Erwiderung auf Walid Nakschbandi Die Mär vom unterdrückten Islam

Bild von Seyran Ateş
Rechtsanwältin in Berlin

Expertise:

Seyran Ateş ist Rechtsanwältin und Autorin türkisch-kurdischer Abstammung. Sie ist Initiatorin und Mitgründerin der liberalen Ibn Rushd-Goethe Moschee in Berlin.

Muslime in Deutschland aufzustacheln, hilft niemandem - sondern spaltet die Gesellschaft. Für eine gelingende Integration hierzulande braucht es vielmehr eine religiöse Bildung, die einen kritischen Diskurs innerhalb des Islams erlaubt.

Der Medienmanager Walid Nakschbandi hat sich am 21. Juli 2019 im Tagesspiegel mit einem engagierten Appell an muslimische Deutsche zu Wort gemeldet: Angst vor dem Islam zu haben, schreibt er, entspreche dem deutschen Zeitgeist und führe zu Hass oder Überheblichkeit. Es sei Zeit, sich endlich zu wehren. Ihm antwortet hier Seyran Ateş.

Mit den Zeilen von Walid Nakschbandi kann ich wenig bis gar nichts anfangen. Diese Wutrede trägt höchstens dazu bei, dass sich Muslime als Gruppe weiter von anderen Religionsgruppen entfernen und hilft keinen Deut bei der Integration von Migrantinnen und Flüchtlingen. Genau wie es die konservativen Islamverbände, die Muslimbruderschaft oder Milli Görüs tun, wird auch in diesem Text eine „Wir gegen sie“-Mentalität geschürt, die unsere Gesellschaft eher zu spalten vermag, als sie zu einen. Was der Autor, der an manchen Stellen richtige Fragen stellt, schuldig bleibt, ist eine befriedigende Antwort. Er appelliert an das Bauchgefühl der Muslime, statt an ihren Verstand. Im Übrigen macht er damit am Ende dasselbe, was er an „den Rechten und Nazis“ kritisiert.

Eine „Wir gegen sie“-Mentalität spaltet die Gesellschaft

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Ich bin selbst Muslimin und selbst Migrantin, die erst im Kindesalter nach Deutschland gekommen ist. Natürlich ist es für manche Muslime in Deutschland nicht einfach, sich zwischen Religionen, Kulturen und Nationalitäten zu orientieren und zurechtzufinden, ich weiß das. Nakschbandi aber wirft umgekehrt den „Deutschen“ pauschal vor, in einer Art Schockstarre gegenüber dem Islam oder Muslimen zu verfallen - inklusive der Politik. Das greift zu kurz. Die Gefahren durch die identitären Kräfte auf Seiten der Muslime und Migranten unterschlägt er vollkommen.

Die Gefahren durch identitäre Kräfte auf Seiten der Muslime werden unterschlagen

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Es braucht niemanden zu wundern, wenn es seitens der Politik Skepsis gegenüber muslimischen Verbänden und dem Dialog mit ihnen gibt. Diese haben über Jahrzehnte bewiesen, dass sie von fremden Ländern oder ausländischen Interessen gesteuert sind und einen echten Dialog ablehnen. Als der türkische Präsident Erdogan sich vor tausenden Fans vor der von ihm finanzierten Kölner Moschee inszenierte, verstand ich die Irritation der Politik und mancher meiner deutschen Freunde nicht. Denn bereits zu Beginn des Moscheebaus hatten Diyanet, die türkische Einrichtung zur Verwaltung religiöser Angelegenheiten und Erdogan klare Signale gegeben, dass es keine offene Moschee sein wird. Die Erdogan vor und in der Moschee zujubelnde Masse hat einmal mehr zum Ausdruck gebracht, dass sie keinen Bezug zu Deutschland haben. Sie feierten sich als Türken und Muslime. Sogar die Straßenabsperrung übernahmen plötzlich türkische Bodyguards, deutsche Polizisten und deren Anweisungen ignorierten sie.

