was er heute wie vor fast 20 Jahren schreibt, nach nur mühsam verhohlener Aggression - als hoffe er, mit seinen Worten bei anderen etwas loszutreten, wofür er selbst nicht geradestehen will.

      Wie ist das möglich bei einem Menschen, der sein Leben lang eine so privilegierte Stellung hatte?

      Bei Menschen, die tatsächlich Ablehnung erfahren und die wissen, dass realistisch gesehen für sie kein Weg aufwärts führt, kann ich mir eine aus Frustration geborene Wut zumindest erklären.

      Aber woher kommt die Wut bei Herrn Nakschbandi?
    2. von Nelson Semedo
      Antwort auf den Beitrag von Wolf-Dieter Busch 26.07.2019, 07:12:08
      „Die Moslems schotten sich von der Umgebung vollständig ab. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass sie unsere Wertvorstellungen teilen.„

      Wow, kennen Sie jeden einzelnen Moslem und seine Lebens -und Denkweise, um so pauschal zu urteilen? Ist jeder Katholik ein pädophiler Holocaust-Leugner? Ihre Argumentation ist äußerst primitiv und mit Unwahrheiten versehen. Als man die Gastarbeiter in Ghettos verfrachtet hat und an Gymnasien nicht annehmen wollte und alle Schwarzköpfe in eine Schulklasse steckte und ihnen sagte „jetzt könnt ihr euch in eurer Sprache unterhalten“ da entstand das Hauptproblem und so entstanden letztlich Parallelgesellschaften, zudem wird Integration oft mit assimilation verwechselt, letztere verlangen einige bio deutsche schon eher.

      Die Akzeptanz wird hierzulande von Äußeren Umständen bestimmt, der Haarfarbe, Hautfarbe, kulturellen Herkunft und dem Namen, nicht der Wertevorstellung und charakterlichen Eigenschaft eines Menschen, mich hat der deutsche Umkreis nie als vollwertiges Mitglied wahrgenommen, rechte und diskriminierende Bemerkungen auf der Arbeit oder dem Immobilienmarkt sind die Regel und Verunglimpfungen salonfähig geworden.

      Jetzt wollen sie hier suggerieren, dass alle Muslime schuld sind, es keine Xenophobie und Diskriminierung gibt und man sich abschottet. Das belegt nur, wie unwissend sie sind und dass sie der rechtsextremen Propaganda zum Opfer fielen und die selbe Rhetorik und Weltanschauung an den Tag legen. Ein gemeinsames und friedliches Miteinander setzt voraus, dass man seine eigene Kultur und Wertevorstellung nicht als überlegen ansieht, denn genau diese Denkweise führte schon oft genug zu Gräueltaten, wie der Sklaverei, denn Holocaust, sei es dem jüdischen, als auch dem an den Indianern, Aborigines und den Herero und Nama. Jetzt tut man das gleiche mit Muslimen, man wirft ihnen Dinge an den Kopf, dämonisiert und diffamiert sie, versieht sie mit negativen Merkmalen und pauschalisiert
    3. von Wolf-Dieter Busch
      Antwort auf den Beitrag von Nelson Semedo 06.08.2019, 14:17:11
      Wenn ich „die Moslems“ schreibe, meine ich die überwältigende Mehrheit. Ohne Prozentangabe. Sowohl aus eigenem Erleben als auch aus Zeitung.

      „Wow, kennen Sie jeden einzelnen Moslem und seine Lebens -und Denkweise, um so pauschal zu urteilen?“ – Es gibt sicher eine Minderheit, die unauffällig zwischen uns lebt und unsere Werte teilt, etwa Feroz Khan https://www.youtube.com/channel/UCWOVvQzsJj5O-CxDAeon-w/about

      „Die Akzeptanz wird hierzulande von Äußeren Umständen bestimmt“ – Auf die äußeren Umstände habe ich keinen Einfluss. Speziell auch nicht bei unseren Zugereisten. Insbesondere den Konflikt zwischen Koran und Grundgesetz. Es wäre unverschämt, zu fordern, dass ich deren Konflikte löse, das müssen die selbständig tun. Und friedlich! Sonst Problem!

