Hassbotschaften: Wie repariert man die Debatte im Netz? Hatespeech kann in reale Gewalt umschlagen

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demnächst CvD für Audience Development Spiegel Online

Expertise:

Carline Mohr war Head of Social bei „Bild“ und wird demnächst CvD bei Spiegel Online für Audience Development. Sie bloggt und twittert als "Mohrenpost".

Hassbotschaften im Netz können sehr reale Konsequenzen haben, warnt die Social Media Expertin und Bloggerin Carline Mohr. Wie Medienunternehmen dagegen halten können, welche es gut machen - und welche den Hass selbst anfachen.

Der Hass bleibt nicht im Internet, Extremismusforscher gehen davon aus, dass er in Gewalt mündet. Die Gefahr ist real.

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Eines Vorweg: Hatespeech im Netz ist nicht nur ein Problem der Netzwerke oder Plattformbetreiber. Nicht nur ein Problem der Medienhäuser und Social-Media-Teams. Hatespeech ist ein gesellschaftliches Phänomen. Ein politisches Problem. Hatespeech ist eine reale Gefahr. Unaussprechbares wird plötzlich aussprechbar. Es wird geliked, geteilt, gefeiert. In den Sozialen Medien wird Hass gesät und Bestätigung geerntet. Und der Hass bleibt nicht im Internet. Extremismusforscher gehen davon aus, dass der Hass in Form von Gewalt auf der Straße landet.

Wir brauchen, wie etwa Julia Schramm gefordert hat, digitale Streetworker, um organisiertem Hass zu begegnen.

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Deshalb glaube ich, dass man auf allen Ebenen reagieren muss. Plattformen, Medien, Staat, Justiz und Zivilgesellschaft können einen Beitrag leisten, um die Debatte im Netz zu kultivieren. Und das tun sie an vielen Stellen ja bereits. Vor allem aber glaube ich, dass man mittelfristig nicht „nur“ die Symptome bekämpfen bedarf. Die ehemalige Piraten-Politiker und Mitarbeiterin der Amadeu-Antonio-Stiftung, Julia Schramm, hat beispielsweise in einem Aufsatz digitale Streetworker gefordert, um organisierte Hetze und rechten Terror, der sich im Netz verbreitet bei der Wurzel zu packen. Das finde ich einen spannenden Ansatz.

Die Medien selbst können viel tun, um einen gute Debattenkultur zu fördern.

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Medien können: Rechtspopulisten löschen, blockieren und anzeigen. Sichtbar machen, dass rechte Hetze im Netz Konsequenzen hat - so wie es die Stiftung Warentest, getan hat, als sie einen „Bußgeldkatalog für Hasskommentare“ veröffentlicht hat. Medien können diskutieren, reagieren, aufklären, einordnen. Sie können die eigene Community stärken und Counterspeech, also Gegenrede, unterstützen. Sie können Stellung beziehen, mit Humor reagieren, Präsenz in Facebook-Diskussionen zeigen. Sie können ihre Reporter und Redakteure darin bestärken, sich zu wehren, sich zu zeigen und mit den Nutzern zu diskutieren. Sie können verschiedene Tools und Kommentarmodelle ausprobieren, um herauszufinden, welche Art der Debatte für ihre eigene Community und für ihre Marke am geeignetsten ist. Was man niemals vergessen darf: Um all das leisten zu können, braucht es Ressourcen.

Manche Medien, wie die Huffington Post und der Focus, triggern bewusst rassistische Ressentiments in Sozialen Medien.

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Ich finde es ermutigend, wie viel Zeit, Geld, Gedanken und Personal zahlreiche Publikationen investieren, um Hatespeech entgegenzuwirken und die Debattenkultur zu fördern: Ein Beispiel für eine humorvolle Herangehensweise und das Vorführen von Nutzern gibt "Die Welt". Der Tagesspiegel und Zeit sind ein gutes Beispiel für Counterspeech, indem sie gute Zitate aus der Community in Form von "Quotecards", Zitaten, auf Facebook zeigen. Die SZ experimentiert mit Kommentierungsmöglichkeiten, indem sie nur ausgewählte Artikel freigibt und diese mit hohem Aufwand moderiert. Und die Krautreporter stellen immer wieder Fragen der Community in den Vordergrund und geben Antworten in Form von Artikeln. Gegenbeispiele sind die Huffington Post und Focus, die bewusst rassistische Ressentiments in den Sozialen Medien triggern. Und dann gibt es Beispiele für Reporter, die öffentlich mit Hatespeech umgehen: Dunja Haylali.

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Hass im Netz: Wie sich die Debattenkultur verbessern lässt.

Dieser Text ist Teil der Dokumentation eines Redaktionsworkshops, zu dem Tagesspiegel Causa, das Online-Debattenmagazin des Tagesspiegels, im Mai 2015 eingeladen hat. Alle Beiträge unter anderem von Ingrid Brodnig (Autorin von "Hass im Netz"), Gerd Billen (Bundesjustizministerium) und Winfried Wenzel (Polizei Berlin) sowie eine grafische Übersicht über die wichtigsten Argumente finden Sie hier.

Außerdem aktuell debattiert auf Tagesspiegel Causa: Referenden in der EU: Machen die Bürger Europa kaputt?

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