Muslimische Verbände werden von ausländischen Interessen gesteuert und lehnen einen echten Dialog ab

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Falls die Verbände nicht an der Nabelschnur ausländischer Geldgeber hängen, dann hängen Sie häufig an einem Religions- und Moralverständnis, das in Deutschland im Jahr 2019 nichts verloren hat. Wer den Grundkonsens unserer demokratischen Verfassung, inklusive Minderheiten- und Frauenrechte nicht oder nur widerwillig akzeptiert, der kann auch kein vollwertiger Gesprächspartner sein.
Es ist mir auch zu billig, jegliche Islamkritik ins rechte Eck zu stellen. Religionskritik war schon immer Teil einer Religion. So war und ist es auch im Islam. Natürlich kläffen heute Populisten laut und das ist abzulehnen. Aber es gibt Fakten an denen kommt man dennoch nicht vorbei. Die Krise der politischen Mitte ist mitunter ein Resultat der Ignoranz gegenüber Fakten, die Menschen Unbehagen bereiten.

Muslimischen Verbänden fehlt ein modernes Religions- und Moralverständnis

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Ich betreibe eine liberale Moschee in Berlin. Und von wem bekomme ich Morddrohungen, Häme und Hetze? Zu 98 Prozent von Muslimen, die mich als Nestbeschmutzerin hinstellen. Und linksgerichtete Postkolonialisten betrachten mich als Provokation für arme konservative Muslime. Ja, ich als Muslimin fürchte mich mehrheitlich vor Muslimen. Damit rede ich weder die rechte Gefahr klein, noch verharmlose ich widerliche, rassistische Anschläge.
Wenn Nakschbandi sagt, dass die Assoziation mit dem Islam in den letzten Jahren häufig mit Terror, Gewalt verbunden war, dann antworte ich: Ja, leider ist das so. Aber es sind in den letzten Jahren hunderte Menschen in Europas Metropolen durch diesen Terror im Namen Allahs ums Leben gekommen. Wer objektiv und differenziert schreiben will, darf nicht verallgemeinernd nur die Rassisten auf der Seite der Deutschen betrachten, sondern muss ehrlich genug sein und beschreiben, wie rassistisch und deutschenfeindlich manche Muslime und Migranten sind - obwohl sie in freiwillig in Deutschland leben.

Manche Muslime sind rassistisch und deutschenfeindlich

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Nakschbandi schreibt, die Popularität des Namens Mohammeds würde in Deutschland hysterisch als Beleg für die Islamisierung gesehen. Wenn Kinder schon früh in ein Weltbild gepresst werden, das später in einem offenen Konflikt mit der Gesellschaft ausarten muss, dann werden die Namen der Kinder zum Symbol. Mädchen im Volksschulalter mit Kopftuch heißen leider selten Emma. Und Jungs, die während des Ramadan vor Hunger und Durst umfallen, heißen auch selten Jens. Es geht nicht um Namen, sondern um das soziale Konstrukt, das Eltern um ihre Kinder herum bauen, und das besorgte Lehrkräfte wie ich in ganz Deutschland wiedererkennen.

Wie verschafft man sich Respekt?, fragt Nakschbandi. So wie auf dem Schulhof, wie er suggeriert? Durch Machogehabe und Einschüchterung etwa? Nein. Ich glaube, dass nur Weltoffenheit, gewinnende Argumente und die Akzeptanz der gemeinsamen humanistischen Grundwerte wechselseitigen Respekt einbringen werden. Auf Augenhöhe begegnen, wie es der Autor fordert, heißt auch dem Anderen ebenbürtig sein. Der wichtigste Baustein dafür wäre Bildung, insbesondere religiöse Bildung, die kritischen, reflexiven Diskurs erlaubt. Es gibt leider zu wenige Hochschulen, die einen modernen, progressiven Islam lehren und vermitteln. Was es aber häufig gibt, sind Einrichtungen wie das europäische Zentrum für Humanwissenschaften, das die Muslimbrüder in Frankfurt betreiben. Der Dekan des Zentrums, Khaled Hanafy, teilt ausschließlich auf Arabisch seine Lehre mit Muslimen. Er ist auch einer der Vertreter des so genannten Fatwarates, der Muslimen in Europa Orientierung geben soll. Leider sind die Ansichten dieses Rates eher eine Bedrohung für Muslime, denn eine Hilfestellung im Alltag.