      „Das belegt nur, wie unwissend sie sind und dass sie der rechtsextremen Propaganda zum Opfer fielen“ – rechtsextrem, aha.
    4. von Wolf-Dieter Busch
      Antwort auf den Beitrag von Nelson Semedo 06.08.2019, 14:17:11
      Besserer Link zu Feroz Khan: https://philosophia-perennis.com/2018/02/09/feroz-khan-i/
  7. von Herwan Morodin
    Warum soll ich dazu was anderes sagen, als bei den Patridioten? Nur weil sie Muslime sind? Und jetzt meine Meinung dazu:
    Stolz ist ein armseliger Ersatz für Intelligenz.
    Ich hatte noch nie in meinem für irgendetwas Stolz erfunden.
    Alles was ich geschafft habe, habe ich geschafft, weil ich ein Mensch bin. Jahrmillionen der Evolution legen in jedem Menschen. Es ist also nichts besonderes dabei, wenn einer die 100 Meter in unter 11, oder gar unter 10 Sekunden schafft. Es ist halt so.
    Ich habe noch nie einen Geparden auf Video gesehen, der mit erhobenem Haupt dahinzieht, nur weil er mit über 100 km/h eine Antilope gerissen hat. Er kann es halt, weil er ein Gepard ist.
  8. von Said Bamutho
    Die Kommentare unter dieser Kolumne und die Umfrageergebnisse zeigen doch genau das, was Herr Nakschbandi anspricht. Die Tatsache ist, wenn irgendeine Supermarktkette in BRD Muslime zum Ramadan gratulieren würde, bräche hier eine wiederholte Panik aus. (Es ist eine Schande wir unterbelichtet die Panikmacher sind, was die Kita und Schweinefleisch-„Debatte“ angeht.)

    „Muslime sollen sich nicht für islamistische Terroristen entschuldigen“ – hier stimmen 88% dafür, dass sich Muslime dafür zu entschuldigen haben. Ihr habt sie nicht alle, alle 88%.

    Jeden Tag versucht ein Mann in Deutschland seine Frau zu töten, jeden zweiten Tag gelingt es. Also werden ca. 140 Frauen in Deutschland jährlich getötet. Aber dieses Problem wird nicht ansatzweise angegangen oder darüber in Talkshows rauf und runter diskutiert. Man spricht über Ehrenmord bei Muslimen, aber nicht über die 140 Frau die jährlich in Deutschland getötet werden - überwiegend von deutschen. Alice Schwarzer und wie sie alle heißen - alle blind, taub und stumm. Das ist ein Problem der sich AfD und Co. auch widmen sollten. Seit Wiedervereinigung sind in Deutschland 17 Menschen durch Islamisten getötet worden, das sind 17 zu viel aber kein Grund ganze Religionsgemeinschaft zu stigmatisieren.

    Wir sind hier und unter euch (!), also findet euch damit ab. Wir müssen nicht mit euch Bierchen trinken, ihr müsst nicht mit uns halal essen. Ihr müsst nichts aufgeben, wir müssen es aber auch nicht. Asylrecht schreibt keine Assimilation vor, nicht Mal ansatzweise! Asylrecht schreibt auch keine Integration vor! Wir sollten miteinander und zusammen leben, das können wir. Das würde der Gesellschaft und dem Land nützen. Stattdessen bricht man bei jeder Flatulenz in Panik aus – niemand wird Abendland islamisieren, wenn ihr selbst Abendländer bleibt.

    Danke für die Aufmerksamkeit!
    1. von Freya Bartels
      Antwort auf den Beitrag von Said Bamutho 25.07.2019, 18:03:25
      „Muslime sollen sich nicht für islamistische Terroristen entschuldigen“ – hier stimmen 88% dafür, dass sich Muslime dafür zu entschuldigen haben. Ihr habt sie nicht alle, alle 88%."

      Ich teile Ihren Rückschluss auf die angebliche Meinung von 88% der Leser nicht, weil es bei den Antworten auf die Aussage des Autors zu Missverständnissen gekommen kann.

      Ich habe zu dieser Behauptung gar nicht erst abgestimmt, weil es meines Erachtens nicht um eine Entschuldigung für die Tat eines anderen Menschen gehen kann, sondern lediglich um ein Statement gegen Terrorismus. So verstehe ich jedenfalls die Demos "gegen rechts" unter dem Motto "Wir sind mehr!" Wenn ich es richtig finde, gegen bestimmte Missstände auf die Straße zu gehen, eine Abstimmung mir aber nur die Möglichkeit lässt, mich für oder gegen eine "Entschuldigung" zu positionieren, habe ich zwangsläufig ein Problem. Oder glauben Sie, dass sich alle, die gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit demonstrieren, mit ihrer Aktion bei irgendwem "entschuldigen" wollen?
    2. von Freya Bartels
      Antwort auf den Beitrag von Said Bamutho 25.07.2019, 18:03:25
      Ich weiß nicht, welche Talkshows Sie konsumieren, aber dass dort angeblich "rauf und runter" über Ehrenmorde diskutiert werde, kann ich nicht bestätigen.