Der Schlüssel ist eine religiöse Bildung, die kritischen, reflexiven Diskurs erlaubt

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Ich weigere mich entschieden in den unsäglichen, Jahrzehnte andauernden Chor über die „armen und unterdrückten Muslime“ und „die deutschen Täter“ einzustimmen. Jede und jeder kann sein Leben in die Hand nehmen und Deutschland bietet uns allen die besten Voraussetzungen dafür. Niemand sagt, dass es leicht ist, möglich ist es aber allemal. Das beweist auch die berufliche Karriere von Walid Nakschbandi. Der Schlüssel zu Integration ist die Bildung - inklusive Demokratie- und Wertevermittlung. Hier gibt es viel zu tun. 

38 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Rainer Auerbach
    Dass die Autorin angesichts der Zeilen und des einseitigen Aufrufs von Herrn Nakschbandi doch ihre differenzierte Sicht entgegenhält und sich erkennbar um Einsichten bemüht, ist besonders anerkennenswert.

    Ich erlebe in der Schule in Kreuzberg, wie differenzierte Sichtweisen vermittelt, wie unterschiedliche Lebensweisen und die Religionen erlebbar gemacht, wie rechtsstaatliche Errungenschaften vermittelt werden. Und ich bekomme mit, wie Zuhause oder im Viertel oder in der Community die "Vorbilder" für Unsicherheiten und Zwiespalt bei den Schülerinnen und Schülern sorgen.

    Der hier propagierte Ansatz zur (religösen) Bildung, allerdings durch alle Altersschichten, bleibt der einzige -sicher mühevolle und langwierige- Weg, um Verbesserungen zu erzielen und das Miteinander zu stärken.

    Danke für diese klaren Aussagen.

  2. von Robert Moll


    Danke an Frau Ates für diesen Kommentar

    Man fragt sich ja manchmal, wenn man sich über manche Texte oder Wortbeiträge (maßlos) ärgert, weil sie der überwiegenden Mehrheit der deutschen Gesellschaft bitter unrecht tun , ob man selbst schon verblendet und reaktionär geworden ist.
    In diesem Fall hilft mir der Beitrag von Frau Ates sehr zu meiner eigenen Selbstbestimmung

    Und ja vielleicht noch ein (Nach-) Wort zu dem Text von Herrn Nakschabandi : Grass überzogene Forderungen und (Falsch-) Behauptungen, gegenüber der überwiegenden Mehrheit der deutschen Bevölkerung fördern eher Abneigung und Abgrenzung als dem positiven Dialog
  3. von Freya Bartels
    Ich bewundere Ihren Mut, Frau Ates, weil Sie sich trotz Morddrohungen und Hetze nicht den Mund verbieten lassen!
  4. von Hara Winkler
    Meine Erfahrungen und Ansichten zum Thema Islam sind ähnlich wie die von Frau Ateş, und das, obwohl ich kein religiöser Mensch bin. Mich interessiert auch weniger der Inhalt von Religion als deren Darstellung und Auswirkung in der Gesellschaft. Es ist also ein Blick von außen.

    Frau Ateş meint für eine "gelingende Integration" wäre ein anderer Islam notwendig, einer der "einen kritischen Diskurs innerhalb des Islams erlaubt". Nur frage ich mich, wo dieser neue Islam herkommen sollte. Muslime, die Kritik erlauben, die entwickeln sich weg von der Religion, die werden mehr oder weniger sekular. So wie das bei den Christen heute in unserer rationalen Zeit auch üblich ist. Deshalb denke ich, dass für eine gelingende Integration mehr Allgemeinbildung nötig ist und nicht mehr religiöse Bildung. Ich halte auch Religionsunterricht an staatlichen für antiquiert.
  5. von Jo Eck
    DANKE!
  6. von Frank Fidorra
    Danke an Frau Ateş für die offenen, mutigen und absolut richtigen Worte.

    Zwei Punkte finde ich besonders wichtig:
    1. Wir brauchen einen europäischen Islam, eine Auslegung, die mit unserer Art zu leben kompatibel ist. Dafür müssen alle ausländischen Einflüsse zurückgedrängt werden, auf Moscheen, auf Benennungen von Imamen, auf Interessenverbände des Islam, etc..
    2. Bildung ist ein überaus wichtiger Faktor. Ich sage dies ausdrücklich auch vor dem Hintergrund der Bildungsmisere in Deutschland und insbesondere in Berlin. Auch das Christentum konnte ausgehend vom "finsteren Mittelalter" erst durch Aufklärung und Bildungsbürgertum zivilisiert werden.
    1. von Siegfried Precht
      Antwort auf den Beitrag von Frank Fidorra 24.07.2019, 09:26:49
      Wer vom europäischen Islam redet, verdrängt dabei, dass Veränderungen der Texte und deren Auslegungen im Islam mit Apostasie gleichgesetzt werden. Das gilt im Islam als Todsünde, die in einigen muslimischen Staaten mit drakonische Strafen, bis hin zur Todesstrafe belegt sind. Eine Reformation, wie im Christentum vollzogen steht noch immer aus.
    2. von Hartmut Zeeb
      Antwort auf den Beitrag von Siegfried Precht 24.07.2019, 17:12:32
      Das ist der Punkt!
    3. von Frank Fidorra
      Antwort auf den Beitrag von Siegfried Precht 24.07.2019, 17:12:32
      Die Reformation des Christentums ist auch von Europa, genauer gesagt von Wittenberg ausgegangen. Warum sollte uns*/ eine Reformation des Islam nicht gelingen? Dass wir uns damit mit Salafisten anlegen, sollte uns nicht abhalten.

      */ "wir, uns" = deutsche -, EU-, europäische Muslime mit Unterstützung der jeweiligen Zivilgesellschaft
    4. von Petra Bleiweiss
      Antwort auf den Beitrag von Frank Fidorra 25.07.2019, 09:26:18
      Sind Sie Muslim?
      Wenn nicht, dann sind Sie kein Teil des "Wir" von dem Sie schreiben. Dann ist eine Reformation des Islam schlicht nicht Ihre Angelegenheit.

      Reformationen sind unvermeidlich ausschließlich die Angelegenheit derer, die Anteil haben an dem, was da reformiert werden soll.

      Sache der Nichtmuslime ist es wiederum, auf die Wahrung ihrer eigenen Belange zu achten - z. B. darauf, dass das von Herrn Nakschbandi befürwortete Hervorkehren muslimischen Stolzes wie "auf deutschen Schulhöfen" nicht zu Mobbing und Gewalt gegen Nichtmuslime führt.
    5. von Hara Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Petra Bleiweiss 25.07.2019, 13:10:35
      "Reformationen sind unvermeidlich ausschließlich die Angelegenheit derer, die Anteil haben an dem, was da reformiert werden soll."

      Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Selbst Luthers Reformation wäre ohne Anstoss und Unterstützung von außen (nämlich weltlicher Fürsten) nicht weit gekommen. Man kann sogar die Refomation als eine Art Nebenprodukt im Machtgerangel des ausgehenden Mittelalters betrachten.
    6. von Petra Bleiweiss
      Antwort auf den Beitrag von Hara Winkler 25.07.2019, 13:59:14
      > Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Selbst Luthers Reformation wäre ohne Anstoss und Unterstützung von außen (nämlich weltlicher Fürsten) nicht weit gekommen. <

      Ich fürchte, das ist nicht einmal eine halbe Wahrheit, sondern völlig falsch.