      Das Problem der häuslichen Gewalt ist nicht neu, aber gerade die Feministinnen haben sich für die Rechte und den Schutz von Frauen immer wieder eingesetzt. In Deutschland gibt es für Opfer vielfältige Hilfe: sei es per Telefon, durch die Polizei oder in Frauenhäusern. Der Mann hat kein "Züchtigungsrecht", und eine Vergewaltigung ist auch innerhalb der Ehe strafbar. Wer dagegen z.B. in Pakistan Opfer einer Vergewaltigung wird, bei der der Täter nicht der eigene Ehemann war, wird sogar selbst bestraft - wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs.

      Sie schreiben wegen der Morde an Frauen: " Alice Schwarzer und wie sie alle heißen - alle blind, taub und stumm."

      Am 27.2.2019 widmete sich ein Artikel der EMMA diesem Thema, in dem es heißt:

      "Am 13. Februar 2019 meldete die Polizei den achten Frauenmord in Österreich allein in diesem Jahr. Immer sind es Beziehungstaten. Das heißt, die Männer ermorden ihre eigene Freundin/Frau. Und fast immer kommen die Täter aus tief patriarchal geprägten Ländern."

      Dazu, dass es laut Statistik bei uns mehr Täter mit einem deutschen Pass gibt als mit einem ausländischen, bleibt festzuhalten, dass nicht nach kultureller Prägung differenziert wird, und dass der Anteil der Ausländer bei 9,7% an der Gesamtbevölkerung liegt.

      "Asylrecht schreibt keine Assimilation vor, nicht Mal ansatzweise! Asylrecht schreibt auch keine Integration vor!"

      Trotzdem müssen manche Vorstellungen aufgegeben werden, weil unsere Gesetze auch für Ausländer gelten. So können in Deutschland keine Kinderehen geschlossen werden, und Zwangsheiraten verbietet der § 237 Abs.1 StGB. Da die Polygamie, also die Verheiratung mit mehreren Partnern, in Deutschland verboten ist, will die Bundesregierung nun per Gesetz dafür sorgen, dass keine Menschen eingebürgert werden, die im Ausland mehrfach geheiratet haben.
    3. von John Doe
      Antwort auf den Beitrag von Said Bamutho 25.07.2019, 18:03:25
      > "Man spricht über Ehrenmord bei Muslimen, aber nicht über die 140 Frau die jährlich in Deutschland getötet werden - überwiegend von deutschen."

      Das ist eine der schlimmsten Tatsachen in Deutschland überhaupt,da stimme ich Ihnen zu!

      Dennoch sollte man einen Vergleich mit anderen Ländern machen, um die Situation einschätzen zu können.
      In der Türkei sind es 409 getötete Frauen im Jahre 2017, bei 80 Millionen Einwohnern.
      https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/tuerkei-mehr-als-40-prozent-der-frauen-opfer-haeuslicher-gewalt-15483841.html

      Außerdem wäre ich vorsichtig, das "den Deutschen" vorzuwerfen. Das klingt so, als würden Sie vor allem "Bio-Deutsche" meinen.

      Die Statistik meint hier aber deutsche Staatsbürger, was nichts über ihren Migrationshintergrund oder eben Nicht-Migrationshintergrund aussagt.
    4. von M. W.
      Antwort auf den Beitrag von Said Bamutho 25.07.2019, 18:03:25
      Überheblichkeit trieft aus jedem der geschriebenen Worte!

      Ich sage nur eins dazu: Man muss sich im Leben mit nichts abfinden....alles ist veränderbar!!!
    5. von Nelson Semedo
      Antwort auf den Beitrag von Said Bamutho 25.07.2019, 18:03:25
      Stimme dem voll und ganz zu. Die Xenophobie, der Hass und die abgrundtiefe Ablehnung zeigt sich in den Kommentaren. Man kann denken und leben wie man will, solange man sich als Moslem sieht und ein gewisses Äußeres und einen islamischen Namen hat, solange wird man von diesen Leuten als Feind und Krebsgeschwür betrachtet.
  9. von Freya Bartels
    Herr Nakschbandi fragt die Muslime: "Warum nehmt ihr euer Recht der freien Meinungsäußerung nicht wahr?" 

    Dazu möchte ich auch jeden in unserem Land ausdrücklich ermutigen - und die Aussage ergänzen: "und gewährt sie bitte auch jedem Andersdenkenden, damit niemand bei uns wegen irgendwelcher intoleranten und fanatischen Mitmenschen unter Polizeischutz leben muss"!

    Unsere Grundrechte gelten nämlich auch für diejenigen, die eine andere politische Meinung haben oder eine Religion kritisieren bzw. verlassen.
  10. von Willi Sempf
    Sehr geehrter Nutzer, wir haben Ihren Kommentar entfernt, da er gegen unsere Richtlinien verstößt. Bitte bleiben Sie in Ihrer Kritik sachlich und unterlassen Sie pauschale Unterstellungen. Mit freundlichen Grüßen, Ihre Community-Redaktion /sk