      Natürlich waren die Fürsten Christen (welcher Art auch immer), und als Mächtige ihrer Zeit waren sie auch in besonderem Maße in die Religionskämpfe involviert, die wegen der engen Verschränkung weltlicher und geistlicher Macht gleichzeitig politische Machtkämpfe waren. Aber eben deshalb befanden sich die Fürsten keineswegs "außen". Der Augsburger Religionsfrieden drückt die maximale Beteiligung der Fürsten an Religionsbelangen mit der Regel "Cuius regio eius religio" als Quintessenz aus.

      Hätte dagegen z. B. der türkische Sultan die Reformation im Alten Reich gefordert und unterstützt, dann hätte das dem entsprochen, was Frank Fidorra nun in umgekehrter Richtung befürwortet.

      Es ist übrigens keineswegs, so dass ich etwas gegen eine Reformation des Islam zu einer europäisierten Variante hätte. Aber ich bin der Meinung, man erschwert jedes Vorhaben dieser Art nur durch entsprechende Forderungen eines außenstehenden "Wir".

      Im günstigsten Fall werden solche Einmischungen von Muslimen überhört, im ungünstigsten führen sie zu verstärktem Widerstand dagegen.

      Die Beschaffenheit einer Religion kann nun einmal nur von denen bestimmt werden, die ihr angehören. Wer nicht dazugehört, kann nur entscheiden, wo der jeweiligen Religion Grenzen gesetzt werden sollen.
    7. von Frank Fidorra
      Antwort auf den Beitrag von Petra Bleiweiss 25.07.2019, 14:53:23
      Punkt 1:
      Wir sollten die Analogie Islam - Christentum nicht zu weit treiben. Es gibt einen wichtigen Unterschied: im Christentum gibt es eine (1) anerkannte Autorität, die für die Interpretation der Glaubensgrundsätze zuständig ist. Auch unter den nicht-katholischen Glaubensrichtungen genießt der Papst hohes Ansehen. Im Islam gibt es diese zentrale Autorität nicht (von einigen selbsternannten Kalifen abgesehen). Das gibt den europäischen Muslimen durchaus die Möglichkeit, eine eigene Interpretation des Islam zu prägen.

      Punkt 2:
      Ich stimme Ihnen und Frau Bleiweiss durchaus zu, dass die Initiative von den Muslimen ausgehen muss, wie es im Fall der Frau Ateş und ihrer Moschee ja auch passiert. Die gesamte Zivilgesellschaft, also wir alle, können, dürfen und sollten diesen Prozess allerdings unterstützen, z.B. indem wir ihn z.B. gegen die Sabotage von fundamentalistischeren Systemen im Ausland beschützen und abschirmen.
    8. von Petra Bleiweiss
      Antwort auf den Beitrag von Frank Fidorra 25.07.2019, 15:32:45
      zu Punkt 1: Die Analogie Islam - Christentum ergibt sich nun einmal unvermeidlich aus der Forderung nach einer Reformation des Islam in Analogie zur Reformation im Christentum.

      Dass die Struktur der christlichen Kirchen eine ganz andere ist, ist hinlänglich bekannt. Allerdings unterscheiden sich diesbezüglich auch evangelische und katholische Glaubensgemeinschaften deutlich, und die Kritik am Papsttum als absolutistischer Religionsform war ein zentraler Kritikpunkt der Reformatoren.

      Selbstverständlich haben Muslime die MÖGLICHKEIT, einen europäisierten Islam zu leben - da liegt doch gar kein Problem. Entscheidend ist vielmehr, ob speziell diejenigen, die durch ihre konservative bis reaktionäre religiöse Praxis als schlecht integriert empfunden werden, überhaupt das BEDÜRFNIS nach einer Reformation des Islam haben.
      Tatsächlich sind ja gerade sie es, denen an der theologischen Freiheit gar nicht sonderlich liegt, die der Islam ihnen ermöglicht, sondern die sich nach autoritären Formen des gelebten Islam richten wollen.

      zu Punkt 2: Ich bin Frau Bleiweiss :-)
      und ich freue mich, dass wir in diesem Punkt einer Meinung sind. Ich meine nur, dass man sich davor hüten sollte, die Sympathie der Nichtmuslime für bestimmte Richtungen des Islam allzusehr nach außen zu kehren - das könnte für diese eher zum Bumerang werden.
    9. von Frank Fidorra
      Antwort auf den Beitrag von Petra Bleiweiss 25.07.2019, 13:10:35
      Zitat:
      "Reformationen sind unvermeidlich ausschließlich die Angelegenheit derer, die Anteil haben an dem, was da reformiert werden soll."

      Das stimmt deshalb nicht, weil wir ja offenbar nicht nur unter Salafismus in unserem Land (und dieses Mal meine ich uns alle) leiden, sondern auch unter den Parallelgesellschaften, die sich unter dem Einfluss eines fundamentalistische Islam zwangsläufig bilden. Wie es im Artikel von Frau Ateş gut beschrieben wird. Insofern ist das alles eben nicht nur eine Frage, die die Muslime in unserem Land angeht, sondern eine Frage, die uns alle betrifft.
    10. von Petra Bleiweiss
      Antwort auf den Beitrag von Frank Fidorra 25.07.2019, 14:50:42
      > Das stimmt deshalb nicht, weil wir ja offenbar nicht nur unter Salafismus in unserem Land (und dieses Mal meine ich uns alle) leiden, sondern auch unter den Parallelgesellschaften, die sich unter dem Einfluss eines fundamentalistische Islam zwangsläufig bilden. <

      Richtig, aber dem kann man nicht durch die Reformation einer Religion begegnen, der man persönlich gar nicht angehört.

      Von außen gibt es nur eins: Dafür zu sorgen, dass niemand unter den Ansprüchen und Auswüchsen anderer zu leiden hat - auch dann nicht, wenn sie als "praktizierte Religion" erscheinen. Im liberalen Verzicht darauf liegt der Fehler. Niemand zwingt "uns" dazu, unter religiös begündetem Verhalten zu leiden - höchstens wir selbst.

      Ich kenne Ihr religiöses Bekenntnis nicht und weiß nicht, ob Sie überhaupt einer Religion angehören, aber stellen Sie sich vor, Sie würden unter Menschen leben, die ihr Bekenntnis mehrheitlich nicht teilen, und diese Menschen würden nun erwarten, dass Sie Ihr Weltbild verändern, damit es mit dem der Mehrheit besser kompatibel wird. Wie würden Sie das empfinden?

      Wenn Sie sich ferner überlegen, dass es sich bei den Muslimen, die Ziel solcher Vorstellungen sind, ja eben nicht um tolerante, aufgeklärte Bürger handelt, sondern um Menschen, die ihre Identität gerade aus einem Beharren auf einer besonders konservativen bis reaktionären Variante des Islam beziehen, dann wird Ihnen einleuchten, dass solche Wünsche dazu angetan sind, eher eine verstärkte Wagenburgmentalität hervorzurufen.
  7. von Simone Meier
    Sehr geehrte Userin, dieser Kommentar wurde gelöscht, weil er pauschale Unterstellungen enthielt. Bitte verzichten Sie darauf. Mit freundlichen Grüßen Ihre Community-Redaktion / ah
  8. von Karin Riemann
    Sehr geehrte Userin, dieser Kommentar wurde gelöscht, weil er pauschale Unterstellungen und unsachliche Sprache enthielt. Bitte verzichten Sie darauf. Mit freundlichen Grüßen Ihre Community-Redaktion / ah
    1. von Hara Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Karin Riemann 23.07.2019, 20:22:29
      Auch auf "pauschale Unterstellungen und unsachliche Sprache" kann man sachlich antworten. Eine Zensur unterbindet eine notwendige Auseinadersetzung und es fördert das, was regelmäßig kritisiert wird: Das Verbleiben in der jeweils eigenen "Meinungsblase".
      Sehr geehrte/r User*in, eine Zensur findet nicht statt. Wir behalten es uns vor, solche Inhalte nicht zu veröffentlichen, die nicht im Einklang mit unseren Richtlinien stehen. Mit freundlichen Grüßen Ihre Community-Redaktion / ah
    2. von Jürgen Link
      Antwort auf den Beitrag von Hara Winkler 24.07.2019, 12:36:00
      >>Sehr geehrte/r User*in, eine Zensur findet nicht statt. Wir behalten es uns vor, solche Inhalte nicht zu veröffentlichen, die nicht im Einklang mit unseren Richtlinien stehen.
    3. von Jürgen Link
      Antwort auf den Beitrag von Jürgen Link 24.07.2019, 19:00:56
      Der Post vorher ist irgendwie verunglückt, deswegen noch mal:
      >>Sehr geehrte/r User*in, eine Zensur findet nicht statt. Wir behalten es uns vor, solche Inhalte nicht zu veröffentlichen, die nicht im Einklang mit unseren Richtlinien stehen.
    4. von Jürgen Link
      Antwort auf den Beitrag von Jürgen Link 24.07.2019, 19:07:22
      Ich weiss nicht warum? Doch es werden immer nur die ersten 2 Zeilen gepostet. Löschen Sie das bitte. Ich versuche es noch ein letztes Mal.


      Zitat "Sehr geehrte/r User*in, eine Zensur findet nicht statt. Wir behalten es uns vor, solche Inhalte nicht zu veröffentlichen, die nicht im Einklang mit unseren Richtlinien stehen."

      Das sieht aber sehr nach Zensur aus. Sofern es sich bei Beiträgen nicht um eindeutige, herabwürdigende Beschimpfungen handelt, wäre es besser, argumentativ zu antworten anstatt mit einem pauschalen Verweis auf angebliche Unsachlichkeit einfach zu löschen.
    5. von Gerd Abraham
      Antwort auf den Beitrag von Jürgen Link 24.07.2019, 19:12:18
      "Was ist Causa?

      Causa ist das Debattenportal des Tagesspiegels. Causa steht für Meinungsvielfalt."

      So steht es doch eigentlich im TSP! Wie verträgt sich das mit einer doch offensichtlichen Zenur. Wenn man dem User die Möglichkeit gibt, einen nicht zu akzeptierenden Kommentar zu melden, sollte DAS der Maßstab für eine Merinungsvielfalt sein.

      Abgesehen davon, wird es bei einer Definition der Begriffe "pauschal" und "unsachlich" unterschiedliche Ansichten geben.
    6. von Hartmut Zeeb
      Antwort auf den Beitrag von Gerd Abraham 24.07.2019, 20:21:37
      Das sehe ich auch so. "Zensur findet nicht statt, aber was Zensur ist, bestimme ich." Persönliche Beleidigungen würde ich auch nicht veröffentlichen, aber vieles ist eben doch Meinung. Und Meinung sollte frei sein. Was in manchen Kommentaren von Redaktionsmitgliedern steht, ist gewiss auch nicht immer veröffentlichungswürdig, wenn man es eng sieht. Trotzdem möchte ich es lieber lesen - und mich ggf. darüber ärgern und damit auseinandersetzen.
    7. von Hara Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Jürgen Link 24.07.2019, 19:12:18
      Heinrich Heine und Karl Marx gingen ins Exil nach Paris oder London, weil sie in Deutschland nicht zu Wort kamen. Heute gehen die Nichtzuwortgekommenen ins Exil in ihre "Meinungsblase".

      Im Zuge der Liberalisierung ist auch die Zensur privatisiert worden.

    8. von Jürgen Link
      Antwort auf den Beitrag von Hara Winkler 25.07.2019, 08:23:44


      Zitat: "Causa steht für Meinungsvielfalt. ......Wir laden Sie ein, die Argumente zu bewerten und mitzudiskutieren.

      Ich finde, dass es sich die Causa-Redaktion zu einfach macht, wenn sie Diskussionsbeiträge wie die zum Artikel von Herrn Nakschbandi gleich im Dutzend löscht mit dem ganz pauschalen Verweis :
      "Kommentar wurde gelöscht, weil er pauschale Unterstellungen und unwahre Behauptungen enthielt. "

      Da die Leute hier nicht anonym, sondern unter ihrem vollen Namen posten, gehe ich schon deswegen davon aus, dass die meisten der gelöschten Beiträge keine wüsten Beschimpfungen oder Diffamierungen enthielten.

      Falls ein solcher Post aber wirkliche oder auch nur angebliche Fakten enthält, die ggf. auch noch mit Zitaten belegt werden, würde es sich gehören, dass dies zur Diskussion gestellt und nicht einfach gelöscht wird.

      Wenn dort aufgestellte Behauptungen fragwürdig sind, können sie drucktechnisch markiert oder mit einem Kommentar versehen werden, der noch mal zum Nachdenken oder Überprüfen anregt. Doch Beiträge einfach ohne jede Nachvollziehbarkeit zu löschen, das hat ein "Geschmäckle" und hilft dem Debattenportal und der Debatte in keiner Weise. Im Gegenteil, es tötet die Debatte.

      Wie soll ich "Argumente bewerten", wenn die Redaktion verhindert, dass ich sie überhaupt zur Kenntnis nehmen kann?
      Und dem Debattenteilnehmer zu unterstellen, dass er nicht in der Lage ist, wahre von unwahren Behauptungen zu unterscheiden, wäre vielleicht ein wenig überheblich.

      PS: Die Richtlinie:
      "....Stigmatisierungen aufgrund von Abstammung, Weltanschauung, religiöser Zugehörigkeit, ..........."

      Diese Richtlinie verlangt Selbstverständliches. Das Problem besteht darin, dass es in Deutschland lautstarke Gruppen gibt, die teilweise erfolgreich versuchen, jede Diskussion über oder Kritik an einer Religion als Stigmatisierung und sogar Rassismus??? zu brandmarken Ich hoffe, die Redaktion wird davon nicht beeinflusst.
    9. von Hara Winkler
      Antwort auf den Beitrag von Jürgen Link 25.07.2019, 10:40:45
      Wenn ein Nazi schreit, "Ich bin stolz ein Deutscher zu sein", dann entspricht das in der Intention Nakschbandis Forderung "Muslime, seid stolz!".

      Einmal wird das Nationale in den Vordergrund geschoben, und mit ihr die nationale Gruppe, das andere mal das Religiöse, und damit die religiöse Gruppe. Beides dient der Abgrenzung zu anderen - für ein friedliches Zusammenleben alles andere als förderlich.
      Auf diesen Sachverhalt hat Seyran Ateş mit ihrem Beitrag hingegewiesen.

      Allerdings halte ich die Lösungsvorschläge von Seyran Ateş, "mehr religiöse Bildung" für kontrapoduktiv, ebenso die Forderung nach kritischer religiöser Bildung. Das wäre ein Widerspruch in sich, denn Religion mag keine Kritik, sie lebt vom reinen Glauben. Als Kontrapart (in der Entwicklung zur Veränderung) agiert immer die gesellschaftliche Wirklichkeit.